06. Sound- Rockmusik

 

Sound: Rock (Glamrock /Heavy Metal) Heavy metal guitarist Stock Photo - 3769073

1. Hardrock -Phase 1     (Fortführung 60er Jahre)
2. Glamrock
3. Hardrock -Phase 2     (Heavy Metal)

 

1. Hardrock – Phase 1  (1968 bis 1975 )

Ergänzend zur Betrachtung über den Hardrock sollen hier speziell auf die dominierenden Stilarten der 70er Jahre eingegangen werden. Im Rahmen der Thematik informieren Sie sich bitte über die Anfänge und Entwicklungen des Hardrock in der Rubrik der 60er Jahre (Sound-Hardrock). Erinnernd sei gesagt, dass die Jahre 1970 und 1971 als Höhepunkt der Urrockphase galten. Gruppen wie Led Zeppelin, Deep Purples, Black Sabbath, Uriah Heep und Jethro Thull gelangen bemerkenswerte Musikstücke. Insbesondere die Rockstücke „ Child in Time“ (Deep Purples - 10.16 min.), „Stairways To Haven“ (Led Zeppelin - 8 min.) und „Lady in Black“ (Uriah Heep) von 1971 wurden zu ewigen Klassikern der Rockmusik.
Kommerziell wurde der Hardrock ab 1971 ins Abseits gedrängt und Ende 1972 dominierte der Glamrock. Zeitgleich entwickelte der Progressive Rock neue Spielarten, die Aufsehen erregten und maßgeblich zur Grundlage des späteren New Waves wurde.

Progressiv Rock: Die Musik hat seine Wurzeln im Psychedelicrock, mit Einflüssen aus dem Jazz, Folk und Weltmusik. Neben der klassischen Besetzung einer Rockband (Leadgitarre, Bass und Schlagzeug) werden orchestrale Streich- und Blechblasinstrumente typisch. Beliebt sind Trompete, Saxophon, Querflöte und Kontrabass. Im Zuge der Entwicklung spielte die elektronische Hammond-Orgel eine besondere Rolle und die verbesserten Synthesizer wurden prägend für eine spezifische Richtung. Eine Reihe von namhaften Bands bildete sich und in der nachfolgenden Liste, sind zudem eine Auswahl der bekanntesten LPs der Gruppen aufgeführt.


Procol Harum: „Shine on Brightly” (1968), „A Salty Dog” (1969), „Broken Barricade” (1971)
King Crimson: „In the Wake of Poseidon“ (1970), „Lizard“ (1970), „Larks' Tongues in Aspic“ (1973)
Pink Floyd: „Meddle“ (1971), „The Dark Side of the Moon“ (1973), „Wish You Were Here“ (1975)
Emerson, Lake & Palmer: „Pictures at an Exhibition“ (1971), „Tarkus“ (1971), „Trilogy“ (1972)
Jethro Tull: „Aqualung“ (1971), „Thick as a Brick“ (1972); „A Passion Play“ (1973)
Yes:  „The Yes Album“ (1971), „Fragile“ (1971), „Close to the Edge“ (1972), „Relayer“ (1974)
Genesis: „Nursery Cryme“ (1971), „Foxtrot“ (1972), „Selling England by the Pound“ (1973)
Mike Oldfield: „Tubular Bells“ (1973), „Hergest Ridge“ (1974), „Ommadawn“ (1975)
Manfred Mann's Earth Band: „Messin' (1973), „Solar Fire“ (1973), „Nightingales & Bombers“ (1975)


In vielen Ländern beeinflusste die spezifische Rockart die nationale Musikszene.
Aus der DDR wurden die Gruppen Stern Combo Meißen, Lift und Electra international bekannt. Von der BRD Musikszene sind Grobschnitt, Novalis und Hoelderlin zu erwähnen. Bekannter wurde in der Bundesrepublik der Krautrock. Die Unterart des progressiven Rocks war überwiegend eine experimentelle Instrumentalmusik, die besonders mit dem Synthesizer ungewöhnliche Klangstrukturen erzeugte. In Anlehnung an dem Sound von Emerson Lake & Palmer kreierten deutsche Musiker ihren eigenwilligen Sound.

Der Name der Musikform Krautrock basiert auf die englische Bezeichnung für die Deutschen. Der eigentlich abfällige Begriff ist ein Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg und charakterisiert überzogen die Vorliebe der Deutschen für Sauerkraut (aber auch Rot- und Weißkohl). Näheres über den Krautrock wurde bereits bei „Popmusik in Deutschland“ erläutert. Resümierend soll der internationale Erfolg von Kraftwerk und Tangerine Dream betont werden. Beide Gruppen wurden zur Inspirationsquelle des deutschen New Waves, der sich Neue Deutsche Welle (NDW) nannte.  
Unter dem Sammelbegriff Art-Rock werden einige Bands geführt, die musikalisch Klänge erzeugten, die nicht einzuordnen waren. Art-Rock wird auch als Kunstrock bezeichnet, eben wegen der Umsetzung einer inspirativen Idee und dem erzeugen künstlicher elektronischer Klänge. David Bowie beispielweise erzeugte eine galaktische Stilrichtung, die sich auch Space-Rock nannte. Bereits 1966 wurde Peter Thomas zum Vorreiter der Richtung durch  die Musik zur deutschen TV-Serie „Raumpatrouille Orion“ und der Rolling Stones Song „2000 Light Years From Home“ von 1968 war ebenso ein Meilenstein. Mit der LP „Meddle“ flog Pink Floyd ins All, sowie UFO mit der LP „Flying“ und die Manfred Mann Earth Band mit „Solar Fire“. Einen Superhit hatte 1972 die Gruppe Hawkwind mit „Silvermashine“.
Mit Hot Butter („Popkorn“) und Dan the Banjoman verschwanden die Rockelemente aus der Musik und der Spacesound wurde zunehmend elektronischer (siehe Electronics - New Wave). Mit eigenartigen Klängen wurde Roxy Music bekannt. Mit einem gebrochenen Rocksound, der mehr für den Reggae typisch war, schufen Brian Ferry, Brian Ono und Andy Mackay eine bizarre Musik. Der unruhige Stil, mit häufig gesprochenem Gesang und dem punktierten Einsatz vom Saxophon, verlieh der Musik etwas Besonderes. Der Sound wurde von der Fachpresse zunächst als Rocking Rock bezeichnet. In ähnlicher Form bedienten David Essex, Tim Curry, Steve Harley & Cockney Rebel und Mott the Hoople die Richtung und auch die US Band Sparks kann dazu gerechnet werden.  


Hits des Rocking Rock:
Roxy Music: „Virginia Play“ (1972), „For You Pleasure” (1974), „Love Is The Drug“ (1975)
David Essex: „Rock on“ (1973), „Lamplight“ (1973), „ I’m Gonna Make You A Star” (1974)
Steve Harley & Cockney Rebel: „Sebastian”(1973), „ Make Me Smile” (1975), „Mr. Raffles”
Mott the Hoople: „All the Young Dudes” (1972), „Roll Away The Stone” (1973)
Hurricane Smith: „Don’t Let It Die” (1971), „Oh Baby What Would You Say” (1972)
Tim Curry: „I Do The Rock” (1979) und die Songs aus der Rocky Horror Picture Show


Die meisten Interpreten verschwanden nach kurzer Zeit oder wechselten das Genre. Lediglich Roxy Music veränderte erfolgreich seinen Stil und brachte New Wave Elemente hinein und wurde zum Vorläufer des New Romatics-Stil. Mit der neuen Ausrichtung war Roxy Music ab 1979 kommerziell bedeutend erfolgreicher.
Abschließend kann man sagen, dass der Progressive Rock einer der variantenreichsten Spielarten des Hardrocks war und ist. Auch wenn bei einigen Stilrichtungen die typischen Rockinstrumente fehlten, so war zumindest der typische Grundtakt vorhanden. Für alle bisher erwähnten Hardrock-Stilrichtungen galt, dass sie weniger kommerziell ausgerichtet waren, sondern sich eher als Kunstform begriffen. Mit dem Glamrock sollte sich das radikal ändern.

2. Glamrock

Begriff: Britischen Musikjournalisten prägten 1973 den Namen, der anfangs auch Teenie-, Glitzer- oder Glitterrock genannt wurde. Glamrock ist eine rhythmisch betonte Hardrock-Variante, die kommerziell ausgerichtet und von einer Glamourshow geprägt ist. Anders als bei den typischen Hardrocksongs besaßen die Titel eine durchgängige Melodie ohne Brüche und waren tanzbar.
Geprägt von einem mitreißenden Rhythmus wurden textlich Themen der Teenager verarbeitet und waren selten gesellschaftskritisch. Die kurzen Musikstücke waren vorrangig für den Singlemarkt konzipiert und sollten einen Starkult auslösen. Jede Glamrockband entwickelte für sich ein typisches musikalisches Markenzeichen, sodass nach wenigen Takten eines Songs klar wurde, von welcher Band der Song stammte. In dem Zusammenhang entwickelte sich eine Glamrock-Ästhetik, die optisch der Show das typische Gesicht (Auftreten) gaben.
Ob schrill, glitzernd oder feminin geschminkt, jede Band stellte für sich ein unverwechselbares Image heraus. So präsentierte sich Gary Glitter in einer silbern glänzenden Glitzerkostümierung, David Bowie schwebte als androgynes Wesen durch den Weltraum, Sweet zwängte sich in hautenge Kleidung, Slade zog sich Plateauschuhe an und T. Rex pflegte einen bisexuellen Touch mit geschminktem Gesicht. Lediglich der Horrorschocker Alice Cooper entführte sein Publikum in eine düstere gruslige Welt.
Angemerkt sei, dass der Begriff Glamrock in den Medien zum Sammelbegriff aller Gruppen und Interpreten wurde, die durch ihr markantes Auftreten auffielen oder aber in der Glam-rockphase mit rockigen Songs auffielen. Mit dem Begriff Glamrock waren eigentlich kommerzielle Hardrocksbands gemeint, aber selbst die Musik von T. Rex (Bild - Frontman Marc Bolan) und Sweet war nicht immer vom Hardrock geprägt. Somit werden alle Formen der Rockmusik als Glamrock angesehen, die kommerziell ausgerichtet waren und spezielle Showeffekte kreierten. Unter Einbeziehung prägnanter Erscheinungen erstreckt sich der Glamrock in zwei Phasen. Die erste Phase umfasst die Hardrockorientierung von 1971
bis 1973 und die zweite Phase den Rock’n Rollbeat von 1974 bis 1975. In der Übergangsphase ab 1976, wurde Glamrock zur Randerscheinung und wurde später zu einem Effekt des Heavy Metals. 

In der nachfolgenden Liste sind die grundsätzlichsten Unterschiede zwischen Hardrock und Glamrock aufgeführt, orientiert an die typischen Vertreter der Spielarten.

Typisches Hardrock Glamrock
Orientierung
Konzerte, Kunstrock, Musik hören
Kommerz, Tanzmusik
Songlänge
Titel häufig mit Überlänge ( < 6 min. )
vorrangig 3 Minuten Titel
Singleproduktion
wenige Singles; vorrangig Auskopplungen aus der aktuellen LP (Promotion-Single) ⇒Nebeneffekt: rares Singleangebot, erhöhte die Kaufkraft
vorrangig Singleproduktionen; pro Jahr 3 bis 5 Singles, um ein ganzes Jahr populär zubleiben (Starkult)
LP - Produktion
Bevorzugtes Tonträgermedium, entsprach dem künstlerischen Anspruch ohne Zeitvorgabe die musikalischen Inspirationen auszuleben (hohe musikalische Qualität)
Bis auf wenige Ausnahmen waren LPs mehr Hit-sampler oder eine LP wurden neben den Hitsongs
mit Abklatschversionen gefüllt
(meistens niedrige musikalische Qualität)
Show / Konzert
künstlerisches Darbieten der Musik steht im zentralen Mittelpunkt bis hin zur einer solistischen Ekstase (Gesang, Instrument)
Musik wird Teil der Bühnenshow, wobei jede Band ein eigenes Image prägt ; in der Regel sind sie mehr Studioband und können häufig Live
musikalisch nicht überzeugen
Styling
meist gewöhnliche jugendliche Jeansbekleidung, mit lange Haaren, deren Gesamtbild dem Gammlerkult entsprach
Auffällige extravagante, oft feminine Bekleidung, bis hin zur Verkleidung, mit gepflegten, langen Haaren; Glamour Style
Zielgruppe
Keine spezielle Gruppierung, sondern boten ihre Musik Interessierten an, obwohl einige Bands sich ein spezifisches Image gaben
Orientiert auf Teenager, wobei das Styling primär weibliche Fans anspricht
 
Finanzquelle
Finanzieren sich über Konzerte, dem LP-Verkauf und an den Einnahmen ihrer Kompositionen (Urheberrechte); Singleverkauf ist sekundärer Nebeneffekt
Plattenverkauf, TV-Show und Fanartikel sind finanzielle Hauptquelle; sind häufig abhängig von ihrem Produzenten

Entstehung:

Um 1970 war der Beat am Ende und der Hardrock war für den Mainstream unbefriedigend. Die Hard-Rocksongs eigneten sich schlecht als Tanzmusik. Besonders die weiblichen Teenager zogen daher den Jugendschlager und die Popmusik vor. Doch das Angebot war bescheiden und der Beat war Schnee von gestern.
Im Radio wurden Songs zu Hits, die wenigstens den melodischen Bedarf stillten. Neben dem folkloristischen „El Condor Pasa“ wurde somit auch die Klassikhymne „A Song of Joy“ (Das Lied an die Freude „Freude schöner Götterfunke…“) zum Welthit. Die wenigen rockigen Ausnahmen waren die Kinks („Lola“) und die Rolling Stones („Brown Sugar“). Mit Hits in Serie und einem gefälligen tanzbaren Sound waren die Creedence Clearwater Rivivel (CCR) angesagt. Wegen ihres Vogelscheuchen-Images taugten sie aber nicht zum Starkult. Die Plattenfirmen erkannten das Manko und den Wunsch nach kommerzieller Rockmusik sowie den Bedarf an neuen Musik-Idole.
David Bowie beeindruckte 1969 mit seiner galaktischen Kostümierung, aber seinem Undergroundsound fehlten wichtige Kriterien, die ihn zum Teeniestar hätten machen können. Der Produzent Tony Visconti erkannte 1970 bei den charismatischen Marc Bolan ein gewisses Starpotenzial und nahm das Duo Tyrannosaurus Rex unter Vertrag, worauf die Gruppe T. Rex entstand. Der erste Song „Ride A White Swan“ brachte allerdings nur einen Achtungserfolg ein.
Im Urlaub entdeckte der Produzent Giacomo Tosti zufällig die Gruppe Middle of the Road, die mit falschen Versprechungen nach Italien gelockt wurden. Die schottische Band, die bislang in ihrer Heimat erfolglos war, fand durch Giacomo Tosti zu ihrem neuen Stil. Die Band eignete sich als hervorragende Konkurrenz zur niederländischen Band Shocking Blue, die mit ihrer erotischen Sängerin Mariska Veres sehr erfolgreich waren. Die Produzenten steckten somit die blonde Schönheit Sally Carr in ein Hotpants Look und ließen sie das Lied „Chirpy Chirpy Cheep Cheep“ von Lally Stott singen. Anfang 1971 stürmte das Lied alle europäischen Charts. In einer Mischung aus Beat und Soul, einem kindlich gehaltenen Text und einer stark akzentuierten modischen Ausstrahlung, wurden hier die Weichen für den Glamrock gestellt.
Von den Middle of the Road und David Bowie inspiriert, hatten die Komponisten und Produzenten Nicky Chinn & Mike Chapmann die entsprechenden Ideen für ihre Gruppen
Sweet und New World . Mit „Funny Funny“ stürmte die Band Sweet mit einem gefälligen Beatsound und gestylten Image die Charts. Trotz langer Haare umgab sie eine optisch gepflegte Erscheinung, die jedes Mädchenherz höher schlagen ließ. Ihr erster Song erreichte in Deutschland Platz 5, wogegen sie in England nur Platz 13 erreichten. Die Gruppe New World, als Konkurrenz für CCR gedacht, hatte mit „Tom Tom Turnaround“ einen Hit, den später die Gruppe Sweet in ihr Repertoire übernahm.
Mit dem Countryrocksong „Hot Love“ versuchte es die Gruppe T. Rex im April 1971 erneut und landete nun einen Superhit. Begünstigend wirkte sich aus, dass Frontman Marc Bolan mit seiner femininen (geschminkt) Ausstrahlung die Mädchen begeisterte. Im Sommer hatte die Gruppe Sweet mit dem Newbeat-Song „Co-Co“ einen Megahit und es entwickelte sich ein Starkult um die Gruppe.
Bislang konnte der neue Popmusiktrend nicht als Rockmusik bezeichnet werden.
Erst mit
dem T. Rex Hit „Get It On“, im September 1971, stürmte ein typischer Rockpop-Song die Charts und gilt als erster Glamrockhit. „Get It One“ ist zwar von einem Boogiesound geprägt, enthält aber deutliche Hardrockelemente. Den Teenagern waren allerdings Soundanalysen egal, sie hatten jetzt endlich eine Jugendmusikszene, deren Stars die Gruppen  T. Rex, Sweet und Middle Of The Road waren. Kurz vor Jahresende wurde in England noch die Gruppe Slade mit „Coz I Luv You“ bekannt.

Entwicklung:

Bis Mitte 1972 waren T. Rex, Sweet und Middle Of The Road Dauergäste in den Singlecharts von Europa. Im Sommer stürmte eine Reihe von neuen Bands die Charts und neben T. Rex, waren die Songs der Neulinge konsequenter vom Hardrock geprägt. Pünktlich zum Schul-jahresende verkündete der Amerikaner Alice Cooper „Schools Out“ und schuf damit die ultimative Schülerhymne. Mit „Take Me Bak 'Ome“ schrie sich stampfend die Gruppe Slade in die Charts, bevor sie mit „Mama We're All Crazy Now“ einen Megaseller landen konnten. Gary Glitter komplettierte die Szene mit einem dumpfen Instrumentalhit „Rock'n'Roll Pt. 2“.
Der eigentümliche Gitarrensound, der Mitgröllsong und die Glitzerkostümierung wurden nicht nur zum Markenzeichen, sondern gaben der kommerziellen Musikrichtung den Namen Glitterrock. Trotz eines Überangebotes von Glamrocksongs zum Jahresende platzierte sich „Children Of The Revolution“ von T. Rex 13 Wochen in den deutschen Top-10 und wurde von Rockfans neben „Get It On“ zum Besten T. Rex Song gekürt.
Die Gruppe Sweet änderte seinen Stil und war mit „Wig Wam Bam“ bedeutend rockiger als zuvor. In Deutschland wurde der Song ein Nr.1- Hit und hielt sich 17 Wochen in den Top-10. Überhaupt war die Gruppe Sweet in Deutschland erfolgreicher als in Großbritannien. Auf der britischen Insel war Marc Bolan, mit der Band T. Rex, das unangefochtene Teenageridol und löste einen Fanatismus aus, den es letztmalig bei den Beatles gab.
Mit „Sacramento“ und „Samson And Delilah“ schrieb Middle Of The Road Chartgeschichte und glänzten zum Jahresende mit dem rhythmisch betonten Song „Bottoms Up“. Da ihnen die grundsätzliche Hardrockausrichtung fehlte, wurden sie nicht als Glamrockband gewertet, sondern eher als Flower Power Band. Allerdings sind die Bewertungskriterien mitunter sehr fraglich und deshalb auch nicht eindeutig, doch dazu später mehr. 

Glam-Rockhits 1972
Jeepster                                             T. Rex        (Januar)
Telegram Sam                                   T. Rex         (Februar)
Metal Guru                                        T. Rex         (Mai)

Children Of The Revolution              T. Rex      (September)
Solid gold easy action                       T. Rex      (Dezember)

Poppa Joe                                         Sweet          (Februar)
Little Willy                                        Sweet             (Mai)

Wig Wam Bam                                  Sweet         (September)
Look Wot You Dun                            Slade          (Februar)
Take Me Bak 'Ome                            Slade            (Mai)
Mama We're All Crazy Now              Slade       (September)

Gudby To Jane                                  Slade        (November)
Rock'n'Roll Pt2.                          Gary Glitter        (Juni)

I Didn't Know I Loved You         Gary Glitter    (September)
Schools Out                                Alice Cooper         (Juli)

Elected                                       Alice Cooper      (Oktober)
All The Young Dudes              Mott The Hoople       (August)
Virginia Plain                          Roxy Music           (September)
Crazy Horses                              Osmonds             (November)
Crocodile Rock                             Elton John      (November)
The Jean Genie                            David Bowie     (Dezember)

 

Das Jahr 1973 galt als ein Höhepunkt der Glamrockära. In der Bundesrepublik wurde jeder Song der Gruppe Sweet ein Nr. 1-Hit. Inspiriert vom Erfolg der Chinn & Chapman Band, schuf das Produzentenduo die Gruppe Mud. Der Rocksound der Band blieb jedoch weit unter den Erwartungen. Sie schafften es lediglich in die Top-20 der UK-Charts.
Über Mickie Most kam die Amerikanerin Suzi (Susan Kay) Quatro nach London und das Produzentenduo nahm sich ihrer an. Der Song „Can The Can“ wurde sofort ein Megahit und die schreiende Rocklady im Lederoutfit sollte weitere Hits haben.
Ebenfalls zu den Chartsstürmern des Jahres gehörten Slade und Gary Glitter. Indes sorgte Marc Bolan für Missstimmungen in seiner Band T. Rex, deren überzogene Pläne nicht nur die Fans verstimmten. Marc Bolan wollte die Band zu einem gigantischen Rockorchester machen. Nach „The Groover“ ließen ihn die Fans fallen und trotz einiger guter kreativer Kompositionen, hatte er bei den Fans verspielt. Der Horrorschocker Alice Cooper hatte ebenfalls den Nimbus des Ungewöhnlichen ausgereizt. Nach der Talfahrt zerstritt sich Alice Cooper mit seiner Band, er floh in den Alkoholismus, bis er 1975 im Hardrocktrend Heavy Metal auferstand. Neu in der Glamrockszene war die Slade-Kopie Geordie und das Projekt Wizzard. Das Gründungsmitglied von ELO, Roy Wood, wollte mit Wizzard eine andere Musik schaffen und fühlte sich bei ELO zu eingeengt. Musikalisch schuf er mit „See My Baby Jive“ eine beispiellose Sounddichte und stellte bei Auftritten verkleidungstechnisch alles da gewesene in den Schatten. Leider war der Erfolg der Band Wizzard nur von kurzer Dauer. Erfolgreicher wurde die ehemalige Band ELO mit Jeff Lynne, die mit „Rollover Beethoven“ ein erstes Ausrufezeichen setzten. Unverständlicherweise wurden zum Glamrock die Bands des Rocking Rocks gerechnet, nur weil bestimmte Songs, die in der Art und im Auftritt dem Glamrock entsprachen. Auf der einen Seite trifft das für einige Songs von Roxy Music und Mott the Hoople zu und auf der anderen Seite, waren es Song wie „Crazy Horses“ von den Osmonds, „Crocodil Rock“ von Elton John und „Dancing On A Saturday Night“ und „Do You Wanna Dance” mit Barry Blue. Elton Johns Song „Rocket Man“ und „Saturday Night’s Alright for Fighting“ sind dagegen als Grenzfälle zu werten.

Glam-Rockhits 1973
Blockbuster                                     Sweet         (Januar) Hellraiser                                       Sweet           (Mai)
Ballroom Blitz                                Sweet       (September)
20th Century Boy                           T. Rex         (März)
The Groover                                   T. Rex          (Juni)
Truck On Tyke                                T. Rex        (Dezember)
Can The Can                            Suzi Quatro         (Mai)
48 Crash                                  Suzi Quatro         (August)
Daytona Demon                       Suzi Quatro        (November)
Cum on feel the Noise                              Slade       (März)
Skweeze Me Pleeze Me                             Slade        (Juni)
My Friend Stan                                         Slade      (Oktober)
Merry Xmas Everybody                            Slade      (Dezember)
Do You Wanna Touch Me?               Gary Glitter   (Januar)
Hello Hello I'm Back Again              Gary Glitter    (April)
I'm The Leader Of The Gang             Gary Glitter     (Juli)
I Love You love Me Love                   Gary Glitter   (November)
 
Ball Park Incident                        Wizzard       (Januar)
See My Baby Jive                         Wizzard        (April)
Angel Fingers                               Wizzard     (September)
I Wish It Could Be Christmas Everyday   Wizzard   (Dez.) 
Crazy                                               Mud          (April)
Hypnosis                                        Mud         (August)  
Dynamite                                        Mud      (November)
Hello Horray                                   Alice Cooper        (Februar)
No More Mr. Nice Guy                    Alice Cooper        (Mai)
Dancing On A Suturday Night           Berry Blue      (September)
Do You Wanna Dance                       Berry Blue       (Dezember)
Rock On                                            David Essex      (September)
Lamplight                                          David Essex      (November)

 
Life On Mars                           David Bowie        (Juli)
My Coo-Ca-Choo                  Alvin Stardust    (November)
All Because Of You                             Geordie           (April)
Roll Away The Stone                Mott The Hoople    (Dezember)

 

Im Jahr 1974 wandelte sich der Basissound des Glamrocks vom Hardrock zum Rock’n Roll und Beat. Als modernen Rock’n Roll-Beat könnte man nun den Glamrock bezeichnen. Mit „My Coo-Ca-Choo“ leistete Alvin Stardust Pionierarbeit und stand inzwischen an der Spitze der europäischen Charts. Die Gruppe Mud änderte dahin gehend ihren Musikstil und stürmte mit „Tigerfeet“ die Charts. Mit Hits in Serie gehörte die Band, in dem Jahr, zu einer der populärsten Glamrockbands. Mit dem Weihnachtslied „Lonely This Chrismas“ klang Mud stark nach Elvis Presley. Zugleich lösten sie sich damit aus der Umklammerung der Produzenten Chinn & Chapmann und setzten ihren eigenen Stil durch.
Die Plattenfirma Polydor suchte im Frühling eine Band für den Titel „Sugar Baby Love“ und boten den Song Showaddywaddy an. Die Rock’n Rollband lehnte ab, da sie ihren eigenen Song „Hey Rock’n Roll“ veröffentlichen wollten. „Sugar Baby Love“ wurde letztendlich von der Studioband der Plattenfirma und Paul da Vinci (alias Paul Brewer) eingesungen. Die Falsettstimme von Paul da Vinci verlieh dem Song die Einzigartigkeit. Das Problem für die Plattenfirma war, dass er nach der Produktion das Label verließ und man keine Band zum Lied hatte. Mit den Rubettes konnten die Produzenten Bickerton & Waddington doch noch eine Band zusammenstellen, die sich auch optisch gut vermarkten ließ. Der Song wurde ein Megahit und bei Konzerten wurde der hohe Part von Paul da Vinci zunächst eingespielt. Die Solokarriere von Paul da Vinci scheiterte dagegen und Showaddywaddy, die den Song ablehnten, waren zwar erfolgreich, standen aber im Schatten der Rubettes.
Ein Grenzfall in puncto Glamrock ist die Gruppe Abba, die mit ihrem Rockbeat beim Grand prix de Eurovision begeisterte und ihr „Waterloo“ zum Welthit wurde. Vom Stil her und mit den Glamourauftritten können Titel, wie „Ring Ring“, „Honey Honey“ und „Mama Mia“ als Glamrocksong betrachtet werden, die späteren Titel nicht mehr. Ebenso sind die Bay City Rollers mit ihrem Teeniebeat nicht wirklich eine Glamrockband. Trotz kommerzieller Ausrichtung entsprach ihr größter Hit „Summer Love Sensation“ eher einem Boygroup-Image. Zu erwähnen ist noch der Drummer Cozy Powell, der solistisch häufig als Glamrocker bezeichnet wird, aber eigentlich ein Hardrocker ist.
Für die bisherigen Glamrockbands begann in diesem Jahr die Talfahrt. Die Gruppe T. Rex bestand nur noch aus dem Solisten Marc Bolan, dem mit „Teenage Dream“ noch ein Charthit gelang. Der Sound von Slade dümpelte ebenso mehr schlecht als recht in den Charts umher. Der Gruppe Sweet gelingen zwar in Deutschland noch drei große Hits, aber die große Begeisterung war verpufft und wurde beim Song „Turn It Down“ deutlich. Die Band entschloss sich daraufhin ihre eigenen Songs zu spielen, statt die von Chinn & Chapman. Das Flair der Rocklady Suzi Quatro ist nach „Devil Gate Drive“ ebenfalls aufgebraucht, trotzdem „Wild One“ zum Jahresende noch einmal ein großer Hit wurde. Die Strategie von Komponist Mike Leander, den Glittersound zu teilen und präsenten in den Charts zu sein, erwies sich als Fehlspekulation. Gary Glitter erreichte solistisch kaum noch die Top-Ten und obwohl der Glitterband einige große Chartshits gelangen, zeichnete sich deutlich ein Ende ihres Erfolges ab.

Glam-Rockhits 1974
Teenage Rampage                          Sweet         (Januar)
The Six Teens                                Sweet             (Juli)
Turn It Down                                Sweet          (November)
Devil Gate Drive                       Suzi Quatro     (Februar)
Too Big                                      Suzi Quatro        (Juli)
The Wild One                             Suzi Quatro     (November)

 
Tiger Feet                                           Mud              (Januar)
The Cat Crept In                                 Mud              (April)
Rocket                                                  Mud             (August)
Lonely This Christmas                        Mud            (Dezember)
Sugar Baby Love                              Rubettes            (Mai)
Tonight                                             Rubettes              (Juli)
 Juke Box Jive                                   Rubettes          (November)
Everyday                                       Slade            (April)
Bangin' Man                                 Slade              (Juli)

Far Far Away                               Slade          (Oktober)
Teenage Dream                            T. Rex        (Februar)
Light of Love                                T. Rex            (Juli)
Zip Gun Boogie                            T. Rex         (Dezember)
Jealous Mind                           Alvin Stardust          (Februar)
Red Dress                                Alvin Stardust           (Mai)
You You You                            Alvin Stardust       (September)
Angel Face                                Glitter Band              (März)
Just For You                              Glitter Band            (August)
Lets get Together Again            Glitter Band            (Oktober)
Dance with the Devil                Cozy Powell       (Januar)
The Man In Black                     Cozy Powell        (Juni) 
Na Na Na                                  Cozy Powell      (August)
Gonna Make You A Star           David Essex       (November)
Always Yours                            Gary Glitter             (Juni)
Oh Yes You're Beautiful           Gary Glitter         (November)
This Town Ain't Big Enough For Both Of Us    Sparks (Mai)
Tell Him                                        Hello         (November)
Hey Rock’n Roll                   Showaddywaddy      (Mai)  Rock'n'Roll Lady                  Showaddywaddy    (August) Shang-a-Lang                          Bay City Rollers   (Mai)
Summer Love Sensation          Bay City Rollers   (August)

 

Ab 1975 setzte die Endphase des Glamrocks ein. Die Musikszene lechzte nach etwas Neuem. Allerdings konnte sich die europäische Jugend mit dem Phillysound der USA nicht so recht anfreunden. Inzwischen war ein weit gefächertes Angebot entstanden zwischen den Weiterentwicklungen von Soundarten, experimenteller Musik oder dem Wiederbeleben von alten Soundarten (Rock’n Roll) im modernen Glanz.
Mit dem Rock’N’Roll-Beat wurde die Jugendmusik melodischer und in der Präsentation, war nicht mehr der Glamour Outfit angesagt, sondern modisch adrette Boys. Schon The Rubettes beeindruckten mit weißer Schiebermütze und einheitlichen hellen Anzügen die Fans. Bei den Bay City Rollers reichte der Niedlichkeitsfaktor der Mädchenherzen entflammte und dazu die entsprechende Musik machten. Textlich umgarnten sie die Mädchen und rhythmisch wurde auf einen flüssigen Sound geachtet, der mitreißend und dennoch sanft herüber kam.
Neben diesen beiden Gruppen tourte Showaddywaddy als Rock’N Roll - Showband durch die Lande und Mud beeindruckte mit ihrer Version zum Buddy Holly Song „Oh Boy“. Die neue Gruppe Hello war die softere Variante zur Glitterband, deren Erfolg aber schnell verblasste und die Popularität der Glitterband sowieso deutlich nachließ.
Von den Glamrockbands der Ur-Phase schaffte es lediglich die Gruppe Sweet in die Charts.
Mit ihren eigenen Songs „Fox on The Run“ und „Action“ belegten sie in Deutschland Spitzenplätze. Anders als im Heimatland Großbritannien schafften es die Sweet in der BRD bis 1978 immer wieder mal in die Top-10, doch waren sie längst keine Teenagerband mehr. Ein geläuterte Marc Bolan (T. Rex) besann sich 1977 auf seine Musikalität und bot einen vielversprechenden Neustart. Aber am 16. 09. 1977 verunglückte er tödlich. Die LP „Dandy In The Underworld“ kletterte daraufhin in die UK Top-30, für Marc Bolan in dieser Phase ein großer Erfolg. Die Gruppe T. Rex gilt inzwischen als die erfolgreichste Glamrockband aller Zeiten, da sich heute noch Alben und Sampler der Band gut verkaufen. Die letzte Zusammenstellung von T. Rex Hits schaffte es 2007 in den UK-Charts auf Platz 15. Hinter T. Rex folgt die Gruppe Slade, denen ab und zu noch ein Charthit gelang, wobei „My Oh My“ 1983 ein Megaseller wurde.
Das Chinn & Chapmann Imperium stellt sich dagegen dem Trend und produzierte Boysband. Nach dem Vorbild der Bay City Rollers standen nicht mehr der Sound im Vordergrund, sondern die jugendlich gestylten Interpreten mit gefälligem Sound. Gruppen wie Smockie, Racey und Exile sollten die Mädchenherzen betören. Fälschlicherweise werden sie ebenso als Glamrockband angesehen. Dagegen gehören Slik und Sailor (Anfangsphase) schon ins Genre und Kenny ist ein Grenzfall.
Wie dem auch sei, es gibt keine regulären Bewertungsmaßstäbe für Glamrockbands. Grundkriterien scheiden sich am Definieren der Maßstäbe, wie kommerzielle Ausrichtung, rockorientierte Grundrhythmus und einer optisch prägnanten Show, bzw. Erscheinungsbild der Band. Später im Heavy Metal Bereich wird der Sound als Glamstyle fortgeführt, zu deren bekanntesten Bands Kiss, Aerosmith, Jon Bon Jovi und auch Queen zählen.
Glam-Metal unterscheidet sich dahin gehend vom Glamrock, weil der wilde Rocksound den Fokus auf Konzert und Albumverkauf legte und mit der harten Spielweise auf ein festes Publikum setzte und weniger auf die Singlecharts orientiert ist.

Glam-Rockhits ab 1975
Hits 1975
Fox On The Run                            Sweet
Action                                            Sweet
The Bump                                      Kenny
Fancy Pants                                  Kenny
The Tears That I Cried                 Glitter Band
Love Like And Me                         Gary Glitter
Three Steps To Heaven                 Showwaddywaddy
Sky High                                        Jigsaw
Oh Boy                                               Mud
Moonshine Sally                                Mud
I Can Do It                                         Rubettes
New York Groove                               Hello
Thanks for the Memory                      Slade
New York City                                    T. Rex
Come Up And See Me (Make Me Smile)   Cockney Rebel
 
Hits  1976
Forever and Enever                       Slik
A Glass Of Champange                 Sailor
Girls Girls Girls                            Sailor
Under The Moon Of Love             Showaddywaddy
People Like You and People Like me    Glitter Band
Let’s Call It Quits                          Slade
Doing All right with the Boys              Gary Glitter
L-L- Lucy                                             Mud
Star Studded Sham                               Hello
Love Stealer                                          Hello
I Love To Boogie                                  T. Rex
Los Angelos                                          Sweet
Hits  1977
Fever Of Love                                Sweet
Stairway to the Stars                      Sweet
Dandy In The Underworld             T. Rex
The Soul Of My Suit                       T. Rex
My Baby Left Me - That’s All Right       Slade
Dancin’ Party                                         Showaddywaddy
When                                                       Showaddywaddy
A Little Boogie Woogie in the Back of My Mind   Gary Glitter
Größere Chartshits ab 1978
1978:   Love Is Like Oxygen           Sweet
1983:   My Oh My                           Slade
1984:  Run Runaway                       Slade        
1984:  Another Rock and Roll Christmas      Gary Glitter
1991:  Radio Wall Of Sound                          Slade

 

 

Wirkung auf die Jugend: Stand die Musik der 60er Jahre im Zeichen der Altersklasse der 18-jährigen, so rebellierten mit dem Glamrock die 13 bis 16 Jährigen (Teenager).Angeregt von der Musik zielten sie auf die Anerkennung in der Erwachsenenwelt und revoltierten gegen die Zwänge der Erziehenden in Elternhaus und Schule. Der Glamrock unterstützte die Teenager mit sloganartigen Parolen und bediente die Gefühlswelten der Heranwachsenden. In „School’s Out“ (A. Cooper) entlädt sich ein übersteigerter Frust über die Schule und „Children Of The Revolution“ (T. Rex) stärkte den Zeitgeist gegenüber spießbürgerlichen Denkweisen. In etwa könnte die Aussage lauten: „Auch wenn wir den Konsum genießen, sind wir doch die Kinder der 60er Generation und lassen uns keine Märchen erzählen“. In diesem Sinne blieb die Generation wachsam und setzt sich für Frieden, Gerechtigkeit sowie der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ein. Die Jugend misstraute den Regierenden und dem Geschrei der älteren Generationen, die eh nur über die aufmüpfige Jugend wetterten.
Es waren jene Gestrigen, die auf Heimattreffen und bei der Musik von Heino und Freddy (Quinn) den Guten Alten Zeiten hinterher trauerten und disziplinarische Maßnahmen gegen die Jugend forderten. Im Wesentlichen strebte die Jugend danach, das Leben zu genießen, blieben aber zeitkritisch und waren für die Politik eine unkalkulierbare Größe. Ein revolutionärer Geist schlummerte in den Teenagern und konnte sich schnell entladen. Dennoch war es keine Jugend die demonstrierte, sondern eher zu Aktionen neigte. Diesbezüglich wurde die terroristische RAF von der Jugend idealisiert.
Insgesamt täuschte jedoch das äußere Erscheinungsbild von einer aggressiven Jugend. Mit ihrem Äußeren, imitierten sie lediglich ihre Idole und machten auch Kompromisse, aber nicht zum Wohlgefallen der Eltern. Typisch für Mädchen und Jungen der Ära waren schulterlanges, gepflegtes Haar und im Alltag unauffällige Shirts, Jeanshosen und leichte sportliche Schuhe. Bei den Partys wurden die Rockidole imitiert und es wurden glitzernde oder silbrige Hemden und Plateauschuhe getragen. Mädchen, die sich trauten, trugen den Minirock oder zogen Hot Pants („Heißen Höschen“) an. In beiden Fällen liefen sie Gefahr, von der älteren Generation beschimpft zu werden. Moralisch verwerflich war, dass man beim Minirock den Slip sah und die Hot Pants machten den Po zum Blickfang.
In puncto Sexualität änderte sich bei der Jugend die Sichtweise radikal. Vorehelicher Sex wurde zur Normalität und neue Spielarten wurden ausprobiert. Von Gruppensex über Dreierbeziehungen wurde das Verständnis geprägt, Sex und Liebe zu trennen. Im Gegensatz zu den jugendlichen Männern, hatten die Mädchen ein Problem damit, Sex als erotisches Spiel zu betrachten. Für sie hatte die intime Vereinigung weiterhin einen hohen Stellenwert und wurde als Teil der Liebe betrachtet. Eine Partnerschaft basierte auf den Prinzipien der Gleichberechtigung und somit war die Ehe und Familie gekennzeichnet vom Streben nach einem ange-nehmen Leben, aber nicht um jeden Preis (Arbeiten bis zum Umfallen).
Das hieß, im Vordergrund stand das Leben zu genießen und Arbeit als notwendiges Übel anzusehen. Dazu stand der Jugendliche dem Wehrdienst und dem Leistungszwang (Arbeit) ablehnend gegenüber. Solange ein zufriedenstellendes Leben möglich war, wurde auf Überstunden oder einem Nebenverdienst verzichtet. So kurz die Glamrockzeit auch war, so erreichten die Teenager ihre gesellschaftliche Anerkennung als Heranwachsende.

Nach dem Glamrock verfielen Jugendliche wieder dem Wohlstandsdenken, kehrten zu den propagierten Sichtweisen zurück. Speziell die aufkommende Discoära fördere wieder den materialistischen Geist und somit gingen einige vielversprechende Ansätze vorerst verloren. Besonders in den Partnerschaftsbeziehungen bereitete die Kluft zwischen gewollter und gelebter Gleichberechtigung die Basis für den Punk. Zudem nahm die Disharmonie in der Gesellschaft nach 1975 zu. Die propagierten Bilder einer satten Zufriedenheit stimmten mit der kaputten Realität nicht mehr überein. Die überzogene Heiterkeit der Musik und die Illusionen in den TV-Shows standen im Widerspruch zur Wirtschaftskrise, mit drastisch steigender Arbeitslosigkeit, dem RAF-Terror, dem Waldsterben und einem Recht für Hausbesitzer, die Wohnraum profitorientiert vernichteten.
Letztendlich blieb scheinbar von den Idealen der Glamrockära nicht viel übrig und doch wurde die Saat gelegt, die den Geist der 60er Jahre reale Bahnen gab. Nach einer Phase
der Selbstfindung ging der Spross in den 80er Jahren trotz Rückschläge auf.

Hardrock – Phase 2  (1975 bis 1982 )

Allgemeines:

Mit dem Soundwechsel im Glamrock wurde der Hardrock wieder populärer, blieb jedoch kommerziell gesehen eigentlich eine Randerscheinung. Zumindest die Zeit der Urgesteine der Phase 1 war vorbei. Carlos Santana tauschte zum X-ten Mal seine Bandmitglieder aus und war nach dem Indien-trip 1973 nicht mehr der Alte. Ozzy Osbourne lag mit seiner Band Black Sabbath im Zwist und wurde zum Alkoholiker. Deep Purple zerbrach nach der Japantournee, erst ging Roger Glover und dann Ian Gillan. Als dann Ritchie Blackmore 1975 die Band verließ, verlor die Band deutlich an Kreativität. Erst 1992 bis 1993 fand die Erfolgsbesetzung wieder zusammen, ansonsten wechselten stetig die Mitglieder von Deep Purple.
Ritchie Blackmore gründete 1975 erfolgreich die Gruppe Rainbow, wobei keine stabile Besetzung zustande kam. Ebenso häufig wechselten die Musiker bei Whitesnake, bei denen ehemalige Deep Purple Musiker zur Band kamen und wieder gingen. Der Musikeraustausch wurde beinahe typisch für die alten Hardrockbands und nur der Bandname entsprach einem Markenzeichen für einen bestimmten Musikstil /Image.

Mal abgesehen von den beiden Dauerbrennern der 60er Jahre, Pink Floyd und Rolling Stones, hielt sich als einzige Band aus der Urrockphase die Gruppe Led Zeppelin. Experimentierfreudig und ohne Besetzungsänderung blieben sie im Rock tonangebend. Erst mit dem Tod des Schlagzeuger John Boham 1980 löste sich die Band auf, aber in den 90er Jahren folgte ein erfolgreiches Comeback. Das Ende der 1. Hardrockphase war der Beginn einer Erneuerung, die maßgeblich durch den Glamrock verursacht wurde. Die Rockmusiker erkannten, dass allein mit der Qualität der Musik kein Erfolg gegeben ist, zumal der Begriff Kunst immer eine subjektive Größe ist.
Für die Rockmusiker hieß dass, entweder bediente man den kommerziellen Markt oder schuf sich eine feste Fangemeinde und machte den Bandnamen zum Markenzeichen, mit einem unverwechselbarem Image. Für beide Richtungen galt, sich mit etwas Besonderen abzuheben. Der kommerziellere Progressiv Rock versuchte es mit Effekten und Stilvermischungen.
Die meisten Bands allerdings schufen ein Extrem zur vorherrschenden Musik und strahlten lediglich optisch ein Image aus. Orientiert an der Erfolgsband Led Zeppelin, dem schweren Rocksound von Black Sabbath und dem Erscheinungsbild von Alice Cooper und Slade entwickelte sich der Heavy Metal.  

Progressiv Rock:

Anfang 1975 stürmten die Kanadier Bachman Turner Overdrive die Hitlisten mit dem Stottersong „You Ain’t Seen Nothing Yet“ und die Briten Status Quo hatten mit „Down Down“ ihren Erfolgssound gefunden. Bereits 1974 erlangte die Gruppe Queen einen Achtungserfolg mit „Killer Queen“. Da der Musikstil unter den Erwartungen blieb, hatte Freddy Mercury die Idee, nach Vorbild von ELO, klassische Effekte einzuarbeiten.
Der Titel „Bohemian Rhapsody“ wurde Anfang 1976 zum Hit in den europäischen Charts, aber erst mit dem Stilwandel, folgte im Oktober 1977 mit „We Are The Champions“ der große Durchbruch. Besonders die Rockhymne „We Will Rock You“ wurde zum Hardrockklassiker. Die Gruppe Queen blieb eine der experimentierfreudigsten Progressiv Rockbands, die immer das Bedürfnis nach epochalen Werken verspürten und mit dem grandiosen Album „Innuendo“ (1991) einen vorzeitigen Schlusspunkt setzen mussten. Leider verstarb Frontman Freddy Mercury am 24. November 1991 an den Folgen der AIDS-Erkrankung.  
Bisher von den Kritikern hoch gelobt, wurde das Elektrik Light Orchester, aber was nutzte ihnen das Lob, wenn sie kommerziell nur Teilerfolge verbuchen konnten. Mit dem Album
„A New World Record“ (1976) sollte sich das gründlich ändern. Neben den Hardrocksong „Do Ya“, begeisterten die effektvollen Stücke „Rockaria“ und „Telefon Lines“. Der Discorocksong „Livin Thing“ wurde zum Jahresende als Single veröffentlicht und wurde ein Top-10 Hit. Damit zahlte sich die Beständigkeit für ELO nun endlich auch in den Chart-Platzierungen aus. Die Kombination aus Discosound, Hardrock und Spezialeffekten wurde zu ihrem Markenzeichen und blieben dabei der experimentellen Musik treu.
Eine Reihe von amerikanischen Bands wurden in Europa bekannt. Die Gruppen Foreigner, Eagles und Fleedwood Mac belegten Spitzenplätze in den Charts und Rockbands, wie Chikago, Toto, Boston und Knack errangen Achtungserfolge in Europa.
Neben den Deep Purple-Ableger Rainbow und Whitesnake machten sich die britische Band Dr. Feelgood und die irische Band Thin Lizzy einen Namen. Zu Hitparadenstürmern wurden die gemäßigten Rockbands Barcley James Harvest und Dire Straits, deren Hits eher Popsongs waren, aber ihre Musikalität deutlich Züge vom Progressiv Rock enthielten. Besonders die Dire Straits -Titel „Brothers In Arm“ und „Money For Nothing“ liegen deutlich Hardrockelemente zugrunde und bei BJH ist der Song „Child Of Universe“ ein typisches Beispiel für den Art-Rock. Gruppen wie Smockie, Abba, Racey, Matchbox und Hank the Knife and the Jets zählen als modeorientierte Poprockbands und sind daher keine Hardrockband.

Heavy Metal:

Ist der eigentlich dominierende Sound der 2. Hardrockperiode, der sich über Alben (LP) verkaufte und auf Konzertbühnen präsent war. Es kristallisierten sich drei Formen heraus. Zum einen, der urwüchsige schwere und extrem betonte britische Heavy Metal (HM), zum zweiten der gitarrenlastige US-HM und drittens gab es den Glam Metal.

Im September 1975 schaffte die US-Band Kiss (Bild) mit ihrer Live LP „Alive!“ den inter-nationalen Durchbruch. Kostümiert mit aufwendiger Show und gitarrenlastigem Hardrock beeindruckte die Band die Musikszene und fand diverse Nachahmer. Es waren besonders US-Bands, wie Aerosmith und Van Halen, die sich zwar nicht kostümierten, aber dafür einen Körperkult betrieben. Mit überlangen gestylten Haaren stellten sie gern ihren Body zur Schau und priesen sich als Sexidole an. Später rückte die Selbstdarstellung in den Hintergrund. Wegweisend stellte Metallica den harten Gitarrensound in den Mittelpunkt der Show und wurde zur führenden HM Band der USA. Der Rock-Troubadour Meat Loaf überzeugte mehr mit gesanglichen Ouvertüren in seiner Rockshow und begeisterte die Fans. Von der US-Szene sind noch Ted Nugant und Savatage zu erwähnen. Außerhalb der USA folgte die schwedische Band Europa und die deutschen Scorpions der US-Spielart.
Die britische HM-Szene erzeugte überwiegend einen schnellen extremen Sound, mit Gitarre und Schlagzeug, der an Fabriklärm erinnerte. Iron Maiden und Motörhead sind zwei typische Vertreter der Richtung. Zu den namhaften Größen der Szene gehören noch Judas Priest, Def Leppard und die Frauenband Girlschool, sowie die Schweizer Band Krokus.

Im Gegensatz dazu müsste man AC/DC aus dem Kreis der HM Bands ausklammern, aber es war genau jene australische Band, die den Heavy Metal in die Charts brachte. Darüber hinaus wurde „Highway To Hell“ ein beliebter Discoknaller. AC/DC ist die erfolgreichste Heavy Metalband, die seit 1979 regelmäßig in den Albumcharts vertreten ist. Ihr jüngstes Album von 2010 „Iron Man 2“ wurde wieder ein Nr.1 Erfolg in vielen Staaten, wie die anderen Alben zuvor. Selbst die Singles erfreuen sich einer hohen Nachfrage, obwohl die Fans lieber gleich das dazugehörige Album kauften. Allerdings sah es kurzzeitig so aus, als ob die Gebrüder Agnus und Malcom Young die Band auflösen müssten. Der plötzliche Tod vom Leadsänger Bon Scott (1980), schien das Ende zu besiegeln. Glücklicherweise wechselte der ebenso stimmgewaltige Brian Johnson von der Gruppe Geordie zu AC/DC.
Wie schon erwähnt, scharten die Metal-Bands ein festes Publikum um sich. Dem Heavy Metal umgab stets das Image, die Musik der harten Jungs zu sein. Gerade für Motorradfreaks spielte HM eine wesentliche Rolle, um sich von den Softis (verweichlichte Jugendliche) abzuheben. Leider spielten Alkohol und eine erhöhte Gewaltbereitschaft eine große Rolle in der Szene, sodass die Gesellschaft der Musik ablehnend gegenüberstand.
Typische Metal-Fans lehnten dagegen den biederen Wohlstand ab und fühlten sich in ihrer Rocker-Gemeinschaft wohl. In der Regel waren es Rockergangs, die gern provozierten und sich zu Trinkgelagen versammelten. Nicht selten stürmten sie Gaststätten, die sie wie eine Militäreinheit stürmten und besetzten. Es reichte dann ein kleiner Anlass des Missfallens aus, die zum Startpunkt für Randale und Übergriffe wurden. Immer wieder wurden Gaststätten von Freaks zertrümmert, Leute verprügelt oder arg bedroht. Besonders die Mitglieder der Bikerklubs Hells Angels und Die Bandidos waren für ihre Gewaltbereitschaft berüchtigt. Sogar untereinander bekämpften sie sich und bei Messerstechereien gab es auch Tote.
Die größten Konflikte gab es in den 70er Jahren, allerdings mit den Mods (einer Subkultur aus den 60er Jahren). Die Rocker begriffen die Mopedfreaks stets als Provokation und mit dem Metalrock flammten die Spannungen wieder auf. Die Mods bevorzugten musikalisch die Musik von Who, T. Rex, David Bowie und Rod Stewart. Übrigens gingen aus der Mod-Bewegung Ende der 60er Jahre die Skinheads hervor.
Eine der beliebtesten Bands der Rocker waren The Motörhead. Das Image der bösen Buben lockte zahlreiche Mädchen an. Das verruchte Image von freiheitlicher Stärke, äußerte sich darin sich keinem unterzuordnen und sich den konservativen Zwängen zu entziehen. Für die Mädchen, die sich darauf einließen, folgte häufig ein böses Erwachen und bezahlten für ihre Freiheit, den vermeintlichen Schutz und die Geborgenheit mit sklavischer Unterordnung. Sie sollten sexuell gefügig sein, sich in Lederklamotten kleiden, den Mann als Oberhaupt anerkennen und der Konsumwelt entsagen.
Das Aussteigermodel Rockerbraut eignete sich für Frauen, die eine führende Hand suchten und innerhalb der Rockerclique ihr spezifisches Selbstbewusstsein entwickelten. Obwohl zahlreiche Rockerpärchen wieder zu biederen Bürgern wurden (meist durch Kinder), ist die Zahl der Hardliner bei den Rockern besonders hoch im Verhältnis zu anderen Trend-Erscheinungen (z. B.: Hippies und Punks). 
Neben den Rockern wurde Heavy Metal, die Musik für düstere Kulte. Immer wieder versetzten sich die Fans mit der Musik in einen Rauschzustand (Trance) und öffneten sich einer mystischen Atmosphäre, die sich für satanische Kulte eignete. Viele Bands erkannten die Wirkung der Schattenwelten und zelebrierten dunkle Magie, Horror-Exzesse, Hexenkulte, und Teufelsanbetungen in ihrer Rockshow. Damit verbunden prägten solche Heavy Metal-Bands ein festes Image und der Bandname symbolisierte eine prägnante Kultform. 

Die Iron Maiden Show beispielsweise, setzt auf apokalyptische Aliens und ihr Gruselmaskottchen „Eddie“ (Bild) war stets mit dabei. Das Prinzip garantierte so eine stabile Fangemeinschaft, weil Konzerte zum Wallfahrtsort einer musikalischen Glaubenssekte wurden. Kommerziell gesehen blieb Heavy Metall eine Randerscheinung, war aber ein Kontrast zum Discokult und der Punkbewegung.