02. Lebensart DDR

Lebensart und Zeitgeist in der DDR

1. Planwirtschaft
2. Regierungswechsel
3. Lebensart - Anfang der 70er (1970 bis 1975)
4. Lebensart - Ende der 70er (1976 bis 1979)
5. Bürgerrechtsbewegung

1. Planwirtschaft in der DDR

Grundsätzlich wurde die sozialistische Wirtschaftsordnung vom Staat verwaltet und alle Betriebe wurden zentralisiert und hatten sich der Planwirtschaft unterzuordnen. Sie ließ kein Privateigentum an Produktionsmittel zu und zielte mit dem Staatseigentum auf eine soziale Gleichheit und Gerechtigkeit und baute auf ein starkes Engagement der Werktätigen.
Über die Fünfjahrespläne wurde Preise und Löhne festgelegt, der Leistungsumfang der Produktion abgeschätzt und der Konsumbedarf ermittelt. Dieses Grundprinzip sollte in der Praxis ein rationelles und effektives Arbeiten ermöglichen, und dadurch erheblich Nebenkosten senken. In der industriellen Fertigung wurde eine abgestimmte und kostensparende Zulieferkette aufgebaut. Bei den Bauprojekten wurde ein Zeitplan für den Einsatz von Bauarbeitern und Handwerkern abgestimmt, sowie die Lieferung von Bauelementen und Baustoffen. Mit dem Prinzip der Planwirtschaft sollte es im Welthandel mit der kapitalis-tischen Welt möglich sein, Dumpingangebote anzubieten, wobei eventuelle Probleme bei der Planung berücksichtigt wurden. Die Realität sah aber trotzdem anders aus und führte ins Chaos und letztendlich zum wirtschaftlichen Zusammenbruch.

1. Normerhöhung: Da die Werktätigen Normerhöhungen befürchteten, ließen sie sich kaum zu Höchstleistungen motivieren. In der Vergangenheit schraubten die Funktionäre zu oft den Leistungszwang nach oben und lieferten dazu fadenscheinige Begründungen. Es wurde dann eine höhere Arbeitsproduktivität verlangt und zur Normmarke von 100 % erhoben. Das bedeutete, die Werktätigen mussten für den vollen Lohn Mehrleistungen vollbringen. Normsteigerungen waren häufig unverhältnismäßig, sodass Berufstätige die Norm nicht mehr schafften. Werktätigen begannen bewusst zu schummeln und mündete obendrein in eine erhöhte Ausschussproduktion.
Besonders Handwerker verschleierten ihre wahren Leistungen und schrieben Arbeiten auf, die sie nicht vollbracht haben. Der Mangel an Handwerkern im Privatbereich führte zum Phänomen, dass sie lieber nebenher außertariflich schwarzarbeiteten. Bei der regulären Arbeit waren sie dann häufig zu müde und die Norm war ihnen egal. 

2. Mangelwirtschaft: Gerade mit den wirtschaftlichen Beziehungen zum Westen baute sich ein erheblicher Druck auf. Die erwartete Produktivität blieb aus oder wurde durch Falschmeldungen vom Staat falsch eingeschätzt. Statt einer besseren Sättigung des nationalen Marktes musste der Export bevorzugt werden, um Vertragsstrafen zu verhindern. Infolge der veränderten Weltsituation, war die Regierung gezwungen seinem Volk einen höheren Lebensstandard zu bieten (ideologische Glaubwürdigkeit). Dadurch erhöhten sich aber auch die Ansprüche und die Bevölkerung forderte entsprechenden Waren. Der Mangel an Waren nahm gigantische Ausmaße an und ließ den Schwarzmarkt explodieren, verbunden mit der Beschaffungskriminalität. So verschwanden ganze LKW-Ladungen mit Baustoffen und Material, und nicht selten waren SED-Funktionäre darin verwickelt, die berechnend solche Machenschaften deckten und ihren eigenen Reichtum mehrten.
Da über die Baustoffversorgung (=Baumarkt), Baustoffe kaum zu bekommen waren, klaute  so mancher Handwerker und Normalbürger Kalk oder Zement auf Baustellen. Andererseits vergammelten Baustoffe, weil die Planungskette unterbrochen war und Material vor Ort im Freien lag, aber die entsprechenden Handwerker aus vielerlei Gründen fehlten. Es war typisch geworden, dass fehlendes Material oder Ausschuss, die geplante Wirtschaftskette unterbrachen und ein gegebenes Zeitpolster nicht kompensiert werden konnte.
Auf allen Ebenen der Wirtschaft kam es zu gravierenden Stillstandzeiten. Die Liste von Ursachen wurde immer länger. Unbrauchbares oder fehlerhaftes Material, oder die gelieferte Menge stimmte nicht, die Nachbestellung für Ersatz klappte nicht oder man fand keine entsprechende Ersatzlieferfirma. Schon eine fehlende Schraube blockierte die Fertigung eines Maschinenelements, wodurch eine Weiterlieferung zur Endfertigung unmöglich wurde.
Auf Großbaustellen konnte durch fehlendes Material nicht weitergearbeitet werden, wodurch die eingeplanten Handwerker mit ihre Arbeit nicht beginnen konnten. Zogen Firmen bereits im Vorfeld ihre Handwerker ab, so wurden diese effektiv mit neuen Projekten betraut. Da es aber auch dort zu Störungen kam, konnten sie nur verspätet die Arbeit auf den Großbaustellen wieder aufnehmen. Das wiederum führte zum Stau für die nachfolgenden Handwerker. Die Wirtschaftsexperten waren hauptsächlich damit beschäftigt Produktivitätslöcher zu stopfen und das wirkte sich wiederum nachteilig auf den Bevölkerungsbedarf aus.
Speziell der Bedarf an Handwerkerleistung für den privaten Bereich war mit enormen Wartezeiten verbunden und für Eigenleistungen fehlten die Materialien. Dieser Umstand sorgte dafür, dass Handwerker in der DDR durch Schwarzarbeit zur privilegierten Schicht aufstiegen. Außertariflich forderten sie von den privaten Auftraggeber mitunter einen enormen Lohn oder besondere Gegenleistungen (Bevorzugungen, Tauschgeschäfte).

3. Fehlende Motivation: Die Nachteile der gesteuerten Planwirtschaft gestalteten sich in der absoluten Produktvorherrschaft, die eine sture Rationalität verfolgte und durch die fehlende Konkurrenz die Kreativität erstickte. Nur eine Textilfirma stellte (unmodische) Jeanshosen her und Stern-Radio, die einzigen Empfangsgeräte. Ziel war es, im Gegensatz zur Marktwirtschaft, den Bedarf langfristig zu decken, deshalb sollten Radiogeräte ein lebenslang halten. In der Praxis jedoch war es eine Glücklotterie, entweder es hielten (die oftmals klobigen Geräte) wirklich einiges aus oder waren von Anfang an nur in der Reparatur.
Zum Knackpunkt wurden jedoch die weltweit technischen Veränderungen, auf die der DDR-Markt nicht reagieren konnte. Der DDR-Bürger hatte auch kaum eine Produktauswahl und konnte lediglich die Waren kaufen, die in der Massenfertigung hergestellt wurden. Somit war der Umsatz im eigenen Land zwar garantiert, lähmte aber den konkurrierenden Einfallsreichtum. Betriebe die für den Export arbeiteten, hatten bald das Problem, dass die Auftraggeber zeitentsprechende Waren verlangten und dass kapitalistische Anbieter bessere und preiswertere Produkte anboten. Um auf dem Weltmarkt bestehen zu können, musste die Produktionskette umgestellt und neue Maschinen angeschafft werden. Ein solcher Schritt brachte aber erhebliche Probleme mit sich.
Neben der Finanzierung musste der nationale Markt gesättigt werden, Stammkunden sollten weiter mit den gewohnten Produkten versorgt werden und für eine Neuorientierung müsste die Belegschaft kostenintensiv umgeschult werden. Wirtschaftsfunktionäre delegierten jene  Probleme gerne an die Firmenleitungen ab, die sich kostensparende Alternative und eine effizientere Produktionsauslastung überlegen sollten. Die Betriebsleitungen aber, überwachten bislang nur den Produktionsablauf und wurden nicht in der Kreativität gefordert. In der Gefahr ihre Stellung zu verlieren, schoben sie das Problem eine Ebene tiefer, bis es beim einfachen Arbeiter landete. Ein eventuelles Murren der Arbeiter wurde schnell zum Verstummen gebracht, mit den üblichen Drohungen (unterstellte Arbeits-sabotage oder staatsfeindliches Verhalten). In beiden Fällen konnten sie in Visier der gefürchteten Staatssicherheit geraten. Letztendlich wurde so oder so eine Lösung gefunden. Die Betriebsleitung gab stolz eine Erfolgsmeldung nach oben und sicherte sich so ihre Stellung. Wurde der Vorschlag von den Funktionären angenommen, wurde die Durchführbarkeit durchgesetzt. Häufig hatten die Bereichsleiter (Meister) den Stress mit der zusätzlichen Belastung und resignierten oftmals.
Genauso verärgert reagierte der Werktätige über Beschlüsse, die von ihm eine Mehrarbeit verlangten, ihm berufsfremd waren oder sich beim einfachen Durchdenken, als unsinnig herausstellten. Nicht selten kündigte der Arbeiter innerlich, war nur noch bedacht seine Arbeitszeit hinter sich zu kriegen und ging nur wegen dem wenigen Geld zur Arbeit. Durch das unmotivierte Arbeiten und den erschwerten Arbeitsbedingungen sank die Qualität der Arbeit weiter. Um den Schein der Wirtschaftlichkeit zu wahren, wurden, unter anderem, kostensparend der Arbeitsschutz vernachlässigt und defekte Maschinen nur behelfsmäßig repariert. Neuanschaffungen wurden gänzlich vermieden.
Auf den Großbaustellen wurde improvisiert, um den Plan zu erfüllen. So wurde Beton nicht im Mischungsverhältnis 1:3 (1 x Zement/ 3 x Sand, Kies), sondern 1:5 gestreckt oder defekte Bauelemente doch noch eingesetzt und notdürftig stabilisiert. Langfristig zogen solche Arbeiten erhebliche Reparaturkosten oder Nacharbeiten (Regress) mit sich.

4. Widersprüchlichkeiten: Die Regierungen schufen sich durch ihr strenges Diktat und der mangelnden Selbstkritik ein wirtschaftliches Betrugssystem. Erfolgsmeldungen wurden frisiert, die Ausschussproduktion uferte aus, die Exportverpflichtungen konnten nicht erfüllt werden und die Produktivität auf dem Papier entsprach nicht der Realität.
Die Wirtschaftsfunktionäre standen dem wirtschaftlichen Dilemma hoffnungslos gegenüber, zumal inzwischen ein unübersichtliches Lügenkonstrukt entstanden war und ursächliche Spuren kaum enttarnt werden konnten. Die Wirtschaftskriminalität war zum nationalen Problem herangewachsen. Mit Prämien erhoffte sich der Staat mehr Motivation für die Arbeiter und die Staatssicherheit sollte korrupte Betriebsleiter aufspüren. Letzten Endes war die Regierung selbst das Problem, indem sie Erfolgsmeldungen verlangte und mit harten Sanktionen drohte. Schlechte Bilanzen führten unweigerlich dazu, dass Wirtschaftsprüfer in die Betriebe einfielen. Betriebsleitungen liefen Gefahr ihre Position zu verlieren, also wurden Bilanzen frisiert. Hinzukam das die Kritik an den Arbeitsbedingungen, von den staatliche Experten abgewehrt und den Nörglern Arbeitssabotage unterstellt wurde.
Die Wirtschaftsfachleute waren zudem Theoretiker, denen oftmals die praktische Erfahrung fehlte oder die Wirtschaftsbasis falsch einschätzten. International offenbarten sich ihre Defizite im marktwirtschaftlichen Konkurrenzkampf und waren den westlichen Managern strategisch unterlegen. Da es auf nationaler Ebene keine Konkurrenz gab, waren sie mit den
internationalen Gepflogenheiten überfordert und tappten in so manche marktwirtschaftliche Vertragsfalle. Auf der Suche nach Lösungen/ Reformen, glaubte die Regierung mit Druck auf die Werktätigen die Wirtschaftskrise beseitigen zu können.
Auf der Leitungsebene zeigten sich drei Grundprobleme der Planwirtschaft.
1. Leiter, die nicht am Umsatz beteiligt waren, füllten ihre Position unmotiviert aus
2. Ist der Absatz ihres Produktes garantiert ist, leidet der Ansporn und die Kreativität
3. Leiter, die um ihren Status fürchten müssen, neigen zu Manipulationen

Resümee: Ein reformieren der Wirtschaft, stand die eigene Ideologie im Wege:
1. Privatisierung von Firmen oder Umsatzbeteiligung der Betriebsleitung ⇒ um wirtschaftlich 
zu sein müsste die Stellungsgarantie aufgehoben
    werden  = Arbeitslosigkeit entsteht

2. Zentralisierung der Wirtschaft muss aufgehoben werden und eine Konkurrenz gefördert werden  ⇒ die Regierungsfunktionäre müssten ihren
    Einfluss stark begrenzen = das Risiko 
von Konkurs oder Monopol, könnte die sozialistische Macht gefährden/untergraben
3. Auflösung der Zulieferketten und Aufbau profitorientierter Anbieter ⇒ der Zweckverbund 
der RGW-Staaten müsste aufgelöst werden =
    RGW-Staaten 
könnten damit wirtschaftlich unabhängig werden und sich aus dem Verbund sozialistischer Staaten lösen
Allein diese drei Punkte würden ein unkalkulierbares Risiko mit sich bringen und würden langfristig die Macht der sozialistischen Herrscher gefährden. Aufgrund dessen suchten die Funktionäre diktatorische Lösungen, um die Produktivität zu erhöhen und die Korruption stärker zu bekämpfen. Leider hatten innerhalb der SED die Stalinisten das Sagen und hörten nicht auf die Reformer, die bessere Wege wagen wollten.

2. Regierungswechsel in der DDR

Seit der Staatsgründung der DDR bestimmte der stalinistisch geprägte Walter Ulbricht (Bild) im Wesentlichen den politischen Kurs der Regierung. In der wechselvollen Geschichte der DDR bewirkte er Veränderungen, die durch die zeitlichen Situationen, nach seiner Auffassung, zwingend waren.
Die Moskauer Marionette war aber kein Reformer, jedoch leitete Ulbricht notwendige demokratische Kurskorrekturen ein. Im Sinne der Moskauer Wirtschaftsstrategie befürwortete er die Entspannungspolitik und löste im ZK der SED hitzige Diskussionen darüber aus. Letztendlich erkannte die Mehrheit der Funktionäre die wirtschaftlichen Vorteile. Allerdings stand die Glaubwürdigkeit mit der Person Walter Ulbricht zur Disposition. Unter anderem hatte er mit dem Mauerbau (1961), das deutsche Missverhältnis wesentlich forciert.
Es musste unbedingt ein Führungswechsel her. Bis zum Ende der DDR wurde deshalb Ulbricht als Entspannungsgegner dargestellt.
Innerhalb der SED setzte ein intrigantes Machtspiel ein, an deren Spitze Erich Honecker stand. Walter Ulbricht wurde für die schlechte Stimmung in der Bevölkerung verantwortlich gemacht und es wurde ihm vorgeworfen, die wirtschaftlichen und politischen Realitäten nicht mehr zu erkennen. Auch Moskau entzog ihm daraufhin das Vertrauen und legte ihm den Rücktritt nahe. Am 3. Mai 1970 erklärte Ulbricht seinen Rücktritt und nominierte Erich Honecker zum Nachfolger. Als gebrochener Mann starb er am 1. August 1973, während der Weltfestspiele. Sein Tod wurde erst nach den Feierlichkeiten bekannt gegeben, weil er angeb-lich, am Sterbebett darum gebeten habe. Man kann davon ausgehen, dass die Prestigeveran-staltung, einen höheren Stellenwert hatte, als einen in Ungnade gefallenen Politiker.
Bis 1976 wurde Willy Stoph kommissarisch Staatsratsvorsitzender und damit Oberhaupt der DDR, aber der eigentliche Staatschef war Erich Honecker, als Generalsekretär der SED. Bevor Erich Honecker zum Staatsratsvorsitzenden gewählt wurde, ordnete er und reformierte die Parteiführung. Freiheitliche Zugeständnisse, soziale Reformen und ein spürbar steigender Wohlstand ließen ihn als demokratischen Reformer erscheinen. Nach seinem Amtsantritt offenbarte er zunehmend sein wahres Gesicht und kehrte zum diktatorischen Kurs zurück.
Maßgeblich dafür war ein Scheitern der Wirtschaftsstrategie mit den westlichen Staaten, die das Land in eine Krise stürzten.

Der gewährte Wohlstand war nicht mehr finanzierbar und die DDR Funktionäre mussten nach anderen Finanzquellen suchen. Gegen Ende der 70er Jahre konnte sich das DDR-Regime kein innenpolitisches Problem leisten. Die Mangelwirtschaft schürte eine hohe Unzufriedenheit und der Umgang mit der Meinungsfreiheit erzürnte ebenso den Bürger. Es war daher einfacher kompromisslos gegen destabilisierende Tendenzen vorzugehen, statt im demokratischen Dialog unkalkulierbare Risiken einzugehen.

3. DDR - Lebensart bis 1975

Anfang der 70er Jahre blickte der DDR Bürger auf eine hoffnungsvolle Zukunft. Wirtschaftlich ging es spürbar bergauf, politisch kündigte sich ein Machtwechsel an und vielversprechend war die Entspannungspolitik. Der Aufschwung in der DDR brachte einen akzeptablen Wohlstand und das DDR-Regime gewährte dem Volk mehr demokratische und kulturelle Freiheiten. In deren Folge stabilisierte sich die Parallelgesellschaft und erfüllte  den Bürger mit Stolz auf das Land. Trotz freiheitlicher Zugeständnisse blieb das Volk der Regierung gegenüber stets reserviert, da die geschichtliche Vergangenheit nachwirkte.
Im gegenseitigen Einvernehmen fanden sie eine Basis der gegenseitigen Toleranz, indem sich die SED politisch international sonnen konnte und im Gegenzug der Bevölkerung einen akzeptablen privaten Freiraum gewährte. Am Anfang schien das System Früchte zu tragen, aber schon bald manövrierte eine reformunfähige Wirtschaftspolitik das Land in eine Krise.
Statt die Ursachen durchdacht zu beheben, glaubten die SED-Funktionäre die Missstände mit Härte begegnen zu müssen.

Grundsätzliches: Ein kostenfreies soziales Netz (Gesundheitswesen) war gegeben, sowie niedrige Lebenshaltungskosten (Miete & Lebensmittel) und geringe Preise für öffentliche Verkehrsmittel und Kulturveranstaltungen. Staatliche Subventionen sicherten feststehende Preise für den Mindeststandard und machten das Leben planbar. Der durchschnittliche Monatslohn betrug 700 Mark, bei Mietskosten um die 50 Mark (allerdings mit qualitativen Abstrichen sanierungsbedürftige Altbauten, mit Außentoilette). Um die 100 Mark kostete die Miete in einer Neubauwohnung mit Fernheizung und Bad.

Warenmarkt:  Alle Artikel hatten einen einheitlichen Preis und eine Produktauswahl war kaum vorhanden, da ein konkurrierender Markt fehlte. Niedrigpreise für Lebensmittel wurden mit staatlichen Subventionen garantiert. Lediglich bei Obst und Gemüse schwankten die Preise saisonbedingt oder abhängig vom Ernteertrag. Erzeugnisse, die nicht zum täglichen Bedarf gehörten, waren Luxusartikel und häufig unverhältnismäßig überteuert.
Ein Schwarz/Weiß Fernsehgerät kostete etwa 1.200 Mark und für ein Auto der Marke Trabant musste man 8.000 Mark hinblättern (inclusive Wartefrist von 8 Jahren). Ebenso musste für technische Hilfsgeräte, wie Kühlschrank oder Waschmaschine tüchtig gespart werden.

Arbeitswelt:  Festgeschrieben war ein 8-Stunden-Tag und der Samstag und Sonntag galt als freie Tage. Mann und Frau verdienten für dieselbe Arbeit auch das gleiche Geld. Mit der Arbeitspflicht wurden Frauen grundsätzlich finanziell unabhängig. Ehepaare nutzten den gemeinsamen Verdienst für den häuslichen Luxus. Schwangere Frauen besaßen eine Arbeitsplatzgarantie und ein Netz von Kinderkrippen und Kindergärten ermöglichte ihnen den schnellen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt. Da es in der DDR keine Arbeitslosen gab, konnte kein Bürger in eine existenzielle Not geraten. Wer sich aber doch parasitär der sozialistischen Gesellschaft verweigerte, bekam deutlich die Staatsmacht zu spüren.

Asoziale Lebensweisen:  Wer sich vom gesellschaftlichen Leben entfernte, geriet in den Fokus der Behörden. Es wurde bei jedem überprüft, ob von der geführten Lebensweise eine Gefährdung für andere oder für sich selbst ausging, und eine Finanzierung des Alltags ohne regelmäßige Arbeit möglich war. Im Zweifelsfall erhielten die betreffenden Personen konkrete Auflagen. Wer keiner geregelten Arbeit nachging, bekam eine zugewiesen. Verweigerte man sich total, drohte eine Einweisung in die Psychiatrie oder wurden bei kriminellen Handlungen ins Gefängnis gesteckt, die eher einem Arbeitslager entsprachen.
Das Staatssicherheitsnetz verhinderte ein Entziehen oder Untertauchen der betreffenden Personen. Bei alkoholsüchtigen Arbeitsverweigerern, bei denen das Kinderwohl gefährdet war, reagierte das Sozialamt schnell und holte die Kinder aus solchen Familien. Leider landeten die Kinder meistens in überfüllten Heimen, sodass die Sozialprognose fraglich blieb. Übrigens, die Vorgehensweise der Regierung gegen die Außenseiter der Gesellschaft fand eine breite Zustimmung in der Bevölkerung.

Kriminalität:  Durch ein strenges Waffengesetz und der Stasi-Überwachung (Staatssicher-heit) hielten sich bestimmte Verbrechen in Grenzen. Bewaffnete Banküberfälle oder Morde mit Schusswaffen waren kaum möglich. Die häufigsten Delikte waren Diebstähle und Schlägereien, woraus eskalierende Situationen zum Mord führen konnten. Ebenso konnte sich weder die Prostitution, noch der Drogenhandel entwickeln, und demzufolge auch nicht deren Beschaffungskriminalität. Lediglich an den wirtschaftlichen Knotenpunkten, wie bei der Leipziger Messe, den Handelsvertretungen in Berlin oder dem Rostocker Überseehafen wurde auch mit Drogen gehandelt. Für hochgestellte internationale Gäste wurden Prostituierte beschäftigt, deren Dienste auch einige Parteifunktionäre in Anspruch nahmen. In diesem Fall sorgte die Stasi dafür, dass weder ein Skandal, noch ein Attentat über die Prostituierten möglich war.

Staatssicherheit: Jede Nation verfügt über einen Staatsschutz, aber das Besondere an der Stasi war die systematische und permanente Überwachung der eigenen Bevölkerung. Das Widersprüchliche am Regierungssystem war, dass sie ein konstruktives Mitdenken wünschte und auch förderte, aber in der Praxis gerieten Kritiker schnell ins Visier der Stasi.
Wer entsprechende Warnsignale ignorierte, wurde schnell als oppositioneller Staatsfeind angesehen. Das Handeln der Stasi richtete sich dabei nach der realen Gefahr für den Staat. Politisch bedingt wurde seit den 50er Jahren ein enges Informationsnetz geschaffen, dass verdächtige Person beschatten ließ. Häufig wurde die Bevölkerung mit eingebunden, gelockt mit Versprechungen (Vergünstigungen) oder mit erpresserischen Mitteln zur Mitarbeit genötigt. Die informellen Mitarbeiter wurden auf bestimmte Personen angesetzt.
Der Alltag für das MfS (Ministerium für Staatssicherheit) bestand größten Teils aus den Telefonüberwachungen, Bespitzelungen und Aktennotizen. Je nach den Ergebnissen der Kontrollen wurden Regimegegner verhaftet, massiven Verhören unterzogen und konnten mit hohen Haftstrafen rechnen. Es wurde auch bekannt, dass die Stasi, einige Personen spurlos verschwinden ließ (vermutlich ermordete) und ebenso werden Folterungen für möglich gehalten. Allerdings wurden viele Beweise dafür vor dem Mauerfall (Ende der DDR) vernichtet, aber dennoch wurde reichlich Material gefunden, die das gesamte Ausmaß der Tätigkeiten der Stasi erahnen ließen und öffentlich gemacht wurde.
Abseits der zensierten Medien der DDR bezog der Bürger seine Informationen über dem Dschungelfunk (Hörensagen) und war sich über die Stasigefahr bewusst. Obwohl zahlreiche Gerüchte Schreckensbilder von der Stasi zeichneten, zeigte sich die Bevölkerung wenig verängstigt. Sie glaubte ungefährdet zu sein, wenn man sich offiziell an die Spielregeln hielt. Geprägt von Schule und Alltag entwickelte die Bevölkerung ein Gespür dafür, wie weit man gehen konnte. Insofern kannte jeder das Risiko, wenn man bewusst Grenzen übertrat.
Aber, wie sollte sich etwas ändern, wenn es nicht genau jene Mutigen gegeben hätte? Mehrheitlich waren es sogar Aktivisten, die an den Sozialismus glaubten, aber nicht mit der Praxis einverstanden waren. Besonders die Schizophrenie des Staates, die eine wirkliche Meinungsfreiheit nicht zuließ und nur zielgerichtete demokratische Reformen durchsetze, zeigte, wie viel Angst die SED-Regierung vor Veränderungen hatte und dem Volk misstraute. Es erhärtet sich der Eindruck, dass die Regierungskaste nur den eigenen Machtstatus sicherte und somit eine Art sozialistischen Neofeudalismus betrieb.

Mangelgesellschaft: Im Zusammenhang mit Fehlentwicklungen in der Planwirtschaft und dem gestiegenen Wohlstand bildete sich eine Mangelwirtschaft heraus, in einer noch nie dagewesenen Form. Das Alltagsleben war von Warteschlangen geprägt, um rare Produkte käuflich zu erwerben. Damit Hamsterkäufe nicht zum sozialen Unfrieden führten, wurden begehrte Erzeugnisse auf Zuteilung verkauft. Besonders die Rationierung von Südfrüchten zur Weihnachtszeit prägte sich besonders ein. Pro Person (Familie) wurden begrenzt Apfelsinnen, Bananen oder Pfirsiche verkauft. Es war notwendig sich Stunden vor der Öffnung des Geschäftes anzustellen, um Früchte in akzeptabler Qualität zu erhalten. Überdies reichten die Waren nicht für alle Kunden oder erhielten den schäbigen Rest. Dazu zweigten Verkäuferinnen stiegenweise Südfrüchte ab, für die eigene Familie, Verwandte oder als Tauschobjekt für andere Waren.
Der Schwarzmarkthandel blühte und es wurde fast mit allem gehandelt, selbst bestimmte Zigarettensorten (Bild) gab es nur unter dem Laden-tisch. Begehrt waren Räucheraal, Rinderrouladen, Sekt, Südfrüchte, Zement, Tapeten und Fliesen. Lediglich Äpfel, Kartoffeln, Kohlsorten und die minderwertigen Kuba-Orangen gab es immer. Das Diebesgut oder die unterschlagenen Artikel wurden überteuert gehandelt, jedoch war das nichts im Vergleich zu den teilweise überzogenen Lohnforderungen der Schwarzarbeiter. Nach Feierabend arbeiten Handwerker illegal für private Kunden und erreichten den Status einer eigenen Gesellschaftsschicht.
Mit der Schwarzarbeit verbunden eskalierte die Wirtschaftskriminalität. Der Diebstahl von Baustoffen (Zement, Steine), Bauelementen (Armaturen, Sanitärkeramik) und Exportwaren (Fliesen, Tapeten) erreichte gigantische Ausmaße und schädigte die Volkswirtschaft enorm. Ein grundlegendes Problem war, dass häufig hochrangige Funktionäre davon profitierten und

Intershops:  Mit den Erleichterungen im innerdeutschen Reiseverkehr gewannen die Intershops an Bedeutung. Bereits 1962 eingeführt, sollten sie bevorzugt westdeutschen Gästen das begehrte Westgeld (D-Mark) aus der Tasche locken. Das Sortiment entsprach einem Supermarktangebot mit Kleidung und technischen Erzeugnissen. Die Funktionäre achteten darauf, dass jene Markenartikel angeboten wurden, die DDR Bürger aus der TV-Werbung kannten. Mit überteuerten Waren zielten die Funktionäre auf die Westdeutschen Besucher, die für ihre Verwandten dort die begehrten Artikel kauften. Unerwünscht war jedoch, dass die westlichen Gäste ihre Verwandten mit in die Geschäfte nahmen. DDR Bürger, die es dennoch taten, fühlten sich dort, wie im Paradies. Normalerweise durften DDR Bürger dort nichts kaufen, zumal ihnen der Besitz von Valuta (D-Mark, Dollar usw.) untersagt war. Mit dem regen Westverkehr kam der Bürger dennoch zu Westgeld, über Geldgeschenke, Trinkgelder oder illegalen Geschäften. Provokativ gingen die DDR Bürger unerlaubt in die Intershops und kauften dort ein. Schnell gaben die Verkäuferinnen ihren Widerstand dagegen auf, sodass die Regierung ab 1974 das Einkaufen dort offiziell erlaubte. Die Regelung führte dazu, dass Handwerker für ihre Leistungen nun einen D-Mark-Zuschuss verlangten. Auf der anderen Seite murrte die Bevölkerung, die zu keinem Westgeld kam.

Improvisation:  Die Mangelwirtschaft förderte kreative Fertigkeiten und kompensierte das fehlende Knowhow. Gerade modisch hinkten die Kaufhäuser dem Trend hinterher.
Die Kleidung war oft unmodern, eintönig und ohne große Auswahl. Die Textilwaren von der Stange waren zweckmäßig ausgerichtet und uniformierten die Nation. Als Jeansersatz dienten beispielsweise blaue Stoffhosen (Niethosen), die wenig strapazierfähig waren und nichts mit einer Levis gemein hatte. Wer der westlichen Mode nahe sein wollte, musste selbst Handanlegen und sich aus dem vorhandenen Angebot etwas schneidern. Aus der Kreativität mancher privaten Näherin entwickelte sich in der DDR sogar ein Modestil. 
So wie in der Mode entwickelte sich ein typischer Einfallreichtum. Der Mangel förderte so überraschend die Kreativität und wusste sich mit zahlreichen Improvisationen zu helfen.
So wurde die Waschmaschine zum Riesenkochtopf oder zum Aufwärmen von Bockwürsten bei Feiern benutzt. Für den Trabant wurde eine Stellage gebaut, wodurch das Auto zum Wohnmobil wurde. Kuriose Erfindungen und geniale Einfälle steigerten den Komfort und manche Sicherheitsprüfung drückte ein Auge zu. Allerdings gab es auch Konstruktionen, die nicht ganz ungefährlich waren.
Doch grundsätzlich war der Erfindergeist gefragt, selbst bei Geburtstagsgeschenken. Wer nichts Besonderes für den Jubilar erstehen konnte, musste sich etwas einfallen lassen. Zum Beispiel etwas Basteln, eine Kassette mit den Lieblingsliedern bespielen oder einen Kuchen backen. Die persönliche Würdigung stand im Mittelpunkt, wobei der finanzielle Wert eines Geschenkes unwichtig war. 

Haushaltstechnik: In den meisten Haushalten standen Schwarz/Weiß-Fernsehgeräte, da die ersten Farbfernseher extrem teuer waren. Mit dem eigenen Fernsehangebot war der Bürger unzufrieden, aber 75 %  der DDR Bürger konnten über Antenne das beliebte BRD-Fernsehen empfangen. Zum Haushaltsstandard gehörte ein Radio, Kühlschrank, Staubsauger und eine Waschmaschine, mit externer Wäscheschleuder. Trotz technischer Hilfen war ein Waschtag mit einem erheblichen Arbeitsaufwand verbunden, allein das Schleudern konnte zum Kraftakt werden. Wenn die Wäsche im Gerät nicht gleich-mäßig verteil wurde, hopste das vibrierende Gerät durch den Raum, verteilte die Flüssigkeit und konnte weitere Schäden anrichten.
Der Jugendliche besaß häufig ein Kofferradio, aber mit dem ersten brauchbaren Kassettenrekorder (Sonett) und den besseren Aufnahmemöglichkeiten sparten viele auf solch ein Gerät. Schallplattenspieler lagen nicht im Trend, weil die begehrten internationalen Popschallplatten des Westens in der DDR sowieso nicht angeboten wurden. Nur hin und wieder veröffentlichte Amiga einen Sampler von politisch genehmen Stars und die nationale Popszene steckte noch in den Kinderschuhen.

Freizeit, Urlaub, Reisen: Über die staatliche Gewerkschaft FDGB konnte der Werktätige einen preiswerten Urlaub im Lande verbringen. Allerdings wurden hier ebenfalls mit den Urlaubsleckerbissen des FDGB Geschäfte gemacht und jene, die an der Quelle saßen, reservierten die Plätze für sich oder Begünstigte.
Auslandsreisen waren für den Normalbürger auf die Staaten des Warschauer Paktes begrenzt und teuer. Begehrte Reiseziele waren die Schwarzmeerküste Bulgariens und der ungarische Plattensee (Balaton). Durch seine historische Nähe zu Österreich, umgab Ungarn ein westliches Flair und war zudem auch ein beliebtes Reiseland der Bundesbürger.
Der größte Teil der DDR-Bürger blieb jedoch zu Haus. Ländliche Bewohner widmeten sich ihrem Grundstück und die Stadtbewohner machten es sich auf ihrer Datsche (Kleingartengrundstück) gemütlich.
Ein gutnachbarliches Verhältnis mündete oft in Grillfeten, mit Musik, Tanz und viel Alkohol. Das fast freundschaftliche Verhältnis basierte auf dem gesellschaftlich gleichen Status. Der Normalbürger schaffte es nicht zu großen Reichtümern, war stets auf die Hilfe von anderen angewiesen und bei den Themen der Zeit hatte die Mehrheit einen ähnlichen Standpunkt. Der Gemeinschaftssinn hatte einen hohen Stellenwert, sodass egoistische Triebe, wie Neid, Gier, Missgunst und Darstellungsgehabe kaum zur Geltung kamen. Das machte den DDR-Bürger zum weltoffenen und kontaktfreudigen Menschen. Bei Feiern und Festen in Gast-stätten löste der Alkohol jede Zunge und ließ den Frohsinn heraus. Jeder redete frei von der Seele weg und selbst mit staatspolitischer Kritik wurde nicht gespart. Obwohl man mit anwesenden Stasiagenten rechnen musste, sagte jeder, was er dachte, und sofern Kritik nicht in offenen Aufruhr mündete, bestand für die Staatssicherheit kein Handlungsbedarf.

Essen und Trinken: Die Bockwurst mit Brot als schnelles Gericht am Stand wurde von der Currywurst und dem Broiler (Brathähnchen) abgelöst. Als Variante zum McDonalds Hamburger, wurde in der DDR die Grilletta erfunden. Ketchup wurde zum beliebtesten Würzmittel, Spaghetti mit Tomatensoße der absolute Hit bei Kindern und das Letscho (Paprikagemüse) passte gut zu Bouletten und Schnitzel. In den Gaststätten aß man gutbürgerlich (Eisbein, Schweinebraten, Schnitzel) und eine internationale Küche wurde bestenfalls in gehobenen Restaurants angeboten.
Zu einem Gericht tranken die Männer überwiegend Bier und Frauen gönnten sich ein Glas Wein. Für Kinder wurde die Cola zum Lieblingsgetränk, obwohl es erhebliche qualitative unterschiede gab. Am beliebtesten war Club Cola, die schnell vergriffen war und eigentlich  nur im Berliner Raum angeboten wurde. Die westliche Coca Cola gab es natürlich nicht.  Ähnlich populär, wie die Club Cola, war die Orangen-Zitrus-Limonade Astoria.
Sehr preiswert in der DDR war Alkohol und doch dominierten nur wenige Sorten und wurden sogar zur Mangelware. Die Weinbrandsorte Goldbrand und der Klare Nordhäuser Doppelkorn wurden häufig unter dem Ladentisch verkauft. Die Damen bevorzugten Likör, wobei der Timm’s Saure (Fruchtlikör) zum Favoriten wurde. Erhältlich war der hochprozentige Prima Sprit (98 %), den viele dazu verwendeten eigene Alkoholmischungen herzustellen.
Besonders beliebt waren selbst gemachte Eierliköre. Prima Sprit wurde wegen des steigenden Missbrauchs mit gesundheitsschädlichen Folgen vom Markt genommen und war nur noch zweckgebunden im medizinischen Bereich in Apotheken erhältlich. Abschließend sei bemerkt, dass Gaststätten und Kneipen gut besucht waren. Das einfache regionale Bier kostete 40 Pfennige (0,3 l) und für den kleinen Hunger, war immer Kartoffelsalat mit Würstchen oder Boulette im Angebot.

Partnerschaftsbeziehungen: In der Verfassung waren die Gleichberechtigung und die Arbeitspflicht festgeschrieben. Die damit verbundene finanzielle Unabhängigkeit der Frau schuf von Anfang an, die Basis der Gleichwertigkeit in einer Beziehung. Die bisherige Familienhierarchie der Vorkriegszeit wurde von einer Rollenverteilung abgelöst.
Formell blieb der Mann das Familienoberhaupt, aber die Frau hatte ein Mitspracherecht. In puncto Hausarbeit wurde es selbstverständlich, dass der Mann bei der Hausarbeit half. Da beide berufstätig waren, übernahm der Mann mindestens das Abwaschen, Einkaufen oder half beim Saubermachen. Aber aufgrund der spezifischen Fähigkeiten, blieb eine gewisse Arbeitsteilung erhalten. Die Frau konnte in der Regel besser Kochen, Backen und kam auch besser mit der anfallenden Wäsche klar. Der Mann war dagegen für handwerkliche Dinge zuständig, erledigte Behördengänge, unter-stützte die Frau bei schweren Lasten und versuchte sie auch ansonsten zu entlasten. Häufig widmete er sich beispielsweise den Kindern.
Bei der Kinderfürsorge konnte die Familie auf staatliche Hilfen zurückgreifen. Neben dem sozialen Netz (Kindergarten), gab es für die Familie viele Hilfsangebote, auch finanziell. Der Gesetzgeber schuf für die Gleichberechtigung die entsprechenden Rahmenbedingungen. Verhütungsmittel (die Pille), ein begründeter Schwangerschaftsabbruch und ein vereinfachtes Scheidungsrecht gehörten zu den grundsätzlichen Rechten. Großzügig konnte die Frau nach einer Schwangerschaft, neben der regulären Freistellung, bis zu drei Jahre freigestellt werden, mit Arbeitsplatzsicherung. Beruflich durften die Frauen auch Männerberufe erlernen, was auch umgekehrt möglich war.
Der moderne Mann der 70er Jahre hatte deshalb mit einer engagierten, selbstbewussten Frau zu tun. Die Mehrheit der Männer wollte nicht nur eine Hausfrau als Partnerin, aber auch keine verbissene Emanze, die den Mann dirigieren wollte. Im Mittelpunkt der Liebe standen die Gemeinsamkeiten. Aber das Leben verändert sich und somit auch die Liebe. Das führte zu den Schattenseiten der Gleichberechtigung. Vorschnell wurde die Partnerschaft aufgegeben, ließen sich von neuen Liebschaften verführen oder fanden keinen Weg für eine gemeinsame Zukunft. Die Scheidungsrate war dementsprechend sehr hoch.
Zum Hauptscheidungsgrund wurde die sexuelle Untreue, sie war aber das Resultat einer steigenden sexuellen Neugier. Obwohl die DDR-Medien die Sexualität als Liebesakt deutlich hervorhoben, ließ sich die Bevölkerung vom Westfernsehen zum Triebsex verführen. Die DDR propagierte die Nacktheit als Kunstobjekt und den Geschlechtsverkehr als höchsten privaten Liebesakt. Bilder von weiblicher Nacktheit (in „Das Magazin“) waren deshalb nie aufreizend. In freizügigen Filmen war Sex stets ein Stilmittel einer Liebesszene und nie triebgesteuerte Gier. Dass fördern der FKK-Kultur (Nudisten) sollte für einen bewussten Umgang mit der Nacktheit sorgen. Prostitution und triebfördernde erotische Bilder (Pornografie) waren in der DDR verboten. Weil die DDR-Frau nicht als Sexobjekt gesehen werden sollte, gab es ebenso keine Dessous zu kaufen. Letztendlich verstärkte sich damit aber die
Sehnsucht nach einer prickelnden Erotik.
Über die Westmedien und den innerdeutschen Verkehr konnten sich aufreizende erotische Darstellungen verbreiten. Im BRD-Fernsehen präsentierte Ingrid Steeger ihre Nacktheit und die Westverwandten schmuggelten Pornohefte in die DDR. Der Reiz des Anrüchigen hatte wesentlichen Anteil daran, dass Männer und Frauen sexuelle Abenteuer suchten. Vor allem die männlichen Jugendlichen umgarnten die Mädchen mit dem Ziel des sexuellen Erlebens. Die Bereitschaft zur vorehelichen Sexualität war sicherlich höher als im Westen, zumal die Frau einen emanzipierten Status genoss. Scheiterte eine Beziehung, so konnte die alleinstehende Frauen mit Kind, mit staatlichen Hilfen rechnen und die hohe Scheidungsquote verbot hier einen moralischen Zeigefinger. Bei aller Kulanz in den Beziehungen, tat man sich mit dem Thema Homosexualität schwer und wurde lediglich stillschweigend toleriert.

Ausländer: Neben Arbeitern aus dem sozialistischen Ausland (wie Ungarn, Polen), kamen nach und nach Arbeitskräfte aus anderen Kulturkreisen. Zunächst Vietnamesen und dann Kubaner. Allein wegen der sprachlichen Verständigung blieben die Ausländer unter sich, zumal der DDR-Bürger in der Schule nur russisch lernte. Englisch wurde als freiwilliges Nebenfach angeboten, mit mäßiger Beteiligung und häufig schlechtem Sprachunterricht. Ungeachtet der Verständigungsschwierigkeiten das karibische Temperament der Kubaner auf die Mädchen eine magnetische Kraft aus. Kubaner und später auch junge Arbeiter aus Algerien und Angola, wurden zu Konkurrenten der heimischen Männer. Im Rahmen üblicher Revierkämpfe, entluden sich immer wieder Konflikte, die aber nicht vordergründig ausländerfeindlich waren. Außerdem fehlten einer Ausländerfeindlichkeit die sozialen Spannungsfelder. In der DDR gab es keine Arbeitslosen und in der Regel konnte jeder in einem akzeptablen Wohlstand leben.
In extremen Fällen reagierte der Staat sofort. Auffällig gewordene Ausländer wurden zurück in ihr Heimatland geschickt und straffällige Deutsche wurden hart bestraft. Die meist jugendlichen Straftäter kamen in den Jugendwerkhof, einem gefürchteten Haftmodell. Die Kombination aus Arbeitslager und Züchtigungsanstalt ging mit ihren Gefangenen nicht gerade zimperlich um. Berichte von geschlagenen Häftlingen erhärteten sich.
Bürger aus der Bundesrepublik wurden ebenfalls als Ausländer angesehen, zumindest jene, die über das Land touristisch herfielen. Besonders in Ost-Berlin spielten sie sich gern als kleine Könige auf. Wobei westgeldgierigen Zeitgenossen sie dazu ermunterten. Beispielsweise wurden ihnen in begehrten Gasstätten stets Plätze freigehalten. In bestimmten Restaurants war es üblich, dass am Eingang die Gäste warteten, bis der Oberkellner ihnen einen Platz anbot. Einerseits wurde auf eine angemessene Kleidung geachtet und andererseits sorgte das für eine ruhige Atmosphäre im Gastraum. In der Praxis allerdings, waren die beliebtesten Plätze im Gastraum reserviert und daher alle freien Plätze schnell belegt. Der DDR-Gast hatte die Wahl in einer Warteschlange auszuharren oder er suchte sich ein anderes Lokal. Wer aber wartete bekam mit, dass Westbürger, die mit einem Geldschein wedelten, nicht warten brauchten und nun auch die reservierten Tische frei wurden.
Eine solche Bevorzugung gab es in vielen Bereichen, in Oper, Theater, Ausstellungen oder Tanzbars. Darüber hinaus gab es einen regen Schwarzmarkthandel zwischen Ost-und West-Bürger. Nicht mehr aktuelle Zeitschriften (Papiermüll), wie die „Bravo“-Ausgaben, oder die Illustrierten „Stern“, „Quick“ oder „Spiegel“ und alle Formen von Sexzeitschriften, fanden einen reißenden Absatz. Begehrt waren ebenfalls die westliche Popschallplatten und für so  manches Starposter bezahlten die Ost-Fans gigantische Preise. Bundesdeutschen Händler machten zusätzlich mit dem Ostgeld Profit, in dem sie hier preiswert Kunstgewerbeartikel kauften, die sie dann in der BRD teuer verkauften. So mancher illegaler Händler wurde dadurch Reich.
 


Kassettenrecorder Sonett 77 der Firma RFT Restaurationsobjekt Trabant 601

Robotron S/W Fernseher

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   schleuder

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4. DDR Lebensart nach 1975

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre gelang es den Funktionären mit ihren Maßnahmen die Arbeitsproduktivität zu steigern und die Wirtschaftskriminalität etwas einzudämmen. Dennoch wirkte sich Schwierigkeiten in der zentralisierte Planwirtschaft immer offensicht-licher aus, besonders die ständigen Engpässe in der Warenversorgung erzeugten ein lautes Murren innerhalb der Bevölkerung. Mit Sozialmaßnahmenpaket wollten die Funktionäre das Volk besänftigen. Der damit steigende Wohlstand verschärfte aber das finanzielle Problem der Regierung, die weitere Staatsschulden aufnehmen mussten.
Dazu wuchsen über die Kulturszene die innenpolitischen Spannungen. Die gegebenen Freiheiten wurden zurückgenommen, da die Kulturszene Tabuthemen ansprach und noch mehr künstlerische Freiheiten einklagte (Renft, Biermann). In diesem Zusammenhang verstärkte sich in der Bevölkerung der Wunsch nach der Reisefreiheit (besonders in die BRD) und der Meinungsfreiheit (Opposition, freie Wahlen). Man kann dabei davon ausgehen, dass die Mehrheit (junge Generation) einen reformierten demokratischen Sozialismus befürwortete.
Die Staatsführung sah aber darin ein unkalkulierbares Risiko, dass zum Regierungschaos führen könnte; eine ungeduldige Bevölkerung mit Streiks und Demonstrationen die Lage verschärfen könnte und das im Rahmen der Reisefreiheit zu viele benötigte Spezialisten das Land verlassen würden. Die bestehende Wirtschaftskrise würde dann zur Staatspleite führen und dann wäre auch die Wiedervereinigung zugunsten der BRD ein Thema. Statt wenigstens kontrolliert demokratische Reformen zu wagen, entschied sich die machtbesessene Regierungsclique dazu, Kritiker und Oppositionelle zum Verstummen zu bringen. Genau dieser Kurs wirkte sich fatal aus und wurde zur Basis der wachsenden Bürgerrechtsbewegung im Untergrund, sowie einer nun steigenden Bevölkerungsmehrheit, der seine Haltung zur sozialistischen Idee grundsätzlich änderte.

Lohn & Wohlstand: Der monatliche Durchschnittslohn stieg geringfügig (1975 = 900 Mark, 1979 = 1000 Mark) und es wurden verstärkt motivierende Leistungsprämien gezahlt. Im Gegensatz zu den anderen sozialistischen Staaten genoss der DDR-Bürger den höchsten Lebensstandard. Die Grundnahrungsmittel blieben weiter staatlich subventioniert. So kostete ein Brötchen etwa 5 Pfennige und ein Brot eine Mark. Der Wohnungsmietpreis machte 5% vom Nettolohn aus (in der BRD 20%). Da die Kosten für Essen & Wohnen wenig Geld verschlangen, konnte der DDR Bürger die finanziellen Mittel gut ansparen. Das war nötig um sich Luxusartikel leisten zu können, die unverhältnismäßig teuer waren und nicht selten zwei  Monatsgehälter ausmachten. Ein Auto besaßen 38% aller Haushalte und in jeder Wohnung standen ein Kühlschrank, eine Waschmaschine und ein Fernsehgerät.
Neben dem Auto waren Mopeds (Schwalbe, S 50) sehr begehrt und für jene, die dafür kein Geld ausgeben wollten, war ein gut ausgebautes Verbundnetz im öffentlichen Nahverkehr gegeben. Die Fahrpreise waren sehr moderat, so kostete eine einfache S-Bahn-Fahrt nur 20 Pfennig. Gaststätten hatten weiterhin Hochkonjunktur, da ein normales Hell-Bier (0,33l) nur 40 Pfennige kostete und ein Importbier eine Mark. Für ein durchschnittliches Mittagessen mit einem Getränk bezahlte man um die 5 Mark und selbst in den gehobenen Restaurants kostete ein Menü um die 10 Mark. Lediglich für außergewöhnliche Speisen musste der Gast tiefer in die Tasche greifen. Ein 14-tägiger subventionierter FDGB-Urlaub war ab 200 Mark möglich, aber für eine Tüte gemahlenen Kaffee der Marke Mokka Fix (150g) musste man 8,75 Mark hinblättern. Die mittlere Preisklasse für Zigaretten lag einheitlich bei 3,20 Mark und eine Flasche Weinbrand oder Wodka (0,75 l) um die 10 Mark.
Für einen Kassettenrekorder Sonett musste man um die 300 Mark ansparen, eine leere Tonbandkassette (90 min) war mit 16 Mark relativ teuer. Bespielte Kassetten kosteten einheitlich  22 Mark. Das qualitativ hochwertige Spulentonband der CSSR-Firma Tesla kostete um die 500 Mark. 16 Mark musste man für die gängigste Spule (180 min) berappen, aber wer beim Aufnehmen auf die Stereotechnik verzichtete, konnte 6 Stunden Musik archivieren.

Sozialmaßnahmen: Die Anzahl der werktätigen Frauen war auf 86 % gestiegen (höchster Anteil in der Welt), wodurch die Doppelbelastung zu einem großem Problem wurde. Leider hatte sich der Trend verändert und so waren trotz Gleichberechtigung, nicht alle Männer bereit, Hausfrauenarbeiten zu erledigen bzw. drückten sich davor, auch vor der Kinderbetreuung. Nicht selten eskalierte dadurch ein Streit, der nicht selten zur Scheidung führte.
Durch die finanzielle Unabhängigkeit, jagte viele Frauen ihren Hauspascha zu Teufel und lebten lieber allein oder in lockeren Beziehungen (unverheiratet). Für schichtarbeitende Mütter senkte der Staat die Arbeitszeit, erhöhte auch den bezahlten Schwangerschaftsurlaub und sie konnten, sich ab dem 2. Kind, für ein Jahr bezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Für den Start junger Ehepaare gewährte der Staat einen zinslosen Kredit von 10.000 Mark.
Zur Erhöhung einer rückläufigen Geburtenrate wurde zudem Geburtenbeihilfe von 500 Mark für das erste Kind und 1000 Mark für jedes weitere Kind geschaffen (wurde später deutlich erhöht). Damit die Frau einer Arbeit nachgehen konnte, war ein Netz von Kindergärten und Horten entstanden. Grundsätzlich war die medizinische Versorgung kostenlos, so auch für Verhütungsmittel und dem Schwangerschaftsabbruch (Fristenregelung).

Mangelwirtschaft und deren Folgen: Wie schon erwähnt, verschlangen die Sozialmaßnahmen viel Geld. Die Staatsführung war schließlich dazu gezwungen Kredite aufnehmen. Zum wichtigen Kreditgeber wurde ausgerecht die Bundesrepublik. Innerhalb von 1970 bis 1989 stieg die Schuldenlast von 2 auf 49 Milliarden Valuta Mark an.
Eine Maßnahme um die Talfahrt zu stoppen, war der Ausbau von Intershops. Es galt dabei weniger den BRD-Touristen das Geld aus der Tasche zu ziehen, sondern an das „Westgeld“ der eigenen Bevölkerung zu kommen. Über Verwandte, Besucher, Trinkgelder oder zwie-lichtige Geschäfte besaßen viele DDR-Bürger große Mengen „Westgeld“ (D-Mark). Der DDR-Bürger durften nun dort einkaufen (war bislang verboten), versuchte jedoch die Bürger mit Forum-Checks höhere Gewinne zu erzielen. Das heißt, bevor der DDR-Bürger in den Intershops einkaufen konnte, musste er sein BRD-Geld bei der Staatsbank umtauschen und erhielt dafür Forum-Wertscheinen.
Die List bestand darin, dass man kein Kleingeld für
die Kaufdifferenz zurückbekam. Einen Wertschein von 20 Mark beispielsweise, musste so günstig wie möglich ausgeschöpft werden. Häufig wurden irgendwelche Süßigkeiten dafür gekauft, das sich der Verlust auf wenige Pfennige reduzierte. Aber die Pfennige summierten sich und brachten dem Staat hohe Gewinne ein. Die Bürger waren darüber empört und weigerten sich ihr BRD-Geld umzutauschen. Die Regierung sah sich schließlich veranlasst, das System zu ändern und erlaubt den direkten Einkauf mit Rückgeld.
In dem Zusammenhang murrten nun zahlreiche Bürger, die über kein „Westgeld“ verfügten und dazu das Angebot in den offiziellen Geschäften sich stark reduzierte. Begehrte Waren der DDR-Produktion waren nun plötzlich für den Export vorgesehen. Um die Stimmung im Land zu besänftigen wurden die Delikatläden erfunden. Überteuert wurden nun westliche Produkte angeboten und die Bereitschaft der Bevölkerung jene Artikel zu kaufen war groß. Dazu sei angemerkt, dass es dem DDR-Bürger möglich war, ein hohes Sparguthaben anzuhäufen (niedrige Lebenshaltung, Warenmangel).  
Neben den internationalen Produkten, kamen mit der Zeit auch nationale Produkte in die Delikatläden, die aus den Kaufhallen (Supermarkt) verschwunden und Exportware wurden. Salami, Rotkäppchen Sekt, Spreewaldgurken oder Rinderrollladen waren in guter Qualität nur dort erhältlich. Da einerseits das Warenangebot in der Kaufhalle immer jämmerlicher wurde und andererseits der Staat mit Delikatläden den Sparstrumpf der Bürger leerte, wurden nun in den Kaufhallen Delikat-Verkaufsecken eingerichtet.
Mit dem großen Erfolg der Delikatläden wurden nun noch Exquisitläden eingerichtet. Zu überhöhten Preisen gab es hier modische Waren (z. B. Kleidung, Lederwaren) und konnte dort dem unmodischen Einheitslook der eigentlichen Kaufhäuser entgehen. Zu einem weiteren profitablen Geschäft wurde der Geschenkedienst GENEX. Über Westverwandte oder Eigenkapital (D-Mark) ermöglichte der Staat den Kauf von Westprodukten, wie Fernsehgeräte oder Autos. Die Devisengier führte dazu, dass westliche Touristen bevorzugt wurden und für sie ein Kontingent vorreserviert wurde (Restaurants, Opernhäuser, Theater). Auffällig war, dass in manchen Restaurants oder Hotels („Adlon“), für DDR-Bürger alle Tische reserviert oder alle Zimmer belegt waren.
In der Summe entbrannte beim DDR-Bürger die Wut über die Staatsstrategie. Dazu kam, die ständig auf Jagd nach raren Waren oder Artikeln, die dann oftmals über den Schwarz-markthandel zu unverschämten Preisen erhältlich waren. Es nervte das Schlangestehen für Nektarinen oder gar für eine LP eines westlichen Popstars. Nur durch Hören-Sagen erfuhr man von einer Belieferung von raren Produkten und verstärkt nahmen sich Arbeitnehmer eine verlängerte Frühstückspause beispielweise Bananen, Fliesen, Räucheraal oder Zement zu bekommen. Nicht selten bildeten sich Warteschlagen von Kaufwilligen von mindesten 50 Personen. Das Einkaufen zog sich somit zeitlich hin und sprengte erheblich den Pausenrahmen der Mitarbeiter. Zahlreichen Betriebsleiter blieb nichts anderes übrig als dies notgedrungen zu tolerierten, anstatt die Arbeitnehmer alternativ sich krankschreiben ließen. Aber so ein Anstehen war mit einem hohen Stresspotenzial verbunden, nicht umsonst angestanden zu haben. Häufig reichte die Ware nicht für alle aus, obwohl die Verkäufer Hamsterkäufe mit einer Personenzuteilung regelten. War man jedoch erfolgreich löste das einen gewissen Stolz aus, etwas Besonderes ergattert zu haben.
Diesbezüglich waren alle Anschaffungen oder Käufe von hohem Wert, so auch Möbel oder technische Geräte. Der DDR-Bürger war auch bedacht seine Wohnung so gemütlich, wie möglich zu machen. Leider waren dazu viele Wohnungen in einem reparaturbedürftigen Zustand. Den Wohnungsbaugesellschaften fehlten durch die geringen Mieten, einerseits die nötigen Gelder oder andererseits waren die benötigten Handwerker nicht verfügbarwaren (waren an Großbaustellen gebunden). Auch fehlten oft die entsprechenden Materialien zur Reparatur oder waren schlechter Qualität. Meistens wurde improvisiert, aber alles in allem waren die Wohnbedingungen mitunter katastrophal.

Freizeit: Aufgrund der Alltagsprobleme suchten sich die Bürger ein Ventil (Ausgleich). Es wurde deshalb viel gefeiert. Die Ausflugsgasstätten waren überfüllt, Tanzveranstaltungen stark besucht und auf diversen Volksfesten amüsierte man sich. Der Umsatz an Bier und Schnapps war enorm. In den eigenen vier Wänden wurde das Fernsehen zum beliebten Freizeitmedium, aber ein Farbfernseher war mit 5.000 Mark vielen zu teuer.
Die begehrte Automarke Trabant (Volksauto) kostete inzwischen 10.000 Mark (bei Extras) und die Wartezeit erhöhte sich auf 10 Jahre. Den Luxuswagen Wartburg erhielt man deutlich eher, kostete jedoch um die 18.000 Mark. Ähnlich teuer waren der tschechische Skoda und der rumänische Dacia. Zu den polnischen Produkten Polski Fiat und Saporoshez hatte der Bürger dagegen kein Vertrauen („Rostlauben“). Wesentlich günstiger waren die Mopeds (um 1.500 Mark) und am beliebtesten waren die Schwalbe und der S 50
Die Regierung schuf Grundstücksanlagen für die Bevölkerung, als Ersatzkleingärten (Datsche, Schrebergarten). Mit jenen Kleingärtenkolonien verfolgte der Staat zwei Ziele. Einerseits sollte es dem Bürger als Naherholungsort dienen und gab anderseits die Vereins-auflage Obst und Gemüse anzubauen vor. Es sollte das Angebot von Kaufhallen entlasten und Überschüsse vom Garten aufgekauft werden. Doch im Trend, trieb es den Bürger raus aus der gewohnten Umgebung und strebten Urlaubsreisen an. Für die Gewerkschaftsmit-glieder (FDGB) gab es kostengünstige Urlaubsplätze über die Betriebe. Dreiviertel aller Urlaubsplätze in der DDR, wurden über den FDGB vermittelt, zumal ein privater Urlaub wesentlich teurer gewesen wäre. Einer steigenden Beliebtheit erfreute sich das Camping, ein Hauch von Natürlichkeit und Freiheit, mit geringen Kosten. Für Kinder und Jugendliche gab es Zeltlager mit einer organisierten Freizeit, die selbstverständlich ideologisch geprägt war.
Reisen ins Ausland waren weiterhin nur innerhalb der Warschauer Paktstaaten möglich. Aber für Privilegierte öffneten sich schon die Grenzen zur Bundesrepublik (Sportler, Künstler, Funktionäre). Und auch Rentnern durften ihre Verwandten im Westen besuchen. Theoretisch durften sogar jeder einen Reiseantrag stellen, der einen nahen Verwandten in der BRD hatte. Praktisch wurden jedoch die meisten Anträge abgelehnt, vor allem wenn die Fluchtgefahr wichtiger Arbeitskräfte (Ärzte, Ingenieure, Professoren) zu hoch war.

Ideologischer Drill: Grundlegendes Ziel der sozialistischen Ideologie war die Erziehung des Menschen zu einer bewussten und verantwortungsvollen Persönlichkeit. Sie sollte sich uneigennützig und solidarisch zu seinem Umfeld verhalten und sich nicht von niederen und egoistischen Trieben leiten lassen. Die kommunistische Partei verstand sich diesbezüglich als Wegbereiter in eine klassenlose Gesellschaft. Die Partei favorisierte dabei diktatorische Mittel, um die Menschheit vor den Gefahren niederer Begierlichkeit zu bewahren. In diesem Sinne wurden ideelle Richtlinien vorgegeben und eine entsprechende Erziehung angestrebt.
Bereits im Kleinkindstadium sollten Hort und Kindergarten den Gemeinschaftssinn fördern. In der Grundschule ließen sich die Kinder mit Stolz als Junge Pioniere uniformieren und wurden angespornt in ihrer Umgebung und für die Gesellschaft aktiv zu sein (z. B.: alten Menschen helfen, Altstoffe sammeln). Später als jugendliche FDJ-Mitglieder sollten sie sich gesellschaftspolitisch einbringen und in den staatlichen Organisationen engagiert mitwirken. Die sportlich orientierte Organisation Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurde dabei zur „freiwilligen Pflicht“ und war eine getarnte paramilitärische Ausbildung. Der eingeführte Wehrkunde-Unterricht wurde unter Protests als Schulfach eingeführt, der die Jugendlichen bewusst ideologisch drillte. Unbeirrt ließ der Staat den Eltern keine Wahl, ihre Kinder vor dem staatlichen Einfluss zu bewahren. Aber die überzogene Strategie ver-fehlte immer häufiger sein Ziel und die Jugend ging auf Distanz und suchte Alternativen.
Eine offizielle Opposition gab es aber nicht, lediglich die Kirche war dem Staat ein Dorn im Auge. Seit der Staatsgründung versuchte die Regierung die Religiosität zu bekämpfen. Doch für das Volk waren sie der einzige oppositionelle Strohhalm und ob gewollt oder ungewollt wurde die Kirche zum Ort für Andersdenkende. Auf den starken Zulauf zur Kirche, reagierte der Staat mit einer Reihe von Benachteiligungen für junge Gläubige und einer verstärkten Überwachung. Die Meisten waren nicht wirklich gläubig, sondern suchten die Opposition.Sie verweigerten sich damit dem gewünschten Werdegang der Regierung, die SED-Mitglied werden oder sich sonst einer staatlichen Organisation anschließen sollten. Es war inoffiziell bekannt, dass ohne staatliche Bindung bestimmte berufliche Laufbahnen nicht möglich. Ebenso wurde von jungen Männern für ein Studium ein 3-jähriger Wehrdienst erwartet.
Die Regierung züchtete mit den Zwängen eine erzürnte Jugend heran. Zusätzlich sorgte der Umgang mit Systemkritikern für großen Unmut. Oftmals waren es demokratische Reformer, die auf Missstände hinwiesen und Lösungsvorschläge hatten. Statt sich mit den Argumenten auseinanderzusetzen oder konstruktiv, dass Für und Wieder zu erwägen, reagierte der Staat mit Todschweigen oder staatsfeindlichen Vorwürfen. Die Furcht vor einer Opposition war riesengroß und auch die SED-Marionetten, CDU, LDPD und NDPD, wurden verstärkt überwacht, damit sie nicht zur Oppositionspartei werden konnten.
Besonders hoch groß war die Gefahr vor freie Wahlen, bei denen die Parteien zur alternative zur SED heranwachsen könnten. Darüber hinaus wusste die SED, dass sie bei regulären Wahlen ihre Parlamentsmehrheit und die Funktionäre ihre Macht verlieren würden. Angesichts der Wirtschaftslage entschied sich die SED-Regierung die inneren Spannungen zu bekämpfen und nötige Reformen auszusetzen. Die Funktionäre hofften mit dem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche die Krise zu überstehen und setzten auf bessere Zukunft. Sozialprogramme sollten den Bürger milde stimmen und die Staatssicherheit sollte die Opposition zum Schweigen bringen und einen totalen Überwachungsstaats gründen.
Zu dem Zweck wurden zahlreiche Bürger für die Bespitzlung angeworben. Viele von ihnen wurden unter Druck gesetzt für die Stasi zu arbeiten. Auf 1000 Bürger kam ein Inoffizieller Mitarbeiter (IM) und nicht erfasst sind Informelle Mitarbeiter, von denen die Meisten nicht wussten, dass sie ausgehorcht worden sind. Nach der Aktendurchsicht (1990) standen 1989 mindestens 91.000 hauptamtliche und 173.000 Inoffizielle Mitarbeiter im Dienst der Staatssicherheit. Die Dunkelziffer lag wahr-scheinlich deutlich höher, aus vielerlei Gründen (z.B.: Aktenvernichtung) und man kannschätzungsweise von einer Million Handlangern ausgehen, die für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) aktiv waren.

5. Bürgerrechtsbewegung in der DDR

Im Rahmen der sozialistischen Ideologie war keine Opposition vorgesehen, denn es galt alle Probleme innerhalb der kommunistischen Partei zu lösen. Die Partei legte demzufolge, für sich den alleinigen Machtanspruch fest, damit andere Strömungen den Weg zum Idealziel (Kommunismus) nicht gefährden. Jede unerwünschte Kritik oder Opposition wurde deshalb als staatsfeindlich betrachtet und bekämpft. Der existierende Sozialismus offenbarte jedoch, dass selbst innerhalb der kommunistischen Partei Kritiker und Reformer an einer selbstgefälligen Machtclique scheiterten. Nicht selten mussten sie ein Parteiverfahren über sich ergehen lassen oder wurden aus der Partei ausgeschlossen.
Als einziger Gegenpol zu den Kommunisten musste die Regierung, auf Druck der
Bevölkerung, die christlichen Kirchen akzeptieren. Die katholische und evangelische Kirche betonten dabei stets ihren seelsorgerischen Auftrag und unterstrichen, sich aus politischen Dingen heraushalten zu wollen. Doch die Grenzen zwischen Seelsorge und Politik waren fließend und das Volk machte die Kirche zum oppositionellen Ort. Progressive Pastoren schufen oder waren selbst die Basis für den bürgerrechtlichen Untergrund. Anfang der 70er Jahre schien es so, dass mit Erich Honecker, nicht nur der Lebensstandard stieg, sondern ein Reformkurs mehr Offenheit zuließ. Bei den Weltfestspielen 1973 zeigte sich das Land seinen internationalen Gästen aufgeschlossen und modern.
In der Unterhaltungssendung Ein Kessel Buntes durften die Drei Dialektiker satirisch Dinge sagen, die man zuvor nur zu denken wagte. Besonders die Kulturszene, sowie Zeitung und Radio genossen ungewohnte Freiheiten. Kaum waren die Weltfestspielen zu ende, da wurde der Regierungskurs wieder autoritärer. Wurden etwa die demokratischen Freiheiten nur für das Fest inszeniert, um sich weltweit sonnen zu können? Allerdings gibt es auch Meinungen darüber, wonach die SED-Führung von der Auswirkungen der gegebenen Freiheiten überfordert war. Speziell Künstler testeten ihre Grenzen aus und äußerten sich systemkritisch.
Mahnend erinnerte sich die Regierung an die demokratischen Versuche in Ungarn (1956), Polen (1956) und der Tschechoslowakei (1968) und zog daraus die falschen Schlüssen. Nicht der Sozialismus war in jenen Staaten in Gefahr, sondern die Panzer walzten eine hoffnungsvolle demokratische Reformierung nieder. Freie Wahlen, Meinungsfreiheit und das zulassen einer Opposition sind die Grundsäulen der Demokratie, auch wenn sie in der Übergangszeit erst mal Chaos bedeuten. Ein solches unkalkulierbares Risiko wollte die Regierung nicht eingehen, zu groß war die Gefahr die Macht zu verlieren. Die Regierung der DDR stoppte seinen demokratischen Kurs, wodurch sich erst recht wütend eine Gegen-bewegung formierte, die von bestimmten Ereignissen zusätzlich angeheizt wurde.
Die Rockgruppe Klaus Renft Combo sorgte für Gesprächsstoff und bekam 1975 die Staatsmacht zu spüren. Die „Rockballade über den kleinen Otto“ wurde verboten, da sie die Geschichte eines Republikflüchtigen erzählte und für die Funktionäre deshalb ein Tabu-Thema war. Auf ihre Popularität bauend wagte die Band die Konfrontation und hielt sich nicht an das Verbot und schlug Verwarnungen in den Wind. Nachdem die Band erneut versuchte das Verbot zu umgehen und nur den Liedtext vorlas, hatten sie den Bogen über-spannt. Ihnen wurde die Auftrittslizenz entzogen, dass einem Verbot entsprach und sich die Band auflösen musste. Der Fall Renft zeigte, dass die Regierung schon darauf bedacht war, international das Gesicht zu wahren. In den 60er Jahren hätte man die Band sofort aufgelöst und die Mitglieder verhaftet. Aber im Rahmen der KSZE Verhandlungen in Finnland ging es unter anderem um die Wahrung der Menschenrechte.
1976 unterzeichnete die DDR die Schlussakte von Helsinki und in deren Folge wurde das Ausreisegesetz beschlossen. Jeder DDR Bürger konnte legal einen Ausreiseantrag stellen und die DDR verlassen (theoretisch). In der Praxis entledigte sich die Staatsführung gern den unerwünschten Personen, aber der Normalbürger wurde arg unter Druck gesetzt, den Antrag zurückzunehmen oder hatten mit einer Reihe psychischer Schikanen zu rechnen.
Wer einen Ausreiseantrag stellte, verlor sofort seine Arbeit bis zur Antragsbewilligung und das konnte es mehrere Monate dauern. Zuvor setzen zermürbende Gespräche ein und häufig wurde ein psychiatrisches und kriminologisches Gutachten erstellt. Mitunter landeten Aus-reisewillige nach dem Gutachten in der Psychiatrie oder landeten wegen einer angeblichen Straftat im Knast. Zudem war man den Maßnahmen der Stasi ausgesetzt und außerdem wurden Freunde, sowie nahe Angehörigen massiv unter Druck gesetzt, die den Antragsteller umstimmen sollten. Wurde ein Antrag genehmigt, musste derjenige innerhalb von 24 Stunden das Land verlassen, aber sollte sich zuvor bei den Behörden abmelden. Dieser Spießrutenlauf war häufig sehr zeitintensiv, weil die Behörden ihn extra lange warten ließen und folglich wurde die Zeit für den Ausreisenden sehr knapp.
Wer die Ausreise schaffte, verlor für immer die Staatsbürgerschaft, wurde zur unerwünschten Person erklärt und durfte deshalb nicht mehr als Besucher (Bundesbürger) einreisen. Bei der Ausreise, waren dem Ausreisenden nur Handgepäck und etwas Geld erlaubt und jegliches weitere Eigentum ging an den Staat über. Wegen dieser Tortur nahm eine große Zahl von Ausreisewilligen ihren Antrag zurück und jene, die es in die Bundesrepublik schafften, hatten mit psychischen Folgeerkrankungen zu kämpfen. Dagegen wurde den unbequemen Personen die Ausreise förmlich aufgedrängt, da ihnen anderenfalls Konsequenzen (Haftstrafen) angedroht wurden.
Trotz Stasi und Abschiebung nahmen die kritischen Töne besonders in der Kulturszene zu. Um ein Exempel zu statuieren, suchten sich die Funktionäre Wolf Biermann aus.
Der gebürtige Hamburger war 1953 in die DDR übergesiedelt und galt zunächst als ein engagierter Sozialist. Zunehmend kritisierte er den Arbeiter- und Bauernstaat, besonders auf seinen Gastspielreisen durch die BRD. Schließlich wurde er mit einem 11-jährigen Auftrittsverbot belegt. Wolf Biermann durfte erst 1976 wieder öffentlich auftreten und überraschend erlaubte man ihm sofort eine Gastspielreise in der BRD. Im Nachhinein, sah alles nach einer geplanten Aktion aus. Natürlich sang der Liedermacher kritische Lieder, worauf die DDR-Funktionäre warteten. Wegen staatsfeindlichen Textpassagen verfügte die Regierung seine Ausbürgerung, durfte also nicht mehr in die DDR zurück. Statt wie erhofft, die kritischen Stimmen in der Kulturszene zum Verstummen zu bringen, reagierten diese unerwartet.
Der Schriftsteller Stephan Hermlin verfasste einem öffentlichen Brief und bat sekundär um ein Überdenken in der Ausbürgerung von Biermann. Er verwies dabei auf die Worte von Karl Marx, wonach sinngemäß, das gesprochene Wort mit dem Sein der Person bewertet werden sollte und somit kritische Worte im Dialog wegweisend sein können. Mehrere Künstler unterschrieben den Brief und machten ihren Protest gegen die zensierte Meinungsfreiheit deutlich. Ausdrücklich unterstrichen die Unterschreibenden ihr Bekenntnis zum Sozialismus. Sie baten die Funktionäre, nicht den künstlerischen Freiraum zu diktieren, sondern es sollte der Kultur der nötige Platz eingeräumt werden, um sich, auch kontrovers, mit der sozialistischen Idee umfassend auseinandersetzen zu können. Zu den ersten Unterzeichnern gehörten die populären Schriftsteller, wie Christa Wolf, Stefan Heym und Heiner Müller. Mehr als 100 weitere Künstler folgten, darunter die Schauspielerin Jutta Hofmann und Angelika Domröse, Schauspieler und TV-Liebling Manfred Krug, auch die Ulk-Sängerin Nina Hagen, die Liedermacherin Bettina Wegner und die weltbekannte Chansondiva Gisela May.
Die Staatsführung behielt die Ausbürgerung Biermanns weiter aufrecht und behaarte auf den Zensurkurs zur Abwehr von Denkweisen, die der sozialistischen Ideologie schaden könnten. Wie erwartet, ließen sich die Meisten mit Drohungen oder lukrativen Angeboten wieder in die Spur bringen. Andere stellten einen Ausreiseantrag oder kehrten von Auslandsgastspielen nicht wieder zurück. Aufgrund dessen verlor die DDR viele bekannte Künstler, unter ihnen Manfred Krug, Nina Hagen, Armin Mueller Stahl, Katherina Talbach, Stefan Heym, Holger Biege und Veronika Fischer.
Problematischer für das Regime waren jedoch jene, die geläutert taten, aber im Land handeln wollten und sich insgeheim zur Bürgerbewegung organisierten. Mit Kontakten über die BRD-Medien übten sie Systemkritik und informierten die DDR-Bürger in vielfältiger Form (Flugblätter, Westmedien) über ein selbstgerechtes diktatorisches Regime. Zunehmend organisierten sich Künstler über die evangelische Kirche. Da staatliche Bühnen in Ungnade gefallene Künstler Auftrittsmöglichkeiten verwehrten, boten ihnen engagierte Pfarrer entsprechende Gelegenheiten für Lesungen oder Konzerte. Beispielsweise gab die  Liedermacherin Bettina Wegner ihre Konzerte in der Berliner Samariterkirche. Das brachte dem Vorstand der EKD gegenüber der Regierung in Erklärungsnöte, die immer wieder ihre  seelsorgerische Pflicht betonten und politischen Aktivitäten in der Kirche untersagten.
Engagierte Pfarrer verwiesen aber auf die seelsorgerische Verantwortung gegenüber politisch Ausgegrenzter und umgingen die Order des Kirchenrates. Weil das so war, befanden sich auffällige Gemeinden im Fadenkreuz der Staatssicherheit. Zahlreiche Verhaftungen konnten jedoch nicht verhindern, dass eine Bürgerrechtsbewegung heranwuchs. Zunächst bildeten sich lokale Bewegungen, die dann regional zusammenarbeiteten. Speziell in Berlin verschmolzen  Gruppierungen der Kulturszene und der Kirche in eine organisierte Bewegung, die sich über Westberliner Medien publizieren konnte.
Grundgedanken der Bewegung war, eine demokratische Reformierung der sozialistischen Idee, die nur über ein Abdanken der Regierung möglich war. Die Meinungsfreiheit und freie Wahlen galten als Kernpunkte für eine wirkliche Deutsche Demokratische Republik. Ende der 70er Jahre wurde somit der Grundstein für die Bürgerrechtsbewegung der 80er Jahre geschaffen, die maßgeblichen Anteil am Ende der DDR hatte.


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