03. Lebensart BRD

Lebensart und Zeitgeist in der BRD

1. Willy Brandt – und seine Ostpolitik
2. Geiselnahme von München
3. Lebensart bis 1975
4. Lebensart nach 1975 (Frauenbewegung, Jugend, Partnerschaft)
5. Kontroverse Bewegungen ( RAF, Alternative, Mogadischu, Grüne)

1. Willy Brandt – und die deutsch - deutschen Beziehungen

Biografisches: Willy Brandt, eigentlich Herbert Karl Fram, wurde am 18.12. 1913 in Lübeck geboren. Er engagierte sich in der sozialistischen Arbeiterjugend und war aktives SPD Mitglied. 1933 flüchtete er vor dem Naziregime und emigrierte nach Norwegen, später nach Schweden. Dort schloss sich der Widerstandsbewegung gegen das Hitlerregime an.
Während dieser Zeit legte er sich den Pseudonymnamen W. Brandt zu und behielt diesen Namen auch in Zukunft. Nach dem Krieg kehrte er nach Deutschland zurück und wurde ein aktives SPD-Mitglied, wodurch seine politische Karriere in der BRD begann. Von 1957-1966 war er der Regierender Bürgermeister von Westberlin und wuchs dort zu einer beliebten Persönlichkeit heran. Die SPD machte ihn zum Parteivorsitzenden und nominierte in zum Kanzlerkandidaten. Im 3. Anlauf gewann er 1969 die Bundestagswahlen und gründete mit der FDP eine Koalitionsregierung.
Für sein Engagement in der Entspannungspolitik zwischen West und Ost, erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. Mit den Grundsatzverträge mit der Sowjetunion und Polen öffneten er für die Bundesrepublik den Wirtschaftsmarkt im Osten und wurden zur Basis eines entspannten Verhältnisses zur DDR. Mit dem legendären Kniefall, vor dem Gedenkstein, der jüdischen Opfer im 2. Weltkrieg, entschuldigte er sich in Warschau für die Verbrechen des deutschen Naziregimes und wurde als überzogene Geste von der Opposition der BRD gerügt. Die CDU sah die alleinige Schuld, an den Verbrechen im 2. Weltkrieg, bei den Nazis und klammert die allgemeine Schuld der Deutschen aus, insbesondere der Wehrmacht.
Mit den Verträgen, mit der DDR, wurde der Status eines „geregelten Nebeneinanders“ definiert und veranlasste seine SPD-Regierung die Oder-Neiße-Grenze anzuerkennen. Daraufhin setzte ein Sturm der Entrüstung ein. Die revanchistischen Vertriebenenverbänden und die CDU, sahen in der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, einen vehementen Verstoß gegen das Grundgesetz, da somit die ehemaligen deutschen Länder Schlesien, Pommern und Ostpreußen aus der Wiedervereinigung ausklammert wurden. Die Hetzkampagne der CDU gegen die Brandt-Regierung setzte sich mit den DDR-Verträgen weiter fort. Kritiker sahen darin eine inoffizielle Anerkennung der DDR und befürchteten, durch die SPD, einen gesellschaftlichen Umbau zum Sozialismus. Ein Misstrauensvotum der CDU scheiterte im April 1972 und im September des gleichen Jahres, stellte Willy Brandt die Vertrauensfrage. Die damit verbundenen Neuwahlen brachten der SPD sogar eine parlamen-tarische Mehrheit ein. Seine Gunst in der Bevölkerung wurde damit klar belegt und er war besonders für die Jugendlichen zu einem Idol geworden.
Schließlich bewirkte die Guillaume Affäre 1974 den Rücktritt von Willy Brandt. Es stellte sich heraus, dass der persönliche Referent von Brandt, Günter Guillaume, ein DDR-Agent war. Eindrucksvoll signalisierte die Bevölkerung, dass sie dem Bundeskanzler vertrauten, aber er zog es vor die politischen Konsequenzen zu ziehen. Unklar blieb jedoch, ob er zum Rücktritt genötigt wurde oder ihm (offiziell) gesundheitliche Probleme dazu bewogen.
Willy Brandt blieb weiter politisch aktiv und die SPD ehrte ihn als Ehrenvorsitzender der SPD. Am 08. 10. 1992 starb in Unkel, eine bedeutende Persönlichkeit der Geschichte.

Die Entspannungspolitik: Die SPD gab vor, im Sinne des deutschen Volkes, die Teilung Deutschlands zu überwinden und strebte deshalb einen toleranten Kurs zur DDR-Regierung an. Der eigentliche Hintergrund waren eher wirtschaftliche Interessen. Ein schwächelnder Dollarkurs und 5.300 Konkurse belegten die Wirtschaftskrise. Von 1966 auf 1967 stieg dazu die Arbeitslosenquote von 0,7 auf 2,1 %. Mit der Entspannungspolitik sank 1969 die Quote wieder unter 1 % und das Wirtschaftswachstum stieg. Die Grundlage für den Ost-West Handel musste dazu über die Politik geregelt werden. 
Die SPD erkannte völkerrechtlich den zweiten Staat in Deutschland an, aber verweigerte
der DDR die staatsrechtliche Anerkennung. In diesem Zusammenhang hob die Bundes-regierung den internationalen Alleinanspruch für Deutschland auf, bezog die DDR, als gleichberechtigte Partner, in die Entspannungspolitik ein. Die SPD-Regierung unterstützte die Forderungen der Ostblockstaaten, nach einer europäischen Sicherheitskonferenz und einer atomaren Abrüstungspolitik. Die SPD Politik gab damit hartnäckige Positionen auf, die mit einer CDU-Regierung nicht möglich gewesen wären. Mit einer Reihe von Verträgen legten Willy Brandt und sein Außenminister Walter Scheel das Fundament für die Entspannungspolitik und öffnete die Türen zum Osten. Nach den Verträgen von Moskau und Warschau, folgte das Viermächteabkommen, in dem die UdSSR die Anbindung von Westberlin an die Bundesrepublik akzeptierte. Einzige Bedingung war, Westberlin durfte nicht Hauptstadt der BRD werden. Nachdem die Basis geschaffen war, setzten direkte Verhandlungen zwischen der DDR und der BRD ein. Unter anderem, wurde das wirtschaftlich wichtige Transitabkommen beschlossen und Reiserleichterungen zwischen Ost und West ausgehandelt. Für Rentner in der DDR, öffnete sich wieder die Grenze und die Bundesbürger konnten die DDR auch als Urlauber besuchen. Wichtiger wirkten sich im Hintergrund die wirtschaftlichen Beziehungen und der Kulturaustausch aus.
Unter dem Motto „Mehr Demokratie wagen“ widmete sich Willy Brandt auch den innenpolitischen Problemen. Eine Reihe von Reformen im sozialen Bereich, in der Bildung und im Rechtswesen folgte, und sollten die Anfeindungen der Opposition entkräften.
Aber die Ölkrise und Streiks im öffentlichen Dienst bremsten den Reformkurs und boten Angriffsflächen für die CDU. Die Mehrheit der Bundesbürger vertrauten Willy Brandt und für die Jugendlichen, war er ein Idol seiner Zeit. Im Hintergrund drehte sich jedoch der Wind seiner Befürworter in der Wirtschaft. Offensichtlich ging einigen Unternehmern der Kurs von Willy Brandt zu weit. Die einsetzende Oppositionskampagne mündete in ein Misstrauensvotum und wurde zu einem deutlichen Alarmsignal. Willy Brandts Rücktritt, wegen dem DDR-Agent Guillaume, könnte eine letzte Warnung gewesen sein. Der Rücktrittsgrund, aus gesundheitlichen Gründen, gilt bei Verschwörungstheoretikern als vorgeschoben.
Sie vermuteten, dass Willy Brandt unter Druck gesetzt wurde und deuteten die Alternative an, einen Unfall oder einem „geistesgestörten Attentäter“. Der Nachfolger von Willy Brandt wurde Helmut Schmidt (SPD), der wieder mehr auf Distanz zur DDR ging und eine energischere konservativere Innenpolitik verfolgte.

2. Geiselnahme von München (Olympische Spiele)

In den 70er Jahren sorgte weltweit der palästinensische Terrorismus für Schlagzeilen und inspirierte in der westlichen Welt die Gründung nationaler Untergrundorganisationen.
In der Bundesrepublik gründete sich die Rote Armee Fraktion (RAF).
Die Basis der Terrorgruppe bildete der militante Kern der 68er Studentenbewegung, um Andreas Baader und Gudrun Ensslin. Nach mehreren Terrorakten gelang es der Polizei Andreas Baader zu verhaften. Die Journalistin Ulrike Meinhof, verhalf am 14. Mai 1970, mit einer List Andreas Baader zur Flucht. Der Tag gilt als Gründungsdatum der RAF.
In der Folgezeit ließen sie sich in Jordanien durch die palästinensische Fatah militärisch ausbilden. Die engen Beziehungen zu den arabischen Terroristen halfen ihnen, bei der  Organisation der Terrorgruppe und bei der Durchführung spektakulärer Aktionen. Mit der palästinensischen Gruppierung „Schwarzer September“ gründete sich eine extreme  Terrorzelle. Ihre Gründung bezieht sich auf die Vorgänge in Jordanien im September 1970. Nach einem gescheiterten Anschlag auf den jordanischen König, griff das jordanische Militär zwei palästinensische Flüchtlingslager an und 4.000 Menschen fanden dabei den Tod. Vom 2. bis 22. 09. entflammte dadurch ein Bürgerkrieg, mit den Palästinensern. Ausländische arabische Truppen wollten den Palästinensern zur Seite stehen. Dadurch griff Israel in den Konflikt ein und verhalf den jordanischen Truppen zum Sieg, worauf die Palästinenser das Land verlassen mussten. In Gedenken an die zahlreichen Opfer und der Niederlage durch das Eingreifen Israels, schworen die Terroristen blutige Rache.
Während der Olympischen Sommerspiele in München (1972) schlichen sich am 05. 09. die palästinensische Terroristen ins olympische Dorf und nahmen 11 israelische Sportler als Geiseln. Sie verlangten von der israelischen Regierung, die Freilassung von 232 Gefangenen. Außerdem sollte die deutsche Regierung die RAF Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof freilassen. Überraschend lehnte die israelische Regierung die Forderung ab und betonte, sich keiner Erpressung zu beugen. Zu groß war die Gefahr, dass israelische Bürger weltweit zur Zielscheibe von Terroristen werden könnten. Die israelische Regierung unter Golda Meir drohte ihrerseits den Terroristen mit einem konsequenten Maßnahmenkatalog, falls den Sportlern etwas geschehen sollte. Verhandlungen mit den Terroristen zögerten die Geiselnahme heraus und Gesandte der Arabischen Liga brachten die Geiselnehmer zum Einlenken. Die Terroristen waren schließlich bereit die Geiseln an einem sicheren Ort freizulassen. Sie verlangten mit den Geiseln nach Kairo (Ägypten) ausgeflogen zu werden.
Mit einem Hubschrauber wurden sie vom olympischen Dorf zum Flughafen gebracht. Auf dem Flugplatz erfolgte, mit der Zustimmung Israels, eine Befreiungsaktion. Die Aktion mündete jedoch in ein organisatorisches Desaster. Speziell ein überhasteter Angriff der Polizei ging völlig daneben, artete in einem Feuergefecht aus und geplante Panzerfahrzeuge trafen viel zu spät ein. In ihrer Ausweglosigkeit liquidierten die Terroristen alle noch lebenden israelischen Sportler.
Der misslungene Einsatz der Polizei kostete 11 Sportlern, 1 Polizisten und 5 Terroristen das Leben. Drei weitere Terroristen ergaben sich schwer verletzt. Die Olympischen Spiele von München wurden für einen halben Tag ausgesetzt und die Flagge auf Halbmast gesetzt.

Unter dem Slogan „Wir lassen uns von Terroristen nicht die Olympiade töten“ gingen die Spiele weiter. Harsche Kritik musste jedoch die bayrische Polizei hinnehmen, besonders von Seiten Israels. Eigentlich wollten sie mit ihrem Spezialkommando die Geiseln befreien. Angesichts möglicher diplomatischer Verwicklungen lehnte die Bundesregierung das ab. Sie verwiesen dabei auf eigene Erfolge in der Terrorbekämpfung. Vor den Olympischen Spiele konnte die Polizei 1972 Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Holger Meins, Jan Carl Raspe, Gudrun Esslin und weitere 22 RAF Mitglieder verhaften.
Kurze Zeit nach dem Desaster von München entführten arabische Terroristen ein Flugzeug und forderten die Freilassung der drei überlebenden Terroristen. Die Bundesregierung kam dem nach. Erzürnt darüber beschloss Israel die Operation „Der Zorn Gottes“ und machte mit einem Spezialkommando jagt auf die palästinensischen Verantwortlichen der Geiselnahme. Neben den drei überlebenden Terroristen, wurden in den folgenden Jahren mindestens 12 Mitglieder der PLO, von Agenten getötet, die weltweit operierten. Die Bundesregierung veranlasste die Gründung der Antiterrorspezialeinheit GSG 9, aufgrund der Ereignisse von München. Das Innenministerium hatte erkannte, dass die BRD erst am Anfang der Terrorbekämpfung stand. Es gab unter den Jugendlichen zu viele Sympathisanten der RAF.
Große Wellen schlug dann der Hungerstreik von Holger Meins, der an den Folgen 1974 starb. Eine Welle der Empörung brach los und Kritiker definierten den Hungertod als Mord. Zusätzlich Öl ins Feuer goss der französische Publizist und Philosoph Satre, der die RAF Häftlinge besuchen durfte und danach überzogen von psychischer Isolationsfolter sprach. Satre schaffte es eine Schar von Kritikern zu mobilisieren, die humanere Haftbedingungen forderten. Bei den Jugendlichen stieg dadurch die Popularität der RAF erheblich an und viele idealisierten sie sogar. Trotz steigendem Luxus und den gegebenen Freiheiten wurde die Jugend immer unzufriedener und sah in der Beseitigung des Kapitalismus die wirkliche Freiheit. Die Erwachsenenwelt reagierte auf die RAF-Verehrung mit Unverständnis und verlangte dagegen strengere Gesetze. Letztendlich entstand die Basis für die RAF, um neue Mitstreiter zu rekrutieren und schon bald sollten sie zum Problem werden. (siehe „Deutscher Herbst-1977“)

3. BRD -  Lebensart bis 1975

Trotz gestiegenem Wohlstand war der Bundesbürger an sich unzufrieden. Den Einen gingen die Reformen und Gesetze zu weit und den Anderen nicht weit genug. Im Mittelpunkt des Ärgers stand weniger die Regierung, als eher das Drumherum. Ölkrise und Fußballskandal regten den Bürger mehr auf, als der Vietnamkrieg oder die Militärjunta in Chile.
Die SPD-Regierung konnte auf eine satte Mehrheit bauen, denn das Vertrauen der jüngeren Bundesbürger in die Politik von Bundeskanzler Willy Brandt war riesengroß. Selbst nach der Guillaume-Affäre hätte die Bevölkerung weiter zu ihm gestanden, aber er trat zurück. Die jugendlichen Weltverbesserer beklagten zunehmend, dass der Staat eine kapitalistische Ausbeutergesellschaft sei, die den Unternehmer unterstützte und die Reichen schützte. Die Arbeitnehmer waren der Willkür des Arbeitgebers ausgesetzt und wurden nicht angemessen zum Profit des Unternehmens bezahlt. Zu einem Schwerpunktthema wurden die korrupten Geschäfte mit Wohnraum. Hausbesitzer ließen absichtlich die Wohnungen verwahrlosen und wollten die Mieter mit zwielichtigen Methoden zum Ausziehen zwingen, um das Grundstück für einen profitablen Zweck nutzen zu können. Dadurch ging bezahlbarer Wohnraum verloren oder wurde unbezahlbar. Die Politik verwiesen Kritiker diesbezüglich auf das Privatrecht, der Hauseigentümer und sahen keinen Handlungsbedarf.
Systemkritiker rügten indes den Wohlstand als berechnendes Mittel, dass dem Bürgern, die Augen vor der Realität verkleben sollen. Die gepriesene freiheitliche Demokratie zielte real auf den Geldbeutel der Bürger und suggerierte scheinbar grenzenlose Möglichkeiten. Doch  nur eine Minderheit schaffte den Aufstieg, aber die Mehrheit schuftete für ein wenig Luxus und Ausgegrenzte konnten begehrte Waren lediglich im Schaufenster betrachten. Die Kritik der Jugend an den Kapitalismus mündete in die Sympathie für die RAF und die Verlierer der Wohlstandsgesellschaft suchten Trost im Alkohol oder in der Drogensucht.
Andererseits schuf das Wohlstandsklima ein Geltungsbedürfnis, um sein Selbstwertgefühl zu heben. Die Menschen begannen ihre Erfolge darzustellen und prahlten mit ihrem Luxus. Keiner wollte als Versager gelten und um besser zu sein als andere (Bekannte, Freunde, Nachbarn), leistete so mancher deswegen Überstunden. Mit dem zwanghaften Trieb nach Statussymbolen zerbrach aber häufig das Familienglück. Was nützte das schönste Haus, die perfekteste Wohnung oder ein Luxuswagen, wenn Beziehungen zerbrachen und Kinder das Gefühl hatten, keine Eltern zu haben, sondern lediglich von ihnen mit Spielzeug zugeworfen zu sein. Die Eltern gingen zudem zunehmend getrennte Wege, erlagen der Verführung des Fremdgehens, woraus die Scheidung resultieren konnte. Doch häufig wurde eine Scheinehe weitergeführt. Die Frau war in der Regel finanziell abhängig vom Mann und der Mann wollte nicht nach außen hin sein Gesicht verlieren. Die Schmierenkomödie von einer intakten Familie bekamen Jugendliche ziemlich schnell mit und begriffen für sich die ganze Verlogenheit der Gesellschaft im Allgemeinen. Die oftmals tiefen Diskrepanzen zwischen dem propagierten Gesellschaftsbild und der Realität machte die Widersprüche deutlich, die spätere zum Grundbaustein der Punkbewegung wurden.
Die CDU stellte sich gern als Bewahrer alter moralischer Werte dar und kritisierte in dem Zusammenhang die SPD, die für die empfundene chaotische Entwicklung verantwortlich gemacht wurde. Für sie war die SPD-Regierung häufig zu tolerant und hob mit Gesetzen, die bewährten Wertmaßstäbe auf und gaben so dem zügellosen Leben alle Freiheiten. Zahlreiche Sexfilme flimmerten in den Kinos, die Jugendmode wirkte aufreizend und die Frauenrechtsbewegung verfolgte eine zweifelhafte Emanzipation. Als dann noch die SPD den § 218 im Strafgesetz änderte, war das Maß voll. Die Kirche schimpfte heftig gegen die Möglichkeit eines Schwangerschaftsabbruchs und warf der Regierung die Mitverantwortung zum Mord an ungeborenem Leben vor. Frauenrechtlerinnen um Alice Schwarzer klagten dagegen ihr freiheitliches Recht auf ihren Körper ein, dem die SPD-Regierung nachkam.
In vielen Staaten Europas war der Schwangerschaftsabbruch bereits legitim, aber in der BRD und in den katholischen geprägten Staaten noch nicht. Eine erfolgreiche CDU-Klage vor dem Verfassungsgericht machte die Gesetzesänderung rückgängig und wurde korrigiert, dass in besonderen Fällen (Vergewaltigung oder Lebensgefahr) ein Schwangerschaftsabbruch straffrei sein sollte. Der Erfolg machte die CDU nicht beliebter, sondern sie festigten damit ihr Image, eine rückschrittliche Partei zu sein. Schon ihr Widerstand gegen die Ostpolitik belegte ihre reaktionäre Ausrichtung. Besonders aufgebracht reagierten sie auf die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze. Für sie war das ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz, das die ehemaligen Ost-Gebiete von der Wiedervereinigung ausschloss. Vor allem die revanchistischen Heimatverbände wetterten lautstark gegen die SPD und verlangten eine Korrektur. Auf sogenannten Heimattreffen profilierten sich zunehmend neonationalistische Demagogen und hetzten die Teilnehmer gegen die SPD auf und warfen der Partei vor, sie würde die BRD an die Kommunisten verschachern.
Da jene Heimattreffen zur Bühne der Neonazis wurden, zog sich die CDU/CSU zurück. Sie bekannten sich zwar zu einer konservativen Politik, wollten aber nichts mit den Neonazis zu tun haben. Franz Josef Strauß (CSU) war die schillernde Figur der Christlichen Union und sorgte mit seiner rüden Art oftmals für einen Eklat im Bundestag. Anders als auf der Showbühne Bundestag bewertete die Mehrheit der Bevölkerung die Ost-politik der SPD positiv und im Gegensatz zu den älteren Generationen waren ihnen die ehe-maligen Ostgebiete egal. Politik war für den Bundesbürger sowieso nur interessant, wenn sie sich direkt auf den Bürger auswirkten. Die aufkeimende unpolitische Haltung der Bürger führte in den familiären Bereichen oft zu Spannungen mit ihren jugendlichen Kindern, die genügend Konfliktstoff im Staat sahen und von ihren Eltern ein Engagement forderten.
Mit dem Glamrock wollte sich, die Altersgruppe zwischen 14 und 18, zu den Erwachsenen emanzipieren. Die Heranwachsenden wollten primär gesellschaftlich als Persönlichkeit anerkannt werden. Die Teenagerrevolte wurde zunächst nicht ernst genommen, aber im wachsenden Konflikt wurden ihnen Zugeständnisse gemacht.
Zu einem wichtigen meinungsbildenden Instrument wurde das Fernsehen, das nicht nur die Leute unterhielt, sondern wesentlich den Zeitgeist prägte. Andererseits vernichtete das Fernsehen die Geselligkeit. Das Unterhaltungsangebot genügte zahlreichen Menschen und brauchten kein Kino, kein Theater und kein Ballhaus mehr. Die Mattscheibe wurde zum wichtigsten Freizeitvergnügen und so mancher igelte sich in seinen vier Wänden ein. Der Kontakt zu anderen Menschen fand mehr zu Hause statt (Familienfeiern, gesellige Runden, Kaffeekränzchen). Nicht selten wurde die Küche zum Stammtisch und es wurde über die Themen geredet, die den Bundesbürger wirklich interessierten.
Die Ölkrise bescherte der Bundesrepublik 1973 einen autofreien Sonntag. Worauf Tausende Radfahrer die Gelegenheit ergriffen, um auf der Autobahn zu radeln. Der VW-Käfer wurde zum Exportschlager und kurbelte damit das Wirtschaftswachstum an. Der technische Fortschritt erleichterte die Hausarbeit und moderne Unterhaltungstechnik brachte die Stars von Leinwand und Musikbühne praktisch ins Wohnzimmer.
Im Fernsehen verfolgte man den Prozess um Jürgen Bartsch, dem 4-fachen Kindermörder und war gerührt von der Hochzeit der bürgerlichen Deutschen Silvia Sommerlath mit dem König Carl Gustav von Schweden (Bild). Ebenso für Schlagzeilen sorgte die Nazivergangenheit vom Ministerpräsident Filbinger. Im Urlaub verreiste der Bundesbürger gerne ins Ausland. Italien und Südfrankreich waren die beliebtesten Reiseziele und ein preisgünstiger Urlaub war in den sozialistischen Staaten (Ungarn) möglich. Schon wegen der Dollarschwäche wurde ein preiswertes Verreisen möglich.
Eine geringe Arbeitslosigkeit und ein Durchschnittseinkommen von etwa 1.000 D-Mark bot die Basis dafür, dass sich die Mehrheit einen Auslandsurlaub leisten konnte. Allerdings stieg Zahl der Arbeitslosen wieder an, von 0,7 % (1970) auf 2,6 % (1977) und sollte sich ein Jahr später sogar verdoppeln und überschritt die Millionengrenze. Galten Arbeitslose, im Bewusstsein der Leute, bisher als arbeitsscheue parasitäre Subjekte, so änderte sich die Sichtweise. Die Bevölkerung begriff, dass die Zahl jener stieg, die unverschuldet plötzlich ihre Arbeit verloren. Jedoch eine große Zahl von Arbeitslosen war sich für bestimmte (schmutzige) Arbeiten zu schade. Der soziale Status sollte gewahrt bleiben und nicht peinlich werden, dann lieber arbeitslos bleiben. Bezeichnenderweise arbeiteten bei der Müllabfuhr überwiegend Gastarbeiter (Ausländer). Nach den Italienern kamen jetzt überwiegend Türken ins Land, aber ein grundsätzliches Problem mit Ausländern gab es noch nicht. Die Konsumgesellschaft verlockte die Mehrheit und betäubte ein politisches Bewusstsein. Selbst die revoltierende Jugend wollte den Wohlstand nicht missen.
Sie interessierte sich überwiegend für alles, was mit ihrer Musik zusammenhing. Schallplatten, Radiorekorder und vor allem die Mode. Die Girls trugen provokatorisch Miniröcke, bei denen ihr Schlüpfer beim Gehen hervor blinkte oder hautenge Hot Pants (Heiße Höschen) sowie Jeans, Schlaghosen (oben eng, nach unten breiter werdend) und verzichteten gern mal auf den BH. Bei den Boys setzte sich ein modisch gepflegter Trend durch, mit langen, aber frisierten Haaren, modischen Hemden und Markenjeans. Von hinten betrachtet, waren wegen der langen Haare, Mädchen und Jungen kaum zu unterscheiden und sollte symbolisch die Gleichberechtigung ausdrücken, die für die Jugend eine propagierte Selbstverständlichkeit sein sollte.
Dagegen war eine typische Familie noch sehr traditionell strukturiert. Der Mann galt weiter als Oberhaupt und alleiniger Geldverdiener. Die Frau sollte, wie bisher Hausfrau und Mutter sein und blieb finanziell vom Mann abhängig. Selbst in zahlreichen modernen Filmen wurde für ein traditionelles Familienleben geworben. Mit Schlagern gewürzt, vermittelten sie eine heile Welt, in der sogar aufsässige Jugendliche ihre Fehler bereuten. Nicht selten wurden verwahrloste Gammler zum braven Bürger missioniert. Erfrischend anders und provokativ war die TV-Serie „Ein Herz und eine Seele“. In der Satire um Ekel-Alfred wurde eine reale Gesellschaftskritik geübt, die den Leuten einen Spiegel vorhielt und deswegen (in ihrer Zeit) von vielen, als nicht so lustig empfunden wurde.
Gerade die Hausfrauenrolle wurde treffend dargestellt und viele Frauen erkannten sich als Haussklaven ihres Mannes wieder. Wie im wahren Leben schafften es verhältnismäßig wenige Frauen finanziell unabhängig zu werden. Obwohl sich die Gesellschaft im Umbruch befand und die Berufstätigkeit von Frauen befürwortete wurde, blieben ihnen nur die typischen Frauenberufe (Krankenschwester, Sekretärin, Verkäuferin). Der Geist der 68er Bewegung wurde mit Freier Liebe erstickt. Zweckentfremdet wurde aus der Aufklärung ein Sextrend. Frauen wurden durch Filme, Zeitschriften und im Fernsehen zum Lustobjekt. Den „Lederhosengeschichten“ und dem „Schulmädchenreport“ trat eine entschlossene Frauenbewegung entgegen, die gegen eine Verunglimpfung der Frauen ankämpften und ein Verbot solcher Sex-Filme forderte. Die Männerwelt fand die Reaktion der Frauen überzogen und wenig verwerflich, wetterten  aber gegen die sich verbreitende FKK-Bewegung. Nacktbadestrände wurden als unästhetisch und unhygienisch angesehen. Die Moralwächter legten Wert darauf, dass Nacktheit in den privaten Bereich gehört und nicht öffentlich sein darf, zumal Nudisten auch gegen den Jugendschutz verstoßen würden. Hier offenbarten sich die verlogenen Moralvorstellungen, die natürliche Nacktheit ablehnten, aber nichts gegen aufreizenden Sex auf Illustrierten, im Fernsehen oder Kino hatten.
Der Frauenbewegung wurde oft unterstellt, dass ihre Forderungen nach mehr Unabhängigkeit, letztendlich den sittlichen Verfall (Untreue) förderten. Tatsache war, dass zahlreiche Frauen selbstbewusster wurden und sich nicht mehr von ihren Männern dirigieren ließen. Die Folge war ein Anstieg von Scheidungen und verstärkt ließen sich die Frauen (aus Neugier) auch verführen. Einige Frauen entdeckten das Unbekannte, wagten das Anrüchige und es dürstete sie nach einem Liebhaber oder einem erotischen Abenteuer. Das Frauen sich plötzlich dieselben Rechte herausnahmen wie Männer, wurde von Moralaposteln als sittlicher Verfall bezeichnet. Die Angriffe auf die Frauenrechtsbewegung waren dementsprechend heftig und führten dazu, dass sich militante feministische Gruppierungen bildeten. Die sexorientierten Medien bewirkten andererseits ein Körperbewusstsein der Frau, die es lernten ihre Reize einzusetzen, um sich gegen die Männerwelt durchzusetzen (das Marylin Monroe-Prinzip).
Handlungsbedarf war vor allem in Richtung Gleichberechtigung nötig, besonders dem Status in einer Familie. Immer noch galt, dass für den Haushalt und die Erziehung der Kinder die Ehefrau zuständig war und mancher Mann verbot seiner Frau sogar einen Beruf auszuüben. Es war für einen Mann schändlich, wenn die Frau arbeiten musste und damit der Eindruck Entstand, dass der Mann die Familie nicht versorgen konnte (= Versager).
Bei den jungen Paaren Anfang der 70er Jahre zeichnete sich eine veränderte Haltung ab. Junge Männer hatten kein Problem mit der Berufstätigkeit ihrer Frau und waren bereit im Haushalt zu helfen und leisteten auch ihren Beitrag bei der Kindererziehung. Ein Umdenken erfolgte ebenso in der Bewertung von unverheirateten Frauen mit Kind. Wurden solche Frauen früher als Huren und deren Kinder als Bastard bezeichnet, so setzte sich eine liberalere Sicht durch. Die Hemmschwelle Alleinstehende, Frauen mit Kindern, zu heiraten nahm ebenfalls langsam ab. Im Umgang mit der Homosexualität waren die Fronten noch verhärten, aber das Thema war im Gespräch und es machte sich Toleranz breit, statt gewalttätiger Übergriffe.
Anfang der 70er Jahre wurden viele positive Ansätze vom Wohlstandsdenken erstickt und die Politik löste keine grundsätzlichen Probleme. Getrieben vom Darstellungsegoismus bildete sich eine Nation von Nörglern heraus, die es verlernt hatten Bescheidener zu sein. Die Regierung wirkte dort, wo sich nutzbringende Ziele für die Wirtschaft eröffneten und so gesehen, stand hinter dem bezahlbaren Konsum (Luxus) ein profitables Kalkül.
Aber am Horizont zogen dunkle Wolken auf, die auf eine wirtschaftliche Krise hindeuteten

4. Lebensart in der BRD nach 1975

Neben einer wirtschaftlichen Krise befand sich die Gesellschaft im Umbruch. Glaubte man die Auswirkungen der 68-Bewegung mit Wohlstand ruhigstellen zu können, verkehrte sich das ins Gegenteil. RAF, Alternative, Punks und Frauenrechtsbewegung stellten zahlreiche Forderungen und mit dem steigenden Wohlstand wuchs ein vielseitiger Druck auf die Regierenden. Entsetzt über die ausufernde gesellschaftliche Gesamtsituation sehnte sich vornehmlich die ältere Generation nach einer Ordnungsgesellschaft, die nationalistische Denkweisen wieder populär machten.
Hier die wichtigsten Themenkreise jener Zeit:  

Bevölkerungs -und Wirtschaftsstruktur

Die Bevölkerungszahl stieg geringfügig auf 62 Millionen, begleitet von einem Rückgang der Geburtenrate und einer Veränderung der Altersstruktur (weniger Jugendlichen). Schon in den 60er Jahren wurde der Mangel an Arbeitskräften durch Gastarbeiter kompensiert. Nun wanderten zunehmen die Familien der Gastarbeiter ein.
Besonders stark war die Zuwanderung von türkischen Bürgern, die überwiegend politisch, verfolgte Kurden waren. Mit 2,6 Millionen Einwanderern war 1973 die Türkei die stärkste Zuwanderernation, von etwa 4 Millionen Ausländern. Mit der Verdopplung der Arbeitslosenzahl sahen deutsche Arbeitnehmer in den Ausländern eine existenzielle Konkurrenz und nährte die Ausländerfeindlichkeit. Hinzu kam eine instabile Weltwirtschaftslage, die besonders kleinere Firmen in den Konkurs trieb und größere Betriebe zum Stellenabbau zwang. Zudem machten neue technische Geräte Arbeitskräfte überflüssig. Entscheidend aber war eine Umstrukturierung der Arbeitswelt.
Nur noch 45,3%  aller Erwerbstätigen, waren 1975, im dominierenden produzierenden Bereichen tätig. Dagegen nahm der Anteil im Dienstleistungssektor mit 47,9 % deutlich zu. Besorgniserregend war der Anteil in der Land- und Forstwirtschaft, der sich mit 4,2 % halbierte. Konkret hieß das, eine große Landflucht setzte ein und damit war die Nahrungs-güterproduktion in Gefahr. Daraufhin wurde der Import von Lebensmittel begünstigt. Das Anwachsen der Dienstleistungen stand eng im Zusammenhang mit dem steigenden Wohlstand und wurde zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor, der die Verluste im internationalen Handel auffing. Mit dem neuen Wirtschaftstrend wuchs ebenfalls ein Verwaltungs-apparat, der eine hohe Zahl von Büroangestellten notwendig machte. Zudem deckte auf staatlicher Seite die bisherige Zahl von Beamten nicht den Bedarf ab.
Der Durchschnittslohn stieg von 1975 von 1200 DM auf 1600 DM im Jahr 1979. Zudem brauchte der Bundesbürger 1978 nur noch 42% des Einkommens für unmittelbare Unkosten aufwenden (Nahrung, Kleidung, Wohnung), 1963 waren es noch 58%.
Trotz einer erheblichen Wohlstandssteigerung vollzog sich eine soziale Ungleichheit, die einer gut verdienende Mittelschicht (ca. 70%) und jenen (ca. 20%), die zunehmend auf staatliche Unterstützung angewiesen waren. Etwa 8% galten nach UNO-Kriterien als arm, das entsprach in etwa der Anzahl, die dem gegenüber als Reich galten. Dennoch bewahrten staatliche Zuwendungen, wie Sozialhilfen, Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe vor einer Verelendung. Das rechtfertigte aber nicht die Tatsache, dass der Staat einige Hauptprobleme nicht löste. Es waren besonders alleinerziehende Mütter, kinderreiche Familien, Jugendliche, Langzeitarbeitslose und Ausländer, die am Existenzminimum leben mussten. Schuldlos wurden sie an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Im klaffenden Missverhältnis zwischen Armut und Wohlstand, nährte der Zustand eine wachsende Kriminalität und gewaltbereite Strömungen sowie Drogenkonsum, Prostitution, Satanskulte und Sekten.
Die breite Mehrheit genoss den Wohlstand und konnte an den Freiheitsstatus Auto gemessen werden. 1978 besaßen 62 % aller Haushalte ein Auto (1969 = 44%). Fast jeder Haushalt verfügte über eine Waschmaschine, Kühlschrank und einem Fernsehgerät. Im Unterschied zur DDR hatte der Bundesbürger mehrheitlich einen Farbfernseher. Die Stereoqualität war grundsätzlicher Standard fürs Radio und ein Telefon hatten 1980 schon 86% aller Haushalte (1970= 20%). Der Kauf von Haushalts- und Unterhaltungselektronik stieg sprunghaft an.
Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem mittleren Einkommen, gab zudem für Freizeitgüter und Urlaub, wesentlich mehr Geld aus, als Früher. Der Wohlstand verführte den Bundes-bürger dazu, sich darzustellen, mit dem eigenen Luxus zu protzen. Neben den Statussymbolen Auto und eigenes Haus, gehörten auch Auslandsreisen dazu. Aufgrund der Demokratisierung in Spanien, löste das Land, Italien als beliebtestes Reiseland ab. Für einen preiswerten Urlaub stand Ungarn ganz hoch im Kurs und für Westberliner lohnte sich ein Ausflug nach Ostberlin. Für wenig Geld konnte er Kultur genießen oder in Gaststätten preiswert essen. Die deutliche Bevorzugung gegenüber Ostberlinern, suggerierte dem Westberliner eine Mehrwertigkeit und verleitete viele Besucher dazu, sich arrogant über den DDR-Bürger zu stellen.

Im normalen Alltagsleben blieb der Bundesbürger in seinen vier Wänden. Vorrangig wurde er zum Fernsehkonsument und verbrachten 2 bis 3 Stunden täglich vor der Glotze. Am Wochenende und bei Sportereignissen (Fußball, Olympiade) kamen dazu ein erhöhtes Naschen und ein Alkoholkonsum. Zudem verführte die Werbung zu einer ungesunden Lebensweise, wodurch der Bundesbürger immer dicker wurde. Mit gezielten Sportkampagnen, wie der Trimm dich –Bewegung (1972) sollte der Bundesbürger wieder aktiver werden. Sportvereine erfreuten sich zwar einer hohen Mitgliedschaft, aber gerade ein großer Teil der älteren Generation, zog das bequeme und genießerische Leben in den vier Wänden vor. Selbst der Anteil von älteren Bürgern im Kino und auf Tanzveranstaltungen sank drastisch. 

Tendenzen und kulturelle Trendwende

Die traditionelle Normen, wie die Wertschätzung von Arbeit, Pflichten, Disziplin und Leis-tung rückten ins Abseits, dafür entfaltete sich ein Streben nach persönlicher Freiheit und Selbstentfaltung. Besonders über die Jugend- und der Elterngeneration änderten sich grundlegende Ansichten. Die wachsenden Ansprüche an den Staat konzentrierten sich auf soziale Sicherheit und das Abwenden von ökologischen Risiken. Im Zuge des neuen Bewusstseins sprach sich 2/3 der Bevölkerung gegen Atomkraftwerke aus. Grund dafür waren jüngste Störfälle, die dem Bürger die Gefahr von Atomkraftwerken bewusst machten.
In der Kindererziehung setzte sich ein antiautoritäres Verständnis durch, dass auf Züchti-gungsmaßnahmen (z.B.: Prügelstrafen) verzichtete und stattdessen die Selbstentfaltung förderte. In der Partnerschaft wurde die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau infrage gestellt und die Gleichberechtigung propagiert. Auch die Toleranz gegenüber Gleichgeschlechtlichen wurde aus der Tabuzone thematisiert.
Im Zeichen der Zeit, die Kirche als Instrument veralteter Normen gesehen. Ein starkes
Absinken der Kirchenbesucher war die Folge, verbunden mit einem hohen Anteil von Kirchenaustritten. Besonders die evangelische Kirche verlor zwischen 1972 und 1982 circa 1,5 Millionen Gläubige, bei den Katholiken waren es nur halb so viel. Lediglich zu festlichen Anlässen, wie dem Weihnachtszeremoniell, wurde die Kirche traditionell genutzt. Von religiöser Überzeugung konnte dabei nicht die Rede sein, dass zeigten die Besucherzahlen an normalen Sonntagen. Anders verhielt es sich mit freikirchlichen Gruppierungen oder Sekten, die trotz strenger Glaubensregeln, ihren Gläubigen, einen festen Halt im Rahmen durch die Gemeinschaft gaben. In buddhistischen Sekten wurden nicht selten die Glaubenden finanziell ausgenommen und zu willenlosen Geschöpfen gemacht.
Eine Reihe von gesellschaftszersetzenden Randerscheinungen diente reaktionären Kräften als Argumentation und zeichneten das Gespenst einer anarchistischen Gesellschaft. Der sich verbreitende Zeitgeist stieß deshalb auf harten Widerstand bei den Traditionsbewussten. Speziell in den ländlichen Gegenden und im süddeutschen Raum hatten moderne Ansichten einen schweren Stand. Im Rahmen dessen erlebte der Nationalsozialismus einen enormen Aufschwung. Zahlreiche Bücher, Filme und Aufführungen setzten sich mit Adolf Hitler auseinander, mal kritisch, mal grotesk und mal wissenschaftlich. Zu Informationszwecken erschienen Originalbücher aus der NS-Zeit und deren Groschenromane.
Es war sogar der Kriegsverherrlichende „Landser“ erlaubt. Unter den Deckmantel der Medien- und Meinungsfreiheit, durften neonazistische Schriften veröffentlicht werden und verstärkten die rechte Allianz gegen moderne Ansichten, denen ein kommunistischer Geist unterstellt wurde. Der Protest gegen nazistische Tendenzen konnte sich nur an prominenten Personen fest machen. So wurde 1978 der Ministerpräsident von Baden-Württemberg Hans Filbinger zum Rücktritt gezwungen, da er in der NS-Zeit als Marinerichter fungierte.
Einen besonderen Effekt hatte die US-Serie „Holocaust“. Unverständlicherweise wurde die Serie nur im 3. Programm gezeigt, erreichte aber dennoch eine Einschaltquote von über 30 Prozent. Der Film schilderte anhand der Arztfamilie Weiß und dokumentarischen Einspielungen, das Ausmaß der nationalistischen Vernichtungspolitik an den europäischen Juden. Bislang wurde das Thema in den Medien verdrängt, umso mehr war die Öffentlichkeit vom Ausmaß und der Brutalität der Nazis entsetzt und es verstärkte sich ab 1979 ein Bewusstsein gegen neonazistische Tendenzen.
Das aber verursachte eine Orientierungslosigkeit, da traditionelle Lebensideale häufig eine nationalistische Denkweise unterstellt wurden. Nicht nur die älteren Generationen, sondern ebenso die Jüngeren, waren verunsichert auf der Suchen nach Lebensinhalten. Nichts war so, wie es mal war und ehemalige Ideale zerbrachen zugunsten fraglicher neuer Lebensformen. Ein großer Teil der Bevölkerung floh in mediale Scheinwelten (Fernsehen). Und in der Kunst und Literatur wurde das Irrationale zum Trend. Märchen- und Traumwelten standen hoch im Kurs. John Ronald Tolkiens „Der Herr der Ringe“ (1972 in Deutsch) oder Michael Endes „Unendliche Geschichte“ (1979) waren Bestseller und galaktische Abenteuer, wie „Star Wars“ wurden zu Kinohits. Selbst in der Architektur setzte ein Trend gegen die Rationalität von Hochhaussiedlungen ein. Statt Neubauten sollten alte bürgerliche Häuser saniert und ganze Viertel im ehemaligen Stil wiederhergestellt werden. Das bezog sich in der Regel auf die Außenansicht, aber nicht auf eine moderne Innenausstattung. Darüber hinaus stand
die Funktionalität von Gebäuden im Mittelpunkt und Gebäudeinspirationen sollten nun im ästhetischen Einklang mit dem Gesamtbild stehen. Der Begriff Postmoderne wurde in diesem Zusammenhang zum Schlagwort und schuf skurrile Bauwerke.

Frauenbewegung

Die Gleichberechtigungsbewegung der Frau stieß hierzulande auf heftigen Widerstand inder Männergesellschaft. Besonders die Medien wurden nicht müde und warben für die  traditionelle geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Frauen sollten sich um Haushalt und Kinder kümmern, und die Basis für ein intaktes Familienleben schaffen. Der Mann, als Versorger, hatte in seinem Beruf genug Leistungen zu vollbringen und sollte deshalb durch die Frau ein entspanntes Heim vorfinden. Durch diese verbreitete Ansicht, zogen sich die Männer aus dem Haushalt und der Kindererziehung wieder zurück.
D
urch die Öffnung der moralischen Richtlinien zur Sexualität, wurde die Frau starker auf ihre körperlichen Reize reduziert und gezielt für Werbezwecke missbraucht. In den Kinos liefen zahlreiche Softpornofilme, zahlreiche Bordelle und Erotikcenter entstanden. Neben dem Sexmagazin „Playboy“ erschienen weitere Zeitschriften, in denen Frauen aufreizend ihren nackten Körper präsentierten. Die Illustrierten warben mit erotischen Mitteln um die Gunst der Käufer, so auch die Werbung im Fernsehen. Da die Frau zunehmend als Sexobjekt diskriminiert wurde, wuchs zeitgleich eine starke Emanzipationsbewegung heran. Bislang wurde der Frau nach der gesellschaftlichen Sichtweise eine intellektuelle und leistungsfähige Gleichwertigkeit zum Mann abgesprochen.
Mit dem Engagement von Alice Schwarzer, erhielt die Frauenbewegung eine resolute Führungskraft und die erste progressive Frauenzeitschrift „Emma“ erschien. Die Frauen wurden selbstbewusster und zunehmend glaubten Männer mit häuslicher Gewalt gegensteuern zu müssen. 1976 wurde in Westberlin deshalb, zum Schutz der Frau, das erste Frauenhaus eingerichtet. Frauen fanden dort Zuflucht vor ihren gewalttätigen Männern. Weiterhin wurden Treffpunkte und Diskussionsforen eingerichtet um Frauen zu helfen.
1979 wurde in Hamburg eine erste staatliche Gleichstellungsbehörde eingerichtet.All die Maßnahmen lösten aber nicht das Grundproblem, dem gesellschaftlichen Status der Frau. Mit Gesetzen diesbezüglich hielt sich die SPD-Regierung zurück und wenn sie einen Vorstoß wagten, blockierte die CDU-Opposition nötige Gleichstellungsgesetze. Das Versagen der Politik und dem konservativen Widerstand, mündete in militante und feministische Tendenzen bei der Frauenbewegung. Das Wort Emanze wurde zum Schimpfwort für Frauen, die als gleichwertig (emanzipiert) anerkannt werden wollten.
Über die Führerin  Alice Schwarzer wurde derbe Witze gemacht und entwürdigende Äußerungen publiziert. Durch die zahlreichen Anfeindungen, wurde Alice Schwarze zu einer verbissenen Verfechterin ihrer Meinung, doch die Emanzipationsbewegung bekam durch sie einen wesentlichen Schub. Durch das gestiegene Selbstbewusstsein setzten immer mehr Frauen ihre Persönlichkeit durch und probierten in ihren Partnerschaften moderne Lebensmodelle aus. Nicht selten prallten so zwei Welten (Frau, Mann) aufeinander, deren Konflikte zur Scheidung führten.
Die Zahl von alleinstehenden Müttern nahm enorm zu. Ebenso stieg die Zahl von Single-Haushalten (eine Person). Ein Zusammenleben nach dem traditionellen Ehemodell schien viele jungen Paaren nicht mehr zeitgemäß und lebten vorsorglich unehelich zusammen oder in Wohngemeinschaften (WG). Von den wenigen Gesetzen zugunsten der Frau, wurde im Familienrecht die Hausarbeit als verpflichtende Norm für die Ehefrau abgeschafft. Bei der Eheschließung durfte nun auch der Name der Frau angenommen werden und im Scheidungsrecht galt nicht mehr das Schuld-, sondern das Zerrüttungsprinzip. Aber das waren Tropfen auf den heißen Stein.
In der Arbeitswelt verdienten weiblichen Beschäftigten weiterhin nur 60%, für dieselbe Arbeit im Vergleich zum Mann. Durch die finanzielle Benachteiligung blieb die Frau nach wie vor, abhängig vom Mann. Die Situation blieb insgesamt heikel, dass nur wenige Paare zu einer wirklichen Gleichberechtigung fanden. Häufig waren mal die Männer zu herrschsüchtig und mal übten die Frauen eine zu hohe Dominanz aus. Das hatte Auswirkungen, auf die steigende Zahl von gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Nicht mehr die Veranlagung motovierte zum Anders sein, sondern oftmals war es eine Flucht aus der erlebten Normalwelt, die sich nun als Lesben und Homosexuelle in ihrer Welt besser verstanden fühlten.

Jugend und Bildung

Die steigende Technisierung und Spezialisierung in der Arbeitswelt verlangte ein erhöhtes Bildungsniveau. Dementsprechend sank der Anteil von Hauptschülern von 53% (1970) auf 38% (1980) zugunsten von Realschule und Gymnasium. Wichtig wurde die fundamentierte Ausbildung und zugleich stieg der Anteil von Abiturienten und Studenten. Noch blieb das Studium weiterhin den Wohlhabenden vorbehalten. Für die wenigen Jugend-lichen aus Arbeiterfamilien, war ein Studium nur durch Nebenjobs finanzierbar. Im Trend stieg der Anteil von weiblichen Studenten, die ein intensiveres Lernverhalten an den Tag legten, als Männer. Trotzdem wurden Frauen bei ihrer beruflichen Entwicklung benachteiligt oder ihnen Förderungen verwehrt. Die konservative Gesellschaft schlossen Frauen von manchen Berufen komplett aus oder durften nur minderwertige Arbeiten durchführen.
Der steigende Bildungsgrad führte in manchen Bereichen zum Überangebot an qualifizierten Arbeitskräften. 1975 waren 2,5% der Akademiker arbeitslos und in anderen Bereichen sah es ähnlich aus. Im selben Jahr, verzeichnete die Jugendarbeitslosigkeit mit 116.000 einen historischen Höchststand.
Mitverantwortlich an der Jugendarbeitslosigkeit war die mangelnde Akzeptanz der Jugendkulturen und einer veränderten Arbeitseinstellung. Das Erscheinungsbild (Kleidung, Haare) spielte dabei eine wesentliche Rolle. Punker oder Alternative wurden bei ihrer Bewerbung oft abgelehnt, zumal ihnen eine mangelnde Arbeitsmoral anhaftete.
Bei Langhaarigen wurde nach der Länge der Haare und dem aktuellen propagierten Modetrend entschieden, aber eine Bewerbung im Rocker-Outfit garantierte eine Ablehnung.
Die allgemeine Tendenz, Arbeit als notwendiges Übel zu betrachten, lähmte zusätzlich die Arbeitsmoral. Neben einem fehlenden Arbeitseifer ließen sie es an Engagement fehlen, resignierten zu schnell, kamen unpünktlich zur Arbeit, diskutierten über Anweisungen oder beklagten sich über die Arbeitsbedingungen.
Anders sah es in den ländlichen Gegenden aus, in traditionsorientierte Regionen (Süddeutschland) und Orten, wo sich die Subkulturen nicht entfalten konnten. Dort galt die Mehrheit der Jugend als sittsam, fleißig und arbeitsam. Es waren aber besonders die Medien, die verallgemeinernd, der Jugend ein schlechtes Image gaben. Bedacht zeigten sie Bilder von einer verwahrlosten und gewaltbereiten Jugend, um den braven Bürger zu schockieren. Der Bürger sah, wie sich Punks, Autonome und Alternative mit der Polizei Straßenschlachten lieferten. Dazu kamen Berichte über die steigende Jugendkriminalität und die Zahl der Drogensüchtigen, sowie der dramatische Anstieg von Drogentoten. Dazu prostituierte sich immer mehr Mädchen, die RAF terrorisierte das Land und die Jugend stellte alles infrage.
Entfernt von einer objektiven Berichterstattung, wollten die Medien nicht nach gesellschaftlichen Ursachen suchen, sondern prangerten lieber die liberale SPD-Politik an. Sie machten sich politisch zu den Handlangern der Opposition und kritisierten die lasche SPD-Politik und machten sie für eine maßlose Jugend verantwortlich. Immer mehr Bürger folgten dieser Ansicht. Selbst in der Arbeitswelt bevorzugten Arbeitgeber leistungswillige ältere Arbeitnehmer, statt rebellische Jugendliche. Noch lieber waren ihnen Ausländer, die sich obendrein, noch besser ausbeuten ließen. Gegen Ende der 70er Jahre schien ein anarchistisches Chaos durch die Jugendrebellion unvermeidlich.

5. Kontroverse Bewegungen zum Staat in der BRD

Bis 1977 zog der RAF-Terror seine blutige Spur durch das Land und es folgte eine ökolo-gische Bewegung, die nicht minder heftig den Eklat mit dem Staat suchte. Versuchte die RAF mit verbrecherischen Mitteln den Staat unter Druck zu setzen, so setzte die alternative Bewegung auf demonstrativen Protest.

Deutscher Herbst:  1977 erlebte der RAF-Terror seinen Höhepunkt und verfolgte das Ziel die Freilassung der inhaftierten RAF-Führungsriege zu erzwingen. Zu diesem Zweck diente die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer und international die palästinensische Flugzeugentführung. (siehe „Brennpunkt 1977“)
Die Regierung Helmut Schmidt ließ sich jedoch nicht erpressen und schickte erfolgreich die Spezialeinheit GSG 9 nach Mogadischu, die das deutsche Flugzeug von den Terroristen befreiten. Führende inhaftierte RAF-Mitglieder, wie Andreas Baader, Gudrun Esslin und Jan Carl Raspe begingen daraufhin Selbstmord. Damit war auch der Tod vom entführten Hanns Martin Schleyer unvermeidlich. Dennoch erlitt der Weltterrorismus einen herben Schlag und bei umfangreichen Razzien konnte die Polizei zahlreiche RAF-Aktivisten unschädlich machen. Allerdings wurde die Vorgehens-weise der Polizei stark kritisiert, da sie übereilt Verdächtige verhafteten und ihre Aktionen stark überzogen wirkten. Im Zuge der Maßnahmen wurde der Begriff Polizeistaat geprägt und sollte in den 80er Jahren zur Basis werden, um die Polizeiaktivitäten zu begrenzen.  

Hausbesetzer: Bedingt durch den Mangel an bezahlbaren Wohnungen (Miete), entfachte sich der Zorn über die Hausbesitzer, die mit Sanierungsmaßnahmen überzogene Mieten verlangten oder geleerte Gebäude zerfallen ließen, damit der Vermieter das Grundstück teuer verkaufen konnte (häufig lukrative Bürogebäude). Im September 1970 begannen Studenten, in Frankfurt/ Main, ein leer stehendes Haus zu besetzen. In der Folgezeit wurden weitere Häuser in der BRD besetzt, worauf die Hausbesitzer, ihr Eigentumsrecht einklagten und ein rigoroses Handeln der Behörden verlangten. Der Konflikt zog sich bis 1974 hin, bis die gewaltsamen Räumung durch die Polizei veranlasst wurde. Wütende Proteste der Hausbesetzer mündeten in Straßenschlachten mit der Polizei, bei der es 65 Verletzte gab. Wie ein Flächenbrand verbreitete sich die Hausbesetzer-szene über mehrere Großstädte. In Westberlin verhärteten sich 1979 erneut die Fronten und eskalierten 1980 erneut in Gewalt. Zunehmend mischten sich militante Kräfte (Autonome) unter die Hausbesetzer, die den Konflikt mit der Polizei regelrecht suchten. Aufgrund der zunehmenden Gewalt war die Szene in Verruf geraten, wodurch die Polizei ihr Vorgehen legitimieren konnte und der Staat deutlich das Eigentumsrecht der Hausbesitzer hinwies. Infolge der eskalierenden Gewalt ebbte die Hausbesetzerszene vorerst etwas ab.

Autonome (linksradikale anarchistische Bewegung): Sie gingen aus der Tradition der 68er Studentenbewegung hervor und sympathisierten mit den Extremisten (RAF, RZ). Zur unrühmlichen und eigenständigen Größe wurden sie gegen Ende der 70er Jahre. Sie schlossen sich verschiedenen Protestbewegungen an und suchten die Eskalation mit der Polizei. Sie mischten sich unter die Hausbesetzer, der Anti-Atomkraft- und der ökologischen Bewegung. Jeweils heizten sie bewusst die Stimmung an und motivierten zur Gewalt. Auf den Konflikt mit der Polizei vorbereitet, bewaffneten sie sich mit Steinen und Stöcken, und anderen Gegenständen, trugen schützende Kopfbedeckungen und vermummten sich.
Sie waren letztendlich dafür verantwortlich, dass bei den Polizeiaktionen zunehmend friedfertige Demonstranten zu Schaden kamen. Die Medien veröffentlichten die Bilder von den Verletzten und belegten (undifferenziert) die Polizeigewalt. Die Öffentlichkeit protestierte gegen das überharte Vorgehen der Polizei. Im Sinne der Bewegungen schloss sich nun die Bevölkerung den Protesten an. Ein Umdenken in den Medien bewirkte, dass Bilder von gewaltbereiten Jugendlichen gezeigt wurden und sich konservative Zorn auf die jugendlichen Chaoten richtete. Obwohl die renommierten Demonstranten, Gewalt und damit die radikalen Kräfte ablehnten, kamen sie in der Öffentlichkeit in Verruf. Den Bewegungen war klar, dass friedlicher Protest wirkungsvoller war, aber es erwies sich als schwierig die militanten Subjekte herausfiltern.

Alternative Bewegung: Resultierend aus der 68er Bewegung, könnten sie als Hippies der 70er Jahre bezeichnet werden. Die linksorientierte Bewegung erprobte neue Lebensmodelle lehnte die Konsumgesellschaft ab und setzte sich politisch für soziale Themen der Zeit ein, mit großem Einfluss auf alle Bereiche des Lebens.
Schwerpunkte der Bewegungen waren die Frauenrechte, der Frieden und der Umweltschutz. In jenem Rahmen integriert, waren die Hausbesetzerszene und die Antiatomkraftbewegung. In ihrem Wesen standen sie kritisch der Konsumgesellschaft gegenüber, die nach ihrer Auffassung lediglich den Reichtum kapitalistischer Unternehmen nährte. Sie misstrauten der Politik, insbesondere den renommierten Parteien und setzten Modelle zur Aufhebung der traditionellen Hierarchien um. Im Rahmen der Bewegung gründeten sich zahlreiche alter-native Handwerksbetriebe, Druckereien, Buchläden und Gaststätten. Auch alternative Gemeinschaften auf Bauernhöfe entstanden und moderne Bauern folgten den ökologischen Richtlinien.
Kulturell verstärkte sich die experimentelle Phase, die sich musikalisch im Krautrock niederschlug und sonst eher skandalbehaftet war (z. B. pornografische Theaterstücke). Kennzeichnend für eine alternative Lebensweise war der Trend zur natürlichen Ernährung und einer einfachen schlichten Kleidung. Orientiert am Geist von Naturreligionen und deren Spiritualität, wurde pflanzliche Kost bevorzugt und selbst angefertigte Kleidung getragen, die bewusst keine erotischen Reize unterstreichen sollte (in der Bevölkerung abfällig als Lumpen bezeichnet). Im Rahmen dessen setzten sich Wohngemeinschaften durch und sie versuchten die sexuelle Bindung von Paaren aufzuheben. Ebenso engagierten sie sich für die Rechte gesellschaftlich diskriminierte Randgruppen, insbesondere für die gleichgeschlechtlichen Orientierungen (Homosexuelle, Lesben) und der Behinderten.
Auslöser der ökologischen Bewegung war das Waldsterben, das zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Luftverschmutzung und saurer Regen durch industriellen Sünden zer-störten den Wald und das Buch „Rettet den Wald“ (1979) von Horst Stern wurde zum grund-legenden Werk für Umweltschützer.
Joachim Radkau wies 1975 auf die Risiken von Kernkraftwerken hin und aktuelle Störfälle heizten das Thema an. Im gleichen Jahr konnten Demonstranten den Bau eines Atomkraftwerkes in Wyhl verhindern. In Brokdorf gab es 1976 erste Konflikte mit der Staatsmacht, doch verlief der Protest zunächst erfolgreich. Allerdings wurden 1981 die Pläne für Brokdorf wieder aufgenommen und die Landesregierung verfügte die Durchsetzung der Maßnahme.
Bei der Demonstration durchbrachen autonome Kräfte die Sperren der Polizei, worauf heftige Auseinandersetzungen folgten. Neben 150 verletzten Demonstranten, verbuchte erstmals die Polizei eine hohe Zahl (128) von verletzten Beamten. Bereits 1977 eskalierte die Situation in Gohnde mit zahlreichen Verletzten unter den Demonstranten. Die Konflikte zwischen den Alternativen und Staatsmacht nahmen gegen Ende der 70er Jahre an Heftigkeit zu. Den letzten großen Erfolg erreichten Demonstranten 1979 in Gorleben. Dort verhinderten sie vorerst den Bau einer Wiederaufbereitungsanlage.
All jene Aktionen bewirkten zwar in den Medien eine hohe Resonanz, aber die Mehrheit der Bevölkerung war gespalten, in der Bewertung der Konflikte. Besonders die älteren Generationen hielten die Alternativen für gewaltbereite „Spinner“, denen man mit Härte begegnen sollte. Demgegenüber sympathisierten die normalen Jugendlichen mit den Autonomen, standen aber den Alternativen skeptisch gegenüber. 

Die Grünen: Den zahlreichen alternativen Bewegungen wurde rasch klar, dass sie sich politisch verbünden müssten. Im Konsens zwischen Ökologie-, Antiatomkraft-, Friedens- und Frauenbewegung bildeten sich regionale Organisationen. Die Grüne Liste Umweltschutz trat 1976 als erste alternative Partei zu den Landtagswahlen in Niedersachsen an. Jedoch erst 1979 gelang es der Bremer Grünen Liste mit 5,1% ins Landesparlament einzuziehen.
Im selben Jahr vereinten sich in Baden Württemberg grüne Strömungen zum Landesverband Die Grünen und am 13. Januar 1980 gründete sich schließlich die Bundespartei. Bei den Bundestagswahlen erreichten Die Grünen mit 1,5% ein enttäuschendes Ergebnis und belegte ernüchternd die Akzeptanz in der Bevölkerung. Mit einer veränderten Weltsituation, stieg schließlich die Angst vor einen atomaren Krieg. Die Friedensthematik rückte in den Vordergrund und mit regionalen Problemen punkteten Die Grünen bei den Landtagswahlen in Berlin, Hamburg, Hessen und Niedersachsen und schafften die 5-%-Hürde. 1983 etablierte sich die Partei zur Friedenspartei und schafften es schließlich in den Bundestag.     

Bilanz der Bundestagswahlen   Arbeitslosigkeit in der BRD
in  % 1969  1972 1976 1980 1983 Jahr Arbeitslose Quote %
SPD 42,7 45,8 42,6 42,9 38,2 1980 888.900 3,8
CDU 46,1 44,9 48,6 44,5 48,8 1979  876.137 3,8
FDP 5,8 8,4 7,9 10,6 6,9 1978 992.948 4,3
Grüne -  -  - 1,5  5,6 1977 1.029.995 4,5
Sitzverteilung / Parlament 1976 1.060.336  4,6
SPD 237 242 242 228 202 1975 1.074.217 4,7
CDU 250 234 254 237 255 1974 582.481 2,6
FDP 31 42 40 54 35 1973 273.498 1,2
Grüne - - - - 28 1972 246.433 1,1
Wahlergebnis von ... ( in %) 1971 185.072  0,8
DKP - 0,4 0,5 0,3 0,2 1970 148.846 0,7
NPD 4,3 0,6 0,4 0,2 0,1 1969 178.579 0,9