07. Sound - Disco, Punk

Sound: Disco, Punk und New Wave
1. Discosound
2.
Punk
3. New Wave
4.
Electronics
5. Country

1. Discosound 
Begriff – Disco = ­Kurzwort für Discothèque, stammt aus der französischen Umgangssprache um 1941 und meint ursprünglich Nachtklubs mit Tanzmusik. Die Wortkombination heißt eigentlich, Schallplattenhülle und setzt sich aus den Wörtern disk (engl. „Schallplatte“) und thέkέ (gri.„Behältnis“) zusammen, und steht für Tanzveranstaltung mit Schallplatten, aber meint ebenso Bands, die zur Unterhaltung beliebte Songs (Hits) zum Tanzen nachspielten.

Begriff – Discosound= eine Stilrichtung der Popmusik, die ab 1975 das Tanzen zu einem Lied in den Vordergrund rückte und ein eigenes Musikgenre wurde. Prägend für Discosongs ist eine vordergründige tanzbare Melodie, mit Texten, die auf die Zweisamkeit (Liebe) zielen und nicht selten erotisierend sind. Häufig rückt der Gesang völlig in den Hintergrund und erzeugt durch die Musik starke Emotionen. Somit sollte ein Song gefühlsmäßig interpretiert werden und inspirative Gefühle wecken. Die Blütezeit der ersten Discowelle war zwischen 1976 und 1979. Sie prägte entscheidend den Zeitgeist, die Mode und das Lebensgefühl.
Ab 1980 wurde die Discomusik stark vom New Wave beeinflusst und machte die Tanzmusik elektronischer.

Entstehung: In den frühen 60er Jahren entwickelte sich mit der Soulmusik in den USA die erste Musikrichtung, die emotional die Seele sprechen ließ. Die Produzenten Kenny Gamble und Leon Huff entwickelten daraus in den 70er Jahren den Sound of Philadelphia. Norman Whitfield steuerte dazu den Psychedelicsoul dazu, der aus dem Psychedelicrock resultierte. Beide Arten vermischten sich zum Phillysound. Die weiche, opulent arrangierte Soulart umgab textlich, wie auch musikalisch, eine erotische Note. Eine flüssig dahinschmelzende Musik, ohne Ecken und Kanten, erzeugte einen emotionalen Rausch. Mit den massenkompatiblen Refrains eroberte der Phillysound auch die europäischen Charts. „Rock Your Baby” (George McCrae), „Kung Fu Fighting” (Carl Douglas) oder „Shame, Shame, Shame” (Shirley & Company) wurden große Hits. Trotz des Erfolges einzelner Songs entsprach der Phillysound nicht dem europäischen Hörgewohnheiten.
Der Sound war nett, aber mehr auch nicht. Im Umbruch des Glamrocks wurden einige experimentelle Rockvarianten versucht. Eine Form davon war die Soulrockvariante der britischen Band Kenny, die sich Bump nannte. Zu jener rhythmisch betonten Musikart wurde eine Tanzart erfunden, die schnell zum Modetanz in Europa wurde. Der Bump war eine lose Tanzform, bei der, nach einem animierenden Taktsignal sich die Tanzpartner an den Hüften dezent anstießen. Nicht selten wurde mit dem Aufprall übertrieben und schubste den Partner über die Tanzfläche. Bei geübten Tanzpaaren sah die Tanzform allerdings sehr erotisierend aus.
In der Kombination aus Phillysound und Bump formten die Produzenten Georgie Moroder, Frank Farian und Michael Kunze den Munich Sound (Munich = München). Mit Donna Summer und den Silverconvention begeisterte der Munich Sound besonders die USA und Boney M. Europa (siehe dazu auch „Popmusik in Deutschland“). Der Munichsound diente in den USA zur Weiterentwicklung des Motown Soul Sound, der die eigentliche Grundlage für den Discosound war. Über den Jugendtanzfilm „Saturday Night Fever“ (1977) wurde der wahre Discokult ausgelöst. John Travolta wurde zum Discoidol und die Bee Gees lieferten dazu die Musik, der ihnen ein Mega-Comeback einbrachte.
Eigens für den Film wurde in den USA ein moderner Paartanz kreiert, eine konservativere Mode geprägt und die Jugend auf ein konsumorientiertes Lebensgefühl orientiert. Der Sinn des Lebens wurde auf Partys und Diskotheken gelenkt, wobei sich vordergründig alles um die Liebe drehte und die Sexualität eine wesentliche Rolle spielte.
Die Stars des Phillysounds George McCrae, Barry White, Stylistics, Three Degrees und Carl Douglas rückten in den Hintergrund, ebenso wie die Gruppe Kenny. Nach zwei großen Hits der Silverconvention fehlte es an weiteren Ideen und das solistische Experiment mit Penny Mc Lean („Lady Bump“) verpuffte zu einem Strohfeuer. Wesentlich erfolgreicher war Donna Summer, die nach dem erotisch gestöhnten „Love To Love You Baby“ mit „I Feel Love“ (1977) und „Hot Stuff“ (1979) zwei weitere Welthits hatte und in den USA eine gefeierte Discoqueen war. In Europa war jedoch Boney M. erfolgreicher, die von 1976 bis 1979 eine Reihe von Hits hatten und in Deutschland bis 1984 erfolgreich waren. Klassiker wie „Daddy Cool“ (1976), „Rivers Of Babylon“ (1977) und „Mary’s Boy Child“ (1978) wurden zu ewigen Evergreens (nicht nur in Deutschland).

Disco-Ära: In der Vorperiode zur Discoära waren es überwiegend Instrumentalnummern, deren Interpretenname schnell in Vergessenheit geriet, wie Van Mc Coy, Hamilton Bohannon und Typically Tropical. Ein typischer Trend gestaltete sich heraus, bei dem nicht mehr ein Star im Mittelpunkt stand, sondern das Gesamtpaket. Das Produkt umfasste den Musikstil, die Darbietung und die Interpretationsform. Beim Titel „The Hustle“ war es völlig egal, wer da spielte oder sang. Wichtig war, dass mit dem Namen Van McCoy eine bestimmte Musik verbunden war. In den USA gab es allerdings einige Interpreten, die mit mehreren Songs in den Charts erfolgreich waren und als Stars gefeiert wurden.
Es waren Interpreten, wie Gloria Gaynor und Barry Withe, die über ihre Hits hinaus ein breites Soul-Repertoire besaßen. In Europa beschränkte sich ihr Erfolg auf wenige Lieder. Von Gloria Gayner war lediglich „I Will Survive“ ein Hit und Songs wie „Never Can Say Goodbye“ oder „I Am Wath I Am“ gehörten zum Markenzeichen, lösten aber keine Starkult aus. Selbst der Erfolg der Bee Gees bezog sich nur auf ihre Musik. Da sie dauerhaft mit Discohits glänzten, wurde der Name zum Markenzeichen und wirkte sich verkaufsfördernd aus. Der Falsettgesang und Discobeat begeisterte zwar die Disco-Fans, aber zu Teeny-Stars wurden die Gibb Brüder nicht und wären die Medien nicht gewesen, hätte man nicht mal ihre Namen gekannt. Erst nach dem Abflauen der ersten Discophase wurden die Bee Gees als Künstler populär.
Wie ein roter Faden zieht sich das etikettieren von Musik durch die Discophase. Ein weiteres Beispiel wäre Boney M., bei denen neben der Musik ihr Erscheinungsbild wichtig war. Mit einem herumhampelnden Boney (Bobby Farell), schillernden Kostümen und schokobraunen Sängerinnen wurde ein karibisches Flair erzeugt und zum Markenzeichen erhoben.
Bei der britischen Band Hot Chocolate stand der charismatische, kahlköpfige Sänger Errol Brown im Mittelpunkt und prägte einen einfühlsamen Stil. Neben „So You Win Again“ und „You Sexy Thing“, bewegte er mit Songs wie „Emma“ oder „Man To Man“. Trotzdem stellten diese Lieder keinen musikalischen Bruch zum Discokult dar, sondern Hot Chocolate erzählte von Gefühlen, die sich beim Tanzen verstärkten.
Zahlreiche Interpreten haben so ein Markenzeichen hinterlassen und sind nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Produkte wie Baccara, Amanda Lear, Shila & B. Devotion, Santa Esmeralda, Eruption, John Poul Young, Rafaella Carra, KC & the Sunshineband, Luisa Fernandez oder Belle Epoque, standen für eine bestimmte Stilart und Erscheinungsbild.
Wirkliche Stars wurden über den Musikfilm „Greace“ John Travolta und Olivia Newton John. Sie wurde zu glamourösen Idolen der Discozeit, denen man nachahmte.
Im Zuge der Discowelle veränderten namhafte Rockbands ihren Stil. Das Elektrik Light Orchestra erfand den Discorock und die Rolling Stones überraschten mit dem Soulrock
„Miss You“ und später mit „Emotion Rescue“. Abba („Dancin Queen“) und Rod Stewart („Do Ya Think I'm Sexy?“) ließen den Discobeat in ihre Musik einfließen und im Zuge der Discowelle wurden alle tanzbaren Songs verein-nahmt. Dazu zählten auch die Hardrocksongs von Status Quo, Queen und AC/DC, sowie die Boyband Bay City Rollers und Smockie. Mit sanften Discorock gelang Suzi Quatro, mit „If You Can’t Give Me Love” ein Comeback. 
Der Discokult war offen für alle tanzbaren Songs. Racey, Exile und Buggles bereicherten die Diskotheken mit ihrem Sound und mit Plastic Bertrand wurde sogar der Mode-Punkrocksong „Ca Plane Pour Moi“ zum Discoknaller. Mit dem Space-Hit „Magic Fly“ bewegte sich der Discosound in galaktische Welten und der elektronische New Wave dominierte nun stärker den Discokult. Blondie, die sich zuvor mit Punkwave erfolgreich war, gelang mit „Heart Of Glas“ ein Disco-Megahit. Um 1978/79 waren wieder Idole gefragt, aber die eigentliche Discoszene brachte kaum welche hervor. Discosterne, wie Marshall & Hain, Village Peoples, Tina Charles, Ottavan, Lipps Incoporation, The Chic, Dee B. Jackson, Patrick Hernandez, Kelly Marie und Santa Esmeralda waren austauschbare Produkte und verkörperten ein Markenimage.
Soulgruppen wie Sister Sledge, Four Seasons, Kool & The Gang und The Commodores waren in den USA zwar Stars, mit entsprechendem Starrummel, aber in Europa blieb jene Soulmusik nur was für Insider. Diana Ross, in den USA seit 1975 ein Star, wurde in Europa erst mit „Upside Down“ 1980 so richtig bekannt. Von der Disco-Ära, ist noch der Österreicher Supermax zu erwähnen, der mit „Love Maschine“ einen der längsten Discosongs (8 min.) schuf und das Lied ein Klassiker der Szene wurde. Populär wurden auch die italienischen Discoacts (La Bionda, Ricchi e Poveri, Umberto Tozzi oder Alice), wodurch sich italienische Popmusik international etablierte.
Das niederländische Mädchentrio Luv begeisterte mit einem fröhlichen Discopop. Mit dem Charme selbstbewusst, grölend singender Mädchen und mit einem erotischen kokettieren, dargeboten mit knapper Bekleidung, sangen sie sich vokal an die Spitze der europäischen Charts. Eine Reihe von Girl-Formationen folgte, wie Ala Cart, Dolly Dots oder Arabesque, aber lediglich die britischen Bananarama reichten an den Erfolg von Luv heran. „You're The Greatest Lover “, „Trojan Horse “ und „Casanova” sind die erfolgreichsten Songs von Luv und kennzeichnen zugleich eine Wende im Discokult. Ihre Musik versteht sich als Discopop, der nur entfernt auf dem Soul basierte. In der zweiten Discophase änderte sich die Soundbreite durch den Einfluss verschiedener Musikrichtungen zu tanzbaren Songs. Neben dem aktuellen Wavesound erfreuten sich Country- und Rock’n Roll-Songs einer hohen Beliebtheit auf den europäischen Tanzflächen. In den USA dagegen setzte sich mehr eine Trennung durch. In den eigentlichen Diskotheken dominierte der Discosoul und extern gab es Rock’n Roll Feten und Countryfeste.

Modekult:  Der Jugendfilm „Saturday Night Fever“ verursachte einen neuen Modetrend und es verbreitete sich dazu eine Modetanzform. Die jungen Tänzer zwängten sich in modische Sakkos und Rüschenhemden und die Mädchen trugen einfarbige schulterfreie Kleider mit erotischen Einblicken. Für den Tanz wurde eine Abfolge von Gesten typisch. „Rolle, Rolle“ und ein anschließend nach oben ausgestreckter Arm, wurde kennzeichnend und an vielen Tanzschulen gelehrt. Ursprünglich ist der Discotanz für männliche Tänzer ein werbender Vorführtanz, um Mädchen zu beeindrucken und Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Im Grunde wurde hier die Idee zum späteren Rap geboren, einem tänzerischen Wettstreit.
Vor dem Discokult standen die jungen Männer einem richtigen Tanz (mit Regeln) eher ablehnend gegenüber. Das bisherige rhythmische Bewegen (Beattanz) war für junge Männer  nur Mittel zum Zweck, einem Mädchen näher zu kommen. Nun jedoch sollten sie tänzerisch überzeugen und es gab dazu regelrechte Tanzwettbewerbe.
In Europa verweigerte sich eine steigende Zahl von Männern dem US-Discotanz und ging wieder zum Beattanz über. Modisch dominierte die Schlaghose, in der Hüfte eng und ab dem Knie bis zum Fuß mit weitem Schlag. Die Boys sollten mindestens modische Hemden tragen und die Haarlänge sollte nun eher kurz sein. Die Discomode für Mädchen war figurbetont im Becken- und Busenbereich, und durch die ansonsten schlabbrige Kleidung wurde eine erotische Ausstrahlung unterstrichen. Als gewagt, aber im Trend, galten schulterfreie Zweiteiler mit freier Sicht auf den Bauchnabel.
Eine Lebensphilosophie hatte der Discokult nicht, doch er verführte zum Konsum und war ausgerichtet auf Partys und dem sexuellen Erleben. Der erotisierende Discokult verursachte zudem ein politisches Desinteresse, aber auch einen Widerspruch zwischen propagierter Lebensart und der Realität. Für die Glitzerwelt fehlte vielen Jugendlichen das Geld. Gerade in der westlichen Welt war die Jugendarbeitslosigkeit sehr hoch und die begehrten Modeartikel waren sehr teuer und die Eltern weigerten sich für den Firlefanz Geld auszugeben. Die Erwachsenwelt war ohnehin damit beschäftigt krankhaft Statussymbolen hinterher zu jagen. Die gesellschaftliche Realität enttarnte den propagierten Traum, den nur wenige Leben konnten und mit einem Lügenkonstrukt die Wahrheit überspielte.
Aus dieser Erkenntnis heraus flüchteten Jugendliche in die Subkulturen, sie wurden Punker oder suchten sich andere Alternativen (Heavy Metal, Autonome, „Green Peace“). Die meisten jungen Männer betrachteten den Discostil schließlich als Tanz für Weichlinge und selbst Mädchen fanden das überzogene Discogehabe zunehmend albern und lächerlich.

Musik: Typische Instrumente der Discomusik waren die rhythmische Gitarre, Bassgitarre, Keyboard und Klavier. Zum unverwechselbaren Discosound gehören auch Streicher wie Violine, Cello oder Harfe und Blasinstrumente wie Trompete, Saxophon, Klarinette oder Flöte. Besonderer Beliebtheit erfreuten sich elektronische Instrumente und so ersetzte das E-Drums das Schlagzeug. Die meisten Songs sind von einem 4/4-Takt, mit einem 1/8-Schlag geprägt.

 2.Punk

Begriff = Punk: Schon bei Shakespeare (Dichter) wurde das Wort Punk erwähnt und bezeichnet eine Prostituierte. Später bürgert sich der Begriff „faules Holz“ ein und benannte eine unreife suchende Person. In der Punkbewegung wurde der Begriff umgemünzt und steht für Jugendliche, die sich von der Gesellschaft seelisch vergewaltigt fühlen. Sie sollen funktionieren und sich einer verlogenen Welt unterordnen. Der daraus resultierende Schmerz kann deshalb nur schreiend und nur mit wilder Musik geäußert werden.

Entstehung: Punk ist eine Gegenbewegung gegenüber einer satten konsumorientierten Gesellschaft und einem ausufernden kommerziellen Musiktrend. Als der Rock’n Roll durch Ricky Nelson am Ende der 50er Jahre zum Schlager verkam, gab es erste Formen des Punks, die den urwüchsigen Rock überzogen betonten. Später, nach dem Scheitern der Hippiebewegung und dem  starken kommerzialisieren der Beatmusik und dem Konsumtrend, entwickelte sich Ende der 60er Jahre erneut eine Punkform, die als Garagenrock bezeichnet wurde. Typisch wurde ein roher ungeschliffener Rockbeat. Abseits der Musikszene, entwickelte sich der Rock als Undergroundmusik weiter. Sehr unterschiedlich werden die Anfänge der 3. Punkphase betrachtet.
Häufig wird Iggy Pop, als Urgestein betrachtet und selbst Roxy Music, wird als Punkband bezeichnet. Ausschlaggebend dürfte aber einmal mehr die gesellschaftlich musikalische Basis gewesen sein. Der Glamrock war am Ende und die Discomusik verschärfte die Spannung zwischen Schein und Sein. In den USA gab es keine wirkliche Alternative zum Discosoul, zumal der amerikanische Heavy Metal stark auf glamouröse Effekte setzte. Politisch mussten die USA den verlorenen Vietnamkrieg verdauen und ungelöste Probleme wurden von den Medien verdrängt und steuerten die Bevölkerung zum Konsum.
Bereits 1976 schufen die New Yorker Ramones einen lauten Gegensound zur vorherrschenden Szene und sprachen textlich soziale Probleme an. Schon zuvor machte Patti Smith 1975 mit wildem Sound von sich reden. Weitere US-Bands, wie The Stooges, die New York Dolls und MC5 bedienten sich stilistisch einer primitive Form des Rock ’n’ Rolls und widmeten sich textlich einer Betrachtung über das (eigene) Leben.
Nicht selten mündeten die geschrienen Anklagen in eine Beschimpfung der Gesellschaft, zum Teil in dadaistischer Form (einer scheinbaren Antikunst, die das Sinnlose forderte). Punk wurde zum Ventil der angestauten Wut und New York wurde zum Zentrum. Der Musikstil war in den USA überwiegend eine musikalische Bewegung.
In London trug die Punkerwut einen spezifisch gesellschaftlichen Charakter und wurde zu einer gezielten Bewegung. Sie richtete sich gegen das politische Establishment (auch gegen ­Linke Politiker), die Musikindustrie und gegen die verstaubte bürgerliche Lebensweise.
Die düsteren Aussichten auf eine Lehrstelle und die steigende Arbeitslosigkeit infolge der Wirtschaftskrise, wurde zur Basis des Unmuts der Vergessenen und Ausgeschlossenen. Ihr Groll richtete sich gegen Institutionen und einer Elterngeneration, die verblendet dem Luxus hinterherjagten und verklärt dem traditionellen Empire anhingen, dabei aber das Leben vergaßen und für ihre Kinder nur noch verlogene Worte übrig hatten.
Ihre Antwort auf ein Gefühl der Ausgrenzung vom Wohlstand hieß Anderssein. Es waren in erster Linie die Londoner Punks, die eine eigene Mode aus dem Altkleidercontainer kreierten, die absichtlich schockieren sollte. Ihre Accessoires waren Rasierklingen am Band, statt Ketten und trugen Sicherheitsnadeln, statt Ohrringe. Punkbands spielten auf minderwertigen oder gestohlenen Instrumenten und verweigerten sich den renommierten Plattenfirmen und gründeten eigene Labels und vertrieben ihre Musik.

Manager Malcolm McLaren schaffte es dennoch die Sex Pistols zu vermarkten und machte sie in der Musikszene bekannt. Mit dem Erfolg der Singles „Anarchy in the UK” (1976) und “God Save the Queen” (1977) wurde der Durchbruch der britischen Punkmusik vollzogen und weitere Punkbands wurden bekannt. The Clash, Generation-X, The Damned (Funky-Punk), The Slits (Frauenband), The Stranglers (Punk mit Keyboard) und Crass (Politpunk) wurden am populärsten.
Wenn man heute nach dem ursprünglichen Punk sucht, so lässt er sich lediglich an seiner Erscheinungsform festmachen. War es in den USA Punk mehr eine kontroverse Musikrichtung mit sozialkritischem Protest, so resultierte aus dem britischen Punk eine internationale Protestbewegung. Rein musikalisch unterschieden sich US-Punk und britischer Punk nur wenig.

Merkmale: Der avantgardistische Rocksound umfasste im Prinzip drei typische Rock-akkorde, deren übersteuerter Gitarrensound von einem hohen wilden Tempo geprägt war und von einem rauen schreienden Gesang unterstrichen wurde. Die Texte waren provokativ bis aggressiv und verweigern sich einem harmonisch melodiösen Reim und transportierten inhaltlich soziale Situationen oder mentale Betroffenheit. Die typische Band bestand aus zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und Gesang und ihre Konzerte waren unprofessionell und ohne instrumentale Soloparts.

Entwicklung: Um 1977 verbreitete sich Punk über alle Industriestaaten Europas, wobei der Grundgedanke der Punkbewegung nach und nach verloren ging. Punk ging nahtlos in den New Wave über und verkam zum Modepunk. Zunehmend vereinnahmte die Jugend den rebellischen Protest gegen die Gesellschaft für sich, ohne den Grundgedanken der Punker verstanden zu haben. Der Markt fand darin eine neue Profitquelle und schuf eine entsprechende Mode. Die Gesellschaft sah in den Modepunks das geringere Übel und tolerierte gewisse Formen der Aufsässigkeit.
Die zunehmende Akzeptanz in der Gesellschaft rückte die wirklichen Punks noch stärker ins Abseits, worauf sich viele Punker mit der Gesellschaft arrangierten, sich einen Job suchten und eine Familie gründete. Hardliner dagegen versanken häufig in der Kriminalität (Diebstahl), prostituierten sich und wurden Drogenabhängig.
Die graue Punkmode ging über in eine schrille bunte Wavemode, die fälschlicherweise ebenfalls als Punkmode bezeichnet wurde. Das Abenteuer Modepunk war für die meisten Jugendlichen ein kurzer Trip des Aufbegehrens, die nicht dauerhaft auf Konsum und Wohlstand verzichten wollten. Mit dem Titel „Ca plane pour moi“ kam 1978 durch den Belgier Plastic Bertrand ein sehr kommerziell geschliffener Punktitel in die Charts und versetzte der Punkbewegung den Todesstoß.

Wie bei den Modehippies der 70er Jahre, blieb vom Grundgedanken der Bewegung, nur das Flair und ein paar idealisierte Parolen übrig. Musikalisch spaltete sich der wahre Punk in die verschiedensten Richtungen wie Ska-Punk, Anarchopunk oder dem Skate-Punk. Angesichts eines drohenden Atomkriegs prägten die Punker, Anfang der 80er Jahre, den „No Futur“-Slogan (keine Zukunft). Über die Punkbewegung fanden Jugendliche eine Alternative bei der Antifa, den Autonomen, den Hausbesetzern oder der Ökobewegung.
Obwohl die Punker nie wirklich verschwanden, so blieben sie eine Minderheit am Rande der Gesellschaft. Nicht wenige von ihnen waren obdachlose Drogensüchtige, die ihren Ausstieg aus der Gesellschaft unter einer Brücke mit einer Überdosis bezahlten.
Der kommerzielle Trend der 80er Jahre verstärkte über die Musik die Akzeptanz der Punks. Gegen Ende der 80er Jahre wurde die Punkmusik gesellschaftsfähig und präsentierte sich rhythmisch und melodisch. Green Day, Offspring und Red Hot Chilli Pepers waren die bekanntesten Bands mit Charterfolgen, deren Stil nichts mehr mit dem ursprünglichen Punk gemein hatte.

Punk in der BRD: In Deutschland waren Punks wegen ihrer kriminellen Energie unerwünscht und somit auch ihre Musik. Hardliner Punks verweigerten sich einer geregelten Arbeit nachzugehen, sie bettelten oder klauten sich zusammen, was sie zum Überleben brauchten. Von ihrer abstoßenden Erscheinung fühlte sich so mancher Bundesbürger belästigt, wenn sie vor Kaufhäusern umherlungerten. Nicht selten wurden sie mit Polizeigewalt vertrieben und namentlich erfasst und zentral in Hannover registriert (verursachte Chaostage von Hannover → siehe Popmusik Deutschland).
Mit dem New Wave kam eine Vermischung zustande und machte die Szene unübersichtlich.
http://pthumb.lisimg.com/image/326037/250full-feed.jpgMusikalisch etablierte sich Nina Hagen (Bild) als Punklady, brachte Punk in die Charts und sorgte um 1980 für diverse Schlagzeilen, bis sie in den USA ihr Glück versuchte.  Ab Mitte der 80er Jahre wurden die Toten Hosen und die Ärzte bekannt, nachdem sie ihre Musik kommerzieller machten und textlich den Nerv der Zeit trafen. Ende der 80er Jahre begeisterten sie zunehmend eine Jugend, die genug hatte vom propagierten Karrieredenken, vom Zwang jemand zu sein, Privat oder auf Arbeit. In den 90er Jahren gelangen den Toten Hosen und den Ärzten zahlreiche Chartshits und wurden National die erfolgreichsten Gruppen und sind es noch heute. Die ursprünglicheren Punkbands wie Slime, Daily Terror und die Goldenen Zitronen blieben dagegen unbekannt.

Punk in der DDR: In der DDR wurden erst recht keine Aussteiger geduldet, jeder hatte seiner gesellschaftlichen Pflicht nachzukommen. Punks wurden als psychisch Kranke betrachtet und oftmals in Heilanstalten eingeliefert oder als Kriminelle im Jugendwerkhof umerzogen. Mit dem New Wave, der als Musik vom Staat toleriert wurde, wurde es für die Regierenden unübersichtlich, zwischen bunter Wave-Mode und Punkerstil zu unterscheiden.
Andererseits war die innenpolitische Situation zu sehr angespannt, um mit drastischen Maßnahmen die Jugend weiter zu verärgern. Die Polizei beschränkte sich darauf, auffällige Personen zu überprüfen, von öffentlichen Orten zu verdrängen, zu beobachten und sie gegebenenfalls zu verhaften. Ende der 80er Jahre hatten jedoch die Staatsorgane mehr mit Republikflüchtlingen zu tun, wodurch Punker zum geringsten Problem wurden. Ihnen wurden gewisse Freiräume erlaubt und selbst nationale Punkrockmusik wurde nun im Radio gespielt. Die bekanntesten Bands der Szene waren Feeling B und Rosa Extra.http://www.dunkelwelt-laden.de/bilder/produkte/gross/Gothic-Bondagehose-mit-Beinketten_b2.jpg

Mode- Ideologie: In der Ablehnung der vorherrschenden Jugendkultur wurden Alltagsgegenstände modisch zweckentfremdet. Ursprünglich waren es kaputte Jeans, unsaubere T-Shirts, eine Lederjacke und ungekämmte Haare. Als Schmuck dienten Sicherheitsnadeln, Rasierklingen oder Hundehalsbänder. Provokativ trugen einige Nazisymbole, obwohl Punker eher linksgerichtet waren. Eine Partnerschaft war unüblich, sondern sie begriffen sich als Gemeinschaft von mehreren Gleichgesinnten, in der es keine klare Paarbildung gab.
In der Kleidung unterschieden sich deshalb Mädchen und Jungen kaum, pflegten aber Gruppensymbole. Mit dem Einfluss des New Waves änderte sich die Mode. Die Haare wurden bunter und der Irokesenschnitt, galt als optische Verbundenheit zu den unterdrückten Indianern in den USA. Das Piercing verbreitete sich als gnostisches Zeichen der Bestrafung des Leibes, damit die Seele leben kann. In diesem Rahmen wurden afrikanische und indianische Sitten verändert übernommen. Punker trugen Nasenringe und Sicherheitsnadeln als Ohrringe. Ebenso hatte das Tätowieren bei den Punkern seinen Ur-prung. Statt Schminke bemalten sich Mädchen auffällig schrill und bunt. An der Bekleidung wurden Nieten auf Jacken, Gürteln, Arm- und Halsbändern modern, die oft spitz geformt waren. Reißverschlüsse an unüblichen Stellen, wurden angebracht, wie bei der Bondagehosen (Bild). Weiterhin wurden Anstecker (Buttons), Aufnäher und Sicherheitsnadeln sowie silberne Metallketten getragen. Lederjacken waren bemalt mit Symbolen, Bildern, Sprüchen und Bandlogos. Beliebt waren Uniformteile, Patronengurte und Rangerschnürstiefel. Mit karierten Hosen stachen einige aus der Masse hervor und liefen sogar mit Schottenrock umher. Punks bäumten sich gegen alle Konventionen auf, lehnten die Konsumgesellschaft ab und verachteten das Bürgertum.
Ein anarchistisches linksgerichtetes Lebensgefühl bildete sich heraus, die in eine respektlose, resignierte bis aggressive Haltung mündete. Die meisten Punks kamen aus armen oder zerrütteten Verhältnissen sowie arbeitslosen Familien. Nicht selten gaben sich Punks Alkoholexzessen hin oder glitten ab in den Drogensumpf. Die selbst geschaffene gesellschaftliche Ausgrenzung zwang sie zum Diebstahl oder in die Prostitution. Politisch waren sie Anarchisten und deshalb desinteressiert an die bürgerliche Politik und erst recht an Religionen. Allerdings hegten sie eine besondere Feindschaft gegen über Neonazis und dem Jugendkult der Popper (s. 80er Jahre).
Die Neonazis betrachteten die Punker als Abschaum und waren damit beliebte Objekte ihrer Gewalt. Die Popper dagegen, waren für Punker der Inbegriff einer kranken Konsumgesellschaft. Mit dem New Wave veränderte sich die Punkerbewegung, die kaum noch klare Konturen zeigte und diverse Mischformen herausbildete. Bis heute lebt die Punkerkultur ein Schattendasein und ist ein frustriertes Produkt der Gesellschaft. Es sind nach wie vor Ausgegrenzte, Desillusionierte und arbeitslose Jugendliche.

 3. New Wave
New Wave (englisch für: Neue Welle) ist ein Begriff der etwa 1976 entstand und zunächst für alle Spielarten der Musik verwendet wurde, die sich vom ursprünglichen Punkrock abhoben. Später wurden dem New Wave alle Formen der Musik zugeordnet, die sich vom Basissound der Rockmusik entfernten. Prägend für die Entwicklung sollte der Elektroniksound werden. Musikalisch rückte die experimentelle Musik in den Vordergrund, bei der das Keyboard zum typischen Instrument wurde. Um sich von der bisherigen vorherrschenden Musik (Rock, Disco) abzuheben, entstand zunehmend ein vordergründiger elektronischer Rhythmus.
New Wave als Bewegung bezog sich ebenfalls auf den Wandel der Punkmode, zu einem schrillen Outfit mit bunten Haaren, für den der Begriff Modepunk geprägt wurde.
Der Grundgedanke war nicht mehr die Gesellschaft zu schocken, sondern den Erwachsenen mit überzogenen Übertreibungen, Sarkasmus und Ironie einen Spiegel ihrer selbst vorzuhalten. Zugleich klagten sie ihr Leiden und ihren Kummer ein, von einer Welt, die seelisch zu gefrieren droht. Der Begriff Kälte wurde somit in verschiedenster Weise thematisiert.


Dadaismus: Ist eine künstlerisch literarische Richtung, die 1916 entstand und geprägt war von einer Ablehnung der konventionellen Kunst. Sie versteht sich als Künstlerrevolte gegen die Gesellschaft und deren Wertmaßstäbe. Der Name „Dada“ wurde vom Sprachgebrauch von Kleinkindern abgeleitet, die auf einen Gegenstand hinweisen. „Ismus“ steht für Ideologie und bedeutet in diesem Zusammenhang eher Stilrichtung ohne ein definierbares Ideal. Häufig parodieren Dadaisten die renommierte Kunst und sind darauf bedacht gefestigte Ideale und Normen zu zerstören, und mit einer kindlich wirkender Machart und skurrilen Elementen der starren Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten.  


Textliche Hauptmerkmale:

Typisch für ursprüngliche New Wave Songs sind drei Stilarten, die sich textlich an dem Dadaismus anlehnen. Drei typische Hauptformen möchte ich Ihnen anhand von deutschen NDW-Songs vorstellen.

1. Slogan:

Typisch hierfür ist der Song „Eisbär“ von Grauzone. Der Titel beginnt monoton mit dem sich ständigen Wiederholen des Wortes „Eisbär“. Der Zuhörer wird auf ein Thema fixiert und an-geregt, sich Gedanken zu machen. Im Verlauf des Liedes werden Worte dazu gefügt, welche die Aussage des Liedes klarer werden lassen und jedem Zuhörer dennoch bewusst einen großen emotionalen Spielraum lassen: „Ich möchte ein Eisbär sein, am kalten Polar, dann müsste ich nicht mehr schrei’n alles wär’ so klar.“ Mit der einfachen Textzeile schafft es das Lied, dass die jugendlichen Zuhörer ihre eigene Betroffenheit hinein interpretieren.
Mit dem Sinnbild Eisbär wird dadurch eine betrübliche Stimmung erzeugt und in dem Schlusssatz eindeutig verschärft. „Eisbären müssen nie weinen“ - „In einer kalten Gesell-schaft brauchst du ein Herz aus Eis, um nicht zu leiden“, lautet die Botschaft und hat den Zuhörer zuvor gefühlsmäßig vorbereitet. Das eigene Umfeld wird anhand der Botschaft analysiert und findet im Rahmen der Familie, Freunde oder Arbeitswelt solche Kältepole. Das Lied schafft es mit seiner Einfachheit in die seelische Tiefe zu gehen, ein privates Umfeld zu erkennen und entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen. Obwohl das Lied „Eisbär“ vordergründig gesellschaftskritisch erscheint, so entfacht es eine sehr persönliche Emotion, die vorrangig im nahen Umfeld seine Schlüsse zieht.

2. Satzfetzen:

Worte oder Wortgruppen (Satzfetzen) werden aneinandergereiht und zwingen den Zuhörer dem Ganzen einen Sinn zu geben. Wieder werden bewusst Emotionen erzeugt, wobei hier das Nachdenken zu einem Thema im Vordergrund steht.
Als Beispiel soll das Lied „Dreiklangdimensionen“ von Rheingold dienen.
Auftakt - im Takt - im Viertakt - soll es klingen; Dreiklangdimensionen - sind taktvoll! – Lichtspielimpressionen sind farbvoll!“  Am Ende heißt es: „Ausklang – Abgang – Sequenzen - ohne Grenzen.“
Das Lied umgeht eine verallgemeinernde Interpretation. Absichtlich wird hier dem Denken ein enormer Spielraum gegeben, der dem Zuhören viele Deutungsmöglichkeiten gibt und sich hervorragend für kontroverse Diskussionen eignet. Genau darin liegt der Sinn eines solchen Liedes, im Austausch mit anderen über sich und die Welt nachzudenken, anstatt nur zu konsumieren. In der ersten Strophe kritisiert das Lied die Unterhaltungsindustrie, die mit ihren Forderungen („… soll es klingen“) jedem Künstler ein Erfolgsschema aufzwingen will und dabei die kreative Inspiration junger Künstler zerstört. Dreiklang steht dabei für die Beziehung zwischen Künstler - Plattenfirma - Zuhörer. Andererseits steht der Text auch für die Zwänge im Leben, denen man sich ohnmächtig unterordnet und die Seele vom glitzernden Schein der Welt blenden lässt. Im weiteren Text wird das Thema ausgebaut und mündet in eine Zukunftsvision („Klänge - für Millionen - überwinden - die Distanzen“).
Musik wird zum vereinenden Medium, dass die Medien zwingen sollen, sich der Jugendmusik zu stellen und heißt gesellschaftlich, dass die Jugend nur als Gemeinschaft etwas verändern kann. Die Endzeile des Liedes könnte dann bedeuten, dass wirkliche Künstler etwas hinterlassen und den Grundstein für neue Wege legen und grenzenlose Möglichkeiten offenbaren.

Zu Rheingold sollte man wissen, dass sie und auch Grauzone zu jenen Bands gehörten, die deutschsprachigen New Wave erst populär machten. Das heißt, die Medien und ebenso die Plattenfirmen, waren zu jener Zeit nicht an solcher Musik interessiert. Insofern richtet sich das Lied gegen die profitorientierte Unterhaltungspraxis und rüttelte die Jugendlichen wach, nicht weiter auf den glitzernden Schein der Discowelt hereinzufallen. Letztendlich bleibt der Song textlich eine individuelle Interpretationssache, wenn es um die Details (Wörter) geht.

3. Wortspielerei:

Neben grotesken Reimen wird hier mit den verschiedenen Sinnbedeutungen eines Wortes gespielt. So entstehen zweideutige Texte, in denen Tabus durchbrochen werden können, ohne Gefahr zu laufen verboten zu werden (Index). Gern werden Slangausdrücke verwendet, gepaart mit neuen Wortschöpfungen. Grundmotiv dafür war, der Jugend eine eigene Sprache zu geben, fern ab von bürgerlichen Konversationen. Hier ein Textauszug von einem noch verständlichen, aber sehr kritischen Song: „Kosmetik“ von Joachim Witt
Und meine Hände verursachen Brände - in fremden Seelen können sie quälen. Mit glühenden Augen durchboh'r ich beim Saugen - an einer Flasche die Lufthansa-Tasche. Darf ich mal fragen, was sie dazu sagen? –  Ja! - Ich bin das Mädchen Kosmetik, hab' die spezielle Ästhetik - ich trinke nur noch Selter, weil meine Hülle mein Geld braucht“.
Deutlich wird mit sparsamen Metaphern der Schönheitswahn der Zeit aufs Korn genommen. Mit Ironie und Sarkasmus wurde treffend Gesellschaftskritik betrieben, erreicht aber nicht die Empfänger. Die älteren Generationen lehnen solche Art von Musik ab und werten jene Songs als Blödsinn und verstehen den Sinn nicht. Leider eskalierte die NDW-Szene zu dümmlichen Wortspielereien, die nun wiederrum die Elterngeneration witzig fanden. Damit war eine Phase entstanden, die aus dem ursprünglichen NDW ein Schlagersingsang werden ließ.

New Wave - Entwicklung:

Zahlreiche Punkgruppen waren entstanden und wollten sich abheben von der Masse. Das bedeutete musikalisch reifer zu sein und mit anderen Stilarten einen spezifischen Sound zu schaffen. Infolge der Entwicklungsspirale entstanden Spielarten, die weder dem Punk noch einer Rockrichtung zugerechnet werden konnten. Der Begriff New Wave wurde zum Sammelbegriff solcher Musik. Grundlegend kristallisierten sich zwei Basisrichtungen heraus. Die eine Richtung resultierte aus dem Punk und die andere aus der elektronischen Musik.
Eine Erste richtungsweisenden Band war Ultravox, die für den New Wave grundsätzliche Weichen der Charakterisierung und Klassifizierung legten. 1976 machten sie mit einer konzeptuellen Mischung aus futuristischen Elementen des Glam-Rock und der kalten, technokratischen Distanziertheit (Kraftwerk) auf sich aufmerksam. Die meisten Songs ihrer ersten Alben (1977) waren jedoch geprägt von einer Mischung aus Punk und Rocking Rock. Die Einflüsse der elektronischen Musik wuchsen stetig und mit dem Song „Sleepwalk“ (1980) wurde Ultravox zur führenden Band des New Romantic Stils. Angeregt vom Sound kamen 1977 Gruppen, wie Human League oder Tubeway Army und verstärkten den spezi-fischen Charakter des Sounds zum Electro Wave.
New Wave war damit kein Punk mehr und auch kein Sammelbecken für experimentelle Spielarten, sondern eine eigene Musikrichtung. Dennoch war es die US Gruppe Blondie, die mit rockigen Wave 1978 die Charts stürmte („Denis“, „Hang On The Telephone“, „Picture This“). Ihr folgten wenig später die britischen Bands Adam & The Ants und The Boomtown Rats in die Charts, die einen arteigenen Rockwave kreierten. Zu erwähnen wäre weiterhin die Band Police, obwohl ihre Musik stark von Ska-Einflüssen geprägt war.
Typischer für den New Wave war allerdings der Elektro Wave, deren erste kommerzielle Erfolge The Buggles („Video Killed the Radio Star“), BA Robinson („Bang Bang“) und Jona Lewie („Kitchen And Partys“) in den Charts verbuchen konnten. In der Folgezeit zog der
New Wave musikalisch und textlich deutlichere Grenzen. Ein wiederkehrendes Leitmotiv drehte sich um die Gefühlskälte in der Gesellschaft, aber ebenso wurden die zwischenmensch-lichen Beziehungen thematisiert.
Statt mit Trauer oder Zorn reagiert die Musik mit Sarkasmus und Satire auf Herzschmerzen. Bewusst wurde ein Gegenpol zum erwarteten gesucht und mündet daher in eine überspielende Ausgelassenheit und gleitet überzogen ins Groteske ab.
Die Waver hoben sich modisch ab, mit schriller Kleidung und schrägem Outfit. Sie neigten
zu naiv wirkenden Späßen, die in Anlehnung an Till Eulenspiegel, die Erwachsenenwelt vorführen wollen. Anders als die Punker, wollen sie nicht die Gesellschaft schockieren, sondern wollen mit ihrer kunterbunten Erscheinung ihr Anderssein bekunden.
In den 80er Jahren wurde New Wave zur vorherrschenden Musikrichtung und förderte in den meisten Staaten Europas eine eigene landessprachliche Musikszene. Ursache dafür sind die New Wave Songs, deren eigenartigen englischen Texte (oft in Slang) kein Anderssprachlicher mehr verstand. Damit wuchs der Bedarf nach einer nationalen Musikszene, sehr zum Leidwesen der anglo-amerikanischen Musikindustrie.
In der Bundesrepublik setzte sich 1981 der deutschsprachige New Wave durch und ab 1982 dominierte die so genannte Neue Deutsche Welle (NDW) in den Charts. Eine spezifische Betrachtung zur NDW finden sie im Rahmen der Betrachtung zu den 80er Jahren! Angemerkt sei noch, dass dort auch der DDR New Wave betrachtet wird, der sich um 1983 durchsetzte und schon eher dem New Romantic Stil zugerechnet werden müsste.
Um 1982/83 entwickelte sich der britische New Wave zum New Romantics. Typisch für die Unterart werden elektronische klänge, wobei das Keyboard dominierendes Instrument wurde.
Der seichtere und flüssige Sound wechselte zurück auf konventionelle Texte und einem tanzbaren Rhythmus, dafür verstärkt sich der Einsatz der verschiedensten Effekte. Zunehmend wurden New Romatics Song zu reinen Studioproduktionen. Musik wurde nicht mehr komponiert, sondern war ein Resultat von Experimenten am Mischpult. Diverse Songs konnten deshalb nicht Live gespielt werden oder waren technisch sehr aufwendig. Nicht selten musste man bei solchen Titeln auf das Playback-Verfahren zurückzugreifen und Techniker steuerten am Mischpult den Sound bzw. die Effekte. Die Konzertmusik verlor damit seine inspirative Live-Kreativität. Interpreten und Musiker hatten keinen solistischen Freiraum mehr, sondern mussten sich der Studioproduktion anpassen. Als Ausgleich für die fehlenden Live-Improvisationen wurden Konzerte zu Showevents, meistens mit gigantischen Lichtshows (später Lasershow) und eindrucksvollen Bühnenbildern.
Zu den erfolgreichsten Bands des New Romatics zählen: Depeche Mode, Duran Duran,
The Cure, Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD) und Talking Heads.
Speziell die New Wave Bands entdeckten um 1983 das Musikvideo als künstlerisches Mittel. In jener Zeit entstanden zahlreiche eindrucksvolle Videos. Die technischen Möglichkeiten steckten zwar noch in den Kinderschuhen, aber dennoch entstanden brillante Meisterwerke. Typisch für solche Videos waren absurde, groteske oder surreale Filmchen, die alle samt beeindruckten. Die Videos bezogen sich häufig nicht auf den Text des Songs, aber es wurden Empfindungen oder Fantasien zu einem Song umgesetzt und unterstrichen dessen Wirkung. Ebenso verzichteten die Interpreten oft darauf selbst im Video zu erscheinen.
Die Selbstdarstellung rückte in den Hintergrund, um die Videofantasie nicht zu stören. Von 1984 bis 1989 hatte der New Romantics seine Glanzperiode, bevor der seichte Musikstil gänzlich zur profanen Discomusik abrutschte und Techno in den Vordergrund rückte. Der ehemalige New Wave Kult war mit dem New Romantic Stil schon längst verschwunden. Überlebt hatte allerdings der Modestil, der sich zunehmend an den klassischen Bekleidungsformen zurückorientierte (moderne Anzüge und Kleider) und von den neuen Musikformen Rap und Techno beeinflusst wurde. Vorweggenommen sei gesagt, dass sich in den 80er Jahren die Grundeinstellungen wesentlich änderten.
Karriere, Konsum und das Ausleben von Extremen standen im Fokus der Zeit, verbunden mit einem breiten Desinteresse für Politik und gesellschaftlichen Normen. Der Wohlstand seiner Zeit verursachte bei der Jugend einen egoistischen Trieb, der die Bewegungen von Rock’n Roll bis Punk vergessen ließ. Speziell am Ende der 80er Jahre wird die Kluft zwischen der Jugend deutlich, bei der auf der einen Seite die Erfolgsmenschen stehen und auf der anderen Seite die gescheiterten Existenzen. Zahlreiche Bands der New Romantics Musik hatten daran bewusst oder unbewusst einen wesentlichen Anteil, an dem Trend der Ich-bezogenen-Selbstdarstellung.

Auswahl namhafter New Wave Bands:  Marc Almond, Alphaville, Camouflage, Culture Club, The Cars, Dead Or Alive, ErasureEurythmics, Fischer-ZFrankie Goes To HollywoodIcehouse, KajagoogooLene Lovich, Men Without Hats, New OrderHazel O'Connor, Orange Juice, Real Life, The Pretenders, Sigue Sigue Sputnik, Simple Minds, Siouxsie & The Banshees, Soft Cell, Spandau Ballet, Talk Talk, Tears for Fears, Thompson Twins, Midge Ure, Visage, Yazoo, Yello und A-ha (in den 90er Jahren)

microSAMPLER 4. Electronics

Häufig wird die elektronische Musik als eine eigene Musikrichtung betrachtet, zumindest als Übergangsform des Progressiv-Rocks zum New Wave.
Bereits in den 60er Jahren wurden im Psychedelicrock Synthesizer eingesetzt und entfernten den Sound von der typischen Rockmusik. Um 1970 wurde die elektronisch betonte Musik unter dem Sammelbegriff Progressiv-Rock eingeordnet. Gruppen wie Emerson Lake & Palmer und
Pink Floyd waren richtungsweisend für den Musikstil.
Der überwiegend instrumentale Sound hob sich schon damals deutlich von der Rockmusik ab. Neben der britischen Musik gab es den Krautrock der Bundesrepublik, wodurch die elektronische Musik wichtige Impulse erhielt.

Besonders hervorzuheben ist dabei Kraftwerk, die mit ihrem monotonen Stil deutlich eine Säule des New Wave schufen. Kommerziell machte die elektronische Musik mit den Songs „Popcorn“ (1972 - Hot Butter) und „Dan the Banjo Man“ (1973 - Dan the Banjo Man) auf sich aufmerksam. Inzwischen wurden weitere Begriffe geprägt, aber auch Space-Rock und Artrock mündeten in den allgemeinen Elektroniksound. 1973 schuf Kraftwerk das 23-Minuten Stück „Autobahn“ und Mike Oldfield das 50-Minutenwerk „Tubular Bells“, und wurden zur inspirativen Entwicklungsquelle. Ab 1977 setzte der kommerzielle Erfolg über die französische Musikszene ein. Die Gruppe Space stürmte die Charts mit „Magic Fly“ und Jean Michel Jarre wurde unter anderem mit „Oxygene“ bekannt. Spätestens an dieser Stelle konnte die Musik unmöglich Rockmusik genannt werden. 
Der Musikstil fand viele Nachahmer, aber nur wenigen gelang der Durchbruch. Erst gegen Ende 1979 gelang Alan Parsen Projekt mit „Lucifer“ ein Charthit, die bereits seit 1976 nur bescheidene Erfolge verbuchen konnten. Die Stars des Elektronics waren Mike Oldfield (vor allem in Großbritannien) und Pink Floyd, die sich dem Sound annahmen und mit den Alben „Wish You Were Here“ (1975) und „Animals“ (1977) zwei Meilensteine setzten.
Inzwischen war aus dem Punkrock der New Wave hervorgegangen und die Szene fand Gefallen an der elektronischen Musik. Schon nach kurzer Zeit entstand der Elektro-Wave, aus dem sich der New Romantics weiter entwickelte. Anstelle des Synthesizers trat das Keyboard und Electronicsbands lagen im Trend der Zeit. Der Elektronics ging im New Wave unter und selbst Mike Oldfield beugte sich dem Trend. Er holte sich die Sängerin Maggie Reilly und stürmte mit „Moonlight Shadow“ die Singlecharts. Die Musik von Mike Oldfield war rockiger geworden und auch Pink Floyd betonten wieder mehr die Rockelemente.
Der Elektronics war ein 2-jähriges Zwischenspiel und dennoch gab es immer wieder mal Songs, die der Richtung zugeordnet werden sollten und meist als Filmmusik fungierten. Genannt sei hier besonders „The X-Files“ von Marc Snow (1996) zur Mysteryserie „Akte X“.

5. Country- Musik

Hits aus der Country- und Western-Musik konnten sich immer mal wieder in den Charts platzieren. In den 60er Jahren waren es die Countryschlager von Ronny, der Song „Ring of Fire“ von Johnny Cash und diverse Songs von Westernserien im Fernsehen. Die Titelmelodien zu den Serien „Bonanza“, „High Chaperal“, „Am Fuß der Blauen Berge“, „Die Leute von der Shilow Ranch“, „Rauchende Colts“ und „Wells Fargo“ kannte fast jeder und zu einigen Intros entstanden Schlager.
Mit John Denver änderte sich die Art der Countrymusic, sie wurde einerseits folkloristischer und andererseits flossen moderne Stilarten in die Musik ein. Mit „Take Me Home, Country Road“ (1971) wurde John Denver auch in Deutschland bekannt, blieb aber zunächst noch eine Randerscheinung. Seine Hits sollten erst später populär werden, aber in den USA war er bereits zum Superstar geworden.
Ende 1973 machte Gunter Gabriel mit „Ich werd gesucht …“ von sich Reden, einen Titel, der sich textlich vom üblichen Schlager abhob. 1974 wurde nicht nur zum großen Erfolgsjahr für Gunter Gabriel, sondern zugleich etablierte sich damit der Countryschlager. Das Jahr 1975 war für ihn weniger erfolgreich, dafür schrieb er für Juliane Werding den Schlagerhit „Wenn du denkst, dann denkst du nur du denkst, ein Mädchen kann das nicht“. International stand das Jahr 1975 für den musikalischen Umbruch und wie 1970 wurden erneut folkloristische Stilarten populär. Der Folksong „Street of London“ (aus dem Jahr 1972) von Ralph Mc Tell wurde jetzt ein Hit und das rührende „Tornero“ von I Santo California ebenso. Die Countrystars John Denver, Emmylou Harris und Kenny Rogers waren häufiger im Radio zu hören und „Rhinestone Cowboy“ von Glen Campbell wurde zum Radiohit. Die Gruppen Smokie und die George Baker Selection ließen in ihre Musik Countryelemente einfließen und hatten damit großen Erfolg.
1976 war es dann das niederländischen Frauentrio Puzzycat, denen mit „Mississippi“ ein Megahit gelang. Mit einer Mischung aus Folk und Country folgte Rodger Whittaker und landete mit „Riverlady“ einen Bestseller. Trotz vorherrschender Discomusik feierte die Countrymusic 1977 ein großes Jahr. „Lucille“ von Kenny Rogers wurde ein großer Hit; mit Verspätung wurden die John Denver Songs „Annie’s Song“ und „I’m Sorry“ zu Dauerbrennern im Radio, auch Lieder von Dolly Parton und Ammylou Harris waren im Radio häufiger zu hören. Die George Baker Selection versuchte sich mit „Silver, Silver“ direkt im Countrysound, wie auch Sailor mit „One Drink Too Many“ und verabschiedeten sich gleichzeitig von der kommerziellen Bühne. Ebenso tauchte Pussycat ein letztes Mal in den deutschen Charts mit „My Broken Souvenirs“ auf.
In den deutschen Schlagercharts sang Michael Holm mit der Coverversion zu „Lucille“ (Kenny Rogers) den Hit des Jahres. Die Hamburger Band Truck Stop begann in Deutsch zu singen und „Die Frau mit dem Gurt“ brachte ihnen sofort einen Achtungserfolg ein, bevor sie mit „Ich möcht so gern Dave Dudley hör'n“ ihren ersten Hit hatten. In der Folgezeit landete Truck Stop einen Hit nach dem anderen und die Countrymusik wurde zu einem stetigen Gast im deutschen Schlager. Zu namhaften Größen wurden Western Union („Ich möchte so gerne mal nach Nashville“), Tom Astor („Junger Adler“), Johnny Hill („Ruf Teddybär 1-4“) und Volker Lechtenbrink („Der Macher“).
Auch in der DDR entwickelte sich eine Countryszene. Zu den bekanntesten Interpreten gehörten Winni 2, Peter & Cott’n  und Peter Tschernig, sowie Linda Feller, die erst in den 80er Jahren ein Countrystar in der DDR wurde. Bis heute platzieren sich Countrysongs in den Charts. Übrigens, zu späten Ehren kam der Titel „Take Me Home, Country Road“ von John Denver. Die Stimmungsversion, von der niederländischen Hermes House Band, katapultierte den Song 2001 zum Megahit und machte ihn zum Partykracher in Deutschland.