01. Die 70er Jahre - Allgemein

Die Entspannten 70er Jahre

Allgemeine Betrachtungen
1. Anfang der 70er Jahre
2. Die Jahre 1975 bis 1979
3. Die Friedliche Koexistenz, der indirekte Wirtschaftskrieg

1. Anfang der 70er  (1970 bis 1974)

Die 70er Jahre waren international geprägt von der Friedlichen Koexistenz zwischen den Weltsystemen und führten scheinbar zu entspannten Beziehungen zwischen den sozialistischen und kapitalistischen Staaten. Doch hinter der Fassade der Annäherung wurden Strategien entwickelt, um das andere System zu vernichten.

Zu diesem Zweck buhlten beide Systeme, um die Gunst der Jungen Nationalstaaten. Die Wirtschaft zielte dabei auf die Absatzmärkte und Rohstoffe, und die Politik auf den Einfluss bzw. auf die Vorherrschaft, auf jene Staaten, die sich gerade erst vom kolonialen Joch befreit hatten. In den 60er Jahren wandten sich die jungen freien Staaten in Afrika und Asien dem Sozialismus, da sie den ehemaligen Kolonialmächten Europas misstrauten und die USA ebenfalls nicht vertrauenswürdig war. Rassismus und Vietnamkrieg verursachte einen schwerer Imageschaden für die USA, aber auch der Einmarsch sowjetischer Truppen in die Tschechoslowakei (Prager Frühling) irritierte die Welt. 
Der weltweite Einbruch der imperialistischen Welt führte jene Länder in die Krise, besaßen aber noch ein hohes finanzielles Polster, um die Durststrecke zu überstehen. Schließlich änderte sich die Weltlage zugunsten der kapitalistischen Staaten, die es verstanden, die jungen Nationalstaaten mit lukrativeren Angeboten zu locken. Anfang der 70er Jahre, konnte man noch von einem Gleichgewicht der Systeme reden, aber Zusehens brachte die kapitalistische Strategie die sozialistische Staatengemeinschaft in arge Nöte. Weltpolitisch wurde der Vietnamkrieg, für die USA, zu einem militärischen Desaster und war mit hohen finanziellen Verlust verbunden. So willigten die USA in Friedensverhand-lungen ein, worauf sie 1973 mit dem Truppenabzug begannen, der sich bis 1975 hinzog.
Inoffiziell wurde der US-Präsident Richard Nixon für den blamablen Vietnamkrieg zum Sündenbock gemacht und offiziell wurde ihm ein Missbrauch von Regierungsvollmachten (Watergate) vorgeworfen.
In Jordanien vertrieb 1970 das Militär, mit Hilfe Israels, die Palästinenser und deren Ver-bündete, die ins Land einfielen. Vorausgegangen war ein Versuch der PLO, den König von
Jordanien zu stürzen und die Macht zu ergreifen, worauf das Militär ein Blutbad (Schwarzer September), in zwei palästinensische Flüchtlingslager anrichtete (4.000 Opfer). Daraufhin verstärkte die PLO ihre Terror-Aktivitäten, da sie in einem offenen Kampf stets unterlegen waren. Die palästinensische Terrorzelle „Schwarzer September“ bildete sich, die in München besonders heftig zuschlug. Die arabischen Terroristen nahmen, bei den Olympischen Spielen in München, israelische Sportler als Geisel. Das Geiseldrama endete durch Einsatzpannen blutig. Als Konsequenz daraus und dem steigenden RAF-Terrorismus, veranlasste die Bundesregierung die Gründung der GSG9 (Antiterroreinheit).
In Chile putscht General Pinochet gegen die sozialistische Regierung Allende und ging mit beispielloser Brutalität gegen die Kommunisten und Demokraten vor. Trotz weltweiter Proteste ermordete die Junta Tausende Chilenen und machte aus Sportstadien Gefängnisse, in denen politische Gegner hingerichtet wurden.
Im Zeichen des Wandels schrieb Willy Brandt für Deutschland Geschichte. Mit seinem symbolischen Akt, dem Kniefall vor dem Gedenkmal, der Opfer des jüdischen Gettos in Warschau, entschuldigte er sich für die Verbrechen Hitlerdeutschlands in Polen. Mit seiner Kranzniederlegung begann die Entspannungspolitik zwischen Ost und West. Deutliche Reiseerleichterungen im innerdeutschen Verkehr und ein reger Kulturaustausch, waren erste Resultate. Doch die CDU Politiker werteten das Engagement der SPD-Regierung als gefährliche Annäherung an das DDR-Regime und befürchteten eine sozialistische Um-wandlung der Bundesrepublik. Mit der folgenden Anerkennung der Oder-Neiße Grenze entfachte die Brandt-Regierung wütende Proteste, bei den ewig Gestrigen. Obwohl mit dem Potsdamer Abkommen bereits 1945 die Grenzen festgeschrieben wurden, stand die Anerkennung im Widerspruch zum Grundgesetz der BRD. Darin war eine zukünftige Wiedervereinigung aller ehemaligen deutschen Gebiete (inklusive Schlesien, Pommern und Ostpreußen) festgeschrieben.
Auf sogenannten Heimattreffen bestanden die Vorsitzenden der Landesverbände der ehemaligen Ostländer auf ihr Heimatrecht und wurden dabei von CSU Politiker und Neonazis unterstützt. Die Revanchisten fanden besonders bei den älteren Generationen offene Ohren und standen überwiegend der Ostpolitik der SPD-Regierung mit viel Skepsis gegenüber. Darüber hinaus, schürten die Medien eine Kampagne gegen die Sozialdemokraten und empfanden das Kippen des Abtreibungsparagrafen, das Zulassen der Minirockmode und das legalisieren von Sexfilmen als Sittenverfall.
Im politischen Geplänkel überstand Willy Brandt ein Misstrauensvotum und nach dem er die Vertrauensfrage stellte, gewann die SPD 1972 souverän die Bundestagswahlen (45,8 %). Besonders für jüngere Wähler wurde Willy Brandt zu einem Idol. Sein Sympathiebonus in der Bevölkerung war sogar so groß, dass ein Rücktritt (1974) wegen der Guillaume-Affäre  (Spionage) nicht notwendig gewesen wäre.
In der DDR trat mit Erich Honecker (1971) ein demokratischer Hoffnungsträger an die Spitze der SED. Nach ersten Lockerungen, Reformen und Sozialgesetzen machte er deutlich, dass er am grundsätzlichen Kurs der Partei nichts ändern würde. Aber unter ihm stieg zunächst der Lebensstandard an, die künstlerischen Freiheiten erweiterten sich und ein gewisses Maß an kritischen Tönen wurde erlaubt.

In beiden deutschen Staaten genoss die Bevölkerung den wachsenden Wohlstand. Erschwing-liche technische Hilfsmittel machten die Hausarbeit leichter, das Fernsehen brachte Spannung und Unterhaltung ins Wohnzimmer und mit den gestiegenen Gehältern, wuchs das Freizeit-angebot. Die Jugend emanzipierte sich über den Glamrock und die Frauenbewegung nahm über Alice Schwarzer militante Züge an. Es waren eher innenpolitische Aufreger, die den Otto-Normalverbraucher interessierten und ignorierten eher die grausigen Vorgänge in der Welt. Wichtiger war es, dass die Bundesrepublik Europa- und Weltmeister im Fußball wurde und die DDR Sportler zur großen Sportmacht bei den Olympischen Spielen aufstiegen. Trotz einiger unerfreulicher Themen wurde die Gesamtentwicklung in der ersten Hälfte der 70er Jahre als äußerst positiv und zukunftssicher betrachtet.

2. Die Jahre 1975 - 1979

Der versteckte Wirtschaftskrieg der Systeme brachte die sozialistische Staatengemein-schaft auf die Verliererstraße. Obwohl auch die imperialistischen Staaten in die Krise gerissen wurden, war ihr finanzielles Polster groß genug, um bestimmte Auswirkungen kompensieren zu können. Dagegen wirkte sich die Krise in den sozialistischen Staaten fatal aus. Und am Horizont der Weltpolitik zogen zudem düstere Wolken auf.

Im Ränkespiel der Supermächte, waren nach wie vor, die DDR und die BRD die Vorzeige-staaten der Systeme. Beide Staaten genossen deshalb einen hohen Wohlstand, im Vergleich zu den jeweiligen Bündnispartnern. International profitierte besonders die arabische Welt vom Hickhack der Systeme und als dritte Weltmacht versuchte sich China.
Die Sowjetunion unterstützte dabei die arabischen Diktaturen und die USA die arabischen Monarchen. In Afrika versuchten die drei Mächte (m. China) Einfluss zu gewinnen und verursachten dabei instabile Regierungen, Terrorregime und waren für grausame Bürgerkriege verantwortlich. Andererseits zerbrachen auch menschenverachtende Diktaturen, mit Hilfe der Großmächte. In Nikaragua wurde Somoza gestürzt, in Uganda flüchtete Idi Amin und vietnamesische Truppen beendeten in Kambodscha die Pol Pot Herrschaft.
Mit Franco (Spanien) und Mao Zedong (China) starben zwei Despoten und machten den Weg frei für eine Demokratisierung. Nachdem der Vietnamkrieg mit einer Schmach für die USA endete, rückte Vorderasien in den Brennpunkt des Weltgeschehens. Angesichts der Friedensverhandlungen mit Israel, verlor Ägypten seine führende Rolle in der arabischen Welt. Besonders verärgert reagierten die palästinensische PLO auf den neuen ägyptischen Kurs und machte sich mit weltweiten Terroraktionen unbeliebt. Durch ihre Aktivitäten im Libanon, hatte die PLO einen erheblichen Anteil am ausbrechenden Bürgerkrieg.
Am Ende des Jahrzehnts rückte Afghanistan in den Brennpunkt, mit einem folgenschweren Imageverlust für die Sowjetunion. Interne Machtquerelen der sozialistischen Regierung begünstigten das Widerstandsbündnis der Mudschahedin, worauf sowjetische Truppen 1979, die sozialistische Ordnung wiederherstellen wollten. Sofort wurde die UdSSR in den westlichen Medien als Aggressor dargestellt und die Bevölkerung in den sozialistischen Staaten folgte blind dieser Argumentation, zu tief saßen noch Erinnerungen daran, als sowjetische Panzer Unruhen in der DDR, Ungarn und der CSSR niederwalzten.
Obwohl der Sowjetunion die Reaktionen klar waren, sahen sie sich zum Handeln gezwungen, um größeren Schaden zu verhindern. Mit dem geistigen Führer Khomeini begann 1979, im ehemaligen Persien, die islamische Revolution, deren fundamentalistische Idee in der gesamten muslimischen Welt zum Flächenbrand werden sollte. Sowohl die UdSSR, als auch die USA unterschätzt die neue Kraft im Iran und deren internationalen Folgen. Afghanistan war einer der ersten Staaten, die von einer Islamisierung gefährdet waren und drohte auf die muslimischen Sowjetrepubliken überzugreifen. Dies galt es zu verhindern.
Abseits der Weltpolitik gab es hüben wie drüben einige innenpolitische Probleme. In der BRD zog der RAF Terror eine blutige Spur durchs Land und fand seinen Höhepunkt 1977 und mündete im Geiseldrama von Mogadischu. Nach dem Vorbild Israels, war die GSG 9 in Somalia ebenso erfolgreich. Zuvor hatte eine israelische Spezialeinheit den palästinensischen Flugzeugentführern in Uganda einen herben Schlag versetzt. Im Kampf gegen den Terrorismus, insbesondere dem der RAF, vollzog die Polizei eine intensive und erfolgreiche Verfolgungsjagd. Jeden Hinweis nachgehend, brachte diese Vorgehensweise harsche Kritik hervor und die Rede vom Polizeistaat machte die Runde. Verschärfend kam der Einsatz der Polizei gegen eine engagierte Jugendbewegung hinzu.
In Form der alternativen Bewegung wurde der ökologische Gedanke zur Aktionsquelle und richtete sich unter anderem gegen Profit-Haie (z. B. Hausbesetzerszene) und setzte sich für einen modernen Zeitgeist (z. B. Frauenrechtsbewegung) ein. Die Mehrheit der Jugend ließ sich jedoch vom verlogenen Glanz des Discokultes blenden und sie richteten ihr Leben auf Konsum, Zerstreuung und Sex aus. Die wenigen Punker gingen auf Distanz zu einer egozentrischen Gesellschaft, die in ihrem Wohlstandsstreben Gefühlskälte verursachten. Zahlreiche Familien brachen auseinander, weil sie bei der Jagd nach Statussymbolen sich und die Familie (Ehepartner, Kinder) vernachlässigten.
Im Rausch des wachsenden Wohlstandes bemerkten nur die Mittellosen die Krise in der Wirtschaft. Obwohl die Zahl der Arbeitslosen (ca. 900.000) etwas zurückging, wuchs die Unzufriedenheit mit der SPD/FDP - Regierung, die den kapitalistischen Auswüchsen zu viel Freiraum gewährte und keine notwendigen Reformen durchsetzte. Andererseits verhinderte eine erstarkte CDU/CSU Opposition so manche Gesetze. Mit der Gründung der Grünen entstand eine Alternative zu den konservativen Parteien.
Im Gegensatz zur BRD hinterließ die Wirtschaftskrise in der DDR deutliche Spuren. Obwohl auch hier der Wohlstand wuchs, konnte der Bedarf an Waren kaum gedeckt werden und zahlreiche Missstände erzürnten den Bürger. So war das Volk darüber verärgert, dass beliebte Artikel nur noch in teuren Delikatläden oder im Intershop zu haben waren. Neben der Unzufriedenheit im Alltag wurde der Protest gegen die politische Bevormundung lauter. Die Biermann-Affäre wuchs zum offenen Protest der Künstler heran, die ihre künstlerischen Freiheiten einklagten. Die harsche Reaktion der Regierung erstickte den Protest, der somit in den Untergrund ging und weitreichende Konsequenzen haben sollte. Im Irrglauben, dass mit Stasiaktionen und Ausreiseverfahren, eine politische Ruhe erreicht werden könnte, sollte sich als fataler Fehler erweisen.
Mit der Ignoranz des Zeitgeistes und kritischer Stimmen in den eigenen Reihen, baute die Regierung eine Bewegung auf, die darauf wartet mit den Stalinisten abrechnen zu können.

Die Friedliche Koexistenz (getarnter Wirtschaftskrieg)

Vorfeld: Mit der Beendigung des Kuba-Konflikts (1962), legten der US-Präsident J. F. Kennedy und der sowjetische Regierungschef N. Chruschtschow den Grundstein für die friedliche Koexistenz. In einem friedlichen Miteinander sollte der Wettstreit der Systeme stattfinden und mündete in den 70er Jahren in einen versteckten Wirtschaftskrieg.
Nach Kennedys Tod suchten die imperialistischen Mächte zunächst die Konfrontation und mussten erkennen, dass dies nach hinten losging. Die jungen Nationalstaaten in Asien und Afrika kehrten der kapitalistischen Welt den Rücken und wandten sich den sozialistischen Staaten zu. Der Verlust von Absatzmärkten und Rohstoffen stürzten die imperialistischen Staaten in die Wirtschaftskrise. Zudem wirkte sich der Vietnamkrieg der USA sehr negativ aus. Neben den finanziellen Unkosten für die USA und seinen Verbündeten, litt besonders
das Image der imperialen Mächte. Zudem setzte die Erkenntnis ein, dass der Sozialismus mit militärischen Mitteln und der politischen Konfrontation nicht zu besiegen war.
Damit nicht genug verschärften die Studentenunruhen die innenpolitische Lage. Am schwersten betroffen war Frankreich, wo die Unruhen bürgerkriegsähnliche Zustände auslösten. In Anbetracht einer drohenden Existenzkrise setzte ein politisches Umdenken ein.
Innenpolitisch wurden soziale Reformen durchgesetzt und vermittelten nach außen das Bild einer freiheitlich demokratischen Gesellschaftsform. Häufig mit einem Regierungswechsel verbunden, änderten die imperialistischen Staaten ihre Außenpolitik, um ihr Image aufzupolieren. Sie verurteilten ihre politische Vergangenheit, als Kolonialmacht oder Aggressor, und machten der Welt glauben, dass für sie der Weltfrieden oberste Priorität besäße. Sie versprachen uneigennützig allen Staaten zu unterstützen, die eine demokratische Ordnung aufbauen wollten, meinten aber, die eine wirtschaftliche Abhängigkeit akzeptierten. Gleichzeitig legten sie grundsätzliche Differenzen mit den sozialistischen Staaten bei und zielten auf intensive wirtschaftliche Beziehungen.
Im Gegensatz zu den blockfreien kapitalistischen Staaten, wie Schweden oder Dänemark, verfolgten die imperialistischen Staaten eine Wirtschaftsstrategie. Einerseits bot sich über die sozialistischen Staaten ein stabiler Wirtschaftsmarkt an, wodurch sich die Unternehmen wieder profitabel sanieren konnten. Andererseits eröffnete sich für sie die Gelegenheit in den sozialistischen Markt einzudringen und ihn vernichtend zu schädigen.
Die sozialistische Staatengemeinschaft entwickelte ihrerseits eine Vernichtungsstrategie, aber im Gegensatz zur kapitalistischen Welt verfügte die RGW-Staatengemeinschaft über keine stabilen Reserven. Wie wichtig wirtschaftliche Finanzreserven sind, sollte sich bald herausstellen. Wankelmütige Handelspartner in Afrika und Asien verursachten bei den RGW-Staaten hohe Verluste. Außerdem funktionierte die Planwirtschaft nicht so wie erhofft, da die Regime zu sehr die Befindlichkeiten der Werktätigen ignorierten. Auf der Basis der innenpolitischen Situation der sozialistischen Staaten, konnten die kapitalistischen Mächte Druck erzeugen. Der Druck wirkte sich wiederum fatal auf die Wirtschaftlichkeit aus.

RGW-Strategie:

Grundlage: Gründung der osteuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe), mit dem Aufbau einer zentralistischen Planwirtschaft. Dadurch ist eine höhere und kostensparende Produktion möglich, auf der Basis effektiver Zulieferungsketten. Ein effiziente Wirtschaftlichkeit erlaubt Waren in hoher Stückzahl herzustellen und Weltmarktpreise zu unterbieten, wodurch Konkurrenten aus dem Feld geschlagen werden können. Zur einheitlichen Handelswährung wurde der sowjetische Rubel erhoben, um die Verrechnung mit anderen Handelspartnern zu vereinfachen.
Strategie:
1. Unterlaufen des kapitalistischen Marktes, mit einem Überangebot zu Dumpingpreisen
2. Schüren der Konkurrenz zwischen den kapitalistische Unternehmen, mit dem Ziel Firmen in den Konkurs zu führen
3. Aufkaufen von Krisenfirmen durch sozialistische Investoren, die sich zerstörend auf die kapitalistische Wirtschaft
    auswirken sollen

4. Bildung von Strohfirmen, indem Unternehmen abhängig gemacht und kontrolliert werden (Überwachung durch
    Stasi-Agenten)

5. Aufbau eines Monopols durch den Verbund von abhängigen Unternehmen

Ziel: Auslösen einer innenpolitischen revolutionären Krise und das Schüren von sozialen Missständen, insbesondere ein Explodieren der Arbeitslosigkeit. Über ein Erstarken der kommunistischen Partei, soll dann ein Machtwechsel (Wahlen, Aufstand) herbeigeführt werden. Ein sozialistischer Staat soll gegründet und diktatorisch abgesichert werden. Ferner sollen die Jungen Nationalstaaten aus Asien und Afrika wieder fester an den RGW gebunden werden, indem die kapitalistische Konkurrenz ausgeschaltet wird und dann ein stärkerer wirtschaftspolitischer Einfluss ausgeübt wird.

EWG - Strategie:

Grundlage: Gründung der West-Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit hohem Einfluss der USA. Im Rahmen einer abgestimmten Wirtschaftspolitik der Länder, bleibt für die konkurrierenden Unternehmen das Prinzip der Marktwirtschaft erhalten. Auf der Basis eines stabilen wirtschaftlichen Finanzpolsters, sollen Wirtschaftsexperten Strategien ent-wickeln, um den Weltmarkt zu beherrschen. Im Einvernehmen mit den führenden Unter-nehmen, sollen dann die profitablen Pläne umgesetzt werden. Zur einheitlichen Wirtschafts-währung wurde dazu der US-Dollar erhoben.
Strategie:
1. Abschneiden der Wirtschaftsbasis der RGW-Staaten, deren Wirtschaftspartner in Asien und Afrika, mit lukrativen
   
Angeboten zu locken sind (Vertragsbruch mit dem RGW)
2. Mit Vertragsfallen Wirtschaftsschwierigkeiten auszulösen (Knebelverträge, Grenzen der Produktivität und der
    Flexibilität austesten, höhere Qualitätsnormen)

3. Analysieren und Aktionsplan entwerfen, in Punkto Schwachpunkte der Planwirtschaft, die eine Wirtschaftskrise
   
auslösen könnten (Störungen der Zulieferung, fehlende Konkurrenz)
4. Ausnutzen oder Schüren einer negativen Stimmung in der Bevölkerung, um zumindest eine Staatsverschuldung
    oder/und Wirtschaftskrise auszulösen

Ziel: Eine existenzielle Wirtschaftskrise (Staatspleite) zu erzeugen, die den gegebenen sozialen Unfrieden verstärken soll. Da sich kommunistische Regime nicht abwählen lassen, soll jegliche Opposition bis hin zum Volksaufstand unterstützt werden. Ein militärisches Eingreifen sollte jedoch, mit einem Mandat der UNO verbunden sein. Schließlich soll das bewährte demokratische Modell, die Kommunisten für immer ins Abseits drängen.

Die Realität: Die kapitalistische Wirtschaft entdeckte schnell die Schwachpunkte der ansonsten verheißungsvollen Planwirtschaft des RGW. Zunächst hatte sich die Weltlage geändert. Die Demokratisierung in den imperialen Blockstaaten steigerte erheblich den Wohlstand. Zugeständnisse und ein Verführen zum Konsum entfernten die Jugend vom revolutionären Studentengeist. Das brachte jedoch die sozialistische Gemeinschaft in Zugzwang, um die Glaubhaftigkeit ihrer Idee nicht infrage zu stellen. Obwohl es sich die sozialistischen Staaten nicht leisten konnten, erhöhten auch sie den Wohlstand.
Ein politisches Eigentor schoss sich die Sowjetunion mit der militärischen Aktion gegen den Prager Frühling und irritierte einige Handelspartner. Möglicherweise wandelte sich deshalb die ägyptische Politik, nach Abdel Nassers Tod. Die Sowjetunion verlor damit ihren wichtigsten Führsprecher in der arabischen Welt. Die kapitalistische Wirtschaft verstand es verlorenen Boden in Afrika und Asien zurückzugewinnen konnte. Sie punkteten mit besseren Technologien und großzügigeren Wirtschaftskonditionen. Mit dem Verlust der Wirtschafts-partner in Asien und Afrika, verloren die RGW-Staaten eine wichtige Basis ihrer Wirtschaft-lichkeit und manövrierten sich in eine Krise.
Im Gegensatz dazu, steuerten sich kapitalistischen Staaten bewusst in eine Krise, um den Einfluss auf den Weltmarkt zurückzugewinnen. Den Wirtschaftspolitikern gelang es, die Auswirkungen auf die eigene Bevölkerung gering zu halten. Für die Mehrheit der Bürger war deshalb die Krise kaum spürbar. Im Gegensatz dazu, wirkte sich die Wirtschaftskrise in den sozialistischen Staaten sehr stark aus. Als repräsentative Länder der Systeme, hatten allerdings die deutschen Staaten einen jeweils bevorzugten Status.
In der DDR wurde der Wohlstand mit Staatsschulden finanziert und die Funktionäre hofften, die Werktätigen würden mit höherem Arbeitseifer die Verschuldung tilgen. Die willkürlichen Normerhöhungen der Vergangenheit bremsten jedoch das Engagement. Funktionäre setzten schließlich in der Gegenwart dennoch neue Normen zur Steigerung der Arbeitsproduktivität durch. Die überzogenen Auflagen führten dazu, dass zahlreiche Arbeiter eine 100%-ige Leistung nicht erbringen konnten. Somit wurden verstärkt Leistungsangaben gefälscht oder Ausschuss produziert. Produktionsmängel wirkten sich nun negativ auf die Handelsverträge aus und die Betriebe versuchte Defizite auf anderen Gebieten einzusparen. Eine Folge davon waren mangelhafte Produktionsgeräte, abgenutzte Maschinen, die kaum ersetzt (erneuert), sondern nur notdürftig repariert (Unfallrisiko) wurden. Letztendlich erzeugten der steigende Leistungsdruck und schlechte Arbeitsverhältnisse unmotivierte Arbeiter.
Diesen Teufelskreislauf verstärkten einige Betriebsleitungen, die auf ihre Position bedacht, getürkten Erfolgsmeldungen weitergaben und zu einem undurchschaubarer Durcheinander führten. Es war kaum noch möglich den realen Bestand zu ermitteln, wodurch es zu erheblichen Störungen in der Zulieferkette kam. Entweder stimmte die Menge der zugelieferten Ware nicht oder die Qualität des Produktes war nicht verwertbar. Die Planerfüllung war aber oberstes Gebot und so wurde weiter geschummelt. Es wurde improvisiert, gestreckt oder fehlerhafte Produkte weitergeleitet. Die Zahl der Auftraggeber stieg enorm an, die in den Regress gingen. Die beanstandete Ware verursachte eine Folgekette mit wirtschaftlich katastrophalen Auswirkungen.
Neben diesem Problem offenbarte sich, dass es durch eine fehlende Konkurrenz auch keine Alternativen gab. Damit verbunden, fehlte auch die nötige Inspiration für Forschungen, um auf dem Markt flexibel zu bestehen. Die zentralistische Planwirtschaft konnte deswegen kaum auf Veränderungen auf den Weltmarkt reagieren. 

Die Konsequenz: Bis zum Ende der 70er Jahre wurde offensichtlich, dass die sozialistische Strategie gescheitert war und in eine tiefe Wirtschaftskrise mündete. Obwohl die Probleme von den Wirtschaftsfunktionären erkannt wurden, scheuten sie notwendige Reformen, da die Konsequenzen in vielfältiger Hinsicht ihre Macht gefährdeten und die RGW Staatenge-meinschaft auseinander brechen könnte. Außerdem waren RGW-Staaten inzwischen auf den Handel mit der kapitalistischen Welt angewiesen, da man sich nicht auf unzuverlässige Entwicklungsstaaten bauen konnte.
Der Handel mit den kapitalistischen Unternehmern ermöglichte zumindest den Zugang zu den profitablen Märkten. Die sozialistischen Staaten fanden schließlich andere Wege.
Aus der politischen friedlichen Koexistenz ergaben sich neue Finanzquellen. So brachte das Öffnen der sozialistischen Welt touristische Einnahmen ein. Die DDR machte profitable Geschäfte mit den Intershops und kulturelle Highlights und sportliche Höchstleistungen erzielten zusätzliche Gewinne. Insgesamt gelang es noch, den sozialistischen Staaten, ihre wirtschaftlichen Verluste zu kompensieren. Gegen Ende der 70er Jahre, wurde aber die unaufhaltbare Talfahrt der Wirtschaft immer deutlicher.