9. C. Kirchengeschichte Teil 1

Stationen des christlichen Glaubens und der Kirche (n)

In Teil 1 werden die Eckpunkte in der Geschichte der christlichen Gemeinschaft dargestellt, zu folgenden Themen:
Anfang und Verfolgung - - - Verbreitung und Spaltung (Orthodoxe und Katholische Kirche) - - - Inventurstreit (Macht der Kirche), Kreuzzüge (katholische Reformen, katholische Orden), Inquisition und Hexenverfolgung - - - protestantische Reformationsbewegung (Wyclif, Hus, Calvin, Zwingli, Luther) - - - 30-jähriger Krieg

1. Der Anfang und die Verfolgung  (30 – 330)

Über die Geschichte der Anfänge des christlichen Glaubens wurde in zum Neuen Testament alles gesagt. Zu betonen ist, dass bis zum Jahr 100 alle Erkenntnisse über die christlichen Gemeinden auf die Schriftstücke des Neue Testaments basieren. An dieser Stelle soll zur Erinnerung, im Telegramstil, die wichtigsten Punkte zur Entstehung des Christentums genannt werden:

Um das 30 wirkte Jesus Christus in Judäa  - - - der jüdischen Hohen Rat bewirkte die Kreuzigung von Jesus - - - Anhänger bezeugten seine Auferstehung und lösten den Glauben aus - - - die Apostel versuchten die Bevölkerung zu missionieren (besonders Petrus) - - - sehr erfolgreich gelang Paulus die Heiden-Missionierung - - - Rom betrachtete die Christen zunehmend als Gefahr, richteten Petrus und Paulus hin - - - trotz verstärkter Verfolgung wuchs die Zahl der Christen, besonders in Griechenland und Kleinasien - - -  bedingt durch den jüdischen Aufstand (70) wurde der Tempel und Jerusalem zerstört - - - Juden und Christen galten fortan im Römischen Reich als Verfolgte und Rechtlose - - - trotz mehrerer Versuche Roms das Christentum auszurotten, wuchs die Zahl der Anhänger

Anmerkung:  Nach dem Jahr 100 entstand vermutlich die Urfassung des Neuen Testamentes (wahrscheinlich in Griechenland) und wurde in Griechenland und Kleinasien zur Grundlage des christlichen Gemeindelebens. Angemerkt sei, dass sich durch den hellenistischen Einfluss die Christenverfolgung in Grenzen hielt. Vermutlich initiierte das Lukas-Evangelium die weitere Entwicklung zum Neuen Testament. Die Schriften von Lukas waren an dem römischen Gelehrten Theophilus gerichtet. Er hat möglicherweise die Schriften von Lukas aufbewahrt und analysiert. Dem Anschein nach hat Theophilus andere Gelehrte für die Schrift begeistern können, die sich später das griechische Schriftmaterial besorgten und das eigentliche Neue Testament zusammenstellten. Da die Gelehrten über einen Sonderstatus verfügten, waren sie nicht der Christenverfolgung ausgesetzt. Aus diesem Grunde konnten die römischen Gelehrten eine lateinische Fassung anfertigen, die unter dem Namen ITALA (um 200) bekannt wurde.

Kaiser Gallienus verfügte Anno 260 ein Toleranzedikt, da er im Christentum keine gesellschaftliche Gefahr sah. Jenes Edikt rief nicht nur Streit in den Provinzen hervor, sondern wurde häufig ignorierte.
Zwischen 300 - 311 wurde das Edikt mehrmals korrigiert und man einigte sich auf eine Ächtung. Christen waren somit vogelfrei und Außenseiter der Gesellschaft. Das entsprach einer inoffiziellen Christenverfolgung, da jedem erlaubt war einen Christen zu töten. Das aber verursachte eine enorme Rechtsunsicherheit, da zu viele Menschen beraubt oder getötet wurden, die aber keine Christen waren. Zudem hatte das römische Imperium ganz andere innenpolitische und außenpolitische Probleme. Rom war dem Untergang geweiht.
Mit der Spaltung des römischen Reiches, rehabilitierte Kaiser Konstantin das Christentum (313) in seinem Machtbereich (Byzanz). Als er Herrscher über das ganze römische Reich wurde, verfügte er die Anerkennung des Christentums im gesamten Reich. Später (380) machte Kaiser Theodosius das Christentum zur Staatsreligion im oströmischen Reich.

Inzwischen hatte sich das Christentum in allen gesellschaftlichen Schichten des römischen Reiches etabliert und auch die römischen Gelehrten konnten den gehüteten Schatz (NT) öffentlich machen. Gleichzeitig etablierten sich die christlichen Gemeinden und man wählte regional geistige Führer (Patriarchen). Sie beriefen das 1. Konzil ein (Nicäa, 325) und berieten sich über grundlegende Fragen der Christenheit. Am Konzil nahmen 2000 Personen teil, darunter 318 Bischöfe und die 5 übergeordneten Patriarchen.
Neben den Streit über die Natur Jesus (Mensch oder Gott), wurde eine folgenschwere Sicht vermittelt, die allgemein den Juden die Schuld an Jesus Tod gaben. Der jüdische Konkurrenzglaube wurde daher stark diffamiert, worauf die Basis für die späteren Übergriffe auf Juden gelegt wurde.

2. Verbreitung und Spaltung des Christentums  (330 - 1054) 

Nach dem ersten Konzil gab es erhebliche Differenzen unter den Glaubensführern. Besonders hartnäckig entwickelten sich die Spannungen zu Rom, da gerade Rom sich hoch motiviert in eine Führungsrolle brachte. Doch für die Gläubigen war es inakzeptabel, dass Rom zur geistigen Macht aufsteigen sollte, wo doch das weltliche Rom so viel Leid den Menschen brachte.
Auf dem 2. Konzil zu Konstantinopel (381), stellte Rom dennoch die „Vulgata“ vor, eine lateinische Bibelversion mit NT und AT. Die anderen Delegierten favorisierten aber eine gotische Bibelübersetzung (Wulfila), daraufhin entbrannte ein Streit um die Bibelübersetzung. Mehrheitlich sollte weiterhin die griechische Übersetzung bindend sein. Letztendlich führte das Konzil zur Spaltung in fünf Regionen (Patriarchen): Alexandria (Ägypten, Palästina), Antiochien (Syrien, Südwesttürkei), Byzanz (Nordwest-Türkei, Griechenland), Gotenland (Balkan, Schwarzmeerregion) und Rom (Gemeinden um Rom).

Zusammen mit der ITALA wurde die VULGATA zur Grundlage der römischen Kirche und Basis der Staatsreligion.

Historisch brach das Weströmische Reich zusammen, aber man erkannten, dass mit dem christlichen Glaube ein Einfluss auf die Feinde (Barbaren) möglich war. Die römische Kirche begann die westlichen Völker zu missionieren und eröffnete sich damit den Weg über den Glauben, erneut Macht auf die Welt auszuüben. Der Missionierungsgedanke brachte es mit sich, den Glauben so zu reformieren, dass er für die anderen Völker annehmbar war. Die Korrektur von Glaubensinhalten führte zum endgültigen Bruch mit den anderen christlichen Zentren. Dafür nahm die Zahl der Gläubigen in der römischen Kirche enorm zu. Auch wenn das politische Rom dem Untergang geweiht war, so stieg das geistliche Rom zu einer neuen Macht auf.
Mit Leo I., wurde 440 in Rom der erste Papst ernannt und er verwahrte sich 451 gegen eine Gleichstellung zu den Bischöfen der anderen Regionen. Er bestand darauf das Oberhaupt aller Christen zu sein. Mit diesem Anspruch trennte sich offiziell die weströmische Kirche von der oströmischen Kirche. Mit den Wirren der Zeit (Völkerwanderung) zahlte sich die Missionierung der Völker aus und Rom konnte als geistliches Zentrum einen neuen Machtstatus aufbauen. 
Angeregt durch den positiven Effekt der Missionierung, begann der byzantinische König Michael der III., um 842, die slawischen Völker zu bekehren. Aber eine erhoffte Annäherung von Westkirche und Ostkirche wurde 1054 endgültig begraben. Die Westkirche Rom nannte sich nun katholische Kirche und die regionalen Ostkirchen nannten sich orthodoxe Kirche.

Beziehung Kirche – Staat im Altertum 

Byzanz: War ein relativ stabiles Reich mit fester Nachfolgeregelung und die Kirche war eine Säule der Herrschaft. Im gegenseitigen Respekt und nach außen hin verbunden, waren die Kompetenzen in der Gesellschaft klar definiert. Die Kirche diente als Machtinstrument der Herrschaft und da sie als zweitstärkstes Machtorgan davon profitierte, hielten sie sich aus politischen Dingen weitgehend heraus, wenn im Gegenzug sich die Herrschaft aus geistlichen Dingen heraus hielt. Die Kirche hatte aber einen hohen gesellschaftlichen und innenpolitischen Einfluss, den sie, so oder so gebrauchen konnte. Der Status der Kirche offenbarte sich in der Kaiserkrönung. Sie gab der Feierlichkeit nicht nur den würdigen Rahmen, sondern die geistliche Krönung bestätigte die rechtmäßige Herrschaft eines Regenten.

Rom: Ein instabiles Reich, mit ständig wechselnden Herrschern, jagte innenpolitisch, wie auch außenpolitisch seinem Niedergang entgegen. Der bisherigen römischen Mythologie fehlte eine Glaubenszuversicht und dem christlichen Glauben stand ein Großteil des Adels noch immer skeptisch gegenüber. Insgesamt herrschte in Rom das Chaos, da die herrschende Klasse die Zeichen der Zeit ignorierten, Rom über seine Verhältnisse lebte, gepaart mit egoistischen Machtkämpfe und eine unübersichtliche Korruption destabilisierte das Land.
Die Anhänger der christlichen Kirche etablierten sich und bewirkten einen einigenden Zeitgeist. Ihr politischer Einfluss wuchs entsprechend, zumal die Missionierung der Barbaren erfolgreich verlief. Angesichts der Missionierungserfolge veränderte sich auch die römische Gesellschaft und der Einfluss der Kirchenführer wuchs. Speziell mit der Missionierung der aufstrebenden Herrscher, der neuen Mächte, gelang es Rom zum unantastbaren geistigen Zentrum der Welt zu werden.
In der Phase als wechselnden Besatzer Rom beherrschten, konnte die Geistlichkeit ihren Status bewahren. Letztendlich setzten die Kirchenfürsten eine stabile politische Herrschaft in Rom durch. Als Heilige Stadt unterwarfen sich die neuen Machthaber in Europa dem Papst. Mit der Erkenntnis des hohen Machtpotenzials wurde die Missionierungsarbeit weiter vorangetrieben und die katholische Kirche strebte über den Glauben auch die politische Macht an. Eine Macht ohne selbst zu herrschen, aber die Herrscher zu beherrschen.

Kurz - Information : zu Mönchtum, Orthodoxe Kirche, Katholische Kirche

Mönchtum: Mit der Anerkennung des Glaubens war es nun möglich, streng nach den christlichen Regeln zu leben und der Weltlichkeit zu entsagen. Es entstanden Gemeinschaften von Frommen, die nur den Geist Christus folgten. Die hohe gelebte Frömmigkeit führte sie zu Erkenntnissen im Glauben. Die christlichen Gemeinden förderten die spirituelle Geistlichkeit und erhofften sich Antworten auf Glaubensfragen.
Wissenschaftlich ist man sich nicht so ganz einig, ob es das erste Mönchtum, Anno 300, in Ägypten oder Syrien gab. Neben der Enthaltsamkeit (Askese) und dem Streben nach Vollkommenheit, eigneten sie sich als Wächter des Glaubens, waren zu hohen Denkleistungen fähig und bauten in ihren Mauern ein hohes Wissensmonopol auf. Um 370 erklärte Rom die asketischen Gläubigen zum katholischen Mönchtum und stellte den Schutz der Gebäude sicher. Es entstanden Klöster, die zu abgeriegelten Schatzkammern des Wissens und Bewahrer der Gläubigkeit wurden. Hinter den dicken Mauern wurde aber zunehmend Wissen blockiert, dass den Glauben hätte gefährden können.

Orthodoxe Kirche (= Gradlinie Meinung, Rechtsgläubigkeit): Im Wesentlichen bilden Rechts- und Strenggläubigkeit die Säulen der Religion. Sie betreiben eine intensive göttlich orientierte Liturgie, mit einer ausgeprägten Verehrung von Ikonen (Heiligenbilder, Kultbilder). Typisch für den Gottesdienst sind hymnenartige Gebeten, die 7 Sakramente und dem Vollzug der Sakramentarien. Sakramente sind Heils-Rituale in denen Gott unsichtbar wirkt, wie Taufe, die Myronsalbung (unmittelbar nach der Taufe), Eucharistie (Danksagung, Abendmahl), Beichte, Eheschließung, das Sakrament der Weihe (Handauflegen, Priesterweihe) und Krankensalbung.
Ihre Oberhäupter nenen sich Patriarchen, Metropoliten und Bischöfen. Die Kirche besitzt kein religiöses Zentrum, da jede Region für sich selbst verantwortlich sein soll, um individuell lokale Probleme zu lösen. Dennoch gibt es Konzile von Gemeinschaften, die sich als grundlegender Meinungsaustausch verstehen. Zu den größten Gemeinschaften gehören, die griechische O.K., die russisch O.K. und die serbisch O.K. (O.K. = Orthodoxe Kirche).

Katholische Kirche (allgemein, das Ganze betreffend):  Die katholische Kirche sieht sich als umfassende und umspannende Weltkirche, die ein allgemeines und festes Glaubensbild vermitteln. Dabei erhebt der Papst den Anspruch, als Stellvertreter, dem unsichtbaren Christus zu dienen. In Anlehnung an den Lehren Petrus, wird er als Oberhaupt der Apostel angesehen. Als rechtmäßiger Nachfolger wählt die katholische Kirche das religiöse Oberhaupt. Mit dem Titel Papst verfügt er über die Leitungs-, Lehr- und Heiligungsgewalt. Beratend zur Seite steht ihm ein Kardinals-Kollegium (Senat). Ein Papst regiert bis zu seinem Tode oder seinem Rücktritt.
Das Ökumenische Konzil (Bischofs & Kardinals -Versammlung) wird einberufen, bei der Neuwahl eines Papstes. Kardinal versteht sich dabei als erhöhter Titel, eines Bischofs, aber Beide sehen sich als Nachfolger der Apostel. In der weiteren Kirchenhierarchie, gibt es die Bischofskonferenz, eine ständige Einrichtung der Bischöfe einer Nation. Die Nation wird in Kirchenregionen und Kirchenprovinz aufgeteilt. In den Gemeinden ist ein Pastor (Priester, Pfarrer) für die Verkündigung zuständig. Regional werden Pfarreien (Gemeinden) in übergeordnete Dekanate verwaltungstechnisch zusammengefasst.
Für Verkündiger (Pastor, Bischof, Kardinal) ist das Zölibat vorgeschrieben und meint damit, sich voll und ganz der Nachfolge Jesu Christi hinzugeben. In einem Kernpunkt muss ein Priester ehelos sein und ein sexuelles Verlangen ist ihm untersagt. In der strengen katholischen Hierarchie unterscheidet man ferner in den Ämtern, wie dem Hirtenamt (geistliche Leitung der Kirche), dem Lehramt (Schriftgelehrte) und dem Priesteramt (Missionierung und Verkündigung der Sakramente). Die katholische Kirche begreift sich als alleinige, heilige, unfehlbare und alleinseligmachende Kirche. Dem zentralisierten Gefüge haben sich alle katholischen Christen zu fügen.
Wesentliche Glaubensinhalte sind die Dreifaltigkeit (Gott, Jesus, Heiliger Geist) und der handelnde Gott. Die Kirchenobersten begreifen sich als Nachfolger der Apostel, die berechtigt sind, zur Bewahrung des Glauben Lehrgrundlage durchsetzen, die unabhängig von der Bibel sein können, aber in deren Geist sein sollte. Die katholische Kirche pflegt 7 Sakramente, wie Firmung, Taufe, Eucharistie (Abendmahl, Danksagung), Beichte, Krankensalbung, Weihesakrament und Ehe. In Hinblick auf die Apokalypse, predigt die Kirche ein Leben nach dem Tod (Eschatologie), sofern man Gottesfürchtig lebt.
Die Erlösten können auch als Tote wieder auferstehen und ein ewiges Leben in Gottes Nähe erhalten. Als Vorbild für ein Gottesfürchtiges Leben werden Personen Heilig (Heiligenverehrung) gesprochen, aber als grundlegendes Vorbild gilt die Gottesmutter Maria, die Jesus empfangen hat. Maria wird deshalb ganz besonders verehrt (zahlreiche Marien-Verehrungen). Die katholische Kirche gesteht auch Sündiger eine Läuterung zu, dass sie sich angesichts des Fegefeuers (Höllenstrafe) wieder zu Gott finden. In der mittelalterlichen Praxis wurde dazu der Ablass- und Reliquienhandel erfunden. Mit dem Ablasshandel sollte es möglich sein, sich von seinen Sünden freizukaufen und der Reliquienhandel diente dem Schutz vor dem Bösen (Teufel).

3. Katholische Weltherrschaft (1054 - 1500)

Inventurstreit: Bisher war es üblich, dass die Herrscher vom Papst gesegnet wurden. Damit verbunden, verfügten die Regenten über das Recht, hohe christliche Ämter zu besetzen. Das führte dazu, dass die Könige sich Kirchenoberhäupter wählten, die ihrer Sache genehm waren und sich nicht in die Landespolitik einmischten. Aber genau das war der katholische Kirche wichtig, die westeuropäischen Reiche dirigieren zu können. Im sogenannten Inventurstreit kämpfte die Kirche um das uneingeschränkte Recht, die hohen geistlichen Ämter in den christlichen Ländern selbst zu besetzen. Nur dagegen wehrten sich die weltlichen Herrscher, um sich nicht der Kirche auszuliefern.
Auf der Basis vom Papst gesalbt (gekrönt) zu sein, bestanden die Regenten somit auf die christliche Autorität in ihrem Herrschaftsbereich, um die entsprechenden Ämter zu besetzen. In der Praxis zeigte sich, dass Herrscher zunehmend Priester in die Ämter hoben, die nach Meinung der Kirche nicht den rechten Glauben lehrten. Den weltlichen Herrschern kam die Zerstrittenheit der Kirche entgegen. Zu jener Zeit rangen gleich drei Würdenträger um das Papst-Amt (Benedikt IX., Gregor IV., Silvester III.). Als weltliches Schutzoberhaupt der römisch-katholischen Kirche, hatte König Heinrich III. die Befugnisse alle drei Päpste abzusetzen. Der neu berufene Papst stärkte die Macht der Kirche und unter Papst Gregor VII. wurde erneut den Inventurstreit entfacht. Heinrich der IV. stellte sich dagegen und erklärte den Papst für abgesetzt (1075).
Inzwischen war aber die Kirche zu einer einflussreichen Macht geworden, daher konnte der Papst (in Rom), den König, mit einem Bann. Dem König wurde so der Rückhalt von den anderen Herrschern genommen und auch die anderen Adligen und Kaufleute fügten sich dem Papst, da ansonsten elementare Folgen für das Reich drohten. Die Macht der Kirche bewirkte für König Heinrich eine wirtschaftliche und kulturelle Isolation und das Volk rebellierte gegen den „gottlosen“ König. Aufgrund dessen und dem Druck des Adels und der Handelsleute widerrief Heinrich seine Erklärung. Um den Bann aufzuheben musste Heinrich eine Buße ableisten. Der König musste im Winter Barfuß nach Canossa gehen (Canossagang) und dort dem Papst um Verzeihung bitten, als reuiger Sünder. Infolge dessen musste der Papst den Bann gegen Heinrich aufheben und ihn erneut als Herrscher legitimieren.
In der Folgezeit führte der erneute Inventurstreit zu militärischen Konflikten und wieder war es Heinrich der IV., der zum Anführer der Rebellion wurde. Überraschend starb Heinrich im Jahr 1085 und damit erlosch auch der militärische Widerstand. Der nachfolgenden Papst Paschalis II. überspannte jedoch den Bogen, der den Adel noch stärker in die Pflicht nahm, worauf König Heinrich V. den Papst gefangen nahm. Heinrich ließ sich zum Kaiser krönen und machte im Gegenzug dem neuen Papst Zugeständnisse. Erst im Jahr 1119 einigten sich Papst Califaxt der II. und Kaiser Heinrich V. auf einen Kompromiss. Von nun an wählte die Kirche seine Würdenträger selbst, aber die Amtsernennung musste vom Kaiser bestätigt werden. Letztendlich ging damit die Kirche gestärkt hervor, denn die Kirche konnte nun ihren Einfluss auf weltlicher Ebene durchsetzen. Zudem bildeten Bischöfe eigene Bistümer (Regierungsbezirke) und traten in die Konkurrenz zu den weltlichen Fürstentümern.  

Kreuzzüge: Schon im Jahre 1095 rief Papst Urban II zu den Kreuzzügen auf, mit dem Ziel die weltlichen Herrscher enger an die Kirche zu binden, um somit intensiver Einfluss zu nehmen. Der erste Kreuzzug begann 1096 und sollte die muslimischen Araber aus der Heiligen Stadt Jerusalem jagen. 88 Jahre blieb Jerusalem unter christlicher Herrschaft, mit dem erklärten Ziel die heilige Stadt, von den barbarischen Ketzern fern zu halten.  Überall in Europa wurden Ritter, mit deren Gefolge, rekrutiert bzw. verpflichtet und wurden Kreuzritter genannt.
Als Anführer solcher Kreuzritter-Heere fanden sich zunächst Fürsten und später angesehene Könige, die durch ihre Beteiligung ihrem Land Ehre machten. Das wirkte sich auch dahingehend aus, dass die Kirche zusagte ihren vergünstigenden Einfluss geltend zu machen. Nach dem anfänglichen Erfolg setzten die muslimischen Araber dagegen, die Macht der Kreuzritter kam ins Wanken, aufgrund selbstverschuldeter Ursachen. In erster Linie war es die Überheblichkeit der aristokratischen Anführer und deren Grausamkeiten gegenüber der Bevölkerung (Muslimen, Juden). Jerusalem wechselte stetig seine Herrschaft, aber 1244 war die Stadt fest in muslimischer Hand. Mit der Eroberung der wichtigsten Küstenstadt Akkon, durch die muslimischen Mameluken, war der Kreuzritterstaat in Palästina 1291am Ende.
Aber schon seit geraumer Zeit ging es nicht mehr um die Heilige Stadt, sondern um strategische Ziele. Ein solches Ziel war das Ende vom orthodoxen Byzanz. Als Glaubensbrüder musste Byzanz sein Reich als Aufmarschgebiet für die Kreuzritter zur Verfügung stellen, benötigten aber auch deren Präsenz gegen die Feinde des byzantinischen Reiches. Der Papst nutzte jedoch die Gelegenheit über die Kreuzritter das orthodoxe Reich zu destabilisieren. Im Jahr 1204 rückten zudem die Mongolen heran und bedrohten Byzanz. Das orthodoxe Land war auf die katholischen Kreuzritter angewiesen. Gemeinsam konnten sie zwar die Mongolen stoppen, aber der Preis war hoch. Das restliche Byzantinische Reich wurde 1261 zum Lateinischen Kaiserreich erklärt (römische Kontrolle) und verlor seine Autonomie.
Andernorts zogen mit der Billigung Roms deutsche Ordensritter 1230 zum Baltikum und unterwarfen bzw. vertrieben die dort lebenden Slawen. Das Ordensreich blieb bis 1410 ein selbstständiges Reich unter religiöser Kontrolle. Trotz dem Fiasko in Palästina, befand sich die katholische Kirche um 1250 auf seinem Höhepunkt der Macht. Doch überall regten sich Widerstände. Die Männer Europas verbluteten sinnlos in Palästina, obwohl sie dringend bei der heimischen Ernte gebraucht wurden. Durch das Fehlen der Regenten versanken die europäischen Reiche in Korruption und Rechtlosigkeit (Robin Hood). Aufstände in Byzanz versuchten sich der römischen Bevormundung zu entledigen. Das baltische Ordensreich löste sich von Rom und vollzog eine Schreckensherrschaft gegenüber den Slawen. Kreuzrittereinheiten, die sich einem bestimmten Schutzpatron erwählt haben, gründeten eigene Kreuzritterstaaten und leiteten es mit harter Hand. Die bekanntesten Ordensritter waren die Templer, die Malteser und der Dobrinorden (deut.-pol. Orden).
Paradoxerweise wuchs Einfluss der Kirche in der Bevölkerung, obwohl Gewalt und Missstände eskalierten. Doch geschädigt wurde das Ansehen der Aristokratie, denen die Schuld gegeben wurde, wegen ihrem unchristlichen Tun. Um das Image zu heben, musste der Adel sich der Kirche unterwerfen und geriet dadurch in große Abhängigkeit. Mit dem Status der Macht gönnten sich die Geistlichen auch einen hohen Luxus. Da Schein und Sein im Widerspruch standen geriet die katholische Kirche deswegen in Erklärungsnöte. Die Pfaffen predigten Wasser und tranken selbst Wein. Der Luxus der Geistlichen stand in keinem Verhältnis zum gepredigten Wort. Selbst innerhalb der Kirche prangerten Geistliche diesen Zustand an und forderten dringende Reformen.

Reformen: Die katholischen Kirchenführer hielten an ihrem Luxus fest und betrachteten es als Gottes Lohn für ihr Tun. Ihr Handeln war aber nicht in Christus Sinn, sie waren machtbesessen und egoistisch. Es stieg die Zahl der Geistlichen, die eine Reform zu den wahrhaftigen christlichen Werten forderten. Es prallten jedoch zu viele verschieden Ansichten aufeinander, die zunächst nur Streitigkeiten bewirkten. Innerhalb der katholischen Kirche bildeten sich dann mehrere Strömungen, die in Form eines Ordens (verschworene Gemeinschaft) eine Grundidee durchsetzten. Es bilden sich unter anderem der Augustiner Orden, der Kapuziner Orden, der Franziskaner Orden, der Benediktiner Orden und der Tempelritter Orden.
Je nach ihrem Glaubenskonzept versuchten sie Einfluss zu nehmen, mal als Glaubensorden oder als Ritterorden. Die Glaubensorden bauten sich Klöster, die zu religiösen Burgen wurden. Sie waren zentrale Stätten der Orden und verfügten über einen starken regionalen Einfluss. Doch Gebete reichten manchen Orden nicht und setzten ihre Glaubensauffassung mit Gewalt durch. Das baltische Ordensreich war das größte religiöse Glaubensreich (Dobrin-Orden). Die Orden warben Kämpfer an, die nach Vorbild der Ritterschaft einen Eid schworen und sich einem religiösen Ehrencodex unterwarfen.
Alle Orden betrachteten den Papst weiterhin als Oberhaupt und respektierten den jeweiligen regionalen Einfluss eines konkurrierenden Ordens (friedliche Koexistenz). Das Wirken der Ordensritter vollzog sich meistens außerhalb der katholischen Reiche und brachten Gebiete (meistens Mittelmeerinseln) der „Ungläubigen“ und „Aufrührer“ unter ihre Kontrolle. Später nabelten sich manche Ordensritter vom ihrem Orden ab und begannen selbst eine absolute Macht zu sein. Einige Ritterorden wurden schließlich zu einer Gefahr für die katholische Kirche. In der Folgezeit nutzte die Kirche ihre Macht, über die weltlichen Regenten solche Ritterorden zu bekämpfen.
Neben der Aufspaltung in Orden, kam es zu einem weiteren Inventurstreit. Hierbei ging es um die Gebote für die Glaubensverkünder. Den meisten Priestern waren die Glaubensauflagen und Anordnungen zu streng. Zu einem heftigen Streitpunkt wurde das Verbot der Priesterehe (Zölibat). Zudem regte sich 1294 der politische Widerstand gegen die starke Einmischung des Papstes in die Landespolitik. Da sich die Kirche in der Krise befand, unterstützten Kirchenfürsten den weltlichen Protest und riefen im französischen Avignon einen liberaleren 2. Papst aus. Das führte dazu, dass sich die katholischen Reiche spalteten und nun Kriege unter Glaubensbrüder legitim wurden.
Reformbemühungen der Kirche führten dazu, dass 1409 ein 3. Papst ausgerufen wurde. Selbst für die weltlichen Mächte war das einer zu viel und außerdem machte sich Chaos breit und führte zur völligen Verunsicherung der Gläubigen. Auf der Basis der Missstände, sprachen sich die Kirchenfürsten 1414 für einen Papst aus, aber sie beschränkten seine Befugnisse und er war der Konklave (katholischer Senat) rechenschaftspflichtig. Mit Martin V. (1417–1431), gab es wieder nur einen Papst (Kirchenoberhaupt).

Inquisition: Fortschritt und Wissenschaft brachten Erkenntnisse hervor, die der propagierten Glaubensvorstellung widersprach und die Kirchenfürsten in Erklärungsnöte brachten. Auf dem Höhepunkt der Macht richtete die katholische Kirche 1215 ein religiöses Gericht ein, dass über der irdischen Gerichtsbarkeit stand. Die Inquisition richtete sich zunächst gegen die Verkünder von Irrlehren, die anfangs zur Klosterhaft verurteilt wurden. Opfer der ersten Welle der Inquisition wurden Wissenschaftler und Freidenker.
Papst Gregor IX., erweiterte die Verfolgung auf alle Ketzer (Glaubensfeinde) und führte die Folterungen und die Todesstrafe ein. Folterungen grausamster Art, dienten angeblich der Wahrheitsfindung im Inquisitionsprozess. Die meisten Angeklagten gestanden, was von ihnen erwartet wurde, um der Folter zu entgehen und sahen die wahrscheinliche Todesstrafe eher als Erlösung an. Im Zeichen der Apokalypse konnte man im Himmel auf Gerechtigkeit hoffen. Nur wenige wurden nach ihrem „Geständnis“ freigesprochen, dass geschah, wenn sie ihre Irrlehren widerriefen oder als geheilt galten. Die Todesstrafe für Ketzer war das Erhängen, das Verbrennen oder das Köpfen. Die Bevölkerung stand diesen Prozessen zunehmend skeptisch gegenüber. Aber im grauen Mittelalter lehrte die Kirche den Menschen das Fürchten. Sie sprachen davon, dass Satan zu viele Helfer auf der Erde hat und deshalb das Leben so schaurig sei. Sie lenkten damit die Bevölkerung auf die Hexenverfolgung. Zur Abwehr der satanischen Helfer, sollten Hexen und Hexer ausfindig gemacht werden und auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden.
Die Hexenverfolgung erreichte (regional unterschiedlich) erschreckende Dimensionen und mit der Hexenjagd war die Bevölkerung beschäftigt und verängstigt und die Kirche konnte sich somit Glaubensgegner entledigen. Im Bund mit der Kirche nutzten auch die Herrschenden, die Macht der Kirche und befreiten sich ihrerseits von politischen Feinden oder korrigierten die Erbfolge.  
Zu den Glaubensgegner der Kirche gehörten Forscher, Freidenker und auch Adlige, die sich der Kirche widersetzten. Mit der Hinrichtung von Wissenschaftlern häufte die Kirche in ihren Klöstern jenes Wissen an und sie forschten sogar weiter, aber hinter den Mauern und nicht zur Publizierung gedacht. Aber das Denken ließ sich nicht aufhalten.

Kurz - Information: zur Hexenverfolgung 
In Deutschland waren es die Regionen Rheinland, Westfalen und Thüringen, in denen es besonders viele getötete Hexen gab (speziell Köln ca. 2000, Mainz 1500). Häufig reichte ein denunzieren oder Anderssein aus, um auf den Scheiterhaufen zu landen. Der Höhepunkt der Hexenverfolgung war zwischen 1550 und 1650. Den letzten nachweisbaren Hexenprozess in Deutschland gab es 1775. Der spektakulärste Hexenprozess fand im Nordamerikanischen Salem (USA) statt. Die Briten wollten Salem zu Neu Jerusalem machen und deswegen die Stadt und ihre Umgebung von unreinen Geist säubern. Fast 300 Personen waren angeklagt, von denen 20 hingerichtet wurden und ebenso viele in der Haft oder an den Nachwirkungen der Folterungen starben. Weiterhin wurden über 200 Menschen der Hexerei beschuldigt, von denen 150 inhaftiert wurden, die dann entweder als unschuldig befunden wurden oder unter Folterqualen sich bekehren ließen.
Insgesamt schätzt man weltweit die Zahl der getöteten vermeintlichen Hexen auf etwa 60.000, deren Dunkelziffer deutlich höher sein dürfte. Zahlreiche Prozesse sind nicht mehr nachweisbar oder die Angeklagten starben vor dem Urteil an der Folter oder später an deren Nachwirkungen. Deshalb wird angenommen, dass die Zahl der Getöteten bei mindestens 200.000 liegt. Interessanterweise fanden die Hexenprozesse nur in katholischen Staaten statt, wobei das in Irland, Portugal und Spanien eher selten der Fall war. Stark ausgeprägt waren Hexenprozesse im deutschsprachigen Raum.
Etwa ab 1800 gab es keine Hexen-Prozesse in Europa mehr, dafür aber Hexenprozesse in den ehemaligen europäischen Kolonien, speziell in Afrika und in Asien. In den USA wurden häufig schwarze Slaven der Hexerei bezichtigt und häufig ohne Prozess hingerichtet. Auch heute noch (2010), werden vermeintliche Hexen gejagt und getötet. Besonders ausgeprägt ist das in den afrikanischen Staaten, in Indien und Indonesien (z.B.: 2007 – Osttimur: 3 Frauen wurden wegen Hexerei umgebracht). Die Angst vor satanischen Kräften ist in manchen Regionen tief in den Menschen verwurzelt. Mitunter reicht ein denunzieren aus und wenn dann die betreffende Person keinen gesellschaftlichen Rückhalt besitzt, kann sich der Mopp (einfaches Volk) schnell über die Person erzürnen, bis hin zur Selbstjustiz. Wie zu Zeiten der Inquisition, sind es immer wieder religiöse Strömungen, die eine Stimmung anheizen und einen Glaubenzweck verfolgen.

4. Reformation / Protestanten   (1500 - 1700)

Reformationsbewegungen

Je stärker die Macht der Kirche wurde, desto mehr regte sich Widerstand und das nicht nur in weltlichen Kreisen. Innerhalb der Kirche spalteten bislang unterschiedliche Glaubensauffassungen die Katholiken und dennoch galt das Wort des Papstes bindend. Doch nun brach eine neue Ära an, die inhaltlich die Kirche kritisierten und mit der Bibel argumentierten. Einer der ersten war John Wyclif, der im Jahre 1380 die Bibel ins englische übersetzte und kontroverse Lehren gegen die katholische Kirche aufstellte. Aufgrund der aktuellen Lage in England verzichtete die Kirche darauf Wyclif der Ketzerei anzuklagen. In der angeheizten Stimmung gegen die Kirche, hätte das ansonsten einen Volksaufstand ausgelöst. Es entwickelte sich die Bewegungen der Lollarden, die um 1400 zur offenen Revolte aufriefen und nun von der Regierung verfolgt werden konnten. Da die Lollarden ihren Rückhalt in Bevölkerung verloren, konnte die Kirche nun auch die Werke von Wyclif verbieten und ihn nachträglich zum Ketzer aburteilen. Die Geistlichen, die seine Theorie vertraten wurden nun gejagt und hingerichtet. Dennoch ließen sich die Lehren von Wyclif nicht ersticken, sondern sie verbreiteten sich illegal in Europa und wurde später zu einer bedeutenden Säule der britischen Reformationsbewegung.
Der tschechische Geistliche Johann Hus griff Wyclifs Schriften auf und erweiterte sie mit eigenen Gedanken, die in deren Folge den Hussittenaufstand auslösten. Weitere bedeutende Reformer waren Johann Calvin und Huldrych Zwingli.

Kurz - Information: zu Jan Hus. Johann Calvin, Huldrych Zwingli

Jan Hus (eigentlich Johann Hus): Der böhmische Geistliche schrieb, inspiriert von Wyclifs Lehren, schrieb um 1410 seine eigenen Gedanken nieder. Im Jahr 1415 wurde Hus verhaftet und von der Inquisition, zu Konstanz, zum Tode verurteilt. Die Mitstreiter von Hus wurden derweil in Prag verhaftet, trotz großer Proteste von Seitens der Bevölkerung. Im Jahr 1419 eskalierte die Situation und es kam zum Fenstersturz zu Prag (10 Amtspersonen wurden aus dem Fenster geworfen) und mündete in den Hussitenaufstand. Unter ihrem Führer Zizkas setzten die Hussiten den kaiserlichen Truppen mehrere empfindliche Niederlagen bei, konnten aber Böhmen nicht territorial erobern. 1420 starb Zizkas (Seuche) und die neuen Führer überfielen Deutschland und wollten eigentlich die Lehren von Jan Hus verbreiten und militärisch den deutschen Kaiser so zur böhmischen Autonomie zwingen. Intern kam es jedoch zu Streitigkeiten und sie plünderten und beraubten nun die Katholischen Kirchen, aber auch so manches Dorf. Die Radikalisierung verprellte die Mitstreiter und die Zahl der Sympathisanten sank drastisch. In der Schlacht bei Lipan (bei Prag) fand der Hussitenaufstand 1439 sein Ende.

Johann Calvin: Der gebürtige Franzose griff die Lehre von Wicliff erneut auf, entwickelt sie weiter und musste deswegen 1509 aus Frankreich fliehen. Im liberalen Genf (Schweiz) fand er Zuflucht und verbreitet von dort seine Kritik an die katholische Kirche. Speziell wehrte er sich gegen den Reliquienverkauf und Ablasshandel, sowie ähnliche Erscheinungen in der Kirche, die sich von Gott entfernten. Der Fürst von Genf verweigerte der Kirche den Zugriff (Auslieferung) auf Calvin. 1564 starb Calvin nach langer Krankheit. Um 1550 setzte die Calvinistische Bewegung ein und wurde besonders populär in England.

Huldrych Zwingli: Der Schweizer war von den Lehren Calvins inspiriert und auch er formulierte 1519, in Zürich, eigene Ideen dazu und wurde 1523 von der Kirche der Ketzerei bezichtigt. In seinen Disputationen rief er die Kirche zu mehr Bescheidenheit auf, im Sinne der Bibel. Weniger Luxus und Pomp, dafür mehr Seelsorge und Notlinderung für die Hilfsbedürftigen. Im Gegensatz zu Genf, schaffte es die katholische Kirche, die umliegenden Kantone gegen das liberale Zürich aufzuhetzen. Im Jahre 1531 kam es zum Glaubenskrieg. Zwingli, wurde als Soldat, bei der entscheidenden Schlacht gefangen genommen und ermordet.

Doch der bedeutendsten Reformer wurde Martin Luther, der nach seiner Romreise (1515), zum schärfsten Kritiker des Papsttums wurde. 1517 veröffentlichte er die 95 Thesen zur Reformierung der Kirche in Wittenberg und sollte sich in Rom dafür rechtfertigen. Begünstigend für Luther, haben sich die Zeiten gewandelt. Der weltliche Adel rebellierte gegen die kirchliche Bevormundung und innerhalb der Kirche kam es zu Querelen. Zudem hat Johannes Gutenberg den Buchdruck erfunden gehabt, sodass seine Abschriften zahlreich vervielfältigt werden konnten. Die Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ konnte sich daher schnell verbreiten. Auf dem Reichstag zu Worm musste sich Luther 1520 vor dem Kaiser verantworten und wurde von den Geistlichen aufgefordert zu widerrufen. Als Geächteter lebte er als Junker Jörg auf der Wartburg vom dortigen Fürsten beschützt.
Auf der Wartburg übersetzte er die Bibel, mit dem Anspruch für eine allgemeine deutschen Sprache, die es zuvor noch nicht gab. Ab 1520 versuchten radikale Reformer, die Lehren Luthers in Wittenberg umzusetzen. Auf Bitten von Fürst Friederich den Weisen, kehrte Luther 1522 zurück und mahnte zur Besonnenheit und setzte eine Reihe von Unbedachtes (seiner Meinung) zurück. Seine Abgrenzung zu den „Schwärmern“ verhinderte somit den vorzeitigen Bruch mit der katholischen Kirche. Ein Großteil der Bevölkerung, aber auch Kaufleute und Adligen waren von Martin Luthers Zurückhaltung enttäuscht.
Verärgert ergriff der Lutherschüler Thomas Müntzer die Initiative und wurde zum Anführer des Bauernaufstandes (Bundschuh). Nach anfänglichen Erfolgen wurde das Bauernheer von Müntzer in der Schlacht von Frankenhausen vernichtend geschlagen. Im ungleichen Kampf wurde Thomas Müntzer gefangen genommen, gefoltert und hingerichtet.
Martin Luther, der Müntzers Baueraufstand von Anfang an verurteilte, sah sich aber mitverantwortlich, da seine Lehren zu den Aufstand führten. Vieleicht zog sich Luther deshalb zurück und beschränkte sich auf die Bibelarbeit und starb am 18.02. 1546.
Um 1530 war eine Vielzahl neuer Glaubenslehren und Auffassungen entstanden, die zunehmend die Bevölkerung verunsicherten. Regional setzten sich die drei Basis-Reformer (Calvin, Zwingli, Luther) durch und als erste weltliche Macht, legte Preußen offiziell die lutherische Reformation als Staatsreligion fest. Mehrere Fürsten folgten dem preußischen Vorbild in Deutschland, besonders im Norden. Mit England löst sich 1573 sogar eine Großmacht aus der katholischen Welt, die bereits 1543 ihre eigene anglikanische Kirche propagierte.
Eine Reihe von Glaubensunruhen gipfelte in zahlreichen blutigen Kämpfen. Die protestantische Hugenottenbewegung von 1562 - 1598 ist dafür bezeichnend. Nach vielen Kämpfen kam ein trügerischer Frieden zustande und gipfelte in die Bartholomäus Nacht. Zum Zeichen des Friedens wurde der minderjährige calvinistische Protestant König Heinrich von Navarra mit der katholischen Herzogin Margarete von Valois verheiratet. Es ist unklar wer am 23. August 1572 den Befehl zum Massaker gab, aber in jener Nacht wurden in Paris 3.000 Menschen ermordet. Die Verantwortung dafür übernahm der geschäftsführende König Karl IX. Mit der Amtsfähigkeit von Heinrich von Navarra, der sich inzwischen Heinrich IV. nannte, kam 1598 der Frieden zwischen Katholiken und Protestanten (Hugenotten) zustande. Aber immer wieder flammten Unruhen auf, sodass mehr als 200.000 Hugenotten Frankreich verließen.
Zwischen 1618 und 1648 wurde Deutschland zum Schlachtfeld des Glaubens im 30-jährigen Krieg, mit furchtbaren Folgen, der die Bevölkerung des Landes mehr als halbierte. Zuvor gab es bereits eine Reihe von militärischen Konflikten (Spanien-Frankreich; Schweden-Polen), die aber vorrangig wirtschaftlich motiviert waren. Mit dem 2. Fenstersturz zu Prag 1618, brach der Glaubenskrieg aus, den man auch als Weltkrieg bezeichnen konnte. Die meisten Staaten von Europa befanden sich im Krieg miteinander und zentraler Kampfplatz war Deutschland. In Mecklenburg, der Pfalz, Hessen und Thüringen wurde die Bevölkerung besonders stark dezimiert (66%). Neben den vielen Toten auf den Schlachtfeldern, litt vor allem die Bevölkerung an Übergriffen von Söldnern, dem Hunger und Seuchen.
Man schätzt, dass etwa 8 Millionen Menschen in Deutschland und 2 Millionen um Deutschland herum direkt oder indirekt Opfer des Krieges wurden (Gesamtbevölkerung von Europa damals etwa 150 Millionen, heute sind es 750 Millionen).
Der Krieg unter den Vorwand des Glaubens, bewirkte eine zunehmende Ablehnung innerhalb der Bevölkerung zu beiden Glaubensrichtungen und stellten die Frage nach Gott („Wie kann Gott einen solchen Krieg zulassen?“). Der gewaltige Imageschaden war es wohl, der die Kriegsparteien an den Verhandlungstisch zwang. Zudem lag die Wirtschaft am Boden, die Not wurde immer größer und territoriale Gewinne gab es auch kaum. Im Westfälischen Frieden von 1648 einigte man sich und beendete zumindest das Morden in Deutschland.  
Um 1660 hatte sich Europa aufgeteilt und die katholische Kirche hatte an Macht verloren. In Europa gab es ein Nord-Süd Gefälle. Spanien, Portugal, Italien, Frankreich und Polen waren die katholischen Großmächten und England, Schweden, Dänemark und Preußen, die Großmächte der Protestanten. Deutschland war aufgrund der Kleinstaaterei sehr verschieden aufgeteilt, wobei der Norden überwiegend protestantisch war. Neben den Wirren des Krieges konnte sich die Wissenschaft in den Universitätsstädten gut entfalten. Immer mehr Fürsten förderten die Forschung und Wissenschaft für den wirtschaftlichen Aufschwung. Sie ließen weltliche Universitäten zu, die anfangs mehrheitlich aristokratische Studenten unterrichteten und Forscher hervorbrachten.