3.1 Überblick

3.1. Einleitendes zu den Schriften

A.Überblick über die Bücher
B. Leitlinie - Kleines geschichtliches Credo
C. Wissenwertes zur Schrift
D. Semitische Nomaden

 

A. Überblick über die Bücher 

Deutsch Griech. /Latein Hebäisch Abkürz. Bedeutung
1. Buch Moses Genesis Bereschit Gen Schöpfung, Ursprung
urgeschichtliche Überlieferungen, wie Sündenfall, Sintflut, Turmbau, Vätergeschichte
2. Buch Moses Exodos  /Exodus Schemot Ex Auszug aus Ägypten
Befreiung aus Ägypten, Wüstenwanderung, Bundesschluss am Sinai
3. Buch Moses Levitikon / Leviticus Wajikra Lev Gesetzgebung
Gesetze, Vorschriften und Anweisungen (u.a. Heiligkeitsgesetz )
4. Buch Moses Arithmoi / Numeri Bemidbar Num wachsende Anzahl
Beschreibung des Wüstenweges und Eroberung des Ostjordanlandes
5. Buch Moses Deuteronomium Dewarim Dtn Richtungsweisendes (2.) Gesetze
Moses mahnender Rückblick; Zusammenfassende Gebote und Verbote ( u.a. Die 10 Gebote )

 

B. Leitlinie - Kleines geschichtliches Credo  ( Dt. 26.5b – 9 )

Wort Credo, kommt aus dem lateinischen und bedeutet so viel wie „ich Glaube“ und durchzieht als Leitlinie den gesamten Pentateuch.
Die folgende Textstelle stellt in Kurzform das Bekenntnis des Volkes Israels dar und bildet inhaltlich den roten Faden der fünf Bücher.
Sie entsprechen der Sinnformel, dass aus den Urerfahrungen der Väterzeit und der Befreiung aus Ägypten, die Wüstenwanderung folgte und Gott die Landgabe (- nahme) ermöglichte.

„Mein Vater war ein Äramäer, dem Umkommen nahe, und zog hinab nach Ägypten und war dort ein Fremdling mit wenigen Leuten und wurde dort ein großes, starkes und zahlreiches Volk. Aber die Ägypter behandelten uns schlecht und bedrückten uns und legten uns einen harten Dienst auf. Da schrieen wir zu dem Herrn, dem Gott unserer Väter. Und der Herr erhörte unser Schreien und sah unser Elend, unsere Angst und Not und führte uns aus Ägypten mit mächtiger Hand und ausgestrecktem Arm und mit großem Schrecken, durch Zeichen und Wunder und gab uns dies Land, darin Milch und Honig fließt .”  (Dtn 26, 5 – 9; n. Martin Luther)

In Erweiterungsphasen wurde nun das Credo (der Rahmen) mit Gotteserfahrungen gefüllt und in fünf Büchern niedergeschrieben. In der Wachstumsphase wurde das Credo mit spezifischen Erfahrungen gefüllt. Mit „Mein Vater“ meint das Credo die Stammbaumverbundenheit zu den Vätern der Nomadenvölker und im Fokus der Geschichte steht dabei Abraham, der aus dem Land der Aramäer auszog und in seiner Linie (Nachkommen) im Jordanland viele Völker entstanden. Ein weiterer Zyklus von Geschichten in der Wachstumsphase handelt von Moses und wie Gott durch ihn wirkt und das leidende Volk aus Ägypten ins gelobte Land führte.

In der Ausbauphase wird das Credo konkretisiert und so wird bei Josua 24.2-13, unter anderem, genauer auf die Väter eingegangen. Sie sind die Nachkommen von den Vätern Abraham und Nahor, deren Vater Terach war. Und sie kamen vom Euphratstrom her und mehrten sich im Land Kanaan. Es wird auf Abrahams Nachwuchs eingegangen und von Isaak, Jakob und Joseph berichtet. Für das Pentateuch heißt das, die Geschichten der Väter von Isaak, Jakob, Esau und Joseph werden im Kontext hinzugefügt. Zudem werden die unmittelbaren Geschichten um Moses und Ägypten, sowie den Ereignisse in der Wüste Sinai geschildert. Die Kerninhalte wurden also ausgebaut.

In der Vorbauphase wurden nun Texte integriert die im Zusammenhang mit dem Credo stehen, wie beispielsweise der Psalm 136. In einem lobpreisen Gottes werden seine Taten gehuldigt und seine Weisheit verehrt, durch die das Volk Israel ein großes Volk wurde. Für das Pentateuch heißt das, Gottes Einzigartigkeit darzustellen und für diesen Rahmen eignete sich die Urgeschichte, von der Schöpfung über die Sintflut bis zu den Vätern. Es werden Überlieferungen hinzugefügt, die Gottes Einzigartigkeit belegen, aber auch immer wird wieder darstellen, wie sich die Menschen durch die eigene Schuld vom Paradies entfernen.

Die letzte Phase beinhaltet die Einbauphase und meint Texte, die von den Redakteuren des Pentateuch für wichtig erachtet wurden. Dies sind vor allem Gesetzestexte, Richtlinien des Zusammenlebens und Regeln der Gottesfürchtigkeit. Schon in der redaktionellen Überarbeitung klingt an, dass der Mensch sich schwer damit tut, den Bund mit Gott zu halten und sich leicht verführen lässt, und den Bund mit Gott bricht.

Aus dem kleinen Glaubensbekenntnis (Credo) ist das Pentateuch gewachsen und bildet als Tora den Grundstein für den jüdischen Glauben. Gott ist der einzige und alleinige Gott, der sich sein Volk Israel aussuchte, es von seiner Pein befreite und sie ins gelobte Land führte. Das Credo wirkte wie ein Samenkorn, das einmal eine schöne Blume werden sollte.

In der Wachstumsphase brauchte es geeigneten Boden, Sonne und Wasser. In der Ausbauphase konnte man den Effekt durch regelmäßiges gießen verstärken oder indem man die Pflanze vor zu viel Sonne schützte. In der Vorbauphase düngt man vorbeugend die Pflanze oder bekämpft Schädlinge, schafft ein optimales Umfeld. In der Einbauphase schützt man die werdende Blume mit einem Zaun vor Tieren oder stellt klare Regeln für die Familie auf, wer sich der Pflanze nähern darf. Und alles zum Zweck, dass die Blume in den schönsten Farben erblühen soll. In ähnlicher Weise versteht sich das Credo und beinhaltet den Basisvertrag, das Bündnis zwischen Gott und seinem Volk Israel. Sein Volk soll Gott für seine Taten ehren und in Dankbarkeit nach seinen Regeln leben. Im Gegenzug verspricht Gott seinem Volk Wohlstand und Macht, aber sollte es abtrünnig werden, so wird Gott sein Volk strafen.
 

C. Wissenwertes zur Schrift

https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/image/map_WILAT_Sumer_01.jpghttp://www.hist-chron.com/welt/papiergeschichte-d/006-papyrusrolle.jpgQuellennachweis:
Vorderasien,  www. bibelwissenschaft.de
Papyrusrolle,  www. hist-chron.com

 

 

 

Abgesehen von den prähistorischen Höhlenzeichnungen, die als Vorgänger der Schrift gelten, wurden die ersten wirklichen Schriftzeichen in China gefunden. Die Jiahu-Schrift aus der Mitte-Ost Provinz Hehan stammt aus dem Jahr 6.600 v.Chr. Im Nahen Osten fanden sich Zeugnisse von Schriften bei den Hochkulturen aus dem 4. Jahrhundert vor Christus.
In Mesopotamiens (Sumerer, Akkader) setzte sich dann um 2.700 v.Chr. die Keilschrift durch und sie meißelten ihre Botschaften auf Tontafeln oder Steinplatten. Diese Technik dominierte zunächst im gesamten Bereich Vorderasien. Die ägyptische Kultur war bereits schon weiter und schrieben auf Leder und Leinen. Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelten sie aus einer Zypern-Gras-Art das Papyrus. Lange Zeit blieb Papyrus das beliebte Medium zum Beschreiben. Dazu sollte man Wissen, dass das Papier um etwa 200 v.Chr. in China erfunden wurde.
Im Mittelmeerbereich waren
es zunächst die Araber, die um 750 Papier verwendeten. Und erst über das muslimisch besetzte Spanien setzte sich das Papier im 12. Jahrhundert in Europa durch.
Das bedeutet, dass es im Altertum keine Bücher gab, sondern Schriftrollen. Bedingt durch den pflanzlichen Ursprung von Papyrus, war das Lagern in Rollen die effektivste Methode. Ein Schneiden von Seiten und das Binden zu einem Buch war viel zu umständlich und außerdem war der Textumfang der Werke gering.
In der Regel war eine Buchrolle etwa
20 - 30 cm breit und hatten eine Länge von 6 bis 10 Meter. Natürlich wurde auf dem Papyrus die Schrift nicht gemeißelt, sondern gemalt (Pinsel) und schließlich wurde ein Schreibrohr erfunden. Aus einer Ruß- bzw. Gummilösung wurden die Schreibfarben Schwarz und Rot hergestellt.
Grundsätzlich war Geschriebenes von einem hohen kulturellen Wert und wurde von Schriftgelehrten der Priesterschaft gepflegt. Da die Gottesdiener das Wissensmonopol besaßen, war es für sie besonders notwendig ihre Erkenntnisse aufzuschreiben. In der Regel war lediglich den Herrschenden der Zugang zu den Schriften gestattet. Somit galten in den Hochkulturen des Altertums die Papyrusrollen als ein Schatz und das Lesen und Schreiben, als eine besondere Gabe (Status). Da man der allgemeinen Volk die kulturelle Reife absprach, wurde der Bevölkerung weder Lesen noch Schreiben gelehrt.

D. Die Semitischen Nomaden

https://www.bibelwissenschaft.de/fileadmin/buh_bibelmodul/media/wibi/image/pic_WILAT_Schrift_Abb_9_Schrift.jpgDas Lesen und Schreiben hatte für die umherziehenden Nomaden eine untergeordnete Bedeutung. Ihr Leben drehte sich um die Viehzucht und für sie war das Rechnen wichtiger.
Sie mussten wissen, wie viel Vieh man selbst oder andere Mitglieder des Stammes hatten. Auch im Handel mit anderen Stämmen sollte man den Wert und seinen Vieh
bestand ausrechnen können. Schließlich war das Aufschreiben und Rechnen in Zahlen hilfreich, um auch Konflikte zu entschärfen („Du hast nur 17 Schafe und nicht 19!“).
Etwa um 1500 v.Chr. änderten sich die Lebensumstände radikal (siehe dazu die Geschichte Israels).
Um zu überleben mussten sich die einzelnen Stämme gegen ihre Gegner verbünden. Dazu mussten sie Gemeinsamkeiten für ihren Bund herausstellen und nur über den Glauben war es ihnen möglich, die internen Streitigkeiten der Stämme untereinander beizulegen. Doch die mündlichen Überlieferungen von Gotteserfahrungen änderten sich inhaltlich von Mund zu Mund. Es wurde also notwendig die aussagekräftigste Version zu fixieren (aufzuschreiben). Etwa um 1200 v.Chr. erfanden die Nomaden vermutlich ihre Schrift und schrieben ihre Botschaften auf Tontafeln und Steinplatten nieder. Angelehnt an die Keilschrift ihres Umfelds entwickelten sie eine Art Zahlensymbolik aus denen Worte resultierten. Mit den Einfluss der Philister erweiterten sie ihre Schrift.
Das Seevolk landete um 1200 v.Chr. an der Mittelmeerküste und breitete militärisch seinen Einfluss auf Kanaan und die Nomadenstämme aus. Mit Tributzahlungen und Sklavendienste sahen sich die Nomaden noch stärker bedroht. Kulturell erinnerten sich die Nomaden ihrer aramäischen Herkunft. Ursprünglich kamen sie aus Nordmesopotamien (Syrien) und hofften dauerhaft eine Heimat zu finden. Neben den Kanaanäern und den Philistern kamen auch noch die Ägypter und versklavten viele Nomaden. Die Sklavenarbeiter in Ägypten waren es vermutlich, die besonders eine eigene aramäische Schrift entwickelten. Sie schrieben ihre Erfahrungen und Erlebnisse auf Papyrus auf und entwickelten ihre Glaubensbasis.
Auf der Grundlage des Glaubens vereinigten sich die Sklaven, trotz unterschiedlicher Herkunft zu einem Stamm. Als es dem Stamm „Der Gott Lobenden“ (Juda) gelang aus Ägypten zu ziehen, verbündeten sie sich im Jordanland mit den umherziehenden Nomadenstämmen zum Volk Israel („Gottesstreiter“).
In jener Zeit gab es vermutlich sowohl beschriebene Steintafel der Nomaden, als auch Papyrusrollen von den Juden aus Ägypten. Mit den geistigen Führern (Richter), gründeten die Israelis erste Städte und deponierten dort ihre Schriften. Nach historischer Ansicht wurden die wertvollsten Schriftstücke in einer Truhe aufbewahrt, die später als Bundeslade, heiligstes Relikt wurde und spurlos verschwand. Die Bundeslade (Truhe des Bundes) soll unter anderem Moses Steintafeln mit den zehn Geboten Gottes beinhalten. Der Stamm Juda brachte die (vermutlich) verzierte Akazienholztruhe aus Ägypten mit und gilt seit der Zerstörung des Tempel durch die Babylonier (586 v.Chr.) als verschollen.
Die eigentümliche Schrift aber blieb und war eine Zeichenschrift, die sowohl für Zahlen, als auch für Buchstabensymbole verwendet wurde. In der Rubrik Zahlen – Zeichen – Symbole erfahren sie detailliertes zu der Mehrfachverwendung der Zeichen und der Gestaltung zu Worten. Übrigens, war die Zeichenschrift typisch für die Antike, zumal erst mit den Römern ein Ziffernsystem erfunden wurde und viel später die Zahlenschrift erfunden wurde. Im Altertum drückten die Symbole gleichzeitig Zahlen, Buchstaben, aber auch Worte aus.

Tabellen-Quelle -Schriften: www. bibelwissenschaft.de