2.1. Landnahme

2. 1. Die Landnahme 
1. Geologische Grundbedingungen
2. Politisches Umfeld
3. Betrachtung zu den Hochkulturen

4. Landnahme

Grafik-Quellennachweis:
Karte der 12 Stämme: 
www.de.wikipedia.org

1. Geologische Grundbedingungen

Heute ist das Gebiet um den Fluss Jordan ein karges Gebiet, dass ostwärts von der syrisch, arabische Wüste begrenzt wird. In der Nähe des Flusses gibt es fruchtbare Ländereien für Ackerbau und Viehzucht. Im Süden schließt sich die ägyptische Wüste an und im Norden das ebenso vegetationsarme Land Syriens. Im tiefen Jordantal befinden sich die fruchtbarsten Gebiete.
Der Jordan verbindet drei Seen.
Der Hule See und der See Genezareth, erlauben sogar noch den Fischfang. Der größte See ist das Tote Meer mit einem Salzgehalt um die 25 %. In diesem Wasser ist kein Leben möglich, aber bei Urlaubern sehr beliebt. Spezielle Hautkrankheiten können dort geheilt werden und durch den Salzgehalt wird jeder Nichtschwimmer auf dem Wasser getragen.

Das Ostjordanland wird von drei Flüssen durchzogen (Jamurk, Jabbok, Arnon), die weitere fruchtbare Gebiete mit Wasser versorgen. Im Westjordanland erstreckt sich die fruchtbare Jesreel Ebene. Das Klima, kann als subtropisch bezeichnet werden und kennt nur zwei Jahreszeiten. Neben einem regenreichen Winter mit Temperaturen um die 8 °C, gibt es die heißen Sommer mit Temperaturen um die 30 °C. In einem sensiblen Gleichgewicht wirkt sich zu wenig Regen katastrophal aus und erzeugt Hungersnöte.

Getreide, Wein, Oliven, Feigen und Granatäpfel sind die typischen Lebensmittel des Landes. Das vegetationsarme Land lässt nur die Kleintierhaltung zu. Als Nutztiere dienen Schafe, Ziegen und Esel. In der Wildnis gibt es Gämsen, Antilopen, Giftschlangen, Ratten und Vögel. Das größte Nutztier sind Kamele, die von den Ägypter nach Vorderasien kamen und ein begehrtes Lastentier wurde.
Wie aber sah das Land zu jener Zeit des alten Israels aus?
Das Jordangebiet gehörte zu jenem Gebiet, dass Historiker den Fruchtbaren Halbmond nannten. Nach neueren Erkenntnissen war dort eine üppige Steppenlandschaft, mit Pinienwäldern und weitflächigen Grasebenen. Die Landschaften eigneten sich hervorragend für den Getreideanbau und viele Obstbäume sorgten für optimale Lebensbedingungen. Die Kleintierhaltung (Hühner, Gänse) bereicherte die Speisekarte, wogegen Schafe (Wolle) und Ziegen (Milch) auch noch anderen Zwecken dienten. Die Wüstenlandschaften waren noch weit entfernt vom Kulturland und doch waren es die Menschen, die eine ökologische Katastrophe vorantrieben. Das Abholzen der Bäume und das Roden großer Flächen für den Getreideanbau trockneten das Land aus, wodurch die Wüsten mehr und mehr Nutzland schluckten. Besonders sei hier das Beispiel Ägypten genannt. Wissenschaftler vermuten, dass zur Zeit ihrer Hochkultur große Teile der Wüste Sahara noch ein fruchtbares Land gewesen war. Neben ausgedehnten Wäldern gab es vermutlich weitläufige Savannen mit großen Seen. Im Zusammenhang mit dem Pyramidenbau haben die Ägypter maßgeblich ihr Umfeld zerstört, wodurch sich die Wüste ausbreiten konnte.
Das Jordangebiet blieb lange Zeit ein Stück unberührte Natur. Mit der Bevölkerungsexplosion in Mesopotamien verbreiteten sich die Menschen ins Jordanland. Mesopotamien bezeichnet das Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, dem heutigen Irak und Nordsyrien. In diesem Land mit optimalen Lebensbedingungen bildeten sich verschiedene Hochkulturen, die sich gegenseitig bekämpften und die Population so zunächst begrenzten. Trotzdem wurde der Bevölkerungszuwachs zu einer existenziellen Gefahr, so dass einige Stämme auswanderten und andere vertrieben wurden.

2.  Politisches Umfeld

Im Süden: Ägypten:

Kemet (=Schwarzes Land) nannte sich ursprünglich das Land, dessen Namensgebung sich auf den schwarze Boden am Nil bezog. Später wurden sie Misir oder Musur genannt. Die späteren Kopten beanspruchten für sich die wahren Nachfahren der Pharaonen zu sein, worauf sich der Begriff Aigyptos ableitete und das Land von den Europäern Ägypten genannt wurde.
Um 6.000 v.Chr. setzte die Besiedlung des Nildeltas ein. Durch die günstigen Lebensbedingungen wuchs schnell die Bevölkerung, aber auch die Streitigkeiten nahmen zu. Um 3.000 v.Chr. setzte sich Menes als Herrscher durch und war der Garant für Wohlstand und kulturellen Aufschwung. Ihm zu Ehren wurde ein Totenkult entwickelt und die Basis des ägyptischen Glaubens geschaffen. Menes wurde als Auserwählter der Götter gesehen und die Priester sollten künftig nur Auserwählte zum König salben. Der Titel Pharao verstand sich deshalb als gottesgleicher König, von den Göttern befähigter, ausgesuchter Vertreter.
Die Kultur der Ägypter verbreitete sich entlang des Nils, war aber keine Eroberungsmacht. Ägypten pflegte seine Kultur und den Handel mit anderen Ländern. Ihr Land war kaum bedroht und die wenigen Feldzüge waren keine Kriege, sondern meisten Straf-Feldzüge gegen Aufständische oder räuberische Völker. Obwohl sie über wenig Kampferfahrung verfügten, galt Ägypten im Mittelmeerraum als überlegene, militärische Großmacht, sowohl zu Wasser, als auch zu Land. Das Kernreich behielt im Großen und Ganzen seine Flächengröße bei.

Im Rahmen der Epochen unterscheiden sich die Phasen der Hochkulturen in:
1. Altes Reich (2850 – 2052 v.Chr. ): mit dem Beginn der Hochkulturzeit ⇒ 2650 – 2190 = Pyramidenzeit, Hieroglyphenschrift, Jahreskalender

2. Mittleres Reich (2052 – 1570 v.Chr.): viele Konflikte & Bildung des Großreiches
3. Neues Reich  (1570 –715 Neues Reich): relevante Zeit für das Alte Testament
4. Spätzeit  ( 715 – 332): stetiger Zerfall der Kultur

Vom Westen (Küste): Philister:

Seevölker, die von den Phöniziern abstammen, errichteten Handelsniederlassungen an den Küsten des Mittelmeers, so auch an der Küste des Nahen Ostens. Die Handelsstützpunkte wurden zu Städten und die Seevölker siedelten sich dort an. An der Küste des Jordanlandes landeten um 1200 v.Chr. ein Seevolk, die als Philister bezeichnet wurden. Sie errichteten einen 5-Städte-Bund und waren eigentlich Händler. Die Ägypter bezichtigten die Philister häufig der Piraterie und griffen sie mit ihren Kriegsschiffen an. Durch die ständigen Konflikte mit Ägypten waren die Philister enorm kampferfahren. Im eskalierenden Konflikt mit den Kanaanäern waren die Philister militärisch überlegen und machten die kanaanäischen Städte zu Vasallen. Vermutlich wurden die Philister von den Nomaden unterstützt, für die die Kanaanäer Todfeinde waren. Aber die Philister sahen auch die Nomaden als Untertanen an, versklavten sie und forderten Tribut.

Im Norden: Mesopotamien:

Alexander der Große gab diesem Gebiet den Namen und kann mit Zweistromland (= Land zwischen zwei Flüssen) übersetzt werden. Das Kerngebiet der fruchtbaren Ebene liegt zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris. Hier entwickelten sich um 11.000 v.Chr. die ersten Kulturgemeinschaften der Erde und sollte Ausgangspunkt für eine Reihe von Hochkulturen der Menschheitsgeschichte werden.
Mit den Sumerern bildete sich um 3200 - 2800 v.Chr. im Süden Mesopotamiens die erste Hochkultur. Ihre Blütezeit erlebte das Reich um 2800 - 2500 v.Chr. Ihre Hauptstadt hieß Uruk und ein legendärer Herrscher war Gilgamesch. Zugleich wurde nach seinen Namen das Gilgamesch-Epos geschaffen. Es ist eines der ersten schriftlichen Darlegungen über die Zeit und den Glauben. Wesentlich ist, dass bereits in diesem Werk von der Erschaffung der Welt und der Sintflut berichtet wurde.
Politisch begann die Zeit der Kriege, bei denen die Städte um die Vorherrschaft stritten. Bis 2350 v.Chr. dominierte noch die sumerische Kultur. Mit König Sargon aus Akkad ergriff ein Zentralist die Macht. Waren die Sumerer mehr ein Städtebund deren gewählter König von der Hauptstadt Uruk aus regierte, so begründete Sargon eine Herrscherdynastie und die eroberten Städte waren Untertanen. Die Akkadäer herrschten von 2350 bis 1950 v.Chr. und ihr Reich erstreckte sich bis zum Mittelmeer und dem äußersten Norden des Jordanlandes.
Zahlreiche Aufstände und einfallende Völker schwächten das Reich und es bildeten sich neue Zentren der Macht. Hervorzuheben ist König Hammurabi von Babylon, der eine Städtegemeinschaft gründete und dafür einen ersten Gesetzeskatalog erstellte. Von 2000 v. Chr. bis 1595 v. Chr. hatte die Städtegemeinschaft bestand.
Im Norden von Mesopotamien rückte Assur in den Blickpunkt des Geschehens und König Samsi Adad baute ein Reich auf, das immer mal wieder zerfiel und dann neu erwachte. Das instabile Alt-Assyrische Reich bestand von 1800 - 1375 v.Chr.
Im Süden wurde aus der Städtegemeinschaft Babylon eine Diktatur. Von 1728 - 1531 v.Chr. herrschten absolute Könige über den Städtebund und zwangen umliegende freie Städte in die Abhängigkeit. Im Norden entstand inzwischen das Mittel-Assyrische Reich (1375 - 1047 v.Chr.) und wurde zur Glanzepoche der Assyrer. Es entstand ein Großreich bis zum Mittelmeer und unterwarfen die Städte des Zweistromlandes, darunter auch Babylon.
Zuvor stieg Babylon um 1137, unter König Nebukadnezar den 1., zum kulturellen Zentrum auf. Schließlich zerfiel erneut das Assyrische Reich und Babylon wurde wieder unabhängig. Durch ständig wechselnde Allianzen konnte sich zunächst kein Großreich durchsetzen. Das Jordanland blieb bislang von den mesopotamischen Großmächten verschont.
Später eroberte ein erneutes assyrische Großreich Israel, dass aber die Provinz Judäa verschonte. Dafür kamen dann die Babylonier und eroberten auch das Land. Fortan blieb das Jordanland stets von ausländischen Mächten bis 1948 besetzt und bis zu den Griechen (333), waren es Mächte, die aus Mesopotamien das Land eroberten.

Innenpolitisch: Kanaanäer:

Kanaan ist die Bezeichnung für das Jordanland. Bei den ersten Siedlern des Landes handelt es sich vermutlich um Vertriebene, die mehrheitlich Aramäer waren und von den Akkader um 2.000 v.Chr. aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Aramäer sind eine Volksgruppe deren ursprünglicher Lebensraum in Südmesopotamien (heute Kuweit) lag. Der größte Teil der Volksgruppe zog nach Norden, ins heutige Syrien, aber ein Teil von ihnen zog ins Jordanland. Da sich das Jordanland hervorragend für den Getreideanbau eignete, wurden sie dort schnell sesshaft und bauten sich Städte, und wurden nun Kanaanäer (die Verstoßenen) genannt. Um 1500 v.Chr. folgte eine weitere aramäische Welle, die von Syrien vor den Assyrern floh. Da in den fruchtbaren Ebenen die Kanaanäer lebten, blieb den Neusiedlern nur die Viehzucht in den kargeren Gebieten ringsumher. So zogen sie als Nomaden umher, doch schon bald, gab es die ersten Konflikte mit den Stadtmenschen, die sich immer mehr ausbreiteten und für sich das Weideland der Nomaden beanspruchten (Getreideanbau). Die Kanaanäer waren den Nomaden kämpferisch überlegen und verdrägten sie. Hinzukam das sich die Nomandenstämme untereinander bekämpften und keine Einheit gegen die Kanaanäer zustande brachten.
Um 1200 v.Chr. landeten schließlich die Philister an der Küste. Es kam zum Streit mit den Kanaanäer, der in kriegerische Auseinandersetzungen mündete. Viele Nomaden unterstützten die Philister gegen die Kanaanäer, aber das Seevolk waren keine Verbündeten der Nomaden, denn dieses Händlervolk forderte auch von ihnen Tribut und versklavte einige Nomaden. Damit nicht genug, kamen auch noch die Ägypter, die zahlreiche Sklaven für ihre Bauwerke brauchten. Existenziell bedroht, von Kanaanäer, Philister und Ägypter mussten die Nomadenstämme eine Einheit anstreben, um in Freiheit zu überleben.

3. Betrachtung zu den Hochkulturen

Entstehung von Zivilisationen:

Kulturgemeinschaften gab es auf allen Kontinenten der Erde, überall dort wo die Menschen optimale Lebensbedingungen vorfanden. Sie lebten überwiegend an Gewässern, kamen aber in dichten Wäldern nicht über eine steinzeitliche Kultur hinaus.
Im Dschungel gab es zwar eine reiche Auswahl von essbaren Pflanzen, Früchten und Tieren, aber die Menschen hatten es auch mit besonders gefährlichen Raubtieren zu tun. In den dichten Wäldern Europas war das Angebot wesentlich bescheidener und hier war es die Witterung (Winter), die das Nahrungsproblem deutlich verschärften. Das Grundproblem der Waldmenschen war, dass sie dort kaum Ackerbau und Viehzucht betreiben konnten. Einerseits hatten sie nicht das Werkzeug entsprechende Flächen zu roden und auch das Halten von Viehherden war kaum möglich. Im dichten Wald oder Dschungel konnten die Tiere schnell verschwinden oder dienten den Raubtieren als Mahlzeit.
Nur eine Kleintierhaltung (Hühner, Gänse, ein paar Ziegen oder Schafe) in der geschützten Siedlung war ihnen möglich. Ebenso konnten nur kleine Ackerflächen (Beete) in Ortsnähe bewirtschaftet werden, die aber nicht für die existenzielle Absicherung ausreichten. Jene Menschen, in den Wäldern, befanden sich somit im stetigen Überlebenskampf mit der Priorität Nahrungsbeschaffung. Mit anderen Worten, verfügten diese Menschen über wenig Freizeit und Freiraum, um sich kulturell zu entwickeln.
Anders sah die Situation in fruchtbaren Grasebenen aus. Obwohl es hier kaum Tiere gab, entdeckten die Menschen den Getreideanbau für sich und es war möglich große Herden von Nutzvieh zu halten. Außerdem gab es kaum gefährlich Raubtiere und so eignete sich das Steppengebiet für optimale Lebensbedingungen. In diesen Gebieten war es möglich einen Nahrungsüberschuss zu erzeugen, wodurch der Mensch nun mehr Freiräume für andere Dinge hatte und sich sein Leben angenehm gestalten konnte. Da die Ernährung für sie in der Regel abgesichert war, konnten sich die Menschen kulturellen Zielen widmen. Die Bevölkerungszahl stieg, man handelte Waren mit anderen Orten oder verbündete sich mit ihnen gegen Feinde. Aber man bekämpfte sich auch gegeneinander aus unterschiedlichen Motiven, selten waren es Gründe einer Nahrungsnot. 

Entstehung der Hochkulturen:

Abgesichert durch Ackerbau und Viehzucht bauten sich Menschen Dörfer und Städte und verbesserten ihr Leben. Töpfer stellten praktische Behältnisse her, Steinmetze machten aus den Lehmhütten Steinhäuser, Maurer bauten eine schützenden Mauer um die Stadt oder Kürschner stellten aus Tierfellen Kleidung her. In der Unterschiedlichkeit der kulturellen Entwicklung und den handwerklichen Fähigkeiten lag ein Austausch von Produkten im Sinne der Siedlungen. Der rege Handel zwischen den Ortschaften förderte zugleich den Wohlstand. Einige Siedlungen bildeten Bündnissen und wieder andere gründeten Nebensiedlungen und erklärten den Ursprungsort zur Hauptort und bauten diesen zur Hauptstadt aus. 
Doch auch gesellschaftlich veränderten sich die Strukturen, wonach sich die Stammesführer Sonderrechte herausnahmen. Mit deren Begünstigten entstand eine herrschende Schicht, die für sich einen zustehenden Wohlstand verlangten. Schon schnell vergifteten Gier und sinnlose Streitigkeiten das Klima zwischen den freien Städten und führten zu Kriegen. Jeder Stadthalter sah sich als König und wollte über alle bekannten Städte herrschen.
Neben diesem Egoismus gab es auch Bestrebungen, die nach einen absoluten König verlangten, damit diese ständigen Kriege untereinander aufhörten. Somit entstanden die ersten Großreiche der Menschheit, die den Menschen letztendlich Frieden bringen sollten, damit der Handel und die Kultur (Musik, Dichtung, Glaube) erblühen konnten.  
Die großen Reiche entstanden in den großen Grasebenen, an Seen und Flüssen. Solche Großreiche waren in China die Xia-Dynastie (2200 - 1800 v.Chr.), in Indien die Indus-Kultur (2800 -1800 v.Chr.) und in Mittelamerika die Mayas (um 900 v.Chr.). Die ältesten Großreiche entstanden jedoch im Nahen Osten: Ägypten (ab 3000 v.Chr.), die Sumerer (3500 - 2350) und das persische Elam (2900 - 2750 v.Chr.).

Wesentliches zu den Hochkulturen:

Großreiche hatten den Vorteil einer Befriedung der entsprechenden Gebiete, wodurch eine kulturelle Blüte möglich war. Es wurden epochale Bauwerke errichtet, meistens um eine Gottheit zu ehren und Städte wurden befestigt und mit Steinhäusern ausgebaut. Die handwerkliche Kunst konnte sich entfalten, es entstand modische Kleidung, vielseitige Keramik, verschiedene Backwaren, geschmiedete Kunstwerke, diverse Werkzeuge, aber auch viele Waffen. Lieder, Gedichte, Geschichten und Sagen entführten die Menschen aus den grauen Alltag in eine andere Welt. Denker philosophierten über das Leben und Priester formulierten den Götterglauben. Mit Gold, Silber und Diamanten stellten die Herrscher ihren Prunk, als Machtbeleg, zur Schau und in diesem Zusammenhang wurde Geld zum Zahlungsmittel.
Die Gier nach Reichtum und Macht verschärften die sozialen Unterschiede und es bildeten sich Gesellschaftsschichten heraus. Die Herrschenden lebten dabei in Saus und Braus und trieben für ihren Wohlstand Abgaben ein. Für die 2. Schicht, den Händlern und Handwerkern, war in der Regel noch ein bescheidener Wohlstand möglich. Zu ihnen zählte noch das Militär, dass durch die Herrschenden begünstigt wurde.
Das allgemeine Volk lebte als 3. Schicht häufig in Armut und solange ein akzeptables Leben für sie möglich war, sahen sie für sich keinen Grund zur Klage und fügten sich als Untertanen ihrem Herrscher (König). Zu der 4. Schicht zählten die Sklaven und Aussätzigen, sie waren rechtlos der Willkür ihrer Herren ausgesetzt. Einen Sonderstatus besaßen die Priester, die auch einen hohen Einfluß auf die Gesellschaft besaßen. Dazu sollte man wissen, dass der Mensch Unerklärliches mit Gottheiten in Verbindung brachte. In der Zeit der Hochkulturen erreichte die Gottesverehrung eine neue Qualität. Die Priester hatten ihre Macht erkannt und schoben bei Bedarf den angeblichen Willen der Götter vor. Sogar Könige mussten sich dem Willen der Priester beugen. Der Status einer Gesellschaft wurde als Wohlwollen der Götter gesehen, denen man mit Opfergaben zu Ehren hatten. Äußerst praktisch für die Priester waren mehrere Götter (Pantheon, Götterfamilien), sodass sie bei einer Fehlinterpretation Streitigkeiten der Götter dafür verantwortlich machen konnten. Das Wort von Priestern hatte daher immer ein hohes Gewicht, weil das Volk zu sehr die Strafe der Götter fürchtete, wenn man ihren Erdenvertreter nicht folgte. Diese geistliche Macht regelt meistens auch das gesellschaftliche Zusammenleben. Das heißt, die Priester hatten häufig einen großen Anteil an den Gesetzen und der Ordnung in einem Reich und hatten auch die Macht, die Rechte der Herrschenden einzuschränken. So musste ein Regent durch ein Priesterzeremoniell (gesalbt) bestätigt werden, um ein regulärer Herrscher zu sein.
Erst mit der priesterlichen Weihe beginnt die Herrschaft eines Regenten über sein Flächenreich (Großreiches). Er regiert von einer Hauptstadt, die zugleich geistiges (Priester) und wirtschaftliches Zentrum sein sollte. Zu Ehren der Götter und zum Darstellen der Macht wurde die Hauptstadt prunkvoll ausgebaut und der allgemeine Wohlstand war dort am höchsten. Ein Großreich konnte erobert, ein Städtebund oder eine Kombination aus beidem sein. Grundsätzlich dominierten zwei Arten von Großreichen:
1. Städtebündnis: Aus den Gegebenheiten heraus verbündeten sich mehrere Städte, gründeten eine Hauptstadt und ein Rat der Stadthalter wählten einen Regenten. Es zeigte sich aber, dass sich durch wechselnde Allianzen, innerhalb des Bündnisses, eine Herrscherkaste herausbildete oder Herrscher diktatorisch die Nachfolge bestimmten und Begünstigte an der Macht beteiligten, sodass alle oder einige Städte ihren Status verloren und Vasallen wurden.
2. Vasallenreich: Über eine Herrscherkaste wird ein Regent zum absoluten Herrscher erklärt, der mitunter seinen Nachfolger festlegen kann. Die Stadt seiner Regentschaft wird zur Hauptstadt und andere Gebiete und Städte werden in die Abhängigkeit gezwungen. In der Regel müssen Städte nicht erobert werden, sondern es reicht die militärische Drohung aus. Zumal sich als Vasall für die Herrschenden der abhängigen Städte sich nur wenig ändert und eine Belagerung ansonsten katastrophale Folgen hätte. In der Regel müssen Eroberte lediglich den Tributforderungen nachkommen und müssen eine Gewisse Bevormundung (Überwachung) der Eroberer akzeptieren.

Die Bevölkerungsdichte in der Epoche der Hochkulturen war noch sehr gering, sodass sich die damaligen Mächte relativ wenige Soldaten leisten konnten. Assyrer und Babylonier hielten wahrscheinlich nur 50.000 Soldaten unter Waffen und boten in einem Feldzug etwa 20.000 Soldaten auf, den Rest brauchten sie zur Absicherung des Reiches. Die meisten Kämpfe von Kleinreichen/Stämmen wurden mit weniger als 1.000 Soldaten ausgetragen. Im bevölkerungsreichen China sah das schon anders aus. 50.000 Soldaten für eine Schlacht waren keine Seltenheit bei einer Heeresstärke von über 100.000 Soldaten. Zum Vergleich ⇒ Napoleon warf um 1800 im Schnitt 100.000 Soldaten in die Schlacht; im ersten Weltkrieg hatte Deutschland über 13.000.000 Soldaten im Kriegsdienst und im 2. Weltkrieg, der mehr ein Krieg der Waffentechnik war, füllte Deutschland bis 1945 seinen Bestand an Soldaten stetig auf 10.000.000 auf.

Das heißt, dass sich die Hochkulturen im Nahen Osten keine verlustreichen Schlachten leisten konnten. Aus diesem Grund reagierten Eroberer auch sehr empfindlich auf Gegner, die sich hinter ihre Stadtmauern verschanzten. Nur selten war diese Methode erfolgreich, sodass Angreifer abzogen, weil ihnen ein Angriff zu verlustreich war und eine Belagerung zu lange dauern würde. Jedoch in der Regel wurden solche Städte solange belagert, bis die Feiglinge durch Hunger und Krankheit soweit geschwächt waren, dass ein verlustarmer Angriff möglich war. Die darauf folgende Eroberung kannte mit den Eroberten meistens keine Gnade. Die aufsässige Stadt wurde geplündert und völlig zerstört. Im Blutrausch wurden viele Bewohner wütend abgeschlachtet, Frauen geschändet und die übrigen Überlebenden versklavt. Es war also besser die Tore dem Gegner zu öffnen oder eine Schlacht vor den Toren auszutragen. Der damit verbundene Ehrenkodex garantierte dann, der eroberten Stadt, eine respektvolle Behandlung. Die Stadt wurde in Ruhe gelassen und häufig verblieb die Stadtherrschaft im Amt, vorausgesetzt der Regent unterwarf sich demütig dem Eroberer.
Diese Verfahrensweise war für Eroberer auch nötig, weil sie personell nicht umfassend ein Großreich überall mit Besatzungstruppen kontrollieren konnten. Somit war es besser die ehemaligen Herrscher zu Vasallen zu machen, sie sorgten schon aus Eigennutz (Machtstatus) dafür, das die geforderten Tribute entrichtet wurden. Andererseits blieben sie auch eine enorme Gefahrenquelle. Das war immer dann der Fall, wenn Nachfolgequerelen der Eroberer das Reich destabilisierten. Im Kampf um die Thronfolge waren die Soldaten eingebunden und die Truppen im Reich waren verunsichert und häufig nicht handlungsfähig. Eine solche Schwächeperiode nutzten die Vasallen für Aufstände, die von Erfolg gekrönt waren. Ein Großreich, wie Assyrien, konnte so ganz schnell zerfallen. 
Ein wesentliches Merkmal der Hochkulturen war die Sklaverei. Grundsätzlich unterschied sich die Form der Sklaverei regional. In Ägypten wurden sie mehr als Arbeiter gesehen. Häufig waren es Nichtägypter, die sogar ihre Dienste anboten und im Gegenzug dafür ernährt (versorgt) werden wollten. Vermutlich haben sich auch mehrere notleidende Nomadenstämme aus dem Jordanland den Ägyptern angeboten. Da die Ausländer auf die Versorgung der Ägypter angewiesen waren, erduldeten sie auch deren Willkürmaßnahmen. So trieben die Ägypter die Arbeiter mit Peitschen zu höheren Leistungen an. Die Ausländer wurden zunehmend zu Zwangsarbeitern und verstärkt gingen ägyptische Häscher auf Menschenjagd in den benachbarten Regionen. Je nach dem herrschenden Pharao und seinen gigantischen Bauvorhaben schwankten die Lebensumstände der Arbeiter zwischen angenehm und unmenschlich. Gleiches traf auf ihre Rechte (Menschenwürde), die abhängig von einem humanistisch geprägten Pharao waren.
In Mesopotamien waren sie dagegen rechtlose Diener ihrer Herren und je nach Dynastie wurden sie rechtlich lediglich vor überzogenen Willkürmaßnahmen (Todesstrafe, Folter) geschützt. Sklavendienste sollten eigentlich zeitlich begrenzt sein und Sklaven durften danach wieder
in ihre Heimat. Eigentlich! Doch ihre Herren wiesen ihnen Verfehlungen nach, wodurch sich ihre Sklavenzeit verlängerte. Die Bandbreite von Sklavendiensten war sehr groß und wenn man Pech hatte, war man als rituelles Opfer (Tod) vorgesehen. Anders als in Ägypten, lag hier die Akzeptanz einer Familiengründung im Wohlwollen der Herren. Grundsätzlich gesehen, empfanden viele Sklaven ihr Leben als Glücksfall. Besonders Sklaven in haushälterischen Diensten und liberalen Herren genossen ein hohes Lebensniveau. Sklave sein, war somit auch immer eine Statusfrage.

4.  Landnahme Israels 

1. Phase: Aus dem aramäischen (Kuweit) Süden versuchten um 2000 v.Chr. einige Stämme ihr Glück im Jordanland, genannt Kanaanäer. Inzwischen wurden die meisten Aramäer nach Norden (Syrien) vertrieben und auch dort wurden einige Stämme durch die politischen Umstände verscheucht. Der Lebensraum Jordanland wurde beengter, wodurch sich die Stämme als Konkurrenten gegenseitig bekämpften. Die Kanaanäer waren inzwischen Stadtvölker geworden und machten aus den Weideflächen Getreidefelder. Für die nachrückenden Nomaden gab es kaum noch Weidefläche und mussten Abhängigkeiten (Tributzahlungen) eingehen oder wurden gar Sklaven. Einige Stämme gründeten miteinander Allianzen, um sich gegen die kanaanäischen Städten zu wehren. Doch zu schnell verloren sie sich in Streitigkeiten, meist über den Führungsanspruch, sodass sich die Nomadenstämme auch gegenseitig bekämpften. Andere Stämme gingen in ihrer Not nach Ägypten und wurden dort Arbeiter (Sklaven). Außerdem fielen auch ägyptische Schergen ins Jordanland ein und zwangen Nomaden in die Sklaverei.


Anmerkung: Stamm/ Bevölkerung:
Die kleinste Gemeinschaft ist die Familie (Vater, Mutter, Kinder, Geschwister, Großeltern) und umfasst etwa um die 10 bis 20 Personen. Zur Sippe gehört ein größeres Umfeld aus Verwandten, mit Onkel, Tanten, Neffen u.s.w. und beträgt etwa 50 bis 100 Personen. Ein Stamm sprengt den Rahmen der nahen Verwandtschaft und umfasst die Familien und die Zugehörigkeit zur Sippen, die durch Hochzeiten zur erweiterten Verwandtschaft gehören. Dementsprechend gehören auch indirekt Personen dazu, die in einer verwandtschaftlichen Linie zur erweiterten Verwandtschaft stehen. Die Mitglieder eines Stammes variieren stark und können zwischen 100 und 1000 Personen liegen. Die Bezeichnung Volksstamm erweitert den Begriff in einer neuen Qualität.
Das heißt, auch Fremde können in einen Stamm als vollwertige Mitglieder aufgenommen und anerkannt werden. Da die Anzahl einer Siedlung aufgrund des Nahrungsangebotes begrenzt ist, wird bei einer Übervölkerung eine Gruppe beauftragt woanders separat eine Siedlung zu gründen. Jene ausgelagerten Orte, gehören jedoch noch zum Volksstamm und bleiben durch den Handel miteinander verbunden. Sesshafte Völker expandieren
somit von einem Hauptort, wodurch der Ort zur Hauptstadt wird. Als Zentrum der Macht wird die Hauptstadt ausgebaut und Nebensiedlungen verstehen sich als abgabepflichtige Kolonien in einem Volksstamm. Ein solcher Volksstamm kann nun aus mehreren Tausend Menschen bestehen. Die Anzahl von Volksstämmen im Nahen Osten betrug durchschnittlich um die 50.000 Mitglieder, kann aber auch nur 10.000 oder gar 100.000 Menschen betragen haben.
Anders sieht es bei Nomadenstämmen aus, die mit ihrem Vieh umherziehen und zwangsläufig nur kleinere Gemeinschaften gründen können bzw. sich teilen müssen. In mehreren Gruppen unter 500 Personen ziehen sie von Ort zu Ort. Zu einem israelischen Volksstamm dürften nicht mehr als 10.000 Nomaden gehört haben. Einzigste Ausnahme ist das Volksbündnis Juda, die aus Ägypten kamen. Vermutlich waren es um die 60.000 Menschen, die sich dem Exodus anschlossen.
Auch wenn die Bibel von über 600.000 Menschen spricht, erscheint es den Historikern mit einer 0 zuviel, als stark übertrieben. Im gesamten Jordanland vermuten die Experten um 1200 v.Chr. eine  Bevölkerungsanzahl von insgesamt 100.000, aber höchstens 200.000 Menschen. 


2. Phase: Zwischen 1500 und 1300 v.Chr. hatte die kleinen Nomadengruppen gegen ihre Gegner keine Chance, zumal sie keinen Weg zu einem dauerhaften Bündnis fanden und sich an der Küste die Philister ansiedelten. Die Philister setzten ihren Einfluss auf Kanaan durch und kämpften gegen die Kanaanäer, wodurch sich das Schicksal der Nomaden kurzzeitig entspannte. Doch die Philister machten auch die Nomaden tributpflichtig und schürten damit auch die Uneinigkeit zwischen den Stämmen. Dagegen sah die Situation der Nomaden in Ägypten ganz anders aus. Als Arbeiter (Sklaven) waren sie gemeinsam der Tyrannei der Ägypter ausgesetzt, trotz unterschiedlicher Stammeszugehörigkeit hatten sie einen gemeinsamen Feind und schmiedeten sich zu einer Allianz zusammen. Dennoch verursachten auch hier Stammesquerelen sinnlose Streitigkeiten.
Nur über den Glauben war eine Einigkeit möglich, aber die verschiedenen Stämme beteten ihren spezifischen Gott an. Schließlich kamen die Geistlichen auf die Idee (Erleuchtung), dass alle Stämme denselben Gott anbeteten und jeder Stamm ihn nur anders nannte (Name Gottes). Mit dieser Erkenntnis reifte in ihnen die Überzeugung, dass sich ihnen Gott offenbart hat und ihnen ein Angebot machte. Daraufhin strichen sie die Namen für Gott und nannten Gott nur Gott. Zudem formulierten die Geistlichen eine Grundaussage, dass sich als Credo durch die fünf Bücher Moses durchzieht. Im Prinzip heißt die Botschaft: „Gott bietet seinem Volk an, sie aus Ägypten zu führen und wird sie dann ins gelobte Land führen, wo sie ein großes Volk werden, wenn sie im Glauben zu ihm stehen.“
Auf dieser Basis wurden die Streitigkeiten untereinander beigelegt und die unterschiedlichen Gruppierungen waren für das große Ziel motiviert. Sie nannten sich auch von nun an, das Volk Juda, das hebräisch so viel heißt wie die (Gott-) Lobenden oder Dankenden. Im Glauben an Gott rebellierten die semitischen Sklaven und die Ägypter ließen sie ziehen. Unklar ist dabei, ob nicht der Pharao sie sowieso hat ziehen lassen wollte, da das Bauprojekt fertig war. Nach der Wüstenwanderung kamen sie um 1250 v.Chr. ins Jordanland und die Sklavengemeinschaft trafen dort auf die Stämme, zu denen sie einst gehörten. Sie erzählten von ihrer wundersamen Rettung und das ihr Gott, auch der Gott ihrer Väter ist und sich nur im Namen unterscheiden würde.
Angeblich ließen sich 12 Stämme nach und nach vom neuen Glauben bekehren und vereinigten sich zum Volk Israel (hebr. = Gottesstreiter).

Einige Stämme haben bereits um 1300 v.Chr. versucht sesshaft zu werden, aber von nun an gründeten sie verstärkt Siedlungen und bauten Getreide an. Über den Glauben wählten die Geistlichen einen Richter (aktiver Prophet), der im Sinne Gottes die Stämme leitete und zwischen den Führern der Stämme bei Streitigkeiten vermittelte. Neben der Stabilisierung der Einigkeit leiteten die Richter auch Kampfeinsätze. Zunächst bekämpften oder vertrieben sie fremde Nomaden, die nicht dem Bund beitreten wollten bis kämpferische Konflikte mit den Kanaanäern folgten. Grundsätzlich waren die ersten Städte Israels höchstwahrscheinlich Vasallen einer Macht (Philister oder Kanaanäer).


Anmerkung - Glaube:  Typisch für die Region war ein Hauptgott/ Obergott (EL), mit mehreren Nebengöttern, einer Götterfamilie (Pantheon) bzw. Gehilfen. In der Regel war ein spezieller Gott für die Menschen zuständig (in Kanaan hieß er Baal), dennoch wählte sich das Volk/Stamm/Stadt einen Schutzgott für sich aus. Manchmal beteten auch Familien ihren spezifischen Schutzgott an. Grundsätzlich suchten die Menschen die Gunst der Götter und hoffte auf die jeweilige Stärke des Gottes oder deren Einfluss auf höhere Götter (EL, Baal).
Die Gunst der Götter konnte man sich nur mit Opfer verdienen oder sich erwerben. Neben den Opfergaben, sollte der angebetete ausreichend gehuldigt werden und seine Wünsche erkannt werden. Als Vermittler dienten Priester, die das Wohlwollen oder den Zorn des ausgesuchten Gottes dem Volk verkündeten oder wissen, wie man andere verärgerte Götter milde stimmen kann. Der Zuständigkeitsbereich der Götter ist unterschiedlich und jeder hat seine Stärken und Schwächen (Kriegsgott, Fruchtbarkeitsgöttin, Erntegott oder Hirtengott). Letztendlich ist das Volk den Launen der Götter ausgesetzt und kann nur hoffen, den rechten Gott erwählt zu haben. In dieser Ungewissheit definieren sich Wohlstand und Not, Macht und Ohnmacht, Lohn und Strafe.  
Für die Priesterschaft hat die Mehrgötterwelt den Vorteil, in ihren Vorhersagen immer richtig zu liegen und sollte etwas nicht eintreffen, so wird eine Sünde der Menschen oder ein Streit der Götter dafür verantwortlich gemacht. Der große Respekt vor der angeblichen Macht der Götter verleiht den Priestern den Nimbus der Unfehlbarkeit. Nicht einmal die Herrscher wagen es sich mit Priestern anzulegen, weil sie den Gotteszorn damit herauf beschwören. Auf der Basis des Glaubens praktiziert die Priesterschaft sehr unterschiedliche Rituale zwischen lüsternen Sauforgien und blutigen Opferungszeremonien. Die meisten Götterkulte sind geprägt, von einem ausgelassenen Frohsinn, mit wenigen Regeln und religiösen Verpflichtungen, die sich auf ein paar Opfergaben und Gebetsformen beschränken.
Im Gegensatz zur Vielfalt in den Städten benötigten die Nomaden nur den Hirtengott. Die Viehherde ist der existenzielle Dreh- und Angelpunkt der Wandervölker. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich ihre Glaubenswelt auf diesen einen Gott bezieht und die anderen zur Nebensache oder gar vergessen werden. Über die Generationen hinweg trennten sich  Nomadenvölker von der Götterwelt und kannten nur noch einen Gott.
Neu ist bei den israelischen Semiten, dass sie für ihren Stämmebund eine religiöse Sichtweise definieren, als Grundlage der Einheit. Dazu ist die Erkenntnis notwendig, dass alle Stämme den gleichen Gott anbeteten, ihn bisher nur unterschiedlich genannt hatten. Man kann davon ausgehen, dass sowieso der ursprünglichen Name des Hirtengottes nicht mehr gebraucht wurde, sondern man ihn Gott des … (Stammesvaters, -führers) nannten. Allein schon wegen des Namens-Attributs hätten sich die Stämme auf keinen Namen einigen können. Um Irritationen vorzubeugen hat ihr Gott keinen Namen mehr, zumal er der einzig wahre Gott auf Erden ist. Die Überzeugung wird dahin konkretisiert, dass ihr Gott den Menschen ein Angebot macht, mit ihnen mitziehen will und dafür nur verlangt an ihm zu glauben. Mit dem hebräischen Wort „Schalom“ bekräftigt jeder Gläubige den Bund mit Gott.


Stammbaum der 12 Stämme der Gottesstreiter (Israel):

In der biblisch-theologischen Betrachtung gilt Terach als aramäischer Ursprungsvater, deren Söhne Nahor und Abraham ins Jordanland zogen.
Abraham zeugte mit seiner Nebenfrau Hagar den Sohn Ismael. Nachdem Abrahams Frau Sara fruchtbar wurde und Isaak zeugte, wurden Hagar und Ismael verbannt.
Ismael gründete in der Wüste das große Volk der Araber. Isaak heiratete Rebekka, die Schwester von Laban, die Kinder von Betuel waren, der wiederum Sohn von Nahor und Milka war.
Und Isaak zeugte mit Rebekka die Söhne Essau (Stammvater von Edom) und Jakob.
Jakob heiratete Lea, eine Tochter von Laban, und ihr wurde 6 Söhne geboren, die Stämme begründeten und Tochter Dina geboren hat.

Die 6 Stämme waren: Ruben - - - Simeon - - - Levi - - - Juda - - - Issachar - - - Sebulon. Jakob begehrte aber Rahel, die jüngere Schwester von Lea und nachdem er mit Vater Laban ein Kontrakt schloss, durfte er sie heiraten und zeugte mit Rahel die Söhne: Benjamin - - - Josef. Zwischendurch schickt Lea die Magd Silpa zu Jakob, damit ihr durch sie Jakobs Gunst erhalten bliebe und Silpa zeugte die Söhne: Gad - - - Asser. Da Rahel anfangs keine Kinder gebar, gab sie Jakob ihre Magd Bilha zum Ersatz. Bilha zeugte die Söhne Dan und Naftali. In der Sklavenzeit wurde Josef (Sohn von Jakob & Rahel) die Ägypterin Asenat zur Frau gegeben, von deren Söhne zwei weitere Stämme hervorgingen: Ephraim - - -Manasse.
Neben der biblischen Version gehen Historiker von ursprünglich anderen Namen der Stämme aus, die im Nachhinein nur theologisch stimmig gemacht worden sind.


3. Phase um 1100 v.Chr.:  Es dauerte lange bis die israelischen Stämme ein geeintes Volk wurden. Oft entbrannten Streitigkeiten wegen unterschiedlichen Standpunkten. Man stritt sich um Kleinigkeiten, wer wie viele Kämpfer und warum aufbieten sollte? Welcher Stamm sollte den Hauptanteil leisten, ohne ihn zu bevorteilen und eine Gefahr für die anderen Stämme werden würde?
Auch wurden ständig darüber diskutiert, wann keine militärischen Aktionen stattzufinden hatten (Erntezeit oder Schafrasur). Die Richter waren eigentlich nur damit beschäftigt, Streitigkeiten zu schlichten und befriedigende Lösungen zu finden. Ihre Pläne und die Argumentation für ein Kulturreich stießen auf taube Ohren und die Stammesfürsten verwiesen auf die bisherigen Erfolge und gaben sich damit zufrieden. Die Führer wollten nicht begreifen, dass ihre Kämpfer lediglich andere schwache Nomadenstämme vertrieben und sie nur ein Verteidigungskrieg gegen die wirklichen Mächte führten und dass so die Entwicklung stagnierte. 
Um 1100 zeigte sich, wie sehr die Stämme Israels den großen kanaanäischen Städten militärisch unterlegen waren und erst recht den Philistern. Nach wie vor überfielen die Philister die israelischen Stämme, forderten Tribut und Sklaven. In den Wirren der Zeit vereinbarten Städte, Stämme oder auch Siedlungen seperate Bündnisse und beriefen ihren eigenen Richter. Somit gab es mehrere Richter zur gleichen Zeit und bedrohten die Einheit. Erst mit Samuel setzte sich wieder ein zentraler Richter und Prophet durch. Er schaffte es die Stämme zu vereinen und favorisierte ein Königtum. In der biblischen Schrift wird Samuel allerdings  als Königsgegner beschrieben. Sehr wahrscheinlich waren die Stammesfürsten an keiner zentralen Macht interessiert, aber nur mit einem Königtum konnte sich das Volk gegen seine Feinde erwehren. Und nur Samuel verfügte über den Einfluss ein Königtum durchzusetzen.

Anmerkung !!! 
Grundsätzlich sei an dieser Stelle vermerkt, dass Historiker erhebliche Zweifel an der biblischen Darstellung der Geschichte Israels haben. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat es die vielen erfolgreichen Kämpfe und Schlachten bei der Eroberung Kanaans nie gegeben. Geschichtswissenschaftler gehen davon aus, dass die Nomaden sich zwar vereinigten, aber nicht gleichzeitig, sondern nach und nach dem israelischen Bund beitraten, und ob es den Exodus aus Ägypten gegeben hat, ist historisch ebenfalls fraglich (kein Hinweis in den ägyptischen Schriften). Zu jener Zeit gab es auch nur wenige Städte mit Stadtmauern, die meisten Städte entsprachen heutigen Dörfern mit 1.000 bis 2.000 Einwohner und waren leicht zu überfallen. Die Bewaffnung der Israelis war schlecht und bestand aus umfunktionierte oder selbst gebaute Gerätschaften. Da die Nomaden keine Schmiede besaßen, besorgten sie sich ihre Geräte über den Handel. Die wenigen Waffen, die sie besaßen wurden geraubt oder den Überfallenen abgenommen. Insgesamt jedoch dürften die israelischen Kämpfer den wirklichen Soldaten der Kanaanäer und Philister weit unterlegen gewesen sein.