2.2. Die Königreiche

2.2. Die Königreiche

1. Das Großreich Israel
2. Zerfall des Nordreiches (Israel)
3. Zerfall des Südreiches (Judäa) -
Babylonisches Exil
  

Grafik-Quellennachweis:
Das geteilte Reich (engl. Beschriftet): www.de.wikipedia.org

Das goldene Kalb: www. openpr.de
 

1. Das Großreich Israel
Die heutige Geschichtsforschung geht davon aus, dass es die glorreiche Königszeit nicht geben hat. Da es jedoch in jener Zeit zahlreiche Stadtkönige gab, war sicherlich auch ein Kleinreich möglich, dass aber historisch keine Rolle spielte. Die genauen Angaben über die Reichsgröße (in der Bibel), lassen jedoch  einen großen Einfluss der Könige von Jerusalem vermuten.
Die folgende Betrachtung geht deshalb von einer Fürstendynastie aus, die wahrscheinlich als Vasall Ägyptens agierte. Immer wieder wird in den biblischen Schriften eine Art Hassliebe zu Ägypten herauslesbar, worauf sich (zwischenzeitlich) freundschaftliche Beziehungen begründeten.
Abschließend muss darauf hingewiesen werden, dass die biblische Darstellung der möglichen Königsgeschichte sehr stark religiös verfremdet/übertrieben wurde und  deshalb Anmerkungen nötig sind für eine realere Geschichtsbetrachtung.

König Saul (um 1010 v. Chr.)
Nach biblischer Darstellung waren es die Stammesfürsten, die ein Königtum anstrebten und der Richter Samuel wetterte dagegen. Wahrscheinlicher ist, dass die Stammesfürsten gegen eine zentralistische Macht waren und letztendlich durch die Realität gezwungen wurden. Die bisherigen militärischen Erfolge basierten auf Überfälle über Ahnungslose und von einer Reichsbildung war man weit entfernt (Uneinigkeit). Doch nun schlugen die Völker Kanaans zurück und obendrein verärgerte Israel die Philister. Bei Mizpa vernichteten die Philister die israelische Freizeitarmee und zerstörten das Heiligtums in Silo.
Samuel, der nun mehr als Prophet in Erscheinung trat, wertete diese Ereignisse als Strafe Gottes, weil sich das Volk nicht an die Worte Gottes hielt (lt. Bibel: ließen Fremde bei sich wohnen; versklavten die Kanaanäer, statt sie zu verjagen oder zu töten). Das Grundübel dürfte jedoch die Uneinigkeit (Stämme-Interessen) und schlecht ausgerüstete und unerfahrenen Kämpfer gewesen sein. In Hinblick auf die existenzielle Gefahr stimmten sie einem Königtum zu. Möglicherweise wollte Samuel seine Söhne zu Könige machen und sie sollten sich als Richter für die Krone bewähren. Doch Samuels Söhne waren korrupt und hintertrieben, worauf er sie wieder absetzte.
Daraufhin ließ Samuel die Stämme (Rat) in Mizpa versammeln, die Vorschläge unterbreiteten und von den Kandidaten einer ausgelost wurde (keine Wahl, da jeder Stamm nur seinen Nominierten gewählt hätte). Das Los fiel auf Saul, der sich zunächst als Heerführer bewähren musste. In einer Schlacht besiegte Saul die kananäischen Ammoniter, worauf Samuel ihn als König empfohlen hatte und vom Stammesrat akzeptiert wurde. Samuel salbte Saul zum König. Der charismatische Richter Samuel, zog sich daraufhin auf die geistliche Ebene (Prophet) zurück und überwachte die weltliche Macht, ob sie in Gottes Sinne war. 
Saul der den Zuspruch des Rates der Stämme erhielt, benötigte traditionell nun noch die Bestätigung vom Volk, um rechtmäßiger König zu sein. Der gewählter König besaß aber nur reduzierte Rechte, die ihm vom Rat der Stämme vorgeschrieben wurden. Im Grunde war Saul lediglich ein militärischer Führer und hatte sich aus Stammesinternen Angelegenheiten heraus zu halten. Sauls Hauptaufgabe bestand darin die Stämme zu schützen und Feinde zu bekämpfen. Dazu hatte er das Recht die wehrpflichtigen Männer einzuberufen, doch nach wie vor konnten die Stämme dagegen Einspruch erheben. Eine begründete Weigerung war die Erntezeit und die Rasur von Schafen. Damit stand Saul kein stehendes Heer zu Verfügung, sondern weiterhin nur schlecht ausgebildete Freizeitsoldaten. Es kam vor, dass plötzlich große Teile der kämpfenden Truppe von ihren Stämmen zurückbeordert wurden und somit einen Kampf unmöglich machten oder eine deswegen Schlacht zur Niederlage führte.
Die militärischen Erfolge waren deshalb durchwachsen und für die Philister waren die Israelis mehr eine Räuberbande als eine wirkliche Gefahr. Die Philister waren den Israelis waffentechnisch bei weitem überlegen. Die Israeliten kämpften überwiegend mit eroberten Waffen oder umgebauten Werkzeugen (besaßen keine Schmiede). Innenpolitisch versuchte Saul, im Sinne des Rates, Staatsstrukturen durchzusetzen, nach dem Vorbild der Mesopotamier. Die unbefriedigende Gesamtsituation nahm Samuel zum Anlass Saul und das Königtum zu kritisieren. Die Spannungen zwischen Priester und König nahmen zu und verschärften das selbst gemachte Chaos.
In der Königszeit von Saul, tat sich ein Krieger Namens David hervor, der militärisch Aufstieg und später Sauls Tochter Michal heiratete. David war überall sehr beliebt und Saul hatte den Eindruck, dass sein Wort bei den Kriegern mehr galt als seines. Auch Samuel favorisierte David als wirklichen König und sagte Sauls Ende voraus. Saul reagierte mit Neid und Haß auf die Anfeindungen und sah sich in existenzieller Gefahr, worauf er mehrere Mordpläne gegen David schmiedete. Es war unter anderem Michal, die David rechtzeitig warnte und er flüchten musste. Später ergab sich für David die Möglichkeit Saul zu töten, aber er verschonte sein Leben, nach dem antiken Kodex (Königsmord ist eine unverzeihbare Todsünde).
Schließlich starb Saul (vermutlich um 1006 v.Chr.) in einer Schlacht am Gilboa-Gebirge. Mit seinen wahrscheinlich 300 Kriegern war er den kampfstarken Philister völlig unterlegen. Es heißt, er habe Selbstmord begangen, um den Feinden nicht lebend in die Hände zu fallen. Historisch ist nicht einmal geklärt, ob es König Saul überhaupt gegeben hat. Wenn es König Saul gab, ist es möglich, dass er von David-Anhängern bei der Schlacht ermordet wurde oder zum Suizid genötigt worden ist. Üblicherweise, war ansonsten ein Regent weit genug von der kämpfenden Truppe entfernt, um sich in Sicherheit bringen zu können und konnte als König stets auf Gnade vom Angreifer hoffen (Ehrenkodex). Andererseits war es möglich, dass er mit dieser Niederlage das letzte Wohlwollen im Reich verspielte und Auftragskiller schon auf ihn warteten oder die Philister ihn demütigen hätten können. Letztendlich war König Saul eine tragische Gestalt, der ungeliebte König Israels, der versuchte ein guter König zu sein und es allen Recht tun wollte, und dabei so vieles Falsch machte. Allerdings war für den ersten König alles Neuland. Saul konnte sich zwar an die umliegenden Mächte orientieren, aber die spezifische Situation, schuf automatisch chaotische Probleme, die zu lösen waren. König David hatte es später leichter, denn er konnte aus den Fehlern Sauls lernen. 

König David ( 1006 – 966 v. Chr. )

David ist der glorreiche und gelobte König des Volkes Israels und zahlreiche Geschichten machten ihn zur Legende, wie die Geschichte von David und Goliath. Doch nüchtern betrachtet war er ein selbstsüchtiger und berechnender Herrscher, der mehrfach gegen Gottes Gebote verstieß. Er war ein Mörder und vor allem ein Ehebrecher, aber die Bibel stellt ihn als reuigen Sünder dar und relativiert seine Untaten.
Als junger Mann kam David an den Hof von Saul und machte sich schnell als Führer der südlichen Söldnertruppe (Judäa) verdient. Schnell wurde er zur lichten Heldenfigur und dazu kam, dass der Richter Samuel ihn zum künftigen König salbte. König Saul sah in ihm einen bedrohlichen Nebenbuhler und beauftragte David mit lebensgefährlichen Aufgaben. Doch David erfüllte sie und notgedrungen, auf die Edikette hörend, entsprach Saul Davids Wunsch und gab ihm seine Tochter Michal zur Frau. Der Konflikt zwischen Saul und David mündete in Mordanschläge, worauf David letztendlich nur die Flucht blieb. Schließlich trat David in die militärischen Dienste der Philister. Dort lernte er Kampftechniken und Strategie kennen und wurde besonders im Kampf gegen die Kanaanäer eingesetzt und in kleineren Scharmützeln gegen die Israelis. Während dieser Zeit ergab sich für David zweimal die Gelegenheit Saul zu töten, aber er verschont ihn (Königs-Kodex). Als nun die große Schlacht zwischen den Philistern und den Israelis anstand, misstrauten die Philister David und setzten ihn nicht gegen Saul ein.
Nachdem Tod Sauls holten der Stamm Juda den verjagten David zurück. Auf der Basis der Prophezeiung Samuels machte der Stamm Juda David zum König. David knüpfte sein Königtum an bestimmte Bedingungen. Er baute ein modernes, stehendes Heer auf und verlangte vom Rat absolute Rechte in seiner politischen Herrschaft. Militärische Erfolge gegen feindliche Stämme der Israelis stützten seine Herrschaft. Die anderen israelischen Stämme erkannten ihn ebenso als König an, nachdem der letzte Nachfolger Sauls getötet wurde. Der Rat der israelischen Stämme handelte zudem eine gewisse Autonomie aus, wodurch die Grundlage eines Nord-Südreiches geschaffen wurde. Zentral zwischen den beiden Gebieten lag die Stadt Jerusalem, die von David erobert wurde. Diese kanaanäische Stadt war Zentrum der Göttin der Abenddämmerung, von der sich der Stadtname ableitete (uru-schalim = heilige Stadt der Schalim). David ließ die Bundeslade von Silo nach Jerusalem bringen und machte den Ort zur Hauptstadt. Er eroberte ein großes Reich und stabilisierte es, allerdings gelang es ihm nicht die Philister zu besiegen. Die Fünf-Städtegemeinschaft (Gaza, Askalon, Aschdod, Ekron, Gath) blieb erhalten und vermutlich schloßen die Philister mit David einen Kontrakt. Ein Handel zwischen den Mächten brachte beiden Seiten große Vorteile. Die Philister verzichteten auf ihre Einflussphären und David konnte über jene Handelsmetropolen einen wirtschaftlichen Aufschwung ermöglichen.
Mit der ehelichen Treue nahm es König David nicht so genau und schuf sich ein Harem von 7 Frauen. Obwohl zu jener Zeit ein Mann mehrere Frauen haben durfte, galt Davids Sexsucht schon als sündhaft. Schließlich begehrte er die verheiratete Frau Bathseba und wollte seinen Beischlaf mit ihr vertuschen, sodass es schien, als würde sie von ihrem Mann Urija schwanger sein. Doch Urija handelte nicht wie erwartet, somit veranlasste David das Urija im Kampf gegen die Ammoniter sterben sollte, damit Betseba seine Frau sein konnte. Laut Bibel verzieh Gott ihm auch diese Sünde, doch es war David nicht erlaubt Gott einen Tempel zu bauen. Darüber hinaus ließ Gott das Kind der Sünde sterben. Betseba wurde erneut schwanger und gebar den Sohn Salomo. 
Im Bibeltext wurde König David dann, beinahe Opfer einer Rebellion, seines Sohnes Absalom und kurz vor Davids Tod, versuchte ein weiterer Sohn Adonia, die Krone an sich zu reißen. In beiden Fällen offenbart sich vor allem der Konflikt, wonach sich Israel (Nordreich) von Judäa (Südreich) bevormundet fühlte (David = König von Judäa). 

An seinem Lebensende hatte David sieben Söhne, doch am Sterbebett verfügte er, dass der Sohn seiner Geliebten Batseba König werden sollte. Um 966 v.Chr. soll David gestorben sein und Salomo wurde König.
Historisch gibt es heute Zweifel daran, ob es jenes Reich gegeben hatte und ob es die Person David überhaupt gab. In ägyptische und assyrische Quellen aus jener Zeit finden sich keine Hinweise auf ein Großreich im Jordanland. Andererseits kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass es dieses Reich gab, zumal Ägypten und Assyrien mit internen Problemen beschäftigt waren und das Jordanland für sie keine Rolle spielte.   

König Salomo ( 966 – 926 v. Chr. )

Salomo ist der König der Blütezeit Israels mit einem enormen wirtschaftlichen und kulturellem Aufschwung. Unter seiner Herrschaft wurde Gott in Jerusalem ein Tempel gebaut.
Für die Existenz von König Salomo, gibt es jedoch in der Geschichtsforschung keinerlei Belege. 
Speziell für die beschriebenen Handelsbeziehungen finden sich bei den entsprechenden Kulturen keine Belege. Bestritten wird sowohl ein intensiver Handel mit den Phöniziern, als auch ein israelischer Hafen (mit Schiffbau) am Roten Meer, auf dem Salomos Schiffe die arabische Küste erschlossen. 
Ebenso kann es, nach Ansicht von Historikern, die legendäre Geschichte mit der Königin von Saba nicht gegeben haben, da sie später gelebt hat und die Schriftgelehrten den Namen benutzten, um Salomos Bedeutung zu heben. 
Speziell um die Person Salomo, haben die biblischen Schriftgelehrten mit ihrer Darstellung stark übertrieben und verknüpften Geschichten hinein, die real nicht stattgefunden haben. 
 Ob es die Person Salomo gegeben hat lässt sich nicht zweifelsfrei widerlegen, wohl aber einige Legenden um seine Person. Wahrscheinlich fügten die Verfasser lediglich passende Geschichten ein und schrieben sie Salomo zu, um ein beabsichtigtes Bild zu entwerfen. War David der große politische Herrscher, so war Salomo der weise kulturelle Herrscher. Schon bei Salomos Amtsantritt entledigte er sich geschickt seinen Feinden und festigte weise seine innenpolitische Macht. 
Als Beleg für seine Weisheit dient das Urteil, um den Anspruch auf ein Kind zwischen zwei streitenden Frauen, worauf sich die wahre Mutter zeigte.
Der blühende Handel mit anderen Völkern führte zum Wohlstand in Jerusalem. Wie es in den anderen Städten aussah bleibt dahin gestellt. Möglicherweise baute er den Vertrag mit den Philistern weiter aus und nutzte deren Schiffe für Kontakte mit anderen Ländern. Mit dem Wohlstand erfolgte eine rege bautätig, in deren Fokus der Tempel für Gott stand. Politisch gliederte er das Reich in 12 Verwaltungsbezirke, die in etwa den Gebieten der Stämme entsprach, wobei Juda begünstigt wurde und das größte Land war. Jene Glanzzeit hatte auch ihre Schattenseiten. Unbequeme Personen wurden getötet, die sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich wurden Größer, eine verschwenderische Oberschicht etablierte sich auf Kosten der Untertanen, steigende Steuern wurden dem Volk aufgebürdet, die Fronarbeit und Sklaverei wurde eingeführt und der König setzte, über die religiöse Bestätigung, seine absolute Macht durch. Der Rat der Stämme hatte kaum noch Einfluss und der König ließ kulturelle Annehmlichkeiten anderer Völker im Reich zu.
Der angeebliche Staatsbesuch der Königin von Saba wird zum zentralen Umbruchthema (in der Bibel), einerseits wird durch sie Salomos weltbekannte Weisheit und Reichtum unterstrichen und anderseits birgt dieser Besuch viele Geheimnisse in sich. Beiden wird ein Liebesverhältnis angedichtet. Zumindest scheint Salomo tief beeindruckt von ihr zu sein und lässt ihre Fruchtbarkeitsrituale im Lande zu. Daraufhin wird Kritik an seiner Herrschaft laut und die verführerische Schöne wird als Prostituierte diffamiert. Das Ansehen Salomos zerbröckelt und die Propheten kritisieren ihn stark. Trotz schwindender Macht (innenpolitisch) bleibt er der absolute König, bis zu seinem natürlichen Tode. Er hinterlässt jedoch eine innenpolitisch, gespannte Situation.
Vermutlich war es in der Realität Salomos Verschwendungssucht, die Spannungen aufkeimen ließen. Für den Luxus in Jerusalem bezahlte das Land mit Steuern und Benachteiligungen, und der Einfluss von Ausländern lähmte die eigene Wirtschaft und den Handel. Kulturell überschwemmte die multikulturelle Toleranz die eigene Identität. Teilweise verkaufte Salomo sogar Land, so dass die israelischen Stämme sich bedroht fühlten. Das der Wiederstand erst nach Salomos Tod ausbrach, lässt vermuten, dass er ein strenger Diktator gewesen war.

2. Zerfall des Nord-Reiches (Israel) 

Die Teilung des Reiches
Nach dem Tod Salomos wurde Rehabeam König und führte das Erbe
seines Vaters fort. Auf die harsche Kritik, der vermeindlichen Gotteslästerung reagierte er nicht. Er sah Jerusalem als weltoffene Stadt und ließ weiterhin fremde Rituale zu, die er nicht als Abkehr zu Gott verstand, zumal Gott seinen Vater Salomo dafür auch nicht strafte. Der eigentliche Hintergrund für das Zerwürfnis, war auch nicht der Glaube, sondern die beschnittenen Rechte der anderen Stämme. Die Nordstämme füllten sich in mehrfacher Hinsicht benachteiligt und sahen sich vom Volk Juda bevormundet, deren Oberschicht die Macht im Lande an sich riss. Nachdem der Norden Rehabeam um Steuererleichterungen bat und der König dies als Aufruhr wertete, brachte König Rehabeam das Fass zum überlaufen. Die Nordstämme kündigten somit den Bund und riefen ihr eigenes Königreich Israel aus. Sie vertrieben die davidischen Beamten und bekämpften die jüdischen Truppen des Fronvogts. Der Stämme-Rat wählte einen König und sie entschieden sich für Jerobeam. Jerobeam war ein Aufständischer vom Stamme Ephraim, der sich schon gegen Salomos Ungerechtigkeit erhoben hatte und nach Ägypten geflohen war und nun wieder heimkehrte.
Der Wahlkönig Jerobam baute Sichem zur Hauptstadt aus und schuf die Heiligtümer von Bet-el und Dan. Als Zeichen seiner Herrschaft und des Glaubens, ließ er dort das Goldene Kalb aufstellen. Im Süden verurteilten die Priester Jerusalems diese Maßnahme als unverzeihliche Gotteslästerung. Nach ihrer Ansicht war die Bundeslade im Tempel von Jerusalem, das einzig wahre Heiligtum für das gesamte Gottesvolk. Sie sahen es als Pflicht für jeden Gläubigen an, zum Tempel nach Jerusalem zu pilgern.  
Der Norden widersprach dem Anspruch und meinte das Gott, im geteilten Reich auch bei ihnen wohnen dürfte. Somit sei es legitim, ihn seperat in Israel zu ehren. Aber die Priester Jerusalems drohten Israel, wegen ihrer Gotteslästerung, so dass die meisten Leviten Israel verließen. Daraufhin verfügte Jerobeam, dass nicht nur Leviten befähigt sind Priester zu sein, sondern jeder der im Glauben steht, konnte Priester werden. 
Der rechtmäßige König des davidischen Reiches Rehabeam erwog die Abtrünnigen mit Gewalt zum Bund zu zwingen. Doch die innenpolitische Situation in Jerusalem, schuf eine gespannte Atmosphäre und auf Anraten der Priester brauchte er seine Truppen zur inneren Sicherheit. Somit war die Trennung vollzogen, in ein Nordreich Israel und dem Südreich Juda. Als Strafe Gottes wurde schließlich der Angriff der Ägypter auf Juda verstanden, weil durch das behaaren auf die Götzenrituale die Trennung der Reiches verursacht wurde. Nach dem die Ägypter den Tempel plünderten, beließen die Ägypter Judas Autonomie.

Judäas Könige von Rehabeam bis Joram:
Rehabeam (926 - 910 v.Chr.) bestimmte seinen Sohn Abija zum Nachfolger.
Abija (910 - 908 v.Chr.), huldigte noch stärker die fremden Götter7Kulturen.
Asa (908 – 868 v.Chr.), Sohn von Abija, war dagegen ein gottesfürchtiger Mann, dennoch ließ er die fremden Götzen zu.
        In seiner Regentschaft kam es zum Krieg zwischen den Norden und Süden, und dabei verlor er den Glauben an Gott.

Joschafat (868 – 847 v. Chr.), Sohn von Asa, stand wieder fest im Glauben und begann die Götzenbilder im Reich zu beseitigen.

Israels Könige von Jerobeam bis Joram:
Jerobeams ( 926 – 907 v. Chr.) bestimmte seinen Sohn Nadab zum Nachfolger.
Nadab (907 – 906 v. Chr.) wurde während des Krieges gegen die Philister von Bascha ermordet. Das Reich befand sich in der
             Krise und die Priester machten Jerobeams Sünden dafür verantwortlich (Heiligtümer, Goldenes Kalb, fremde Priester)
             und beauftragten den Heerführer das gesamte Geschlecht Jerobeams auszumerzen.

Bascha (906 – 883 v.Chr.) stärkte das Reich durch eine Allianz mit dem Kleinstaatenbund und versuchte Juda wirtschaftlich
             zu schädigen. Daraus entwickelte sich der Krieg zwischen Juda und Israel (vermutlich um 890 v.Chr.).

Ela (883 - 882 v. Chr.), der Sohn Baschas, wurde von seinem Knecht Simri ermordet.
Simri regierte 7 Tage und wurde von den Propheten geehrt, weil er die Sünden Baschas (Morde) rächte. Aber es herrschte Uneinigkeit
um die Nachfolge. Einige Stämme machten den umsichtigen Feldhauptmann Omri zu ihren König und andere wählten Tibni zum
Regenten, aber für Simri war kein Platz mehr und er verübte Selbstmord, als seine Stadt von Omri belagert wurde.

Omri (882 – 871 v. Chr.): Der weise Omri regiert mit Tibni gemeinsam von 882 bis 878 v. Chr. und nach Tibnis Tod regierte Omri
        allein weiter und machte 876 v.Chr. Samaria zur neuen Hauptstadt. Sein stabilisierender Einfluss begründete die Omriden-Dynastie.

Ahab (871 – 852 v.Chr.), der Sohn Omris, brachte Israel zur Blütezeit. Aber die Propheten wetterten gegen die freundschaftlichen
        Beziehungen zu den heidnischen Völkern, speziell seine phönizische Frau Isebel und deren Baal-Kult, war ihnen ein Dorn im Auge.
        Politisch trugen seine Allianzen Früchte und konnten militärisch sogar den Assyrern trotzen. Ebenso söhnte er sich mit Juda aus und
      
 leitete eine freundschaftliche Beziehung mit dem Südreich ein. In einer Schlacht gegen die Aramäer wurde Ahab tödlich verwundet.
Ahasja (852 – 851v.Chr.) baute die Beziehungen mit König Joschafat aus, aber er starb viel zu früh an einer Krankheit (denkbar ist
          auch ein Giftmordanschlag).

Der Untergang des Nordreiches Israels
Irreführend taucht der Name Joram zweimal auf, sowohl als König von Juda, sowie als König Israels. In Israel ist Joram der Bruder von Ahasja und in Juda ist Joram der Sohn Joschafat und beide herrschten von 851 bis 845 v.Chr. Beide Reiche bildeten zu dieser Zeit eine politische Allianz und möglicherweise, wollten beide Reiche mit der Namensgleichheit ihre Einheit demonstrieren. Vielleicht haben auch die Autoren in der Bibel, die Namen angeglichen für ihre bestimmte Aussage. In den Schriften wurden die Könige Judas positiv und die Könige Israels negativ dargestellt. Hinter der Namensangleichung (setzt sich bei Ahasja fort) könnte stehen, dass Judas Könige sich von den Sünden Israels vergiften ließen. In diesem Sinne ist die nachfolgende Revolution von Jehu, auch für Juda bedeutend. 
Im Sinne der Priesterschaft und der Oberschicht leitete ausgerechnet Jehu, ein jüdischer Hauptmann, den blutigen Sturz der Omriden-Dynastie ein. Die biblische - und historische Sichtweise unterscheiden sich stark. Geschichtlich soll Jehu zunächst über 100 Angehörige der Omri-Dynastie ermordet haben. Als der amtierende Regent Joram vor dem Stämmerat dagegen klagte, erlaubte der Rat, das Jehu ihn töten durfte. Jehu missachtete auch das Gastrecht und ermordete
Judas neuen König Ahasja, der Joram besuchte. Die verhasste Isebel, die Frau Ahabs, ließ Jehu aus dem Fenster werfen und veranlasste alle Priester des Baal-Kultes zu töten. Der Militärputsch von Jehu im Sinne des Propheten Elisa glich einer fundamentalistischen Säuberung, die nur noch den Glauben an Gott zulassen sollte.
Das Territorium von Israel lag aber auf ehemals kanaanäischen Gebieten, somit war der Baal-Kult tief im Volk verwurzelt und vom Norden drangen Siedler nach Israel, die ebenfalls den Baal-Kult pflegten. Jehu (845 - 818 v. Chr.), war der erste jüdische Herrscher über Israel und seine Politik brachte das Land in die Isolation, was die biblische Schrift anders sah.
Der Erfolg der Jehu-Revolution stützte sich auf die Verärgerung über die Omridendynastie. Besonders die handelnde Oberschicht sah sich durch die Omridenpolitik von den Ausländern stark eingeengt, da diese auch wirtschaftlich dominierten. Außerdem fürchteten sie den Verbund mit Juda, dass sie politisch wieder von Jerusalem abhängig werden würden. Was die Baal-Priester betraf, so hatten sie sich mit ihrem Baal-Kult zu stark ausgebreitet und die Sünde bestimmte den Alltag. Neben der Prostitution, stieg die Kriminalität und Streitigkeiten um nichtige Dinge (den schnöden Mammon = egoistische Gier) nahmen zu. Für die Priester herrschte ein Zustand der Verwahrlosung der Gesellschaft und politisch und wirtschaftlich fühlte man sich von Ausländern bevormundet.
Insgesamt legitimierte die Oberschicht und die Priester die 
radikale Jehu-Revolution, als eine politische Notwendigkeit. Außenpolitisch war die Revolution eine Katastrophe und humanistisch ein Massaker. Juda und die Philister lösten sofort ihr Bündnis mit Israel und auch der syrische Kleinstaatenbund (Aram) und die Phönizier misstrauten Israel. Neben den fatalen außenpolitischen Folgen herrschte im Reich eine große Verunsicherung, das kulturelle Leben kam zu erliegen und eine aggressive Grundstimmung machte sich breit, weil jeder dem anderen misstraute. Nur kurze Zeit später zahlte Israel den Preis seiner blutigen Kulturrevolution. Um 841 v. Chr. fielen die Truppen des assyrischen König Salmanasser III. in Israel ein und praktisch ohne Gegenwehr wurde Israel zum tributpflichtigen Vasallen. Solang Israel seinen Pflichten gegenüber Assyrien nachkam, blieb Israel weiter autonom.

Israels Könige von Jehu bis zum Untergang:http://www.openpr.de/images/articles/a/e/ae25c538814d38f15a6fe0ddbf620cfa_g.jpg

Nach Jehu (845 – 818 v. Chr.) knüpfte sein Sohn Joahas (818 – 802 v. Chr.) am strengen Glaubenskurs an. Mit Joas (802 – 787 v.Chr.) kam ein liberalerer Herrscher, der jedoch weiterhin den Glauben an den einzigen Gott durchsetzte. Um jedoch die religiöse Eigenständigkeit gegenüber Juda zu demonstrieren, blieben nach wie vor die Heiligtümer von Jerobeam erhalten und auch das goldene Kalb wurde weiterhin angebetet. Für die Gläubigen im Süden entsprach dies immer noch einer unerträglichen Gotteslästerung. Zur Zeit Joas befand sich Assyrien in einer Krise und Israel errang seine Unabhängigkeit zurück. Zur selben Zeit regierte mit König Amazja ein kriegerischer König, der sich schließlich mit Israel anlegte. Israel drang bis nach Jerusalem vor, besiegte Judas Armee, nahm den König gefangen und plünderte Jerusalem. Anschließend wurde König Amazja wieder freigelassen. Nach dem natürlichen Tod von Joas folgte Jerobeam II. (787 – 747 v.Chr.). Trotz der erneuten assyrischen Abhängigkeit erlebte das Land eine Blütezeit, zumindest die Oberschicht.
Die Propheten Hosea, Joel, Amos und Jona beklagten aber vehement die sozialen Ungerechtigkeiten im Land. 747 v.Chr. wurde Sacharja König, der nach 6 Monaten Regentschaft von Schallum ermordet wurde, der widerum nach einem Monat von Menahem ermordet wurde. Menahem regierte von 747 bis 738 v. Chr. und wird als brutaler Herrscher beschrieben und trieb für ein autonomes Israel gnadenlos die Steuern ein, als Tribut für die Assyrer. Auch der folgende Pekachja (738 – 737 v.Chr.) wird als grausamer König gesehen und wurde von Pekach ermordet. Pekach (735 – 732 v.Chr.) war als ein durchtriebener Regent bekannt, dessen intrigante Machtspiele durch die Assyrer ein Ende fanden. Hoschea (732 - 722 v. Chr.) wird von den Assyrern als neuer König eingesetzt, doch auch Hoschea spielte mit falschen Karten und suchte im Hintergrund ein Bündnis mit Ägypten. Verärgert fällt Salmanassar V. mit seinen Truppen in Israel ein und lässt Samaria belagern. Während der Belagerung soll es Meuchelmördern gelungen sein, den assyrischen König zu töten. Daraufhin sollen sich die Assyrer kopflos zurückgezogen haben.
Sargon II. wurde schließlich assyrischer König und eroberte 722 v.Chr. Israel. Der wütende König eroberte Samaria, ließ Hoschea (wahrscheinlich) gefangen nehmen und richtete ihn hin. Laut assyrischen Quelle wurden über 27.000 Menschen deportiert, versklavt oder neu am Euphrat angesiedelt. Zahlreiche Menschen flohen nach Juda und aus den verbliebenen Menschen wurde später das Volk der Samaritaner. Das Königreich Israel hörte jedoch auf zu existieren.

Fazit: Der Untergang Israel ist aus biblischer Sicht das Resultat der Sünden Israels. Das Goldene Kalb und Heiligtümer Jerobeams gelten dabei als ursächliche Gotteslästerung. In der Omriden-Dynastie wurde zudem zu stark der Baal-Kult verehrt und Beziehungen zu den Feinden gesucht. Jehus blutige Revolution wird daher als gottgefällig interpretiert, aber er und seine Nachfahren versäumten es vom Goldenen Kalb abzulassen.
Historisch verkehrt sich aber die Sichtweise. Gerade die Omriden-Dynastie schuf eine hervorragend Basis um gegen die Großmächte zu widerstehen. In der Allianz mit den Kleinstaaten konnten sie sich ihre Unabhängigkeit gegen die Assyrer bewahren. Unter Jehu wurde das ohne Weitsicht zunichte gemacht und auch für sein Blutbad, kann es humanistisch gesehen kein Verständnis geben. Jehus grausame Vorgehensweise war nicht angemessen und fand historisch zum falschen Zeitpunkt statt. Außerdem sind die Propheten (falls es sie gegeben hat) und Priester zu verurteilen, weil sie letztendlich so viel Unfrieden gestiftet haben und letztendlich den Untergang Israels erheblich mitverschuldet haben. Abschließend sei angemerkt, dass die Darstellung der Geschichte in der Bibel religiös interpretiert wurde und mitunter stark von der nachgewiesenen realen Geschichte abweicht.

Judas Könige bis Israels Untergang:
Ahasja (845 v.Chr.), wurde von Jehu während eines Besuchs in Israel getötet.
Athalja (845 - 840 v. Chr.). war erste weibliche Regentin, weil die direkten Nachfahren Tod waren. Sie war die Frau von Joram,
           Mutter
von Ahasja und Tochter von Isebel. Im Zuge der Ereignisse durch Jehus Bluttat, vollzog sie ihre Rache gegenüber
           den Nachkommen des Gottesvolkes und wurde zur machtbesessenen Regentin. In einer
Rebellion entledigte man sich ihrer.
J
oas (840 -801 v.Chr.) verursachte einen Konflikt mit einem Aramäer Stamm (Syrer), weswegen seine Herrschaft in die Kritik geriet
           und besonders der Prophet Sacharja wetterte gegen ihn, wofür Joas ihn steinigen ließ. Diese Sünde löste eine Revolte aus und
           Joas wurde dabei getötet (in der Bibel wird Joas unterschiedlich dargestellt).

Amazja (801 -787 v.Chr.) war ein kriegerischer König und wurde deshalb stark kritisiert. Übermütig wagte er den Krieg gegen Israel,
            doch um 788 v.Chr. unterlag er dem israelischen König Joas und wurde sogar sein Gefangener. Obwohl er wieder freigelassen 
            wurde, verzieh im Juda die Schmach nicht, besonders weil durch seine Schuld Jerusalem von den Israelis geplündert wurde.
           
Er wurde Opfer einer Verschwörung.
Asarja (787 – 736 v.Chr.), als der König an einer Hautkrankheit litt machte er seinen Sohn Jotam (756 – 741 v.Chr.) zum
            Mitregenten. Nach Jotams Tod wurde Ahas (741 –
725 v.Chr.) zum Mitregenten ernannt und schließlich nach Asarjas Tod
            Alleinherrscher. Angesichts der assyrischen Bedrohung entschied sich Ahas im politischen Ränkespiel für
eine Allianz
           
mit den Assyrern. Als Vasall fiel die Tributpflicht gnädig aus und Ahas ließ dankend im Tempel einige Änderungswünsche
            der Assyrer vornehmen. Zu jener Zeit lebte der Prophet Jesaja und schimpfte wegen der Entweihung des Gottestempels
           
und prophezeite sowohl Israel den Untergang, als auch ein Ende vom Königtum Judas und der Zerstörung Jerusalems.
Hiskia (725 – 697 v.Chr.), er erlebte den Fall Israels mit und sah auch Jerusalem in großer Gefahr, zumal die Forderungen der
            Assyrer immer inakzeptabler wurden. Hiskia ließ die Mauern der Stadt verstärken und die Verteidigung optimieren.
            Verärgert schickte der neue assyrische Herrscher Sanherib um 701 v.Chr. sein Heer gegen Jerusalem. Bei der Belagerung der
            Stadt, brach im Heerlager eine Mäuseplage aus und verursachte eine Seuche, an der
Tausende Soldaten starben. Auch ein
            Giftanschlag wird historisch nicht ausgeschlossen.

Laut biblischer Darstellung wurden allerdings 185.000 Soldaten von Gottes Engel niedergemetzelt. Sanherib musste in jedem Fall seine Belagerung abbrechen. Für diese Peinlichkeit wurde Sanherib in Assyrien von seinen Söhnen ermordet. Glücklicherweise war Assyrien in der Folgezeit stark geschwächt, sodass Juda seine relative Autonomie behielt. Obwohl Juda wieder ein Vasall Assyriens wurde, besaß Hiskia genügend Freiheiten, dass er das Land kulturell reformieren konnte. Er schaffte bestimmte heidnische Rituale ab und zerstörte Kultstätten, die im extremen Widerspruch zum Glauben an Gott standen. Zu erwähnen sind noch die zahlreiche Flüchtlinge vom Nordreich, die ab 722 v.Chr. nach Juda kamen und die Einwohnerzahl Judas verdreifachten. Damit verbunden gab es viele Probleme mit der Versorgung, der Ansiedlung und der Integration.

3. Der Zerfall des Südreiches Judäa

Der Untergang Judäa’s

Nachdem Hiskias starb wurde Manasse (696 – 642 v.Chr.) König von Juda. Auch die ideologische Integration der Flüchtlinge war abgeschlossen und der König konnte innenpolitisch die Wirtschaft (Weihrauchhandel) stärken, ordnete die Zentralgewalt und ließ die Städte ausbauen und mit Mauern schützen. Außenpolitisch baute er auf ein gutes Verhältnis mit Assyrien und schickte sogar Truppen im Kampf gegen Ägypten. Der Aufschwung Juda brachte es mit sich, dass erneut wieder mehr Götzen verehrt wurden. Unter seinem Sohn Amon (641 – 640 v. Chr.) verstärkte sich das sündige Treiben in der Handelsmetropole Jerusalem und wurde auf Betreiben der Priester dafür ermordet. Deren Mörder wurden allerdings vom Volk gelyncht, da sie mit der liberalen Regentschaft Amons sehr zufrieden waren. Der Nachfolger Josia (639 – 609 v. Chr.) reformierte das Land und stellte den Glauben an Gott ins Zentrum des Lebens. Erneut wurden wieder Stätten fremder Götter zerstört, aber auch illegale Kultstätten Gottes. Nach seiner Auffassung konnte es nur eine einzige Kultstätte geben und die war der Tempel.
Jerusalem war somit keine Handelsstadt mehr, sondern hatte den Status einer heiligen Stadt. Die überarbeitete heilige Schrift galt dabei als Gesetzesgrundlage im gesellschaftlichen Leben. Außenpolitisch brach das assyrische Imperium zusammen und Babylon stieg zur dominierenden Macht auf. Juda nutzte den Schwächezustand Assyriens und eroberte Teile des ehemaligen Nordreiches zurück. Inzwischen kam Ägypten mit einem Großen Heer und wollte an der Seite Assyriens gegen die neue Gefahr Babylon kämpfen. Auf dem Weg dahin sollte sich Juda zum Vasallen erklären und als Bollwerk gegen Babylon dienen. Aber Juda verweigerte sich Ägypten und es kam zur Schlacht bei Megiddo, bei der Josia starb.
Unter ägyptischer Kontrolle wurde Joahas (609 v.Chr.) König. Nach 6 Monaten Amtszeit setzten ihn die Ägypter ab und deportierten ihn als Verräter an den Nil, wo er später starb.
Jojakim (608 – 598 v.Chr.) war zunächst ägyptischer Vasall, bis die Babylonier das Heer der Ägypter vernichtend schlug. Juda geriet unter babylonischer Kontrolle und nachdem Jojakim zunächst verhaftet wurde, schenkte ihm Babylon das Vertrauen als Vasallenkönig. Doch dieser schmiedete zusammen mit Ägypten Pläne gegen Babylon. Als die Zeit reif schien, verweigerte Jojakim Babylon den Tribut. König Nebukadnezar von Babylon schickte postwendend sein Heer gegen Juda und das geschmiedete Komplott mit Ägypten scheiterte. Jojakim wurde ermordete, vermutlich waren es Angehörige der Oberschicht, die mit seinem Tod Babylon milde stimmen wollten. Jojachin (597 v.Chr.) erwartete die babylonischen Truppen, die nach 3 Monaten Regentschaft vor den Toren Jerusalems standen. Auf ihrem Weg zerstörten, mordeten und plünderten sie das Land Juda. Sie setzten Jojachin ab und begannen mit der Deportation von Fachleuten und Beamten, und reihten judäische Soldaten in ihr Heer ein. Als neuen Regenten setzte Babylon Mattanja ein, den sie Zedekia (597 – 587 v. Chr.) nannten. Entgegen seinem Treueid zu Babylon schmiedete auch er mit Ägypten eine Allianz gegen die Großmacht. Nebukadnezar erfuhr (588 v. Chr.) davon und schickte sein Heer mit der Order Juda völlig zu vernichten. Der Prophet Hesikiel versuchte zu retten was zu retten war, bewirkt einen Zeitaufschub und versprach Juda zur Vernunft zu bringen. Der Prophet Jeremia dagegen, sah das unwiderrufliche Ende von Juda gekommen und betrachtete Babylon als ein strafendes Werkzeug Gottes.
Ein ägyptisches Heer eilte diesmal Jerusalem zu Hilfe, wurde jedoch vernichtend geschlagen. Da sich Jerusalem nicht ergab erfolgte die 1,5 jährige Belagerung. Hunger, Krankheit und Unruhen schwächten die Kampfkraft Jerusalems. Im August 587 v.Chr. war Jerusalem sturmreif und konnte erobert werden. Zedekia wurde gefangen genommen und vor seinen Augen wurden seine Söhne geköpft. Anschließend wurde er geblendet und nach Babylon gebracht. Wann er elendig starb, ist nicht überliefert. Nach einem wütenden Blutgericht in der Stadt, plünderten die Babylonier den Tempel und den Palast und brachten alle Wertsachen nach Babylon. Alle Prunkbauten, darunter auch der Tempel und der Königspalast wurden dem Erdboden gleichgemacht und die Stadtmauern niedergerissen. Etwa 5.000 Bewohner der Oberschicht (Beamte, Adlige, Herrscherfamilie, Priesterschaft, reiche Händler) wurden deportiert, dazu viele Handwerker und wehrfähige Männer wurden Soldaten und zahlreiche Menschen wurden versklavt. Die Anzahl der Verschleppten lag vermutlich bei weit über 25.000. Zurück blieb das einfach Volk und ein paar niedere Priester.
Biblisch gesehen wurde auch Juda für seine Sünden bestraft. Sie hatten Gott einen Tempel gebaut und ließen ihn bei sich wohnen. Aber das Land betete immer wieder Götzen an und ließ zu, dass man den Tempel mehrfach entweihte, deshalb wollte Gott auch nicht mehr dort wohnen und ließen die Babylonier ihn zerstören. Übrigens auch die Bundeslade verschwand in dieser Zeit (entweder im Tempel vernichtet oder vielleicht nach Ägypten verschleppt).    

Babylonisches  Exil ( 539 – zirka 515 v.Chr.)

In jener Zeit entstanden zwei geistige Zentren und eine dritte große Ansammlung bildete sich in Ägypten. Für die Entstehung der heiligen Schrift waren jedoch die Standorte Babylon und Juda entscheidend.

Babylon: Das Schicksal der Deportierten sah vermutlich sehr unterschiedlich aus. Nach heutiger historischer Sichtweise machten die Juden ihre Lager zu Siedlungen und lebten dort relativ frei, aber wurden im Bedarfsfall zur Zwangsarbeit herangeführt. Ähnlich, wie einst in Ägypten waren sie mehr Fronarbeiter als Sklaven. Sie konnten auch als Beamte oder Gelehrte in Babylon aufsteigen und es bildeten sich freie Strukturen im Handel und im Handwerk heraus. Viele machten Karriere beim Militär und es heißt, sie hätten ein erfolgreiches Geldleihsystem (Bankensystem) gegründet. Ebenso durften sie ihren Glauben weiter nachgehen. Akribisch versuchten die Priester die Zeit aufzuarbeiten (Priesterschrift) und in der Zusammenschau von Gegenwart und Vergangenheit schufen sie die neue Thora (5 Bücher Mose). Sie konkretisierten Gesetze und legten Regeln für das zukünftige Leben (Gottesdienst) fest. So wurden die Beschneidung (Penisvorhaut) und der Sabbat (Sonntag) für alle Gläubigen festgelegt. Der Prophet Hesikiel und das Pseudonymwerk Deutero-Jesaja, gab den Gläubigen die nötigen Antworten, damit sie zum Glauben an Gott wiederfanden. Mit dem deuteronomistischen Geschichtswerk verfassten sie eine historisch verklärte Sichtweise, um Gottes neuen Bund darzustellen.

Juda: Während der Invasion Babylons und nach der Eroberung Jerusalems flohen Tausende Menschen nach Ägypten. Nur ein paar versprengte Dörfer blieben übrig und ein paar niedere Priester (Leviten) versuchten zu überleben und arbeiteten ebenfalls die Ereignisse auf. Nach und nach kehrte das Volk Juda wieder zurück und bauten langsam Jerusalem wieder auf.

Rückkehr: Eine neue Macht bedrängte Babylon und 539 v.Chr. eroberte der Perserkönig Kyros II. das Reich. Der König erlaubte (Kyros-Edikt) den Juden die Rückkehr nach Juda in mehreren Wellen. In einer ersten Welle sollten Handwerker und Baumeister die zerstörte Stadt wieder aufbauen. In Jerusalem wurden sie aber nicht freundlich empfangen. Durch die Rückkehrer gab es erheblich Nahrungsprobleme und das friedliche gleichberechtigte Leben war damit auch in Gefahr.
Laut biblischer Schrift zogen letztendlich etwa 50.000 Menschen nach Judäa, doppelt so viele, wie deportiert worden waren. Darunter waren viele Kinder und vermeintliche Fremde, die in Juda ein neues Glück zu finden hofften. Es heißt auch, dass sehr viele Juden in Babylon blieben und dort jüdische Gemeinden gründeten.

In Jerusalem eskalierte die Lage und bei den Unruhen gab es höchstwahrscheinlich Tote. Die ehemalige Oberschicht machte dazu ihren Machtanspruch geltend, verschärfte zunächst die Situation, setzte aber dann eine stabile Ordnung durch. Im Grunde siedelte sich eine Mischbevölkerung in und um Jerusalem an. Lediglich die Oberschicht und die Priester konnten ihren jüdischen Ursprung nachweisen. Zu einem wesentlichen Kernpunkt wurde die Glaubensauffassung. Die Priester aus Babylon und die einheimischen Priester mussten eine gemeinsame Sichtweise finden. Es galt die Frage zu klären, ob Gott sie verlassen hat oder sie strafte und wenn, wofür?
In den biblischen Texten und in deren Lehre wurde im Prinzip ein Kerngedanke geprägt:
Gott hat seinem Volk das gelobte Land gegeben, aber sein Volk dankte es ihm nicht und wendete sich ab von ihm. Sein Volk hat seine Strafe selbst zu verantworten und soll nun demütig den rechten Weg finden. Wenn sich sein Volk als würdig erweist, wird Gott einen Messias (Gottessohn oder Ausgesuchter Gottes) schicken und sein Volk dafür belohnen.
In etwa dieser Leitlinie verständigten sich die Priester auf eine gemeinsame Glaubenssicht und Schriftgelehrte überarbeiten die Schriften. In den Glauben flossen zudem heidnische Vorstellungen ein, wie einem Leben nach dem Tod und dem Teufel, als Widersacher Gottes. Keine Einigung gab es über den Wiederaufbau des Tempels. Gegner argumentierten, dass Gott seinen Tempel absichtlich zerstören ließ, weil sein Volk aufgrund der Sünden nicht würdig sei, sich mit ihm zu schmücken. Sein Volk sollte sich erst einmal im Glauben beweisen.